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Kategorie: Lesehäppchen

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 2. August 2020

Lebe deine Träume.

Ein schöner Satz, oder? Was leicht verklärt nach Lagerfeuerromantik klingt, ist in Wirklichkeit mit einem gehörigen Schuss Arbeit verbunden.

Die Träume der Nacht sind etwas Großartiges. Sie helfen uns, Erlebtes im Gehirn abzuspeichern, sie „warten unsere unbewussten inneren Programme“ und sind damit wichtig für die Gesundheit von Körper und Psyche, egal ob wir sie erinnern oder nicht.

Die Träume aber, die wir auch im wachen Zustand träumen, die können noch viel mehr: Sie zeigen uns die stillen Sehnsüchte unserer Seelen auf.

Manchmal bleiben Träume einfach Träume, manchmal sind sie aber auch Wegweiser für neue Ziele, die sich im Leben entwickeln.

Im Jahre 2015 hatte ich einen solchen Traum: Durch eine liebe Freundin habe ich das Pilatesstudio von Carolin Meisel (damals noch Dyckhoff) in der Lothringerstraße in Aachen entdeckt. („meinpilates-aachen.de“). Ich habe begonnen, dort regelmäßig zu trainieren. Himmel, was hat diese Trainingsmethode meinem Körper gut getan! Der Traum, der sich ziemlich schnell daraus entwickelte: Selber Trainerin zu werden und dann am liebsten für meine Altersgruppe Kurse anbieten, „ü50“.

Also habe ich mich für die Ausbildung in Köln angemeldet, war natürlich zwischen all diesen wunderbaren jungen Frauen die Älteste im Kurs, was allerdings meinen Elan nicht schmälern konnte. Anfangs war ich doch ein bisschen erstaunt, wie schwer es mir gefallen ist, wieder auswendig zu lernen. Immerhin konnte ich bei all den anatomischen und physiologischen Inhalten auf mein altes Wissen jener Krankengymnastikausbildung zurückgreifen, die ich vor Jahrzehnten gleich nach dem Abi gemacht hatte. Das hat die Sache ein wenig erleichtert.
Die körperlichen Grenzen haben sich zügig und ziemlich schmerzhaft ebenso schnell offenbart. Oh je, was ich alles nicht so richtig turnen konnte! Der Anfang war frustrierend. Aber ein bisschen bin ich halt doch wie mein Terrier: Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, gebe ich so schnell nicht auf … . Aufgeben war keine Option.
Am Horizont stand noch immer dieser Traum.

Also habe ich mit mir selber einen Deal gemacht:
Trainiere einfach weiter. Denk nicht nach. Wenn du in einem Jahr noch immer nicht in der Lage sein solltest, die Übungen für Fortgeschrittenen zu turnen, kannst du aufgeben.

Die Überraschung folgte auf dem (Traum-) Fuß: Meine grauen Zellen gewöhnten sich an die Lernerei, fanden sogar Freude daran und meine Muskulatur entwickelte sich langsam aber stetig. Als ich die Prüfung im Frühjahr 2017 gemacht habe, konnte ich tatsächlich alle diese Übungen, an denen ich zwei Jahre vorher noch gnadenlos gescheitert war. Das hat mich hinsichtlich der Trainingsmöglichkeit eines „ü-50-Körpers“ doch sehr beeindruckt.

Carolin Meisel wurde in diesen Jahren eine liebe Ratgeberin und noch bessere Freundin. Ihr habe ich zu verdanken, dass mein Traum vom Unterrichten Wirklichkeit wurde.
(Ihre eigenen Träume haben im Übrigen in den letzten Jahren auch Gestalt angenommen: Sie hat ihren Felix geheiratet, das zweite, wunderschöne Studio im Forsthaus kam dazu – und: Der zum Klauen süße Carlo kam auf die Welt. Meisels wurden Eltern – traumhaft).

So. Nun war ich also Pilatestrainerin für die Matte.
Ich liebte und liebe noch immer, was ich tue.
Aber da war ja noch immer dieser EINE Teil des anfänglichen Traumes übrig: Ich wollte doch so gerne für meine Altersgruppe unterrichten. „Ü 50“!

TARA – und der erfüllt sich nun auch!

Ab Ende August 2020 erweitern wir im meinpilates Studio in Aachen (im Forsthaus) das Angebot: Immer am Dienstagvormittag gibt es dann „Pilates für Best-Ager“.
BÄM!

