Weiter geht es mit der Geschichte rund um die beiden mittlerweile drei Jahre alten Welpen unserer kleinen rumänischen Hündin Flika aus dem Tierschutz, um Camil und Codin. In der ersten Episode habe ich ja schon geschildert, wie ich überhaupt auf die zwei aufmerksam geworden bin und dass ihre Abholung vom Transport für den 9. November 2019 geplant war.

Im Vorfeld habe ich viel mit Frau Wilhelmine Traut telefoniert, die die Vorsitzende des sehr gut organisierten Vereins „Aktiv-Tierschutz Lichtblicke e.V.“ (www.aktivtierschutzlichtblicke.de) ist, über den die Vermittlung organisiert worden ist. Sie leistet mit ihrem Team in dem noch jungen Verein eine ausgezeichnete Arbeit, hat nicht nur eine Menge Ahnung von dem, was sie tut sondern auch noch ein riesiges Herz für die Tiere. Eine wunderbare und selbstlose Frau, die mir anbot, dass ich eine Transportbox bei ihr leihen könnte, falls ich keine hätte. Hatte ich tatsächlich nicht, denn unsere Hunde haben so etwas bisher noch nie gebraucht.

Während mein Mann zuhause unsere beiden Hunde hütete, habe ich mich also ziemlich aufgeregt früh am Morgen des 9. Novembers auf den Weg gemacht, bin von Aachen aus in die Eifel nach Kall gefahren, um die Box abzuholen. Als stünde die Aktion von vornherein unter einem guten Stern begleitete mich die Morgensonne durch die wunderschöne, spätherbstliche Eifel. In Kall angekommen begrüßten mich Frau Traut, ihr Ehemann und die muntere Hundeschar, das war schon Freude Nummer zwei an diesem Tag.

Sie berichtete mir, dass man im Shelter in Rumänien erstaunt gewesen sei, wie ruhig sich Camil und Codin in den Transportkäfig hätten setzen lassen, die Mitarbeiter dort hatten mit Schwierigkeiten, vielleicht sogar Beißereien gerechnet. Ich wiederum berichtete Frau Traut nun, dass die zwei von mir jeden Tag gute Energien bekommen hätten, eine Art Fern-Reiki, vielleicht hat das ja geholfen, vielleicht bildet man sich aber so etwas auch nur ein, in jedem Fall war es wunderbar zu hören, dass der Stress des Transportes offenbar nicht schon so gewaltig begonnen hat, wie zu befürchten gewesen war.

Nach einem Kaffee ging es weiter Richtung Darmstadt, wo die Übergabe der Fellnasen stattfinden sollte. Auf der Fahrt durch diesen sonnigen Spätherbsttag fiel mir ein, dass ein Datum mit der Zahl „9“ sich irgendwie durch unsere Hundegeschichten zieht, sofort war ich zutiefst gerührt: Diva, meine kleine Seelenhündin, die irgendwie Flika für uns ausgesucht haben muss, hatte am 9. August 2000 ihren Geburtstag, am 9. Juli 2017 ist sie über den Regenbogen gegangen. Am 9. September 2017 kam Flika zu uns und heute, am 9. November 2019 hole ich nun ihre Jungs ab … ein komischer „Zufall“, sicher ein gutes Omen.

Die Übergabe sollte auf einem Autobahn Rastplatz stattfinden, der bei „Weiterstadt West“ lag. Alle diese Routen sind übrigens angemeldet und mit den jeweiligen Veterinärämtern in Rumänien und Deutschland abgestimmt, das habe ich gelernt. Ich war sehr zeitig in Darmstadt, irrtümlicherweise habe ich aber angenommen, es gäbe einen Parkplatz, der so heißt – und bin leicht panisch mehrmals auf der A5 hin und hergefahren, bis ich Frau Traut telefonisch um Hilfe gebeten habe, die mir die Nummer des Fahrers Cornel Adrisan gegeben hat. Er verwies mich auf die Koordinaten, die ich in den gesammelten Infos bekommen habe. Klar, ich war bestens vorbereitet, hatte alles dabei. Ich habe nur noch nie in meinem Navi eine Adresse nach Koordinaten eingegeben und wurde leicht hektisch … nach längerem Rumprobieren habe ich es aber tatsächlich geschafft, puh, das hat mich echt Nerven gekostet. Und kaum waren sie drin, die Koordinaten, stellte ich fest, dass ich genau auf der falschen Seite der Autobahn stand, der Abholparkplatz lag genau gegenüber, aber dank der richtigen Befehle hat das Navi mich ja geführt, was kam es drauf an, einmal mehr oder weniger über die Autobahn hin und her zufahren. Trotz aller Wiedernisse war ich dann doch noch pünktlich und total erleichtert.

