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Autor: Kathrin Reitz Seite 1 von 12

Ich bin Kathrin Reitz, fast 58 Jahre alt, Dipl.-Psychologin und nebenberuflich leidenschaftliche Pilates-Trainerin, Autorin und Leserin. Mein derzeitiges Lieblingsmotto: „Lesen, ein Weg ins Leben!" von Manfred Hinrich

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 31. Januar 2021

Gerade habe ich mich an den PC gesetzt, um die Kolumne für den morgigen Sonntag zu schreiben. Meine Hunde haben sich beleidigt zurückgezogen. Die Eine, weil sie am Hangeweiher nicht die Böschung auf der Jagd nach Wühlmäusen umgraben durfte und der Andere, weil nach zehnmal Ball durch den Flur schmettern NACH dem Spaziergang für mich Schluss war. Er hätte problemlos noch ein halbes Stündchen weitermachen können…

Ich bereite diese kleine Kolumne meistens gedanklich vor oder notiere mir während der Woche Themen, über die ich gerne schreiben würde. Das war auch diesmal so, aber ich habe gerade ein tolles Interview mit dem TV-Arzt Eckart von Hirschhausen auf T-online.de entdeckt, aus dem ich ein paar Auszüge wiedergeben möchte.

Anschließend kann ich noch immer einen Gedanken aus der vergangenen Woche mit euch teilen …

Hier erst einmal Auszüge aus dem Interview zum Thema Corona-Impfung.

INTERVIEW: TV-Arzt Eckart von Hirschhausen „Ich bin erschüttert, wie hartnäckig sich viele Impfmythen halten“

Von Sandra Simonsen, 30.01.2021

….

„Wieso gibt es aus Ihrer Sicht so viele Impfgegner?:

Ich kann verstehen, dass Impfen ein sehr sensibles Thema ist. Viele Menschen mögen keine Spritzen. Da hatte es die Schluckimpfung auf einem Zuckerwürfel einfacher. Viele haben Angst, dass die Spritze ihre körperliche Integrität verletzt. Es geht uns buchstäblich etwas unter die Haut. Wir vergessen dabei aber, dass jeder Atemzug unsere körperliche Integrität verletzt.

Inwiefern?:

Wir atmen ständig Feinstaub, Krankheitserreger und jede Menge fremder Erbinformationen ein. Jedes Stück Fleisch und jedes Stück Gemüse enthält jede Menge DNA. Für unser Immunsystem ist es relativ egal, auf welchem Weg ein Erreger oder der Bauplan für einen Teil des Erregers – und genau das ist ja die Impfung – in Kontakt mit uns kommt. Für den Lymphknoten, in dem das Abwehrsystem ihre Zellen trainiert, ist es unerheblich, ob etwas im Blut, über die Lunge oder über den Oberarmmuskel angeliefert wurde. Deshalb macht die Impfung im Kern lediglich aus einem zufälligen Vorgang, dass jemand mir seine Aerosole zuhustet, einen gezielten, planbaren und sicheren Vorgang. Ich weiß, was mir lieber ist! Aber ich verstehe auch, dass Menschen Angst haben, wenn ihnen das so noch niemand erklärt hat.“

…Interessant, oder? Soweit zu den Auszügen. Wer das ganze Interview lesen möchte, kann auf t-online.de nachgucken.

Als Erklärungsversuch kann ich dem guten Doktor Hirschhausen allerdings nur folgendes mitteilen: Wir Aachener haben in der zurückliegenden Woche eine Warnung der Stadtwerke bekommen. Verdacht auf Coli Bakterien im Trinkwasser mit der Bitte, das Wasser abzukochen, bevor man es trinkt. Dazu waren klar und deutlich jene Stadtteile in Aachen Stadt notiert, für die diese Warnung galt. Was dann allerdings auf Facebook zu lesen waren, das war unbeschreiblich, das war erschütternd. Beim Lesen der dort gestellten Fragen habe ich mich gefühlt wie so ein alter Wackeldackel im Heck eines Nachkriegs-Automobils. Ich konnte kaum noch aufhören, den Kopf zu schütteln! Irgendwann schrieb ein Leser, der das wohl ganz ähnlich sah:

„Ich bekomme Angst, wenn ich diese Fragen hier lese!“

Ein Wackeldackel-Kollege. Keine Frage. Nicht nur, dass man jegliche Rechtschreibung oder Grammatik vermisste. Es ging um Ortsangaben, ja sogar um Straßennamen und andere Städte, die man wissen wollte. Gut 99ig % der Fragen waren komplett unnötig – vorausgesetzt, man war des Lesens mächtig. Wenn ich nun dieses Erlebnis nehme und in Relation zu der Frage von dem guten Doktor Hirschhausen setze, muss ich leider sagen: Erschüttert bin ich auch, aber über etwas anderes. Über die Lese- Rechtschreib- und Verständnisfähigkeit in diesem Lande. Da kann ich nur sagen: Bitte, macht die Schulen schnellstmöglich wieder auf und FÖRDERT die Kinder viel, viel, viel mehr als bisher. Schult sie darin, einfache Inhalte von Aussagen zu verstehen und bitte auch darin, Zusammenhänge zu begreifen, kritisch zu denken und überhaupt zu DENKEN!

Vielleicht sollte man auch einen neuen Vorschultest einführen. Auf Facebook. Für die Eltern. Einfache, knapp formulierte Fragen. Kein Multiple Choice, freie Antworten. Wäre für die Schulkarriere der Sprösslinge prognostisch sicher nicht uninteressant …Vielleicht sollten wir bei der Aussage das Arztes: “Viele haben Angst, dass die Spritze ihre körperliche Integrität verletzt. Es geht uns buchstäblich etwas unter die Haut“, auch nach der Häufigkeit von Tätowierungen unter Impfgegnern fragen … nur mal so eine Idee.

So, nun aber genug zu diesem Thema.

Zum Schluss noch eine kleine Wahrnehmungsübung zur Lockdown-Ablenkung: In der letzten Woche hat mich -auch auf Facebook, da passiert auch vieles, was nett oder lustig ist- ein Aufruf aus einer Gruppe meiner belgischen Freunde erreicht. Dort fragte eine Dame, wie denn die weiblichen Vornamen unserer Omas lauten würden. Sie fände es so schade, wenn die alten Namen in Vergessenheit geraten würden und bat darum, einfach nur die Vornamen aufzuschreiben. Nicht mehr, einfach nur die Namen.