Und weil man auf einem (Traum-) Bein nicht stehen kann, hat mich mein Weg über das Frauennetzwerk „FraumitBizz“ noch zu einer zweiten tollen jungen Dame geführt:
Maria Schneiders (als kinderloses älteres Weib kann man gar nicht genug schöne junge und aktive Frauen um sich haben – das hält geistig rege, jung und ist sooo herzerfrischend).

Maria hat Ende des letzten Jahres auf der Trierer Straße in Aachen ihr Tanzstudio Ma°Vida eröffnet, in dem es neben Ballett, zeitgenössischem Tanz für alle Altersgruppen auch Yoga auch Pilates gibt.
Tja und ab September heißt es eben auch dort, im MA°Vida: Sanftes „Pilates für Best-Ager“.
Doppel BÄM.

Ich freue mich unfassbar darauf, dass es nun möglich wird, diese „ü50“ Kurse aufzubauen. Danke, ihr beiden wundervollen jungen Frauen, Caro und Maria, dass ihr mir helft, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Es bedeutet mir viel. Vielleicht mehr, als ihr euch vorstellen könnt!

Ein Traum, mein Traum, geht in die Zielgrade … ich habe dafür geschwitzt, war frustriert und unsicher, ob der überhaupt je Gestalt annehmen würde, habe viel gelacht und so manche Tube Voltaren auf meinen Muskeln verbraucht … aber das war es alles wert.

Lebe deine Träume. Du kriegst sie nicht geschenkt. Aber wenn du dafür arbeitest, können sie wahr werden.

Ich freue mich. Während ich diese Kolumne hier schreibe, habe ich die ganze Zeit so ein feines Lächeln im Gesicht. Vor rührseliger Freude.

Vor meinem geistigen Auge sehe ich all die mühseligen und misslungenen Turnversuche und mickerigen Anfänge, die diesen Traum begleitet haben. Da war mancher Lachkrampf inclusive. Aber schön war es trotzdem.

Wovon träumst du so heimlich? Was steckt da hinten in den Kammern deiner Seele und möchte gelebt werden? Spür doch mal rein. Es lohnt sich. Und wer weiß, vielleicht machst du dich ja auch auf den Weg in deinen Traum. Vergiss aber nicht: Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Bis zum Ziel zu gehen, ist immer ein Prozess.

Traumhafte Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 23. Februar 2020

Wir haben die fünfte Jahreszeit. Als echtes Nordlicht kannte ich früher weder jene Bezeichnung des Karnevals noch das dazugehörige Brauchtum. In Hamburg zeigte man sich nachhaltig irritiert, wenn verkleidete Kinder durch die Straßen liefen, der Karneval fand hauptsächlich im Fernsehen statt, das die Umzüge der Straßenfeste aus dem Rheinland übertrug, Straßenkarneval gab es überhaupt nicht und selbstverständlich wurde am Rosenmontag gearbeitet.

Mittlerweile hat diese sogenannte fünfte Jahreszeit für mich eine andere Bedeutung und das nicht etwa, weil ich in Aachen lebe, sondern weil ich meinen Mann – gebürtiger Aachener, aber bekennender Karnevalsflüchtling- im Skiurlaub an einem Rosenmontag kennen gelernt habe. Dieser Tag wurde damit eher zum „rosa“ Montag, weil das die einzige Farbe war, die ich damals noch sehen konnte. Entsprechend haben wir es später geschafft, an einem Rosenmontag (vor nun schon 20 Jahren) zu heiraten, unglaublich eigentlich, aber es gab tatsächlich ein Standesamt, das uns trauen wollte, trotz der jecken Zeit.
Auch wenn ich mit dem Karneval als solches nicht sooo viel anfangen kann, finde ich die Vorfreude der Menschen, die lustigen Bilder und oft fantasievollen Kostüme immer wieder nett. Schön, dass Menschen mit so viel Freude bei der Sache sind, das mag ich wirklich – und dann wäre da ja noch der berufliche Aspekt für mich.
Was bedeutet Karneval denn eigentlich aus psychologischer Sicht?? Ich habe mal im Internet nachgeschlagen und einen amüsanten Artikel bei FOCUS-Online gefunden, dem man gar nicht mehr viel hinzufügen muss. Geschrieben von Nicole Lauscher. Hier isser:

„Nicht nur rheinländische Jecken vertrauen auf dieses Rezept: Karneval kuriert – nicht die Leber, wohl aber die Psyche. Er wirkt erholsam, macht ausgeglichen und stärkt das Selbstbewusstsein.

Ein Mann läuft im hautengen Superman-Kostüm schnaufend durch die Straßen und verspricht, die Welt zu retten. Eine Krankenschwester mit roten Strapsen injiziert fremden Menschen aus einer Spritze Schnaps in den Mund. Eine Gruppe Jugendlicher im Strampelanzug verkündet, dass die Karawane weiterziehe, der Sultan sei durstig.
An einem gewöhnlichen Montag würde wahrscheinlich jeder Psychiater den Betreffenden eine Störung attestieren.
Am Rosenmontag ist so ein Verhalten dagegen nicht ungewöhnlich – sondern sogar gesund.

„Das Bedürfnis, sich einmal abseits der Realität und ohne alle Konsequenzen auszuprobieren, steckt in jedem Menschen. Karneval bietet die Gelegenheit dazu“, sagt Wolfgang Oelsner. Der Psychologe hat bereits mehrere Bücher über Karnevalsbräuche geschrieben. Wenn an den jecken Tagen die Tabugrenzen verschoben sind, können Menschen die Sehnsüchte ausleben, die sonst in ihrem Leben keinen Platz haben.
„Alles, was wir heute tun, ist das Ergebnis vieler Kompromisse. Zwar treffen wir die meisten Entscheidungen für unser Leben selbst, aber immer, wenn wir uns zu etwas entschließen, bedeutet das den Verzicht auf etwas anderes. Die zurückgestellten Seiten bleiben als unerfüllte Bedürfnisse zurück. Manche Menschen leben sie am Wochenende aus, wenn sie den Nadelstreifen- gegen den Trainingsanzug tauschen. Andere warten bis zur Rente, um ihr Leben ganz nach ihrem Hobby auszurichten. Und wieder andere verwandeln sich an Karneval von der schüchternen Büroangestellten ins Tanzmariechen im Rampenlicht.“

Ein anderes Argument, warum Fasching wichtig für die Psyche ist, liege in der sogenannten Theorie der sozialen Identität begründet: „Wir nehmen in unserem Leben immerzu gewisse Rollen ein: sind gleichzeitig Vater, Sohn, Ehemann und Angestellter. Jede dieser Positionen verlangt ein gewisses Verhalten von uns. Karneval bietet die Gelegenheit, aus diesen Mustern auszubrechen.“ Zudem lösen Verkleidungen selbst Gruppenhierarchien auf. Im Clown- oder Cowboykostüm spielt es keine Rolle mehr, wer Vorgesetzter und wer Angestellter ist.

Fasching stärkt das psychische Gleichgewicht

„Karneval ist gut für das psychische Gleichgewicht“, bestätigt Rolf van Dick von der Goethe-Universität in Frankfurt/Main. „Jeder Mensch hat das Bedürfnis, sein Leben frei zu bestimmen. Im Alltag ist das nicht immer möglich.“ Denn in Beruf, Familie und sogar der Freizeit gibt es Regeln, die das Miteinander bestimmen. An Karneval verlieren sie ihre Gültigkeit. Das betrifft die Kleiderordnung, aber auch gewisse Tugenden wie Bescheidenheit und Maßhaltung. „Das Gefühl, heute kann ich machen, was ich will, ist entscheidend“, erklärt der Sozialpsychologe. „Wenn ich möchte, kann ich im Prinzessinnenkostüm zur Arbeit gehen und schon vormittags mit Sekt anstoßen. Selbst wenn ich komplett über die Stränge schlagen will, macht mir an Karneval niemand einen Vorwurf.“

Allein das Gefühl, mal etwas „außer der Reihe“ zu tun, wirkt für viele schon befreiend. „Das ist vergleichbar mit Kindern, für die unerwartet die Schule ausfällt: Diesen freien Tag genießen sie mehr als jedes Wochenende“, so van Dick. In Karnevalshochburgen wie Köln erleben die Menschen ein solches Gefühl noch stärker. Hier herrscht fast die ganze Woche Ausnahmezustand. Am Montag auf eine Behörde zu gehen, ist hier undenkbar.
„Karneval ist eine Erholungsphase vom Kulturbürgertum“, bringt es Wolfgang Oelsner auf den Punkt. Diese Auszeit vom Alltag bedeutet für jeden etwas anderes. Während der Manager es genießt, Pause von seiner Verantwortung zu nehmen, gefällt es dem Arbeiter, einmal zu feiern, ohne aufs Geld zu achten. ….

Also bitte, Karneval tut nicht nur gut sondern stärkt auch noch die Psyche! Sicherlich ein Grund mehr, sich in das närrische Treiben zu stürzen – auch wenn ich ziemlich sicher bin, dass ein waschechter Narr in dieser Zeit keine weiteren Gründe braucht, um fröhlich zu feiern.
Freude genügt und das alleine macht Spaß – beim Zusehen und selber feiern – und es ist auch noch gesund. Haben wir ja gerade gelesen … in diesem Sinne wünsche ich allen Karnevalisten eine schöne Zeit.

Schöne und gesunde fünfte Jahreszeit Euch allen!

30. Mai 2019. Christi Himmelfahrt. Vatertag

Für Papa und für alle Väter auf Erden und im Himmel

Heute ist ein Feiertag. Solche Tage beginnen meistens mit jener strahlenden Ruhe, die ein Alltagstag nicht zu bieten hat. Normalen Tagen kann man schon früh die beginnende Geschäftigkeit der kommenden Aufgaben anhören. Das Rauschen des Berufsverkehrs übertönt das der Blätter an den Bäumen, statt Vogelstimmen zwitschern Smartphonetöne.

Heute ist anders.

Feiertage können sich herausnehmen, langsam und still zu starten, äußerlich und innerlich. Das sind die Tage, an denen man nach innen hören kann. In mir klingt heute innerlich ein bisschen Melancholie. Heute ist ein persönlicher Tag für mich, neben der Bedeutung des kirchlichen Feiertages hat er für mich schon immer eine besondere Bedeutung gehabt, jener 30igste Mai.

Mein Leben lang.

Der 30 Mai ist der Tag, an dem mein Papa Geburtstag gefeiert hat.

Seit 9 Jahren kann ich an diesem Tag nur noch an ihn denken, an seine wundervollen Seiten und auch an die schwierigen, über die ich heute oft liebevoll lachen kann. Vor 9 Jahren, als er friedlich von dieser Welt gegangen ist, hat er alles mit genommen in den Himmel. Seine Persönlichkeit und seine Seele.

Das Wichtigste aber, das durfte ich behalten. Im Herzen und in meiner Seele:

Die Erinnerung daran, geliebt zu werden.

Für immer Danke Papa.

Pilates ü50 – oder: Fit für die kommenden Lebenskapitel


Pilates ist für mich eine wirkliche Lebensleidenschaft geworden, auch wenn ich es nicht „dogmatisch“ sehen und betreiben möchte. Die Ideen von Joseph Pilates, dem Begründers dieser ganzheitlichen Gymnastikmethode, sind auch heute noch „in“ und irgendwie nie aus der Mode gekommen. Er hielt körperliche Bewegung, frische Luft, gute Ernährung und Körperhygiene für wichtig, daran hat sich auch Jahrzehnte später nichts geändert.

Seit ich ernsthaft und regelmäßig Pilates mache – also erst seit 2016-, habe ICH mich allerdings verändert. Ich bin eindeutig fitter geworden, beweglicher und habe ein viel besseres Muskelgleichgewicht aufbauen können – was ich in dieser Form nicht erwartet hätte.

Ich war zwar mit „ü-50“ die älteste Teilnehmerin in der Ausbildung zum Pilates-Trainer für die Matte, aber ich glaube, dass ich mich gerade deswegen ganz still so sehr darüber freuen konnte, dass mein Körper noch immer trainierbar ist, Fortschritte zeigt und mir bei konsequentem Turnen Übungen ermöglicht, zu denen ich früher schlicht nicht in der Lage gewesen bin. Ein herrliches Gefühl!

Manchmal berührt es mich unendlich, wenn ich in den Kursen sehen, dass auch die Teilnehmer auf einmal Übungen können, die lange nicht möglich waren – und das geht wirklich in jedem Alter bei regelmäßigem Training. Und es macht auch noch Spaß!

Aus meiner Sicht macht Pilates „ganzheitlich“ fit, fit für das Heute und fit für das Morgen, für unsere kommenden Lebenskapitel, die wir auf dem Lebensweg noch schreiben wollen.

Pilates ermöglicht uns dabei auch, zur inneren Ruhe zu finden, führt Geist und Körper in eine Balance und gibt der Seele die Möglichkeit, in Harmonie zu kommen. Diese Art der Bewegung berührt und „bewegt“ – und das nicht nur in körperlicher Hinsicht.

The rhythm of the body,

the melody of the mind

and the harmony of the soul

create the symphony of life.

(B.K.S. Iyengar)

 

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