Tja, da war ich also und der Transport kam pünktlich. Eine nach der anderen kleinen Fellnase wurde ausgeladen und in liebevolle Arme übergeben, die sich ihnen voller Freude entgegen streckten. Willkommen in eurem neuen Leben, ihr Süßen! Ich hatte schon Tränen in den Augen, bevor „meine beiden“ an der Reihe waren.

Als Angsthunde konnte man sie mir ja nun nicht in die Arme geben, man kann sie nicht einmal anfassen, geschweige denn, ihnen eine Sicherheitsgeschirr anlegen. Sie saßen zusammen in einer Gitterbox, die dem Shelter gehört, mussten nun zunächst in eine kleinere gesetzt werden mussten, die man an mein Auto trug, wo sie in die größere von Frau Traut schlüpfen durften, die bereit stand. Alles hat leise und perfekt geklappt, ich war aber sehr, sehr emotional, konnte es kaum fassen, dass ich die beiden Süßen endlich in meiner Nähe hatte.

Als Cornel Adrisan, Ehemann von Dana Adrisan, die beide gemeinsam das Shelter Asociatia Ador in Botosani führen, Camil und Codin mit Hilfe seines Kollegen in mein Auto gesetzt hatte, leise zu mir gesagt hat „Thank you for giving them a chance“, musste ich mehrfach schwer schlucken, konnte am Ende die Tränen dann doch nicht zurückhalten.

Ich habe die Webseite dieses Tierheims in Rumänien mehrfach gelesen (https://www.asociatia-ador.com), alle dort kümmern sich liebevoll um die Tiere, versuchen so gut es geht, Licht in eine Welt voller Tierleid zu bringen, wie es in Rumänien leider noch immer schreckliche Realität ist. Wenn es den Menschen nicht gut geht, scheint es für viele von ihnen nicht nur an materiellen Dingen zu mangeln sondern auch an Empathie für die Wesen, mit denen sie leben. Und das gilt sowohl für Hunde und Katzen, aber auch für Pferde und andere sogenannte „Nutztiere“. Wie schön, dass es Ausnahmen gibt, wunderbare Seelen, die sich kümmern so wie es Dana und Cornel Adrisan tun.

Mir war natürlich klar, warum Cornel diesen Satz zu mir gesagt hat, unter den Fotos der zwei liebenswerten kleinen Hunde auf der Website des Shelters stand bei jedem der Satz:

„Für Camil und Codin wird es sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich, seine geeignete Familie zu finden. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf.“

Wie sagt man so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Da saßen sie nun in ihrer große Gitterbox in meinem Auto und schauten ein bisschen fassungslos umher. Aber ganz still. Codin, der aussieht wie ein Ebenbild seiner Mutter, guckte immer mal wieder zu mir, Camil, klein und schwarz, in deutlich schlechterer Verfassung, dünn, den Schwanz irgendwie zu kurz hat und die Hinterbeinchen krumm hat, ist ein „Schattenhund“, versteckt sich sofort hinter seinem Bruder als wolle er unsichtbar bleiben.

Bevor es nun auf die letzte Etappe ging, habe ich erst einmal Frau Hüther angerufen, jene Frau, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, den Angsthunden aus dem Tierschutz zu helfen und zu der sie nun erst einmal reisen würden, meine Zwei. Wir kommen! (www.angsthunde.com/facebook: Daniela Hüther HundeschuleWeltweit)

Nachdem ich in Michelstadt ein bisschen rumgesucht hatte, habe ich sie auch gefunden und wir haben die Box mit den beiden gemeinsam in ihr neues Zimmer getragen. Im Haus leben derzeit noch 13 weitere Hunde, es war ein lustiges Gebell aus mehreren Zimmer, als wir ankamen, aber alle haben ihre Geschichte, sind nicht umsonst in diesem liebevollen Haus gelandet.