Offenbar haben alle die Bitte beim ersten Lesen verstanden und tatsächlich nur die Namen aufgeschrieben. Und wisst ihr was? Das Lesen dieser Namen war schön. Die Klänge dieser verschnörkelt klingenden nostalgischen Namen haben meine Fantasie sofort angeregt und ganze innere Filme entstehen lassen. Ich habe natürlich auch mitgemacht und „Karla und Anni“ hingeschrieben. Getreu dem alten Therapeutenmotto: „Wenn du willst, dass dein Gegenüber an seinen Opa denkt, erzähl von deinem“ ist vor meinem inneren Auge ein großer Teil meiner Kindheit wieder auferstanden. Das Haus, der Garten, die „gute Stube“ und die Gesichter von Karla und Anni, ihre Persönlichkeiten mit all ihren Eigenarten tauchten auf und es duftete nach frisch gemähtem Gras, Erdbeermarmelade und warmem Apfelkuchen, ein bisschen auch nach 4711 … eine schöne Alltagspause war das, mit allen Sinnen … empfohlen zur Nachahmung.

Schöne sinnliche Woche noch und bleibt gesund!


Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 24. Januar 2021

Es ist immer noch Krise in der Welt. Psychologisch betrachtet erleben wir eine schwierige Zeit, jeder von uns ist irgendwie betroffen.Ich habe mich im Dschungel der Selbsthilfe-Angebote mal umgeschaut und nach möglichen neuen Methoden gesucht, die einfach in der Anwendung sind, schnell gehen, leicht erlernt werden können und im besten Fall noch amüsant sind. Ach ja; erfolgreich sollen sie natürlich auch noch sein, die neuen Psycho-Methoden.

Und wisst ihr was? Ich habe etwas gefunden:

WOOP.

Klingt lustig und erfüllt tatsächlich alle meine Anforderungen.

WOOP steht für wish – outcome – obstacle – plan, in unserer schönen Heimatsprache also für Wunsch, Ziel, Hindernis und Plan. WZHP, klingt leider nicht so gut. Bleiben wir doch lieber bei WOOP. Erfunden wurde WOOP von der Psychologie-Professorin Gabriele Oettingen. Sie hat erforscht, wie aus Motivation Handlungen werden können – und ein Werkzeug zur Wunscherfüllung entwickelt. Zuvor war ihr folgendes aufgefallen: „Obwohl positives Denken sich gut anfühlt, weckt es häufig falsche Hoffnungen und hat auch fast keine Auswirkungen auf das Ziel, das wir erreichen wollen. Das haben Studien ergeben. Eine WOOP Übung hilft, die Wünsche und die Realität besser zu kombinieren.“

Unsere Wünsche sind Spiegel unserer Bedürfnisse und zeigen uns, in welche Richtung unser Leben gehen soll. Dabei ist es egal, ob wir nun unsere Corona-Kilos abnehmen wollen, einen Marathon laufen möchten, das Rauchen aufgeben, Karriere machen oder den richtigen Lebenspartner finden wollen. Im besten Falle sollte unser Handeln in die Richtung dieses Ziels gehen. Nach Oettinger genügt es nun aber nicht, sich dieses Ziel so positiv wie möglich vorzustellen. „Wir müssen unseren Zielen unsere inneren Hindernisse entgegenstellen. Auf diesem Kontrast beruht meine Methode“, so die Expertin.

Es handelt sich dabei um eine bewusste Imaginationsübung, die uns helfen soll, unsere Wünsche zu erfüllen und Gewohnheiten zu ändern.

Und so geht das: Die Übung braucht 5 Minuten, in denen man sich aber gut konzentrieren sollte.

Schritt 1, Wish/Wunsch: Finden Sie einen Wunsch, der Ihnen am Herzen liegt und umsetzbar ist.

Schritt 2, Outcome/Ziel: Stellen Sie sich lebhaft vor, wie es ist, wenn der Wunsch erfüllt ist.

Schritt 3, Obstacle/Hindernis: Fragen Sie sich: Was in mir steht der Erfüllung im Weg? (Es könnte ein Gefühl sein, eine hindernde Überzeugung oder auch eine schlechte Angewohnheit). Das Hindernis stellen Sie sich dann bitte auch lebhaft vor.

Schritt 4, Plan: Sie überlegen: Was kann ich tun, um das Hindernis zu überwinden? Und dann machen Sie einen simplen Plan: Wenn jenes Hindernis auftritt, dann tue ich ….. an dieser Stelle setzen Sie dann die entsprechenden Schritte aus dem Plan ein.“

Leider können wir zwar damit nicht die derzeitige Pandemie weg-Woopen, aber wir könnten gewisse Aspekte unseres derzeitigen (Pandemie-bedingten) Verhaltens ändern …“ so sagt sie. Natürlich wollte ich das sofort ausprobieren und habe etwas sehr, sehr einfaches zum WOOP-Einstieg gewählt. In meinem Garten steht seit letztem Jahr ein kleiner Pfirsichbaum in einem Topf. Er ist in der Sommerhitze beinahe vertrocknet, hat sich dann aber durch liebevolle Zuwendung (mit äußerst schlechtem Gewissen meinerseits) erstaunlicherweise wieder bestens erholt und gut und gerne 20 köstliche kleine Früchte gehabt. Seit dem letzten Herbst (!) war es mein Ziel, die vertrocknete dürre Esche aus dem Beet zu nehmen und ihn dort einzupflanzen. Warum ich das noch nicht gemacht habe, weiß ich gar nicht. Aber ich habe manchmal solche Anfälle von „Aufschieberitis“, Prokrastination heißt die Krankheit in Psychodeutsch übrigens. Also los mit dem WOOP:

Schritt 1, Wunsch: Totholz-Esche aus dem Beet holen (ist ca. 3 Meter hoch, Stamm nicht dick, eher dürr), Pfirsichbaum einpflanzen.

Schritt 2, Ziel: Pfirsichbäumchen steht dankbar im Beet und die Gärtnerin freut sich – auch über die köstlichen Früchte. Kann ich mir sehr gut vorstellen!

Schritt 3, Hindernis: Interessanterweise habe ich ein paar alte Gedankenmuster entdeckt, die mir hauptsächlich von meinem Herrn Papa mit auf den Weg gegeben wurden und bei denen ich mich irgendwie klein gefühlt habe: „Kind, das kannst du nicht! Lass doch so einen Unsinn. Ruf doch jemanden an.“ Klar, er hatte Angst, dass das Kind sich verletzen könnte.

Schritt 4, Plan: Ich widme mich erst dem Totholzbaum, fange mit dem Abbrechen der trockenen Äste an. Dann rüttel ich an dem Stamm und schaue, wie fest die Wurzeln sind. Dabei sage ich mir: „Klar kann ich das! Wäre ja gelacht. Meinen Mann kann ich immer noch holen, wenn ich das nicht schaffen sollte.“ Der zweite Teil des Plans: Wenn ich den alten Baum da heute rausbekomme, pflanze ich morgen das Obst-Bäumchen ein.

Und was soll ich sagen: Ich habe ihn gerade aus dem Beet bekommen, den Totholzbaum. O.k., ganz alleine habe ich das nicht geschafft, denn mein kleiner Gartenhelfer, Cairn-Terrier Nicki, Spezialist für Klein-Holz, hat mich schon sehr unterstützt. Er liebt es, Äste zu zerkauen und war so süß bei der Arbeit, dass ich mir überlegt habe, ob wir zwei nicht zusammen eine NICK-Methode erfinden könnten … ich muss das nochmal in Ruhe überdenken.Also: Let`s WOOP it!