Angekommen, Zimmer zu, bestens mit durchsichtigen Gittern gesichert und Box auf. Sofort liefen Camil und Codin heraus und erkundeten aufgeregt und ängstlich den neuen Raum. Immer nach Verstecken suchend, vorsichtig, weit weg von uns Menschen.

Frau Hüther hat mich mit ihrer ruhigen und souveränen Art sofort tief beeindruckt. Sie unfassbar viel Ahnung und Erfahrung, weiß genau was sie tut und wann der nächste Schritt möglich ist. Ihr Herz ist gewaltig groß und ihre Geduld wohl noch größer.

Nachdem wir den beiden ihre Ruhe gelassen haben und sie erst einmal in ihrem Zimmer ankommen konnten, ging es ins Wohnzimmer, klären, was noch zu klären war (sie zeigte sich beeindruckt von der perfekten Vorbereitung durch den Verein Aktiv-Tierschutz-Lichtblicke.e.V). Ich bekam eine sehr stürmisch-liebevolle Begrüßung ihres „Rudelchefs“ und des jungen, schon gewaltig großen Leonbergers Manitu, anschließend ist sie noch einmal zurück zu „meinen Jungs“ und hat sofort jenen wunderbaren ungarischen Hund zu Camil und Codin ins Zimmer gelassen, der im Rudel das Sagen hat. Er hat die beiden schwanzwedelnd begrüßt, ich war beeindruckt.

Als auch das erledigt war, konnte ich es beruhigt verlassen, das Internat für schwierige Fellchen in Michelstadt im schönen Odenwald. Was für eine Erleichterung, dass sie nun angekommen sind und ihre Chance haben … Einfach traumhaft. All die Anspannung des Tages fiel nach und nach von mir ab, ich war einfach nur noch glücklich, dass alles geklappt hatte.

Als ich gegen 19.30 Uhr wieder in mein Auto gestiegen bin, um „rüber“ nach Bayern zu fahren, wo ich mir im idyllischen Laudenbach in einem entzückenden Romantikhotel „Zur Krone“ (www.krone-laudenbach.de) ein Zimmer gebucht hatte, war ich fix und fertig, weniger körperlich als emotional. Im Hotel zur Korne begrüßte mich der Inhaber Herr Breitenbach höchst persönlich, bot mir an, noch im Restaurant zu essen  … aber ich war so platt, ich konnte nur noch meinen Mann zuhause anrufen und die Rest meines Proviants vertilgen, ein Abd nehmen und dann ins Bett fallen. Lesen? Fernsehen? Ging alles nicht mehr …

Was für ein Tag!!!!

Über Nacht bekam ich vom Internat noch ein paar Mitteilungen, die ich erst am Morgen gelesen habe – Camil und Codin haben ihre Ruhe erst einmal aufgegeben und die der anderen erst gar nicht zugelassen. Sie gebärden sich gerade wie kleine Monster. Verbellen alles und jeden, wer oder was sich vor ihrem Zimmer bewegt. Verständlich, meint Frau Hüther, sie beschützen erst einmal ihren Schlafplatz. Normal für Angsthunde. Ah ja. Zwei Giftzwerge auf dem Weg in ihr neues Leben ….

Aber heute, fast genau 4 Wochen später, kann ich schon sagen: Das ist nicht lange so geblieben!

Frau Hüther hat immer wieder schöne kleine Nachrichten und Videos geschickt (die man auch auf Youtube sehen kann), auf denen zu sehen ist, wie die zwei sich entwickeln. Erst einmal ankommen, nach ein paar Tagen einige Kollegen ins Zimmer schicken und später mit dem Rudel ins Wohnzimmer.

Ich war platt … und konnte nach wenigen Wochen beobachten, wie sie anfangen, mit dem hünenhaften Manitu zu spielen … sogar Camil, der kleine schwarze Schattenhund, SPIELT!!! Klar, da habe ich mal wieder eine Runde geheult … zu schön um wahr zu sein.