Schöne erfolgreiche Woche noch!

P.S.: WOOP steht für wish – outcome – obstacle – plan.Die Strategie basiert auf über 20 Jahren wissenschaftlicher Forschung und hat sich über verschiedene Altersgruppen und Lebensbereiche hinweg als wirksam erwiesen. In der wissenschaftlichen Literatur ist WOOP unter der Bezeichnung des Mentalen Kontrastierens mit Wenn-Dann-Plänen (englisch: Mental Contrasting with Implementation Intentions, MCII) bekannt.www.woopmylife.org

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 17. Januar 2021

Heutiger Titel:
Meine Freundin, die Außerirdische vom Planeten Zuckerschön aus der Honigstraße.

In diesen herausfordernden Zeiten gibt es immer wieder kleine, persönliche Lichtblicke für mich, die mir unendlich viel bedeuten, weil sie mir mit sofortiger Wirkung ein Lächeln auf die Lippen zaubern.
Dazu gehören die liebevollen kleinen Grüße „zwischendurch“ für und von meinen Freundinnen. Einige dieser Herzladys begleiten mich schon seit Jahrzehnten, seit wundervollen Ewigkeiten. Schönes und Leidvolles haben wir geteilt, geschont hat das Leben keine von uns.
Und trotz – oder gerade wegen- dieser so unterschiedlichen Erlebnisse haben wir es geschafft, zu unserer Kreativität zu finden. Jede von uns auf ganz eigene Weise.

Uber eine dieses besonders kreativen Freundinnen möchte ich heute erzählen. Sie heißt Carmen.
Wir haben uns vor ewig langer Zeit in Berlin kennengelernt. Wir reden vom Jahr 1984, denke ich. Da war sie auf einmal: Sie kam mit dem Gefühl in mein Leben gerauscht, als hätte ich meine kleine Schwester wieder getroffen. Optisch war das mehr als schlecht möglich, denn während ich eher Typ nebliges, kühles Sommersprossen Schotten-Hochland bin, ist sie eine sinnlich-temperamentvolle Sommersonnenblüte. Mit türkischen und spanischen Wurzeln und: Mit Berliner Akzent. Ein prachtvolles Wunderwesen voller Energie und Kreativität.

Während meines Studiums in Hamburg hat sie mich mehrfach besucht und trug Klamotten, die einfach Design sein mussten. Waren sie aber nicht.
Denn kreativ-Carmen kaufte im Billigladen und hatte ein Händchen für Accessoires, nähte edle Knöpfe von alten Chanel-Fummeln (Chanel – eine ihrer Inspirationen!!) vom Flohmarkt an diese Allerweltsteile und voila … der Fummel WAR Design.
Ich staunte und staunte. Ja, und staunte.
Das war Carmen.
Jahrzehnte später (wir schreiben mittlerweile das Jahr der sozialen Medien) entdeckte ich zufällig eine weitere, kreative Leidenschaft, von der mir dieses bescheidene Wesen NIEMALS etwas in unseren Telefonaten berichtet hat:
Bilder von Süßem, von Keks, Schokolade und Co.
Auf Instagram.
Sie hat ganz still ein kleines Label gegründet und stellt Süßwaren für den Privatbereich her, backt und verziert, bemalt in liebevollster und detail-verliebter Kleinstarbeit.
In eigener Handarbeit.

Sweet_Table_Rocks hat sie das genannt. Ihr müsst das angucken.

Nun wird aber der Begriff „Keks“ dem so gar nicht mehr gerecht, was da präsentiert wird. Es ist eher hammermäßige Backzauberkunst, die nicht mehr von dieser Welt erscheint.
Das will ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten, denn jedes Mal, wenn sie ein neues Foto ihrer süßen Glücklichkeiten postet, bin ich derart hingerissen, dass ich das jetzt hier und heute einfach teilen MUSS.
Schon ein einziges Foto von Carmen versüßt mir den Tag (im wahrsten Sinne des Wortes) – und so etwas in gerade diesen Zeiten ist ein süßer Seelenmoment, den ich auch anderen Menschen von Herzen gönne.
Süße Esszauberkunst.

Für einen Moment tauche ich dann wirklich ein in ihren Kosmos aus Glücklichkeiten, Süßem und wunderhübschem Zuckerzauber.
Und vergesse #TrumpwillnichtgehenCoronaLockdownverlängerung. Komplett.
Als ich am Donnerstag dieser Woche frühmorgens von einem Arzttermin heimgekehrt war (draußen graues Nieselwetter, die Nachrichtenlage meldete mal wieder Rekordzahlen von an oder mit Corona verstorbenen Menschen und die Politik drohte mit einem Lockdown bis Ostern und/oder mit Gockel-haften, Pfauenrad-schlagenden Kanzlerkandidaten, deren weitergehende Kompetenz nicht zu erkennen ist), hatte meine Laune schon die Höhe des schmutzig gefrorenen Bodens erreicht, ehe ich den ersten Kaffee getrunken hatte.

Dann kam die Wende.
Ich warf einen kurzen, noch missmutigen Blick in meinen Instagram Account. Carmen hatte eine neues Foto eingestellt. Und was passierte? Sofortige Köstlichkeiten-Betrachtungs-Trance.
Haaarrrg … so süß:
Ein weißes KEKS-Blumenwägelchen mit Chanelzeichen auf dem Rad, Zuckerblumen in Rosa und Grün …. Zum NIEDERKNIEN!!!!
Darunter hat sie geschrieben: „Das passiert, wenn ich nachts nicht schlafen kann und vom Frühling träume …“
Darauf habe ich geantwortet: „CARMEN … das ist der Beweise!! Du bist eine Außerirdische vom Planeten Zuckerschön aus der Honigstraße, die ganz im Verborgenen gleich hinter der Milchstraße liegt. Kein Mensch kann so etwas schönes BACKEN. Ich habe dich überführt! Zum Planeten Zuckerschön fliegt deine Seele jede Nacht, wenn du nicht schlafen kannst. So muss es sein!“
Es gibt noch eine Chanel-KEKS-Cruise Collection mit Jäckchen, Hose, Schuhen … das ist so unfassbar schön, dass mir beinahe die Worte fehlen. Aber eben nur beinahe …

Bitte, du süße „außerirdische“ Freundin, höre niemals auf, mein Leben zu bereichern. Wenn es nur irgendwie geht, schlaf am Nachmittag und nicht in der Nacht, denn dann musst du wieder ins All reisen und mit neuen Ideen zurückkehren, die uns glücklich machen. Deine schier überschäumende, süße Kreativität macht einfach glücklich – beim staunenden Gucken UND beim verzückten Genießen, denn ich hatte ja schon einmal die Ehre, mich durch ein Paket voller Glücklichkeiten futtern zu dürfen.
Träum was Schönes, ja?
Und grüß die Sterne von uns allen. Mein Kosmos liegt übrigens weiter links, kurz bevor du abbiegst in die Honigstraße. Es ist der große Buchstabennebel mit den spiralförmigen Satzschleifen. Worthimmelmond ist der Name meines Planeten … vielleicht treffen wir uns ja heute Nacht. Wenn wir beide zu unseren Sternen fliegen … ganz heimlich aber voller kreativer Glücklichkeit – in Wort und KEKS.
Danke für das, was du bist und tust!

Eine schöne und kreative Woche voller Träume noch!

P.S.: @sweet-table-rocks

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 10. Januar 2021

Mein Weihnachtsurlaub ist zu Ende, das Neue Jahr wurde gemütlich und ruhig begrüßt, ich fühle mich erholt und gestärkt. Nun bin ich wieder zuhause. Am Samstag zurückgekehrt aus einer ruhigen Welt am Meer, die einerseits trotz Regen und Wind ganz herrlich war und uns und den Hunden schöne einsame Strandspaziergänge ermöglicht hat, die aber auch traurig stimmte wegen all der geschlossenen Restaurants und Cafés. Dort, wo sonst das unbeschwerte, fröhlich bunte, „normale“ Leben tobt, herrscht jetzt Stille. Es ist nicht diese ruhige Winterruhe der vergangenen Jahre. Es ist eine Ruhe voller Sorge und Angst. Die Welt ist spürbar eine andere geworden in den letzten Monaten und die Nachrichten mag ich eigentlich schon gar nicht mehr schauen. Dabei mag ich Veränderungen generell, empfinde sie als „Impulsgeber“, die uns zwingen, unsere Komfortzone ein bisschen auszudehnen. Gegen Herausforderungen habe ich auch nichts. Es muss nur eines stimmen: Man muss in sich selbst genügend Ressourcen finden, um den Mut zu haben, anzufangen – und am besten findet man dann im Außen auch noch Freunde, Gleichgesinnte, die mit anpacken. Wie sehr die menschliche Welt in diesen Wochen und Monaten allerdings auseinanderdriftet, macht mich traurig und sprachlos. Egoismus, Ausbeutung, Krieg und Tod. Im Augenblick ist es mir allerdings ein bisschen zu viel des „un-Guten“. Vor einem Jahr, als das Corona Virus seinen Zug um die Welt angetreten hat, war das alles noch nicht absehbar, zu ahnen vielleicht schon. Heute wissen wir es besser, aber wir machen es nicht besser.

Persönlich habe ich vor einem Jahr eine „Frauenentscheidung“ getroffen, wie sie so typisch ist für die Zeit nach den Wechseljahren: Meine Haare sollten in natürlichem Grau wachsen dürfen. Kein Herbstrot mehr. Ich hatte mich dazu entschieden, weil ich die Färberei irgendwie satthatte und der Scheitel während des ersten Lockdowns anzeigte, wie meine Haar-Natur aussah. Authentisch grau. Fand ich gar nicht mal so schlecht. Corona bzw. der Lockdown, war also nur ein Stupser in eine Richtung, in die ich eh wollte, spätestens in zwei Jahren, wenn ich 60 werde. Nun sind sie grau, meine Haare, so wie ich das gewollt habe – und trotzdem hat diese an sich unwichtige Tatsche bei mir eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema Alter angetriggert. Graue Haare stehen für „das reife Alter“, für „Alt sein“.

Ob das nun „in“ ist oder nicht, es ist eine Tatsache. Zu altern, heißt, gewissen Prozesse zu akzeptieren. All das hat mich nachdenklich gemacht. Anders als früher, die Gedanken bekamen quasi eine andere „Tönung“. Es gibt tausend gute Gründe, die für eine Akzeptanz des Alters sprechen, die uns wissen lassen, dass es großartig ist, überhaupt so alt werden zu dürfen usw. Ich kenne die alle und kann ihnen größtenteils auch zustimmen. Nur nicht immer. Vorgestern habe ich am menschenleeren Strand die kleine weiße Hundefreundin unserer Hunde getroffen. Sie kam auf einmal überraschenderweise zu uns geflitzt und hat ihre Freunde begrüßt, lange bevor irgendwann das Frauchen zu sehen war. Gemeinsam sind wir lange und genüsslich am Strand spaziert, mit drei freilaufenden, spielenden Hunden. Wir Frauen hatten ein sehr schönes, inniges Gespräch über das Alter. Sie, die sie in diesem Jahr 65 Jahre alt wird, allerdings um Jahre jünger wirkt, klagte über die lästigen Pfunde, die nicht erst seit dem Lockdown so gemütlich auf den Hüften hängen, über die geringere Belastbarkeit und die normalen Alltagsmühen, die das halt so mit sich bringt. Und ich über die Vergesslichkeit, die zunehmende Brillenstärke und die Rückenschmerzen, die ich immer mal wieder habe. Alles Themen, die das Meer ertragen musste, an diesem nieseligen Tag. Viel gelacht haben wir und uns noch mehr an den Hunden gefreut. Bis jede wieder ihrer Wege gegangen ist. Schön war das. Verbunden. Durch die Lebensphase und die Hundefreundschaft.

Auf der Autobahn am Samstag, zurück vom Meer nach Aachen, hatte ich zeitweise unfassbar dicken Nebel. Grau in Grau. Die Umgebung hat sich nicht vom Himmel, der Erde oder Fahrbahn unterschieden. Alles floss ineinander. Pure Melancholie lag in dieser Einheitswelt. Und die passte zu meiner Gefühlswelt. Ein bisschen melancholisch, traurig, wehmütig vielleicht, wie so oft beim Abschied vom Meer. An diesem Januartag aber auch mit Blick auf das vor uns liegende Jahr. Was wohl kommen wird, in diesem Jahr, in dem wir alle wieder ein bisschen älter, „reifer“ werden, wenn wir Glück haben … Vorfreude? Vielleicht, aber sehr verhalten. Ein bisschen, ja. Verborgen im Nebel.

Grau in Grau. Der Nebel. Das Alter. Die grauen Haare. Es macht etwas mit Einem, wenn man eine solch radikale Typveränderung durchläuft. Das Äußere wird stiller – ich genieße das. Der Blick auf die Welt und das Leben ändert sich. Auch eine längere Phase mehr oder weniger erzwungener Ruhe verändert die Wahrnehmung im Innen und Außen. Genau das ist die Chance darin. Denn in Zeiten des Rückzugs, der inneren Einkehr, kann man auch mal Gedanken zulassen, die das laute Getöse des bunten Alltags normalerweise erstickt. Ich mag das, dieses „zur Ruhe kommen“, wurde mit Beginn des Lockdowns light Ende Oktober letzten Jahres allerdings ein bisschen brutal dazu gezwungen – und wieder war es dieses Virus. Corona positiv. Zack. Voll ausgebremst aus fittem, körperlichem Zustand, raufgeschmissen auf das Sofa. Aber es hätte noch viel schlimmer kommen können. Die Krankheitsphase an sich muss man einfach durchstehen, das gilt wohl für jede Krankheit. Danach, wenn man den Kopf wieder ein bisschen frei hat und klarer denken kann, der Körper wieder ein bisschen heiler ist, dann kommen oft die Einsichten. Bei mir ist das jedenfalls so. Es fühlt sich an, als würde meine Seele in der Krankheit irgendwelche Ideen empfangen, die wie Erde Blumensamen aufnimmt. Jede Saat – sei sie nun irdisch oder mental – geht später auf. Sie braucht erst einmal ein bisschen, um sich zu entwickeln. Meistens kommt etwas Schönes dabei raus, etwas zum Lachen, zum Spaß haben mit ein paar Flausen gespickt und viel Lebensfreude, die ich spüren möchte. Alleine, zu zweit und mit anderen Menschen. Privat und im Beruf. Am liebsten immer.

Wenn die mentalen Samen Früchte tragen, ist man immer ein bisschen anders als vorher. Eine Andere. Und das ist gut so. Denn wir können nicht stehenbleiben. Die Welt verändert sich, wir verändern uns, wir verändern die Welt – und ich wünsche mir von dieser Zeit, dass wir Anfang des kommenden Jahres sagen können: War nicht einfach, aber es hat sich gelohnt. Wir haben die Herausforderungen angenommen und uns verändert, die Welt verändert. Zum Besseren. Ein Wunsch? Realität? Mal sehen, welche Saat aufgehen wird. Schöne Winterwoche noch und bleibt gesund.

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 3. Januar 2021

Happy Birthday, liebes Neues Jahr 2021 … ich wünsche uns, deinen Gästen, eine gute Zeit mit dir!

Das vergangenen Jahr 2020 hat uns ganz schön durchgeschüttelt. Jetzt bist du an der Reihe und ich muss zugeben, dass ich deine Einladung ein wenig ernster, zögerlicher und vorsichtiger angenommen habe als die zum letzten Jahreswechsel. Diese Einladung konnte ich aber auch nicht ausschlagen, das geht nicht. Ihr Jahre beginnt einfach, sterbt Ende Dezember und damit wird Anfang Januar auch gleich ein neues Jahr geboren.

Eines geht und eines kommt.

Und während unseres Lebens sind wir sind die Gäste in dieser Zeit, das vergessen wir immer. 2021, du hast mit weniger Getöse begonnen als das alte Jahr. Es gab weniger Feuerwerk, aber trotzdem enormes Leid durch diese Tradition. Wie immer. Tote und verletzte Menschen, 700 entlaufene Hunde allein in Deutschland, hunderte toter Vögel in Rom. Schade.

Ich dachte, wir Gäste hätten das besser machen können.

Aber er gibt immer solche, die unbelehrbar sind und die die Party crashen. Koste es was wolle es. Lichtvolle Menschen haben das nicht nötig, glaube ich. Deren inneres Licht ersetzt jedes Feuerwerk. Wo aber Dunkelheit in den Seelen herrscht, muss es im Außen laut, krachend, knallend und mordend zugehen. Das bunte Draußen lenkt ab von der inneren Einsamkeit und Finsternis. Wenn man innerlich friert, stört es einen wahrscheinlich nicht, wenn das eigene kurze „Mords-Vergnügen“ so viel Leid bringt.

Persönlich würde ich mir eine neue Metapher und eine andere Art des Feierns für den Beginn eines Jahres wünschen. Diese hier:

„Der Anfang großer Ereignisse ist -wie der Anfang großer Flüsse- oft unscheinbar und klein.“ (Jonathan Swift).Ist das nicht ein schönes Bild? Wenn ein Fluss ins Leben kommt, plätschert seine Quelle zwar klein, aber voller sprudelnder Lebensfreude. Kaum sichtbar und doch prallvoll mit positiver Energie. Zart noch, aber mit allem ausgestattet, was es braucht, um sich zu entwickeln.

Sollen wir nicht mal so anfangen? Zart, klein, vorsichtig? Ein bisschen bescheidener? Rücksichtsvoller für alles, was lebt? Und im Laufe des Jahres durch unser Handeln was Großes schaffen?

Also ich fänd das gut … was meint ihr?

Schöne erste Jahreswoche 2021 noch. Lassen wir uns doch Zeit, aus diesem Jahr etwas Schönes zu schaffen. Gemeinsam …


Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 27. Dezember 2020

So. Da wären wir. Am Ende eines denkwürdigen Jahres. 2020 – das war ein plötzlicher, teilweise dramatischer und ausgesprochen leidvoller Riesen-Schups aus der Komfortzone, in der wir Menschen uns so gemütlich eingerichtet hatten. Schneller, höher, schöner, teurer, weiter – viele dachten, dass dieser Trend für immer so weiter geht. Die gequälte Natur hat uns eines Besseren belehrt durch dieses Virus, das wohl nur deshalb entstanden ist, weil wir den Tieren zu nahegekommen sind. So etwas funktioniert sehr gut in China, wo alles sein Anfang genommen hat. Kein Wunder. Dort essen sie alles, was lebt und Fleisch wird angeblich nur dann so richtig zart, wenn das Tier ordentlich gequält wurde, vor seinem Tod.

Verabscheuenswürdig sagt die Menschlichkeit.

Zoonosen, sagen die Wissenschaftler.

Bitte Karma komm schnell, sage ich. Aber leider hat das Virus alle getroffen, nicht nur die, die uns diese miese Suppe eingebrockt haben. Unsere Welt ist ver-rückt worden. Und unsere Aufgabe ist es nun, sie in mühevoller Kleinarbeit wieder gerade zu rücken, diese Welt. Um solch eine gewaltige Aufgabe stemmen zu können, ist jeder gefragt. Getreu dem Motto: „Wenn du kleine Läden möchtest, geh dort einkaufen und nicht im Internet.“ Simpel. Oder? Wir müssen was es nur TUN! Was leicht klingt, ist in Wahrheit eine Revolution. Eine, die uns aus unseren eingefahrenen Mustern zwingt. Viele stellen angesichts des drohenden Verlustes der Aufgabe der eigenen Gewohnheitsgemütlichkeit fest, dass sie das nicht wollen. Da gibt es Gemaule wie: „Ich will mein altes Leben zurück“, „Ich will keine Maske tragen, das musste ich früher auch nicht“, „Ich will wieder shoppen“, „Ich will billige Klamotten tragen und Fleisch essen will ich auch, darf nur nicht teuer sein“ usw. Schon klar. Leider aber gilt: Veränderung ist ohne Verlust nicht zu haben. Wir dürfen uns fragen: Worauf kann ich verzichten? Und worauf nicht? Klar, wir können angesichts des Zustandes unserer Welt weiter wegschauen und unsere Musik spielen, wie einst die Musiker auf der sinkenden Titanic. Volle Kraft voraus in die Katastrophe, die wir den kommenden Generationen damit präsentieren. Aber Hauptsache wir haben volle Tüten mit Billigklamotten und Schweineschnitzel für einen „Mords-Preis“ gehabt. Warum sollten wir etwas verändern? Weil es um uns, unser Leben und unsere schöne Welt. Das Leben ist eine atemberaubende Reise, aber wir haben ein bisschen aus dem Blick verloren, worum es geht, bei dieser Reise: Es geht um alle Lebewesen. Die Mitmenschen, die Tiere und die Pflanzen UND die Natur. Ich habe neulich eine wunderbare Aussage gelesen:

„Lebe ein gutes Leben. Vom dieser Erinnerung kannst du noch zehren, wenn du alt geworden bist und dich zufrieden daran erfreuen darfst. Ein gutes Leben lebst du praktisch zweimal. Ein schlechtes lebst du nur einmal, aber es wird dich auf ewig quälen. Deine Entscheidung.“

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen schönen Jahreswechsel und ein gesundes, friedvolles und schönes 2021.

Lasst uns unsere Welt gemeinsam wieder zurecht-rücken damit ver-rücktes in eine neue Ordnung finden darf, in der es uns allen sogar noch besser geht als vorher. Anders besser. Wir schaffen das.

Ich wünsche eine schöne, vielleicht besinnliche letzte Woche in diesem Jahr 2020.

Wir lesen uns nächstes Jahr wieder, wenn ihr mögt.

An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei all jenen bedanken, die fleißig meine Kolumne gelesen und kommentiert haben. Ich danke euch sehr dafür, denn ich seid die Motivation fürs Kolumnen-Schreiben. Wenn ihr lest, was ich geschrieben habe, ist das ein Stück „gemeinsam -Sein“, nur am jeweiligen Ende des Computers. Tausend Dank dafür.

Guten Rutsch und ein frohes Jahr 2021

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 20.Dezember 2020

Am 7. Dezember hatte ich einen wirklich schönen Vor-Weihnachtsmoment. Den habe ich beschrieben und auch schon gepostet. In der vergangenen Woche hat mich ein kleiner Weihnachtswunsch erreicht, der mich sehr berührt hat. Er kam von einer allein- erziehenden Mama, die ein „besonderes“ Kind hat. Sie hat mich ganz vorsichtig gebeten, meinen speziellen Vor-Weihnachtsmoment noch einmal zu posten. Wenn es denn möglich sei, für ihre Tochter, denn die liebt Hunde, möchte aber nicht erwähnt werden. Als kleine Widmung, als Geschenk und als Dankeschön, dass sie in der schwierigen Zeit so lieb gewesen sei …

Dieser Bitte komme ich natürlich herzlich gerne nach. Hier also für dich, E., du besonderes kleines Mädchen mit dem großen Herzen für Hunde:

Weihnachtsmoment mit Hund und Maske

Gerade habe ich eine kleine Hunderunde um den Aachener Hangeweiher gedreht. Das mache ich am Mittag schonmal öfter. Morgens gibt es immer einen Waldspaziergang mit Herrchen, mittags den Schnuppergang mit mir. Auf der großen Wiese nahe dem Gasthaus angekommen sah ich aus den Augenwinkeln eine Gruppe junger Leute, die alle besonders waren. Man sagt wohl, Menschen mit Behinderung. Alle gingen sie in der Gruppe, alle trugen sie ihre Masken. Als wir in Sichtweise waren, löste sich der größte von ihnen, begann mit den Händen zu wedeln und rief aufgeregt, ob er „Ei“ machen dürfe bei den Hunden. Er war sicher 1,80 cm groß und ca. 16 Jahre. Und in mir hat er schon etwas angerührt. Schneller Blick zu den Betreuern, okay. Nun sind meine Hunde nicht nur erfahrene Therapieprofis – Flika ist mit ihrem einen Äuglein selbst ein Tier mit Besonderheit. Solche Seelchen scheinen sich magisch anzuziehen. Sie wollte unbedingt zu der Gruppe. Nicki fand das auch interessant, war sofort mit dabei. Meine Warnung wegen schmutziger Pfoten wurde vollkommen ignoriert, diese wunderbaren jungen Leute beugten sich alle vor, um an die Hunde zu kommen und sie zu streicheln. Und alle wollten sie wissen, warum denn Flika nur ein Auge hat. Ich erzählte ihnen, dass sie aus Rumänien kommt und misshandelt wurde. Sofort meinten sie alle laut und durcheinander, Menschen die Tiere nicht gut behandeln, seien keine guten Menschen. Die würden sie aber nicht mögen! Ich muss ehrlich sagen, dass mir an dieser Stelle das Wasser schon gefährlich nahe in die Augen trat. Als einer der kleineren Jungs sich nun tatsächlich hinkniete und wortlos beide Arme ausstreckte, sah Flika ihn mit ihrem einen Äugelein einen Augenblick an und machte einen kleinen Hüpfer. Zack lagen beide Vorderbeine auf seinen Schultern. Das Strahlen dieser Augen über die Maske hinweg war schon mehr als ein Geschenk. Selten habe ich in zwei so glückliche Augen geschaut, wie in diesem Moment. Als er mit leicht verwaschener Sprache auch noch meinte „Das ist wie Weihnachten jetzt gerade“, habe ich eine Träne verdrückt. Zwanzig Hände reichten noch Leckerchen herum und dann zogen sie weiter. Diese besonderen Seelen, die alle das Herz am richtigen Fleck haben. Danke Euch allen … Was für ein schöner Weihnachtsmoment.

Und nun leuchten hoffentlich noch zwei Kinderaugen mehr als an diesem Tag. Schön, dass es euch Kinder mit den großen Herzen für die Tiere gibt! Wir „Großen“ können oft noch ganz viel lernen -von den „Kleinen“, und am meisten wohl von den „ganz besonderen“ Kindern. Danke an Euch und auch an alle allein-erziehenden Mama-Engel, die sich gerade in diesen Zeiten einer enormen Aufgabe stellen müssen. Ihr seid wunderbare Wesen und es ist nicht hoch genug zu schätzen, was ihr leistet.

Ich wünsche Allen eine schöne Weihnachtswoche. Passt auf einander auf..

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 13. Dezember 2020

Weihnachten steht vor der Tür. Der zweite Lock-down auch. Was ist so schlimm daran? Es sind bald Feiertage, freie Zeit und vielleicht tut es dem ein oder anderen auch mal ganz gut, ein bisschen „besinnlichere“ Weihnacht zu feiern als für gewöhnlich, mit weniger Gästen, weniger Geschenken und weniger Stress. Feiern wir doch stattdessen das Leben. Es steht nämlich noch jemand vor der Tür. Ein Gast, den niemand will und der meistens unangekündigt kommt: Der Tod.

Gestern habe ich im Internet gelesen, dass diejenigen, die sich in diesen Tagen mit dem Virus anstecken, die sein werden, die zu Weihnachten sterben, wenn es zu schlimmen Verläufen kommen sollte. Gruselig, oder? Da kann man sich natürlich fragen, was denn nun wichtiger ist: Fette Geschenke, überbordender Konsum, die kross gebratene Weihnachts-Tierleiche auf dem Tisch und überhaupt viel zu viel zu essen … oder das Leben an sich.

Vielleicht scheint es unpassend, sich in einer Kolumne wie dieser mit einem so „schweren Thema“ zu beschäftigen wie dem Tod, aber ich finde, er gehört dazu. Der Tod gehört zum Leben wie die Geburt. Während ich diesen nieselig trüben Nachmittag zum Schreiben meines Textes nutze und es mir mit einer Tasse Tee gemütlich mache, ist mein Mann gerade unterwegs zum Altenheim. Er fährt zur Sterbebegleitung von zwei alten Menschen, die ihr Leben hinter sich haben und die nun mehr oder weniger auf dem Weg sind, diese Welt zu verlassen. Ein bisschen hängen sie noch zwischen den Welten, sind noch ein bisschen hier und schon ein wenig drüben, hinter der Tür, die aus dem Diesseits führt. Die 100jährige Dame, die er betreut, freut sich noch immer richtig dolle über den Kaffee, den er ihr gibt. Dann aber taucht sie wieder ab in ihre Zwischenwelt. Und der alte Herr schätzt Gespräche. Solche ohne Scham, Angst und falsche Hoffnung oder die Tränen der Angehörigen, die ihn doch so gerne noch behalten möchten, im Leben. Gespräche über den Tod. Die kann er in aller Ruhe mit meinem Mann führen. Ich finde es großartig, dass er das tut, dass er sich hat ausbilden lassen in der Sterbebegleitung. Das ist sicher kein Weg für jeden von uns, denn das Sterben hat viele Gesichter. Im Rahmen meiner eigenen beruflichen Tätigkeit bin ich damit ebenso konfrontiert worden wie im Privaten. Manchmal war es grausam, unbegreiflich, schockierend oder auch liebevoll, versöhnlich, gütig, erfüllend und bereichernd. Berührt hat es mich immer. Jedes Mal wieder, immer aufs Neue.

Sterben als würdevoller Prozess kann eine tiefe, einzigartige Schönheit entfalten – oder uns seine hässlichste Fratze zeigen.

Und die wollen wir nicht sehen, wenn wir Menschen an Beatmungsschläuchen in kühlen Betten auf Intensivstationen sehen, die alleine sterben, weil sie ansteckend sind. Isoliert. Schnell wegklicken. Im Internet geht so etwas. Im Leben nicht. Es muss uns einfach klar sein: Das, was wir mit unserem Handeln anrichten, bleibt. In uns und in den Kammern unserer Seelen. Es macht etwas mit uns. Für immer. Das ist in beruflichen Entscheidungen so, in Beziehungen und auch, wenn es um den Tod geht. Als ich Anfang November begriffen habe, dass mich dieses Corona-Virus erwischt hatte, war mein erster Gedanke „Oh Gott, wen könntest du angesteckt haben?“. Der Test brachte schnell Klarheit, für mich und für mein Umfeld. Ich hatte meinen Mann und zwei Teilnehmer aus meinem letzten Pilateskurs vor dem „Lockdown light“ angesteckt, obwohl wir auf alle Hygienevorschriften geachtet hatten. Es war und ist ein ekelhaftes Gefühl. Da kann man dann versuchen, sich selber etwas schön zu reden … „ich wusste das nicht“, „vielleicht war ich das ja doch nicht“, „hatte ja selber noch keine Symptome“ usw. Fakt ist, drei Menschen in meinem Umfeld sind krank geworden. Durch mich. Das war einfach belastend. Ich möchte mir nun wirklich nicht vorstellen, wie es sein muss, sagen zu müssen: Da sind Menschen gestorben. Durch mich.

Das ist eine Lebenslast, die ich nicht tragen möchte. Also übernehme ich Verantwortung und versuche auch jetzt, andere zu schützen. Ganz ehrlich? Was wiegt da schon ein etwas anderes Weihnachtsfest als alle die, die wir schon gefeiert haben? Feste kann man ohne Probleme nachfeiern, aber wenn ein Mensch von dieser Erde geht, ist er in seiner Gestalt verschwunden. Dann ist alles, was wir noch haben, die Berührung mit seiner Seele und schöne Erinnerungen … hoffentlich. Denn wer will sich schon ein Leben lang an die Schuld erinnern, diesen geliebten Menschen durch den eigenen Egoismus zu früh aus dem Leben geschupst zu haben? Also ich kann aus diesem Grund auf Besuche, Theater und Konzerte, Feiern und geselliges Beisammensein verzichten. So sehr wie ich das vermisse, denn ich liebe all das wirklich. Aber ich liebe auch die Menschen, mit denen ich zusammen bin.

Und ich wünsche allen, dass sie nicht vor ihrer Zeit gehen müssen.

Schöne Woche noch … und feiert das Leben!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 29.November 2020

1. Advent

So, da wären wir schon wieder in der Weihnachtszeit. Der erste Advent steht an, kaum dass der Black Friday über uns hinweg gerollt ist. Wir wollen den Planeten retten, aber auf Konsum nicht verzichten. Wir rücken den Wildtieren immer weiter auf die Pelle, riskieren damit Zoonosen und in der Folge virale Pandemien, die unsere Welt überziehen wie todbringende Wolken, aber bitte. Konsum soll sein. Alle Jahre wieder.

Dieses Jahr wird es allerdings im Advent -und erst recht zur Weihnachtszeit- in jedem Fall anders als sonst: Komplizierter. Dabei ist der Grundgedanke irgendwie ein anderer …

Hier ein paar „Wissens-Splitter“ zum Advent:

Advent (lateinisch adventus „Ankunft“), eigentlich adventus Domini (lat. für Ankunft des Herrn), bezeichnet die Jahreszeit, in der die Christenheit sich auf das Fest der Geburt Jesu Christi, Weihnachten, vorbereitet. Die Adventszeit war anfangs – möglicherweise ab der Mitte des 4. Jahrhunderts – eine Fastenzeit, die die Alte Kirche auf die Tage zwischen dem Martinstag (11. November) und dem ursprünglichen Termin festlegte, an dem die Geburt Jesu gefeiert wurde, dem Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar. Die Adventszeit in der vierwöchigen Form mit Bezug auf Weihnachten geht auf das 7. Jahrhundert zurück. Sie wurde tempus ante natale Domini („Zeit vor der Geburt des Herrn“) oder tempus adventūs Domini („Zeit der Ankunft des Herrn“) genannt. Papst Gregor der Große legte die Zahl der Sonntage im Advent für die Westkirche auf vier fest. Die vier Sonntage standen symbolisch für die viertausend Jahre, die die Menschen gemäß damaliger Auffassung nach dem Sündenfall auf den Erlöser warten mussten.

UND – hier kommt ein ganz aktueller Bezug: Die Adventszeit galt wie die Fastenzeit vor Ostern seit dem Mittelalter bis in die Jetztzeit als „geschlossene Zeit“. In geschlossenen Zeiten durfte nicht getanzt und aufwändig gefeiert werden. Auch feierliche Trauungen durften in geschlossenen Zeiten nicht stattfinden, stille Trauungen dagegen schon. Seit 1917 wird das Adventsfasten vom katholischen Kirchenrecht nicht mehr verlangt.

Heute können wir (leider) ergänzen: Im Jahre 2020 ist die Adventzeit mehr oder weniger wohl wieder eine „geschlossene Zeit“. Das hat weniger mit Kirchenrecht zu tun, mit Nächstenliebe wohl schon eher. Denn es wird eine ziemlich emotional-moralische Entscheidung, die wir zu Weihnachten 2020 treffen müssen. Wen sehen wir wann? Und wen vielleicht besser nicht? Jede und jeder Einzelne von uns muss mit dem, was an den Festtagen, danach und auch zu Sylvester geschieht leben. Mit ALLEN Konsequenzen, die durch das eigene Handeln verursacht werden. Die Wissenschaftler und Politiker können sich nicht einigen, das liegt wohl in der Sache selbst begründet. Wir aber müssen das. Wir müssen Entscheidungen treffen, uns einigen und uns festlegen. Ich glaube, dass das bei realistischem Menschenverstand auch gar nicht so schwer ist. Denn was ich lieb habe, das schütze ich. Immer.

Auch im Advent – und auch, wenn der in diesem Jahr mit „Kontakt-Fasten“ beginnt.

Ich wünsche Euch einen schönen ersten Advent. Wie auch immer.

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 22.November 2020

So, jetzt dürfen wir offiziell und virenfrei wieder raus. Corona ist überstanden und wir setzen unsere Füße wieder zurück ins Leben, das geht mal schwankend, mal zügig und dann wieder ein bisschen langsamer, aber so ist es.

Etwas anderes ist viel schlimmer: Es ist schon hart, wenn du rauskommst, die Kürbisse gerade verdaut hast und dann ist auf einmal Weihnachten. Advent-Gestecke an den Blumenläden. Die haben sie doch nicht mehr alle! Viel zu früh, in diesem Jahr.

Dachten wir.

Bis wir festgestellt haben, dass uns mal eben schlappe drei Wochen fehlen. Das wirft zurück, kann ich euch sagen. Ich habe noch nicht mal 4 adventlich-geeignete Kerzen irgendwo rumliegen, die ich auf ein Tellerchen stellen und mit Lametta bewerfen könnte.

2020 sieht nach Teelicht-Weihnacht aus. XXS -Xmas light, sozusagen. Passend zum Lockdown light. Jetzt, wo ich wieder unterwegs sein darf und Einkaufen kann, muss ich da wohl dringend etwas unternehmen und hübsche Kerzen besorgen. Allerdings habe ich bei meinen ersten „Ausgängen“ nach der Quarantäne so ein wildes, unbändiges Freiheitsgefühl gehabt – und musste feststellen: Corona hat was mit mir gemacht.

So eine Ruhezeit -und auch ein Lockdown- haben die Qualität einer Lebens-Steinschleuder. Ganz langsam entwickelt die erzwungene Ruhe ihre eigene Kraft, zieht das innere Geduldsfädchen immer weiter an … bis es nicht mehr weitergeht! Dann will die Seele einfach wieder vorwärts schießen, raus, umarmen, Freunde treffen, lachen, fremde Welten bereisen. Teilhaben … und meine Seele möchte das auch gerne ZACKIG.

Schnell sein macht manchmal einfach Spaß. Okay, aufgrund mangelnder Kondition ist das körperlich-muskulär noch ein bisschen schwierig. Aber im Auto, da geht noch was! Zügig Auto fahren macht Spaß. Dachte ich. Aber entweder sind tatsächlich viele, viel langsamere, ältere Herrschaften in ihren Autos auch immer gerade dann unterwegs, wenn ich es bin (die alle zu dieser Jahreszeit vielleicht sonst in Spanien wären, wer weiß), oder meine Nerven sind im „postviralen-Corona-Modus“ strapazierter als sonst. In den letzten Tagen habe ich viele Atemübungen im Auto machen müssen, um mich zur Ruhe zu zwingen und mehr als zwanzig Zentimeter Abstand zum Vordermann zu lassen. Viele, viele Atemübungen. Dabei habe ich während der erzwungenen Lockdown- und Quarantäne-Zeiten 2020 ja durchaus Gas gegeben. Im Sitzen. Beim Schreiben. Und dadurch sind traumhafte Dinge wahrgeworden. Denn während ich meinen matten Körper geschont habe, damit der die Herrschaft über die Viren zurückgewinnen kann, haben im Hintergrund die Heinzelmännchen von der imageDRUCK+MEDIEN GmbH ein neues Buch gedruckt.

Hurra!!!

Am Mittwoch wird geliefert.

`Die letzte Hexe vom Mont-Saint-Michel. Teil I.: Der Schatten der Ahnin`

Ich freue mich sooooo sehr! Und kann Ihnen, lieber Dirk Rütgers und dir, wundervoll kreative Julia Rigo gar nicht genug danken. Es ist immer wieder ein Fest, mit diesem Team zusammen zu arbeiten!

Also habe ich gedacht, wenn schon mein Körper Ruhe braucht und weit weg von seinem sonstigen Fitness-Zustand ein bisschen vor sich hin modert, dann kann ich wenigstens meinen Kopf benutzen. Und der hat dankenswerterweise tatsächlich auch während der Corona-Quarantäne gut funktioniert. Ich konnte in den zurückliegenden drei Wochen fleißig an Band zwei arbeiten (von insgesamt drei Bänden). Was soll ich sagen: Das hat super funktioniert …. Ein Kapitel fehlt noch, dann geht auch dieses Manuskript in die Korrekturphase. Weihnachten ist also gar nicht mehr nötig, wenn ich es richtig überdenke. Meine größte Freude kommt ja schon viel früher: Am Mittwoch. Für mich wird damit ein Traum Wahrheit, denn dieses Buch bedeutet mir unendlich viel.

Oder, um es mit Walt Disney zu sagen: „Alle Träume können wahr werden, wenn wir den Mut haben, ihnen zu folgen“. Okay, Mut hatte ich. Ein tolles Team auch. Und Corona. Das reicht ja erstmal ….

Schöne Woche noch, träumt was Schönes – und bleibt bitte alle gesund!

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