Das ist unfassbar!!!

Das große Hunderudel hilft ihnen schneller als ich gedacht habe, sich erst einmal unter Hunden zu sozialisieren. Sicher wird es viel, viel schwieriger, sie für das Leben mit Menschen zu trainieren, aber das macht nichts. Sie haben ja Zeit. Und sie haben Frau Hüther! Was für ein Geschenk …!!!

Als ich am nächsten Morgen nach dem herrlichsten Frühstück der Welt wieder in mein Auto gestiegen bin, war ich einfach nur glücklich.

Tja und was tat Flika, als ich wieder zuhause war? Sie war total aufgeregt und hat mein Auto in jedem Winkel abgeschnuppert …. Klar, die zwei haben auf dem langen Weg in ihren Käfig gepieselt, ging nicht anders und sicher ging auch ein bisschen was daneben, macht ja nichts … aber sie hatte sichtlich etwas in der Nase. Ob sie die zwei erinnert? Am Geruch erkennt? Keine Ahnung …irgendwann wird sie sie sehen, die zwei Süßen.

Jetzt einmal dürfen sie erst einmal ankommen und sich in ihr neues Zuhause einfügen. Im Internat für schwierige Fellchen ….

Abends habe ich mir noch ein letztes Mal den Teil ihrer rumänischen Geschichte durchgelesen, wie sie auf der Seite des Shelters Asociatia Ador Botosani zu lesen war. Wie herrlich, dass nun ein neues Kapitel geschrieben werden kann und noch schöner, dass unter ihren Fotos mittlerweile „Vermittelt“ steht.  

Asociatie Ador Botosani:

Camil, Codin:

Alter: ca.1 Jahr (geboren ca. August 2016)
Kastriert
: ja
Schulterhöhe
ca. Kniehöhe
Verträglich
mit Rüden und Hündinnen

(2016) In der Nähe des Ador Shelter befindet sich ein ortsansässiger Schäfer mit seinen Tieren. Die Mitarbeiter von Ador füttern jeden Tag, die dort leider an der Kette lebenden Arbeitshunde, da sich der Schäfer nicht besonders viel um seine Hunde schert. Dies lockt auch immer wieder herumirrende Straßenhunde an. So auch Flika mit ihren beiden ca. 10 Wochen alten Welpen. Flika bereitete für ihren Nachwuchs im Außenbereich der Stallungen einen Unterschlupf in einem Heuhaufen vor, damit sie vor der Kälte geschützt sind. Zum Glück für die kleine Familie wurden sie von Adors Mitarbeitern rechtzeitig gesehen und in Sicherheit gebracht, bevor im Januar der starke Schneesturm das ganze Land in tiefe zweistellige Minustemperaturen tauchte.
Camil und Codin waren von Anfang an sehr ängstliche und scheue Welpen. Sie versteckten sich hinter ihrer Mutter oder flüchteten in die hinterste Ecke, sobald sich ein Mensch dem Zwinger näherte. Wohlmöglich haben die Beiden dies in ihren ersten Lebenswochen erfahren müssen, dass es wohl besser ist, dem Menschen auszuweichen. Leider ist es bisher den Mitarbeitern von Ador nicht gelungen, dass Vertrauen der beiden jungen Rüden zu erlangen.
Camil ist der Ängstlichste und der Scheuste der beiden Brüder. Er versteckt sich nun hinter seinem Bruder, da Flika, seine Mutter, das Glück hatte, eine Pflegestelle in Deutschland zu finden und ist ausgereist. Camil braucht intensive Betreuung, um Vertrauen zu erlernen und zu erlangen. Im Tierheim ist diese intensive Betreuung leider aus Zeitgründen nicht möglich. Daher sucht Camil eine Familie, die Erfahrung mit Angsthunden hat und die ihm viel Zeit und Geduld geben kann, um sein Vertrauen zu gewinnen. Ein souveräner Ersthund sollte in der Familie schon verhanden sein.

Camil und Codin sind geimpft, gechippt und kastriert.

Für Camil und Codin wird es sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich, eine geeignete Familie zu finden. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf.