Kathrin Reitz schreibt

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Kategorie: Kolumnen von der Face Book Seite Seite 2 von 6

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 17. Mai 2020

Die meisten Menschen, mit denen ich dieser Tage spreche, reden davon, wie sie bisher durch die Krise gekommen sind. Bei den vollkommen unterschiedlichen Schilderungen dieser persönlichen Glücks- und Leidensgeschichten ist mir etwas aufgefallen, was ich aus psychologischer Sicht höchst interessant finde:
Jeder Konflikt, jede Krise, die im Außen stattfindet, triggert etwas zutiefst Persönliches im Inneren des Einzelnen an, das beachtet werden möchte.

„Jede Krise ist Selbstbegegnung und dient der Selbstvervollständigung“.
(Ein Zitat von Dr. Reinhard Sprenger, der ein großartiger Denker und Verfasser mehrerer erfolgreicher Bücher ist).

Jede Krise ist Selbstbegegnung – wie wahr! Das erlebe ich tatsächlich gerade, denn ich habe das große Glück, mich mit Menschen befassen zu dürfen, die mit mir ihre Lebensgeschichten und Aufgaben teilen, um gemeinsam nach Lösungen, nach Heil-Werden, nach Selbstvervollständigung zu suchen.
Und wirklich jeder „begegnet“ sich in dieser Krise auf andere Art und Weise. Das kann beglückend oder schmerzvoll sein.
In der Zurückgezogenheit des „social-distancing“ werden wir tatsächlich mehr oder weniger gezwungen, uns mit uns selbst zu beschäftigen. Diese Auseinandersetzung ist nicht einfach, kostet Mut und gute Reflexionsfähigkeit, lohnt sich aber. Warum?
Weil jeder Mensch, jedes Wesen „heil“ werden und sein möchte, GANZ sein möchte.
(Gut, bis auf die Verschwörungstheoretiker, die nicht nach innen gucken wollen, sondern die Verantwortung lieber an „das Böse“ abgeben, das ist leichter als Arbeit am Selbst).

Um aber nun tatsächlich GANZ sein zu können, sollte jeder einzelne Anteil der eigenen Persönlichkeit Beachtung finden, da das große Ganze sonst aus der Balance zu geraten droht. Eine Weile kann jede Persönlichkeit eine Disbalance, ein Leben auf einer Art schiefen Ebene kompensieren, dauerhaft aber drohen Burnout und andere Krankheiten. Wer z.B. nur Power im Job gibt, ein Schneller-Höher-Weiter-Prinzip ohne Rücksicht auf die leisen, erholungsbedürftigen Seiten des eigenen Ich lebt, der bekommt irgendwann die Quittung.

Um deutlicher werden zu lassen, was ich damit meine, wenn ich von einer ausgeglichenen Persönlichkeit rede, benutze ich manchmal das Bild eines Chores, bei dem es auf jede Stimme ankommt, damit das Ganze harmonisch klingt, miteinander schwingt und keine Misstöne entstehen.
Manchmal wähle ich auch das Beispiel eines einfachen runden Tisches mit drei Beinen. Diese Beine haben Bedeutungen: eines steht für das soziale Leben, das andere für die Arbeit und das dritte für Hobbies und Ausgleich.

Wenn ich zum Beispiel das berufliche Tischbein „höher“ stelle, ihm also mehr Bedeutung zumesse, kommt meine Tischplatte automatisch in eine Schieflage. Das wird eine Weile funktionieren, dann aber wird es anstrengend. Gesund wäre es, dieses Tischbein wieder auf das normale Niveau zurückzuschrauben und vielleicht das Private für eine Weile bewusster wahrzunehmen, „höher zu stellen“. Bewegung innerhalb dieser Standbeine des Tisches ist vollkommen okay. Das Leben stellt uns immer wieder vor Herausforderungen, in denen es turbulent zugeht, wir unsere Kräfte auf einen Bereich unseres Lebens konzentrieren müssen, das ist auch gut so. Wir wachsen und entwickeln uns schließlich nur dann weiter, wenn wir unsere Komfortzone auch mal verlassen. Kompletter Stillstand ist ebenfalls nicht das Wahre.
Manche Menschen versuchen aber sogar, auf einem Tisch mit zwei Beinen zu „performen“, wie es neudeutsch so schön heißt und wundern sich, warum das nicht klappt, warum sie später, in der Mitte ihres Lebens (manchmal auch erst mit Einsetzen der Rente oder Pension) aufwachen, krank, einsam oder unglücklich sind.

In einer Krise haben wir die Chance, wieder in eine gesunde Balance zu kommen – wenn wir uns die Zeit nehmen, um uns mit dem auseinander zu setzen. Es ist ein bisschen wie eine Diagnose, bei der ich feststellen kann, was überhaupt in „Schieflage“ gekommen ist, hinschaue, welcher Teil von mir deutlich mehr Beachtung braucht, welchem es ein wenig zu gut geht, welcher zu kurz gekommen ist.
Diese Selbstbegegnung ist eine Art persönliche Bilanz und gleichzeitig eine Chance dazu, Prioritäten neu zu setzen, Lebensziele zu überdenken.

Ihr könnt euch ja zum Spaß mal die Frage stellen: Wie bin denn eigentlich ich durch diese Krise gekommen? Wie bin ich mir selbst begegnet? Welchen Teil meiner Persönlichkeit habe ich durch die Krise kennengelernt? Wäre dieser Teil ein Mensch und käme zu Besuch, was würde er oder sie mir wohl erzählen? Hättet ihr eine gute Zeit miteinander oder müsstet ihr euch Vorwürfe anhören?

Nehmt euch Zeit, werdet oder seid GANZ, habt die Mitmenschen und Tiere liebevoll im Blick und genießt das Leben. Wir leben hier in einem verdammt guten Land und dafür sollten wir dankbar sein – denn eines darf man nicht vergessen: Ich kann mir solche „Selbstentwicklungs-Gedanken“ erst dann machen, wenn mein Überleben gesichert ist, ich zu Essen und sauberes Wasser habe und ein Dach über dem Kopf. Das ist nicht selbstverständlich und Grund genug, das Leben zu feiern und Herausforderungen anzunehmen.
Damit wir später wirklich sagen können: „Wir haben das geschafft, auch wenn es nicht einfach gewesen ist.“

Schöne Woche noch – mit allen erdenklich guten Begegnungen einschließlich einer lohnenden Selbst-Begegnung!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 10. Mai 2020

Dieser Sonntag ist gleichzeitig auch Muttertag. Deswegen gibt es heute eine alte Geschichte, die ich für meine Mutter in der Phase ihrer schweren Krankheit geschrieben habe – beinahe auf den Tag genau vor 15 Jahren …
Für dich, Mami. Ich vermisse dich. Immer noch.

Stellvertretend für alle Mütter dieser Welt:
Danke, dass es Euch gibt. Habt einen schönen Tag!

Engel für dich, 12.05.2005

Auf der Intensivstation ist es an den Bettenden manchmal ziemlich voll. Da sitzen sie; groß, klein, weiß, schwarz, rot, leuchtend, wunderschön, majestätisch oder auch unauffällig, zurückhaltend, schüchtern. In Menschen oder Tiergestalt. Engel in allen Farben und Formen, die man sich nur vorstellen kann. Der Engel, den ich meiner Mutter geschickt habe und der für gewöhnlich mich im richtigen Leben begleitet, ist strahlend weiß, riesengroß und hat ein gütiges Gesicht. Seine Flügel sind aus weißen Daunenfedern, die ich manchmal, wenn das Leben besonders hart und anstrengend ist, fühlen kann. Richtige Reinkuschelflügel eben. Ganz weich. Genau richtig für Mami für die Zeit vor, während und nach der Operation. Wenn er diese riesigen Flügel um jemanden legt und bewegt, leicht, nur ganz, ganz leicht, gleitet wärmende Energie in jede Zelle der Person, die er gerade beschützt. Jetzt eben in Mamis Körper.
Mami hat mehrere Engel. Vorsichtshalber. Wenn man genau hinsieht und ganz leise ist, kann man sie sehen. Neben dem großen Weißen sitzen ein paar Elfen. Sie wirken winzig und sind immer aufgeregt. Das ist bei Elfen normal. Sie kommen in Energieebenen, wo die anderen Wesenheiten nicht mehr hinkommen, weil sie so klein und wendig sind. Deshalb ist es immer gut, ein paar Elfen im Team zu haben.
Und Mami liebt Tiere.
Neben ihrem eigenen, eleganten und weisen Schutzengel, der sich ein wenig zurückhält und ganz in Nebel gehüllt am Fußende steht, hat sie also noch die Tierengel um sich herum. Drei Rotkehlchenengel sitzen auf dem Infusionsständer, ein Gänse- und ein Hühnerengel hocken schlafend unter dem Bett und der kleine Hundeengel liegt auf ihrem Bauch.
Er ist wattebäuschchenfederleicht, aber trotzdem ein Energiebündel. Und bewegt sich in ihrem Atemrhythmus auf und ab. Sie atmet ganz flach. Er bewegt sich ganz leicht. Aber es ist alles in Ordnung. So sehr in zufriedener Ordnung, dass meine Engel sich ein kleines bisschen langweilen. Ab und zu fächeln sie ihrem Menschen ein wenig Energie zu, dann seufzt der kleine Hundeengel auf Mamis Bauch zufrieden und kuschelt sich auf der Decke enger an sie. Seine durchsichtigen Flügel liegen ganz sanft auf ihrer Hand mit der Infusionsnadel. Damit es nicht so weh tut. Er hat dieses ganz besonders enge Verhältnis zu ihr, deshalb darf er auch auf ihrem Bauch liegen. Das dürfen nur Tierengel mit einer wirklich besonderen Bedeutung. Tiere, die ihre Menschen im richtigen Leben schon einmal getroffen und berührt haben. Das richtige Leben ist übrigens dort, wo Menschen denken, dass sich alles abspielt, was es gibt. Sie nennen das Realität. Es ist ein bisschen so wie bei einem Radiosender. Die meisten Menschen empfangen nur auf einem Kanal und denken, es gibt keine anderen. Weil sie die nicht wahrnehmen. Gibt es aber doch. Und Tiere wissen das. Sie kennen die anderen Frequenzen. Genau wie die Engel, die Elfen und die übrigen Wesenheiten. Und manchmal kommt etwas durch. Dann erreichen die Engel die Menschen. In schwierigen Situationen ist es oft so. Da werden die Menschen ein bisschen durchlässiger für die anderen Schwingungen. Und die Engel mögen das. Alle. Denn dann können sie das tun, was sie am liebsten tun; unser Leben ein wenig freudvoller gestalten, uns behüten und helfen. Menschen wie Mami helfen sie besonders gerne, denn sie ist gutmütig, liebevoll und so mitfühlend, dass sie anderen Menschen und Tieren einfach gut tut. Und sie hat Fähigkeiten, von denen sie noch nicht einmal ahnt, dass sie sie hat. Sie könnte viel mehr aus diesen anderen Welten empfangen, weiß aber noch nicht, wie das geht. Also ist das eine echte Chance. Für Mami und ihre Engel.
Aber im Augenblick ist alles in Ordnung. Die OP ist gut verlaufen und jetzt muss der Körper erst einmal heil werden. So lange heißt es warten.
Der kleine Hundeengel dreht sich im Schlaf auf den Rücken und streckt alle Viere von sich. Er schnarcht ein klitzekleines bisschen. Aber einer seiner beiden Flügel liegt auch weiterhin auf Mamis Hand mit der Infusionsnadel. Die anderen Engel schauen kurz hin, die Elfen kichern und sirren auf und ab. Mein großer weißer Engel sendet einen winzigen, kitzelnden Energiestrahl zu der Engelhundenase. Er hört auf zu schnarchen. Für ein paar Sekunden jedenfalls. Mami geht es so gut, dass sie sich langweilen, meine Engel.

Wussten Sie, was Engel tun, wenn sie sich ein wenig langweilen und alles o.k. ist? Sie schauen erst einmal, wer noch so da ist von den Kollegen und ob es etwas zu helfen gibt an den anderen Betten. Wenn nicht, dann tun sie das, was die Menschen auch tun, wenn sie sich langweilen. Sie machen Unsinn. Liebevoll, weil Engel gute Wesen sind. Aber es bleibt Unsinn. Das sind dann die Momente, in denen uns Dinge passieren, die lustig, unlogisch oder vielleicht ein wenig ungeschickt sind. Da mag ein Mensch eine besonders schöne Muschel am Strand finden und kann nicht wissen, dass ein kichernder Engel sie ihm genau vor seine Füße geworfen hat. Ein anderer, weiblicher Mensch verliert im Wind seinen schicken Hut, der von einem männlichen Menschen aufgefangen wird und eine schöne Liebesgeschichte beginnt. Nur, weil ein Engel diesen Hut dem Kollegen zugeworfen hat. Alles längst geplant und verabredet. Jemand anders stolpert vielleicht im Flur über ein Spielzeug, dass Kinder liegen gelassen haben und findet dabei unter der Kommode Omas geliebte Brosche wieder, die sie so verzweifelt gesucht hat. Wieder ein anderer Mensch findet vielleicht einen Glückscent auf dem Parkplatz des Supermarktes und dann noch einen und noch einen und weiß, heute ist mein Glückstag. Und die Engel wippen vergnügt auf den Wolken hin und her und schütteln die Köpfe, weil doch jeder Tag voller Glück sein sollte. Nur haben wir Menschen das vergessen und weil wir durch jede Art von Glücksspiel so leicht zu erreichen sind, necken die Engel uns gerne damit. Oder ein Tier kommt ganz nahe und berührt einen Menschen. Mit dem Blick, dem Fell oder dem Herzen. Es spielt keine Rolle. Was zählt ist die Magie dieses Augenblicks.
Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass wir in solchen winzigen Momenten gar nicht in der Realität zu sein scheinen sondern irgendwo anders?
Wenn Ihnen das nächste Mal etwas ähnliches passiert, wissen Sie; die Engel spielen gerade ein wenig mit Ihnen, voller Licht und Liebe. Und wenn es ernst wird im Leben; rufen Sie Ihre Engel. Die freuen sich darauf und helfen.
Garantiert.
Bis es ein klitzekleines bisschen langweilig wird. Aber bis es soweit ist, werden sie Ihnen gut tun, die Engel. Bestimmt. Dafür sind Engel da. Irgendwie haben Sie das doch auch schon immer gewusst, oder?

Schöne Woche noch, gerne mit Engeln!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 03.Mai 2020

Wenn ihr mich sucht – ich bin im Wandel.

Diesen großartigen Satz habe ich letzte Woche irgendwo in den sozialen Medien aufgeschnappt. Er ist nicht nur witzig sondern auch noch treffend, finde ich.
Diese Zeit, die wir gerade erleben, zwingt zu Veränderung und zum Umdenken, lässt uns stellenweise überraschend kreativ werden, setzt aber auch Ängste frei und kann zu völliger Überlastung führen.
Wir müssen versuchen, uns der Veränderung anzupassen, gut für uns zu sorgen und trotz sozialem Abstand auf einander zu achten. Irgendwie.
Jeder einzelne muss sich dem Fluss dieses veränderten Lebens auf seine eigene Art und Weise anpassen.
Das ist nicht immer leicht.

Für mich persönlich hat sich in den zurückliegenden Wochen, etwas herauskristallisiert, mit dem ich eigentlich -noch- nicht gerechnet hatte. Es begann mit einem unglaublich profanen Thema: dem langsamen Verblassen meiner Haarfarbe.

Ich liebe dieses kräftige Rotbraun, mit dem mir Naturfrisörin Melissa bisher immer so viel Buntheit auf den Kopf gezaubert hat. Bisher jedenfalls, bisher war das so.
Nun schiebt sich das Grau Millimeter für Millimeter weiter in dieses allmählich verblassende Rot und damit auch in mein Bewusstsein.
Acht Wochen ohne Termin zum Nachfärben sind eine Welt. Und die verändert sich gerade – im Innen und im Außen.

Frauen und Haare, das ist eine Sache für sich, eine wichtige! Meine allererste „Forschungsarbeit“ im ersten Semester Psychologie an der Uni habe ich mit vier Freundinnen zum Thema: „Psychische Bedeutung von Frisurveränderungen bei Frauen“ gemacht. Wir fünf Studentinnen hatten damals alle enorm lange, tatsächlich unbehandelte Haare. Meine waren straßenköterblond mit rötlichem Ton, die meiner Freundinnen blond oder braun. Unser Forschungsergebnis war unspektakulär, man würde es wohl unter der Rubrik „banale Alltagspsychologie“ ablegen:
„Wenn Frau ihre Frisur radikal verändert, sich die Haare deutlich schneiden oder in einem neuen Farbton färben läßt, liegt diesem Verhalten höchstwahrscheinlich ein psychischer Prozess zugrunde. Diese äußere Veränderung markiert quasi eine vorausgegangene, innere Veränderung.“

Tja, so sieht es wohl aktuell auch bei mir aus. Innerlich spüre ich nun schon seit einiger Zeit, dass „etwas“ anklopft. Leise. Zaghaft. Irritierend. Oft auch unerwünscht. Es macht verletzlich, weniger belastbar und zeigt sich in Falten, einer gewissen physischen Dünnhäutigkeit und längeren Regenerationsphasen nach Sporteinheiten.
Dieses etwas heißt Alter.
Alter an sich empfinde ich nun wirklich nicht als Drama sondern als ganz natürlichen Prozess. Wir sollten uns eigentlich darüber freuen, überhaupt ein gewisses Alter erreichen zu dürfen – und das im besten Fall auch noch bei guter Gesundheit. Aber dieses „Alter“ hat eben auch seine Tücken, verhält sich wie eine launische Diva, die ihre Regeln selbst bestimmt. Wir müssen uns ihnen anpassen, ob wir wollen oder nicht.

Die Frage, die ich mir in den letzten Wochen immer wieder gestellt habe, ist folgende: „Bin ich soweit, diese Diva wirklich anzunehmen? Mit allem, was dazu gehört? Ist dieser Prozess des Zögerns und Zauderns mit dem Thema Alter tatsächlich abgeschlossen?“
Die Antwort lautet: „Ja.“
Jetzt bin ich soweit. Und das bedeutet:
Grauweiße Haare.
Sie passen zu meinem Alter. Ich habe beschlossen, nicht mehr zu färben. Eine neue Ära bricht an. Seit ich diese Entscheidung getroffen habe, stellt sich seltsamerweise ein neues Lebensgefühl ein. Es gibt mir Ruhe und eine Art Frieden. Es fühlt sich an, als würde ich Neuland betreten, obwohl das ziemlich übertrieben ist, denn so viel ändert sich ja nicht. Oder doch?

Fakt ist, dass alle meine Haarfarben gewisse Lebens-abschnitte begleitet haben:
Das unbeschwerte Straßenköterblond meiner Kindheit hat mich immerhin durch Jugend und junge Erwachsenenjahre begleitet, dann folgten die ersten blonden Strähnen meiner „wilden Jahre“, verwuchsen sich wieder, das Leben beruhigte sich. Nach ein paar Jahren wurde mir das Normal zu langweilig, es folgten neue Frisuren und seit ich in Aachen lebe, seit über 20 Jahren also, bin ich nun rothaarig. Gewesen.
Jetzt ist die Zeit reif für etwas Neues (aber keine Angst: ich möchte weder wegziehen, noch den Ehemann wechseln!): Kurz schneiden. Rot rauswachsen lassen. Wachsen lassen.
„Silver-Swan“ werden und trotzdem mit der Diva Alter fröhlich durch das Leben tanzen …

Wie gesagt, wenn ihr mich sucht – ich bin im Wandel.

Und wisst ihr was? Ich freue mich riesig auf alles, was noch kommt. Oder, um es mit einem meiner Lieblingssprüche zu sagen:

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. (chinesisches Sprichwort).

Schöne Maiwoche noch. Passt auf euch auf und bleibt gesund – und nutzt den Wind!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 26. April 2020

Gerade komme ich von einer kleinen Hunderunde durchs Viertel zurück. Wir sind ein bisschen durch Burtscheid flaniert, da gibt es viel zum Schnüffeln für die Fellnasen und viel zum Gucken für mich.
Wie hübsch die Menschen ihre Gärten in Ordnung haben! Bunte Blumen und blühende Bäume überall, es ist eine Freude, diese Farbenpracht zu sehen.
Bei mir zuhause sieht es ein wenig anders aus. Klar, ich hätte auch gerne eine gepflegteren Garten, aber erstens haben wir Hunde und zweitens heißt meine derzeitige Priorität: Schreiben.
Statt Unkraut zupfe ich falsch gesetzte Kommas, statt blühender Blumen sprießt meine Kreativität. Sie meint es derzeit ein bisschen zu gut mit mir und wuchert wie der Beinwell, den ich kaum noch in den Griff bekomme. Unsere Einfahrt hätte es auch mal wieder nötig in Ordnung gebracht zu werden, lieber aber bringe ich Absätze und Inhalte in Ordnung. Blütenstaub von den Gartenmöbeln wischen? Ach was, lieber Worte wegstreichen, die nicht nötig sind.
Herrlich!
Der „authentische, naturbelassene“ Garten liegt doch eh im Trend, nur das junge Gemüse wird noch bekümmert, Schreibschwester ist im Rausch der Sätze gefangen. Und wie ich das Bad in den Buchstaben genieße!

Hach was ist das herrlich – erst recht, wenn so rechtschreibkundige und lesefreudige Freundinnen wie Cordula und Kessy ihre feinen Äuglein haben über das Manuskript flitzen lassen und anschließend nicht nur mit einer Fülle gefundener Fehler zurückkehren, die es auszumerzen gilt – sondern gleich noch mit nagel-neuen Ideen daherkommen, die man einpflanzen könnte.
Ein neuer, spektakulärerer Anfang?
Grandiose Idee. Wird neu geschrieben.
Mädels, ihr seid großartig, ich bin zutiefst berührt über euer Engagement für mein unvollendetes Werk.

Gleichzeitig mache ich mir Sorgen.

Was mir derzeit tiefe innere Befriedigung und Freude bereitet, gehört im weitesten Sinne zur Kunst.
Es gibt Menschen, die sind Farbkünstler und malen die schönsten Bilder, in denen man sich als Betrachter verlieren könnte, andere berühren uns, weil sie Tonkünstler sind und singen oder musizieren, dass uns Tränen der Freude in die Augen hüfen und das Herz weit wird und wieder andere beschreiben die schönsten Geschichten mit den Füßen und dem Körper: das sind die Tänzer, Tanzkünstler, nur um ein paar dieser herrlichen Kunstformen zu nennen.

Meine Form der nebenberuflich, aber leidenschaftlich ausgeübten Form der „Wort-Kunst“ hilft mir enorm, mit den Belastungen der derzeitigen Krise umzugehen. Jede Form der Kunst, des Hobbys, das Freude macht und Erfüllung bringt, tut das.
Kunst egal in welcher Form ist für mich „Überlebens-wichtig“, wird aber derzeit als „nicht systemrelevant“ aufs Abstellgleis geschoben.

Ist das denn wirklich so?

Wer sind wir eigentlich ohne Kunst, ohne all die Künstler, ohne Musik, ohne Lieder und Konzerte, Filme, Fotos, Theater, Tanz, Bilder, Bücher, Skulpturen und so vieles andere?

Wie kann man über-leben in einer stillen Welt ohne Farben und Formen?

Wenn man nach deiner Definition im Netz sucht, steht da zum Beispiel folgendes:

Kunst: Der Versuch einer Definition.
Kunst ist eine wesentliche Ausdrucksform für Gefühle und Gedanken, welche den Menschen bewegen. Kunst ist hierbei weniger das, was Kritiker und Spekulanten für wertvoll und handelbar halten, sondern vielmehr all das, worin der Künstler ein Stück von sich selbst gegeben hat.

Kunst bewegt.
Das weiß jeder, der irgendwie künstlerisch tätig ist. Ich finde, jedes Kind sollte mindestens eine Form von Kunst ausüben, mindestens ein solches Hobby haben, das es mit Leidenschaft betreiben kann. Warum? Weil das in Krisenzeiten eine enorme Hilfe sein kann.
Wenn ich mit Erwachsenen rede, die im Burnout stecken, die Psychosomatik entwickelt haben, weil jahrelang neben dem Beruf nichts anderes mehr möglich war und sie erzählen davon, wie gerne sie als Kind gemalt oder fotografiert, Musik gemacht oder gesungen haben, dann sehe ich oft ein Leuchten in ihren Augen.

Das, was diese Menschen da beschreiben, hat sie mal bewegt. Und das kann ein Schlüssel zum Heilwerden sein. Wieder in den Fluss kommen, sich bewegen lassen – mit und durch Kunst. Kunst tut nicht nur gut, Kunst kann auch heilen.

Und das ist nicht systemrelevant?

Ich wünsche mir inständig, dass wir uns in genau diesem Sinne bald wieder frei bewegen können und dürfen, auch wenn ich grundsätzlich hinter den bisherigen Maßnahmen zur Eindämmung dieses Virus stehe.
Wenn wir die Kunst und die Künstler verkümmern lassen, lassen wir auch einen ganz wichtigen Teil von uns selbst verkümmern. Und dann? Dann sind wir richtig schlecht dran, finde ich …

In diesem Sinne: Treibt es laut und bunt, singt und tanzt und lacht und bleibt gesund

Schöne kunstvolle Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 19. April 2020

Covid-19 hat die Welt noch immer fest im Griff und ich schwanke zwischen Genervtsein über das Thema und abgrundtiefem Mitleid über das Grauen, das dieses Virus anrichtet.
Die moderate Sozial-Quarantäne bekommt mir momentan nicht so richtig gut, mir ist heute nach „albern-sein“ zumute, das bin ich zwischendurch gerne mal und ganz besonders in lustiger Gesellschaft meiner Mädels. Die fehlen.
Kathrinchen allein Zuhause, traurig. Was tue ich jetzt? Ich schreib mir was. Aber Was? Kurzer Blick in die Nachrichten genügt – da springt die Kreativität doch gleich wieder an.

Bitte, seht selbst (und habt im Hinterkopf, dies ist eine frei erfundene Kolumne, die von völlig überspitzter Darstellung lebt). Aus Lust am Fabulieren kreiere ich heute einfach mal das Kommissariat von Cornelius Onevid. Er ist Hauptkommissar, ein harter Hund, hat chronisch zu viel Testosteron im Blut und übernimmt die Zeugenbefragung (ein chinesischer und ein amerikanischer Landsmann), die nach einem Raubüberfall irgendwo mitten in Berlin ansteht, selber.

Der geschädigte: Der Finanzminister.
Dumme Sache, wird hoch aufgehangen.

Seine Assistentin Corinna Ohnehirn ist strohblond und hat im Himmel bei der Verteilung der Körbchengröße laut HIER; Doppel-D- geschrien, während sie anderer Stelle geschwiegen hat. Sie kocht guten Kaffee, macht Botengänge, Schreibarbeiten und abends oft Überstunden mit dem Chef.

„Corinna, bring den Chinesen rein.“
„Den von gestern?“
„Gibst `nen anderen?“
„Bis jetzt nicht. Warum soll ich denn den überhaupt holen, der war doch gestern und vorgestern schon dran?“
„Aber heute erzählt der wieder ein paar Worte mehr. Ist doch jeden Tag so. Immer ein bisschen mehr.“
„Ach ja Chef, haben Sie ja gestern die Reiskornstrategie genannt. Fand ich meeegaaaa. Jeden Tag ein Körnchen Wahrheit mehr. Bloß nie sagen, dass er lügt und wir das wissen. Ich hol ihn.“
Onevid stöhnte, der Tag war lang gewesen, in der Nacht hatte er kaum geschlafen und die Sache drehte sich im Kreis. Zudem brauchte die Chefin Frau Muckel Ergebnisse. Fakten für die hungrigen Wölfe von der Presse. Schließlich hatte man den Finanzminister beklaut, üble Sache. Er drückte die Zigarette aus, es war sicher seine dreißigste und es war gerade kurz nach Mittag. Die Luft im Verhörraum stand vor Rauch und dem Geruch nach kaltem Schweiß. Corinna brachte den Chinesen. Schon wieder hatte der diesen dämlichen Mundschutz um.
„Das Ding runter“, knurrte Onevid und der Chinese gehorchte. Er huschte auf seinen Stuhl und nickte freundlich. „Ich hoffe, es stört nicht, wenn ich rauche“, raunzte Onevid, ohne die Antwort seines Gegenübers abzuwarten und zündete sich die nächste Zigarette an.
„Oh nein, kein Ploblem. Luhig lauchen. Luft ist wie Zuhause, schön so. Ganz schön schmutzig.“
Ohnevid stöhnte, am liebsten hätte er dem Kerl eine Ohrfeige verpasst. „Okay Kumpel. Und jetzt die Wahrheit von heute. Wo ist die fette Beute aus dem Raub versteckt? Bleibst du dabei, dass der Taxisfahrer sie mitgenommen hat oder fällt dir heute noch `nen winziges bisschen mehr ein?“
„Oh walten bitte. Ich denken, del Taxifalel hat nächstem Gast Beutel gegeben. Große Beutel an gloße Amelikanel. Den aus Zelle neben mil. Hat mil Schläge angekündigt, falls ich lede.“ Ohnevid stutzte. „Was? Der Ami in der Zelle neben dir? Gestern hast du doch noch gesagt, du kennst den nicht. Verflucht“, seine Faust krachte auf die Tischplatte, so dass der volle Aschenbecher einen müden Hopser machte. „Corinna, raus mit dem Chinesen, rein mit dem Ami hier in den Verhörraum. Aber dalli.“
„Ich lauf schon, Chefilein.“ Sie war tatsächlich schneller als erwartet mit dem Amerikaner zurück. Ohnevid hörte ihn schon auf dem Flur. Sicher hatte der Wachmann Corinna geholfen und dem Irren Handschellen angelegt. Er pöbelte und motzte so laut, dass man es durch die geschlossene Tür hören konnte.
„I want a Lawer, sofort! This is a Zumutung!” schrie er, kaum hatte er den Raum betreten. Ohnevid stand wortlos auf, schubste den Kerl in Richtung Stuhl und stieß ihn darauf. „Halts Maul“, knurrte er.
„This is not gerecht. ICH hätte der erste sein müssen to get this Interview. I AM FIRST! Immer, always? Did you get me? Warum haben Sie das not yet verstanden? I AM FIRST!“ „Was? Der ist ein Fürst? Hätte er ja auch gleich sagen können, dann hätte ich mir ein Autogramm geholt, bevor er die Handschellen angelegt bekommen hat.“
„Corinna Schätzchen, halt auch die Klappe, bitte. Hol zwei Kaffee, für Scherze habe ich keine Nerven mehr.“
Beleidigt wackelte sie raus. Ohnevid wandte sich an den Amerikaner. „Okay mein Freund, jetzt zu dir. Der Chinese sagt, das ihr euch kennt. Du bist nach ihm in das Taxi gestiegen und der Fahrer hat dir die Beute gegeben. Was sagst du? War das so?“
„But NOOO. Fake News, ich habe nix damit zu tun. Alle lügen, dabei bin ich the greatest. Ich stehle nie, weil mir schon alles gehört und everybody loves me. I am rich. I am powerful. I am ME!!! Ich verstehe ja auch, dass, jeah you want to protect me. Gute Idee, um mich zu schützen vor den Millionen von Fans hier in Berlintown, hier in dieser -how do you say – Celle?“ „Zelle.“
„Jeah, Celle. And here is the truth: The problem is not the money. Die Chinesen sind the Problem. Ich habe mit den Wachleuten ein Agreement. Wir beginnen mit dem Bau einer Mauer zwischen unserer Cellen. Today! Make my room big again!“
Ohnevid wischte sich über die Augen, der Irre konnte keine Frage beantworten, er konnte nicht mal zuhören, geschweige denn präzise Sätze formulieren, deren Inhalt sich nicht um sein Ego drehte. Seine Sätze ähnelten sich ständig, egal was er gefragt wurde. Die Sache war aussichtslos, er würde rein gar nichts erfahren, was auch nur ansatzweise zur Lösung dieses Falles führen konnte. Der untersuchende Psychiater hatte für den Ami eine derart lange Liste von Verdachts-diagnosen auf einem Zettel hinterlassen, dass Corinna den Wisch für den Einkaufszettel des gesamten Monatseinkaufs des Kommissariats gehalten hatte. Er war froh, dass sie endlich mit dem Kaffee zurückkam. „Eine Tasse ist für Sie, Corinna, haben Sie sich auch mal verdient. Sagen Sie der Wache, die soll den hier wieder abführen hier, das bringt nichts.“
„Oh danke Chefilein, meeegaaaa lieb.“
„Okay, you got it! She loves me too, what was your name? Corine? Jeah. I am great! See you tomorrow for the next Interview. Love you all my fans. Love you Corine. Really do!” Endlich schob die Wache ihn raus, Ohnevid trank seinen Kaffee.
„Komm Schätzchen, wir fassen nochmal zusammen, was wir wissen“, stöhnte er. „Der Chinese hatte die Kohle in diesem Beutel, als er in das Taxis gestiegen ist. Wie er an das Geld gekommen ist, wissen wir immer noch nicht. Aber der Ursprung liegt beim ihm. Als der Ami unbedingt in dieses Taxi wollte und ihm egal war, dass das gefährlich sein könnte, hat er seine Chance gewittert. Der Ami hat einfach nicht kapiert, was da auf ihn zugekommen ist. Da haben ja auch noch ein paar andere Typen rumgestanden, die ne Taxe gewollt haben. Franzosen und Deutsche. Die haben aber sofort begriffen, dass da was schief läuft. Die waren vorsichtig. Nur der Ami, der hat nichts kapiert. Wir sind genauso schlau wie gestern.“
„Oh nein, seit heute wissen wir, dass der Ami ein Fürst ist. Das wussten wir gestern noch nicht.“
Ohnevids Schädel dröhnte. Er wusste, dass alles verloren war, er konnte Frau Muckel auch heute nichts Neues liefern. „Oh Chef, das habe ich fast vergessen. Die Frau Muckel hat ja zwischendurch angerufen.“
Ohnevid wich alle Farbe aus dem Gesicht. „Und das sagen Sie mir erst jetzt Ohnehirn?“
„Ich wollte sie halt nicht unterbrechen, wäre ja unhöflich gewesen …“
„Verdammt. Was hat sie denn nun gesagt? Sie machen mich wahnsinnig?“
„Im Ernst? Ach Chefilein, schon wieder? Ich bin aber auch sowas von aufregend, was? Meeegaaa. ….sieht nach Überstunden aus, waaaaaas?“
„Corinna, die Muckel? Was hat die gesagt?“
„Sie sind echt ein Spielverderber. Die Muckel hat gesagt, der Dr. Trosten hat das Problem im Labor wissenschaftlich lösen, also beweisen können. Der Chinese war der Täter. Wegen der Fingerabdrücke.“
Ohnevid spürte Übelkeit in sich aufsteigen, er spuckte in eine Ecke. „Schon wieder ein Fall für den Dr. Trosten. Es reicht. Ich schmeiß hin.“

Ich auch. Genug für heute …

Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind vollkommen frei erfunden. Diese überspitzt dargestellte Kolumne entbehrt jeglicher Realität, spiegelt nicht meine Meinung über etwaige Nationalitäten wieder und ist nach zwei Gläsern Rotwein fertiggestellt worden, die ich nach dem Joggen getrunken habe. Schlechte Kombi, aber gekichert habe ich ganz still für mich. Vielleicht schreibe ich doch irgendwann mal einen Krimi.
Prost.

Passt auf euch und die anderen auf und bleibt gesund. Und lacht. Allein und zu zweit und mit den Mädels – bald wieder! Schöne Woche noch …

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 12. April 2020

Stell dir vor es ist Ostern und keiner geht raus.

Was vor wenigen Monaten noch als wirklich schlechter Witz durchgegangen wäre, ist heute Alltag.

Ich hatte eigentlich gar nicht vor, in der Ostersonntagskolumne über das allgegenwärtige Virus-Thema zu schreiben. Aber wie heißt es so schön? Das Leben kommt dazwischen, während wir dasitzen und Pläne machen …. und nun schreibe ich doch darüber, weil meine Gedanken doch um diese Thema kreisen. Seit heute früh noch mehr als sonst.
Heute früh ist das Leben zwischen meine Pläne gekommen und zwar in Form einer knappen Nachricht eines guten alten
Freundes. Der Bruder ist verstorben. An Corona.
Alleine im Zimmer, weil niemand zu ihm durfte. Ansteckungsgefahr, schon klar.
Anfang sechzig, ziemlich gesund, ein paar Alterswehwechen. Nichts dramatisches habe er zuvor gehabt.
Die Angehörigen durften sich nicht verabschieden. Das passiert gerade tausendfach auf der Welt. Jeder kennt bald jemanden, der mit diesem Virus zu tun hatte, meine Liste wird immer länger und immer unerträglicher.
Viele können als geheilt entlassen werden.
Viele aber auch nicht.

Und nun ist Ostern. Mit diesem Fest feiern wir doch die Auferstehung von Jesus nach seinem Tod am Kreuz, nicht wahr?
Die Christen glauben daran, dass Gott seinen Sohn zwei Tage nach seinem Tod noch einmal auf die Erde zurückgeschickt hat, dass Jesus auferstanden ist von den Toten.

Genau dieser Satz treibt mir gerade die Tränen in die Augen, denn ich glaube, dass es unzählige Angehörige auf der ganzen Welt gibt, die sich genau das sehnlichst wünschen würden: Ihr an Corona verstorbener Angehöriger möge noch einmal zurückkommen, zurück zu ihnen, um in Ruhe und in Würde Lebewohl zu sagen. Um den Lebenskreis wirklich schließen zu können, wäre so ein Abschied nicht nur traum-schön sondern wichtig.
Wäre es nicht wunderbar -wenn man schon die Erde verlassen muss- sich noch einmal sehen zu dürfen, letzte Worte auszutauschen? Die Kinder oder die Enkel noch einmal zu umarmen, ihnen wichtige Dinge mit auf den Lebensweg zu geben – oder nur eine Tafel Schokolade, um zu sagen: Ich liebe dich. Du bist mein Ein und Alles. Gewesen.

Wie tröstlich wäre es zu wissen, dass es den Seelen gut geht, wenn sie in den Himmel ziehen. Und wie wunderschön wäre ein Abschied in Frieden für genau diese Seelen, die die anderen zurücklassen auf diesem Schlachtfeld, das wir „Erde“ nennen.

Wie verkraftet man solch eine Ungewissheit über die letzten Stunden eines geliebten Angehörigen, der mit hohem Fieber ins Krankenhaus gebracht werden musste und der einfach nicht mehr nach Hause gekommen ist?
Wie ist er denn gestorben? Alleine auf dem Flur, weil Pflegepersonal und Ärzte überlastet sind? War jemand bei ihm? Hatte er Angst? Wollte er noch etwas sagen? War er ruhig, versöhnt? Fragen, auf die man wohl keine Antworten mehr bekommen wird. Nie mehr.

Corona – oder Covid 19, das ist einfach eine Bezeichnung für ein Virus. Welche geballte Ladung Leiden damit zusammen hängt –für die schwer Kranken, die Sterbenden und die Hinterbliebenen– das zeigt sich womöglich erst viel, viel später, wenn die Psyche der Überlebenden, die vor Überlastung einfach zusammengeschnurrt ist, versucht, sich wieder aufzurichten.

Die derzeitige Situation macht mich aus vielerlei Gründen tieftraurig, fassungslos und oft auch unfassbar zornig. Warum? Weil die Art und Weise, WIE dieses Virus überhaupt zu uns Menschen gekommen ist, schone ein Weg war, der voller Qual und Leid gesteckt hat. Die Krankheitserreger gehen von den Tieren auf die Menschen über, sogenannte Zoonosen entstehen. Das klingt nüchtern, bringt empathische Wesen aber mit Lichtgeschwindigkeit an ihre Grenzen.

Auf der Seite von PeTA steht dazu folgendes:
Die WHO hat bestätigt, dass wir uns in einer Pandemie befinden. Jeder sollte nun die Anweisungen des Robert-Koch-Instituts befolgen – es wird aber auch Zeit, dass wir uns der Tatsache stellen, dass es unser Appetit auf Fleisch, Milch und Eier ist, der sogenannte Zoonosen befördert. Zudem sorgt dieses Verhalten dafür, dass wir in immer geringeren Abständen mit neuartigen und schwer kontrollierbaren Viren konfrontiert sein werden.
Was sind Zoonosen?
75 Prozent aller neu auftretenden Krankheitserreger wurden vom Tier auf den Menschen übertragen – diese nennt man Zoonosen. Die Ansteckung vom Tier zum Menschen kann durch direkten Kontakt mit Tieren oder auch durch kontaminierte Lebensmittel erfolgen. COVID-19, die Vogelgrippe H5N1, der hunderte Menschen zum Opfer fielen, die SARS-Pandemie 2002/2003 mit weltweit über 770 Toten, das 2012 erstmals aufgetretene MERS-CoV, das gefährliche Ebolafieber, unzählige Opfer durch multiresistente Keime und sogar Aids – sie alle haben einen gemeinsamen Nenner: Die Gier des Menschen nach Fleisch und anderen tierischen Produkten.
Weltweit pferchen wir Milliarden Tiere in enge und kotverdreckte Ställe – ihr Leben ist eine reine Qual. Diese Agraranlagen, Tiermärkte und auch die Schlachthöfe voller gequälter, verletzter, kranker Tiere sind Brutstätten für tödliche Keime. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Mutationen, antibiotikaresistenten Keimen und Zoonosen – immer mehr Viren springen vom Tier auf den Menschen über, mit nicht absehbaren Konsequenzen für die gesamte Menschheit. Auch der Verzehr von und Handel mit Wildtieren begünstigt die Übertragung von Viren auf uns Menschen. Die Corona-Krise könnte nur ein erster Vorgeschmack sein für das, was in der Zukunft, ausgelöst durch die zunehmende Tierhaltung, immer öfter passieren kann

Im Ernst? Wollen wir das? Oder sollten wir nicht allmählich endlich umdenken?

Für die, die in Käfigen oder verdreckten Ställen ängstlich auf ihr grausames Ende warten – und für die, die alleine auf den Krankenhausfluren elendig sterben. Im Endeffekt sind wir alle gleich, wir sind LEBEWESEN, wenn wir das doch nur endlich einsehen könnten.

Eine Freundin hat mir geschrieben:
„It ist not Corona – it is Karma!“
Vielleicht stimmt das, ich weiß es nicht.

Ich bin sehr gespannt, wie wir „auf (-er-) stehen“ werden nach diesem denkwürdigen „social-distancing“ Osterfest, nach dieser Krise. Ich gebe die Hoffnung nicht ganz auf, dass wir ein bisschen was lernen aus all dem Leid. Dann wäre es wenigstens nicht gänzlich umsonst gewesen …

Bleibt zuhause, bleibt gesund – frohe Ostern Euch Allen.

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 05. April 2020

Der Frühling ist da! Für jeden Gartenfreund eine wundervolle Zeit. Auch mich hat es gerade heute, am sonnigen Samstag wieder in die Beete gezogen – diese Freude ist uns ja noch erlaubt in den Krisenzeiten.
Bestückt mit vielen bunten Samentütchen ging es also los. Ich habe mir zwei neue Hochbeete gegönnt. Jawoll. Dieses Projekt war schon länger geplant und letzte Woche habe ich sie endlich aufgestellt. Nun gehören diese Beete sicher nicht zu den allerdekorativsten Gegenständen im Garten, klobig wie sie sind. Also habe ich sie neben mein Gewächshaus gestellt, auch hier ist der Platz leider überschaubar, aber so bleibt noch ein bisschen was vom schöneren Blick in den Garten, wenn dieser dann wieder hergerichtet ist – die Arbeiten laufen!

Die Hochbeete haben exakt die Maße von Euro-Paletten, das ist eine gute Größe. Nicht zu klein und nicht zu groß. Voller Begeisterung bin ich ans Werk geschritten, habe zwei Europaletten in genügend Abstand zum Säen und Ernten nebeneinander gelegt, Die Beete drauf gestellt (irre einfaches Stecksystem, auch für grüne Daumen ohne Ikea-Führerschein wie mich bestens zu bewältigen), habe Mäusegitter reingelegt und die Wände mit Plastik geschützt, damit das Holz nicht gleich fault. Dann wurden sie befüllt – unten Holz, Strauchschnitt, Blätter, eben was der Garten so hergibt. Erde, Kompost und wieder Erde, Erde, Erde. Ich habe wirklich gestaunt, wieviel da rein passt … Schnäppchen sind sie wirklich nicht, aber trotzdem freuts das Gärtnerherz und wenn wir erst den eigenen Salat auf dem Teller haben, sieht die Welt schon ganz anders aus. Wird dann halt Luxussalat. Bio. Vom eigenen Beet. Schön!

Leider hatte ich „den Salat“ schon heute bei der ersten Bestückung der Beete mit Saatgut. Ich hab ja echt gedacht, dass der Abstand zwischen beiden Beeten groß genug wäre, um sich dort bewegen zu können.
Ich habe aber die Höhe der Beete und die Breite meiner Anatomie oberhalb der Oberschenkel unterschätzt … !

Sagen wir mal so, meine Knöchel, Waden, Knie und Oberschenkel HABEN genug Platz, um sich zwischen den Beeten zu bewegen … alles was dann kommt hat ein Problem.
Tja, das steckte ich nun.

Schreibschwester zwischen zwei Hochbeeten.
Buchstäblich hatte ich ihn, den Salat, obwohl er noch in der Tüte war. Und wie ich dann so vor mich hinsteckte, habe ich mir vorgestellt, was sich wohl die jungen Pflanzen über mich erzählten würden, könnten sie denn reden und wären sie schon ein wenig gewachsen:

„Guck, da kommt sie wieder. Sieht gestreßt aus“. (Zucchini. Starkzehrer Marke Pflanzenmacho mit Sonnenbrille und Lederwestchen überm grünen Ärmelchen, überheblich grinsend).

„Kein Wunder, zunehmen darf die über den Sommer mal kein Gramm mehr, sonst passt die gaaaaaar nicht mehr zwischen die Beete. War ja schon immer eher knapp“. (Böse kicherndes Würzkraut, wuchernd).

„Aber sie gießt ordentlich und versorgt uns gut, ich bekomme immer extra Dünger“. (Ehrgeizige Kürbispflanze, Emporkommling).

„Na, das ist ja wohl das Mindeste! Ich bitte dich, die will doch später unsere süßen Früchte ernten, dafür müssen wir schon zulegen und nur das Beste bekommen. Ich stelle mich manchmal etwas mickrig an, dann tanzt sie ganz aufgeregt um mich rum und schaut, ob es mir auch gut geht.“ (Tomatenpflanze, mehrfach umgetopft und als Keimling auf der Fensterbank verhätschelt worden).

„So ne doofe Helikoptergärtnerin!“ (Eingeschnappter wilder Rukola, robust und mehrjährig).

„Warum lässt die eigentlich auf dem Beet auf ihrem Kopf so einen grauen Streifen wachsen? Kann mir das mal einer erklären?“ (Dummes Bohnenkraut, unwissend).

„Das ist ihr Haaransatz. Ich habe gehört, dass die Menschen im Moment nicht zum Frisör dürfen“. Brüllendes Gelächter aus allen Beeten …. Frechheit in Grün!!!

„Da hätt sie besser mal rote Beete gesät statt uns Rübchen“. Wieherndes grell- freches Gekicher von den Mairübchen.

„Mir ist sympathisch, dass sie mit dem Hinterteil zwischen den Hoch-Beeten hängen bleibt. Ich mag keinen Spargel.“ (Dicke Bohne. Pampig und frühschießend).

„Und faul ist die auch noch, habt ihr gesehen, dass sie SAATBÄÄNDER benutzt hat?“ (Starkzehrermacho mit Hiphop – Geste).

„Nein!“ (Aufmüpfiger Bohnenkeim).

„Doch! Gleich mehrfach. Bei den Salaten und Zwiebeln. Sieht aus wie Klopapier. Nur mit eingearbeiteten kleine Samen. Habs genau beobachtet.“ (Kletternde Kapuzinerkresse, vorwitzig, gerne tratschend).

„Und das hat die vergraben? Ich bin entsetzt.“ (Cocktailtomate, hochnäsig).

„Jawoll. Das soll ja das neue Luxusgut der Menschen sein. Ganz neue Währung. Und Schätze vergraben Menschen schonmal … habe ich gehört.“ (Starkzehrermacho tippt sich an die Sonnenbrille)

„Aber wie wächst das denn, dieses Klopapier?“ (Basilikum, Lichtkeimer, deswegen sehr helle).

„Gibt’s ein- und mehrlagig.“ (Erdmandel, vorgezogen, belehrt gerne).

„Ach so, da bin ich mal gespannt, welches sie angebaut hat ….sagt mal Bescheid, wenn`s keimt.“ Meerrettich von ganz hinten. Sieht nix. Sitzt nicht im Hochbeet, quengelt gerne.

Ich glaube, ich habe das Quarantäne-Syndrom. In schweren Fällen sollen Menschen ja mit ihren Haushaltsgeräten reden, die müssen doch verrückt sein, oder? Also DAS könnte mir ja nicht passieren.

Schöne sonnige Woche noch.
Passt gut auf Euch auf und bleibt gesund!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 29. März 2020

Eine aufregende Zeit – draußen wie drinnen.
Für mich ist sie drinnen aktuell aufregend, weil endlich ein neues Buch druckreif gemacht werden soll. Ich gebe an dieser Stelle unumwunden zu: Ich bin eine Bauch-Schreibschwester, die eine gewisse Struktur schätzt. Was ich da so aufs Papier bringe, ist nie 100 %ig durchstrukturiert. Vieles entsteht eher aus dem Bauch heraus und es passiert mir regelmäßig, dass sich z.B. ein eigentlich nebensächlicher Charakter ungeplant in den Vordergrund drängelt, mehr Platz fordert als gedacht oder ein Tier auftaucht, das mit einer neuen Geschichte daher kommt. Herrlich! Go with the Flow! Das ist Kreativität, das fließt, das liebe ich.
Allerdings führt diese Art der „Schreibe“ auch immer wieder zu logischen Brüchen, abgebrochenen Handlungen, falschen Datenangaben, Lücken und ganz simplen inhaltlichen Fehlern. Die lassen sich natürlich wieder ausbügeln und bei überschaubaren Buchprojekten ist das auch gar kein Problem.

Dieses aktuelle Projekt allerdings, mein Dreiteiler, der eine Fantasy-Geschichte werden möchte, die am Mont-Saint-Michel spielt, ist anders.
Vielschichtig und Vielfältig – schon in Teil I, der jetzt dran ist. Es gibt eine Fülle von Personen, Tieren, Wesen aus der Anderswelt, Geschehnissen, Haupt- und Nebensträngen … da ist das mit Bauch-Schreiben schwierig.
Vor einigen Wochen ähnelte das ganze Projekt dann auch eher einem gigantischen Fischernetz aus verwurschtelten Sätzen als einem schönen Manuskript. Es lag buchstäblich Satz-verheddert am Strand meiner schäumenden Kreativität.

Nun ist das leider so, dass ich das als Autor gar nicht so empfinde, ich hänge an jedem Wort, jedem Charakter und die Handlung ist ganz und gar schlüssig. Klar, ich weiß doch, was ich sagen will! Aber wenn es anfängt, auch für mich ein wenig unübersichtlich zu werden, dann wird es schwierig.

Und was braucht eine Schreibschwester in einer solch aussichtsloser Lage?

Richtig. Einen Retter.
Am besten einen mit Fuchsäuglein, scharfem Geist und logischem Denkvermögen, Freude am Aufspüren von Fehlern und am besten noch gesegnet mit einem Hauch Geduld und Empathie für den zarten Teil der Schriftstellerseele.
Diese Retter werden in der Schreiberszene Lektoren genannt und für solch eine Aufgabe muss man eine Begabung mitbringen. Wirklich. Das kann längst nicht jeder, das ist ein harter Job, der höchste Konzentration erfordert und ein Buch erst richtig lesenswert macht.

Wie gut, dass sich so jemand in meinem Haushalt finden lässt.

Mein mir angetrauter Ehemann, seines Zeichens Jurist und in diese Szene als „scharfer Hund“ bekannt, hat meine Bücher ja bisher alle redigiert.

Bevor ich ihm ein Manuskript in die Hände drücke, verfolge ich immer diese Strategie: Zur Aufmunterung lesen es zuerst zwei Freundinnen aus der Abteilung „Ich liebe alles was du schreibst“, dann bekommt es eine dritte Freundin, die kritisch ist, logische Brücher und inhaltliche Patzer und Tippfehler aufdeckt. Abschließend lese ich selbst noch einmal – und fühle mich ganz gut gewappnet. Schön geworden, jetzt kann er eigentlich nicht mehr viel finden, der Gatte.

Leider hat er bisher IMMER noch was gefunden, immer, jedes Mal! Unglaublich, aber sehr, sehr hilfreich.

Nun sagt man ja, man wächst mit seinen Aufgaben.
Das stimmt im Falle meines aktuellen Projektes mit dem Manuskript UND mit dem Können meines Lektors.
Das verstrickte Wortnetz wurde vor Monaten schon auf dem Tisch ausgebreitet und seine Äuglein flitzten ziemlich lange darüber. Stille, Schweigen, nix. Ich hatte mich schon gefreut. Du meine Güte, war es so gut?
Konnte er nichts finden?
Dann, nach langer Ruhe fegte er los, der Lektorensturm, schwoll zu einem Orkan und ein vernichtender Korrektur-Tsunami traf mich mit voller Wucht. Unvorbereitet. Fassungslos. Zweifelnd. Ich hatte einen Rettungsschirm erwartet und bekam eine kalte Dusche.

Wahrscheinlich kennt ihr alle den Herrn Llambi, seines Zeichens Wertungsrichter und Moderator bei der TV-Show „Lets Dance“, oder?
Dessen mit FREUDE boshaft, vernichtend und niedermetzelnd vorgetragenen Kommentare sind durchaus vergleichbar mit dem, was ich mir als Bauch-Schreibschwester anhören musste, als ich die Kritik meines mir angetrauten Lektors entgegen nehmen durfte.

Und so war der Titel geboren: Der Llambi der Lektoren.

Auf eine ZEHN hoffe ich noch immer, ach was sage ich, ich bin ja froh, wenn ich im Wettbewerb bleiben darf …

Llambi-Lektors Freude am Fehlerfinden ist groß, leider auch meine Fehler– und damit seine Trefferquote. Wäre er ein Hund, mein Lektoren-Llambi, dann würde ich sicher sagen „der meint das nicht so, der will nur spielen“. Aber er, er meint das GENAU SO!!!
Am heimischen Esstisch, dem Korrektur- und Kritik-Hotspot, erklangen Sätze wie diese:
„Was ist das denn? Hier hast du dein Deutsch ja total verloren“.
„Bitte? Das hier, das geht gar nicht. Völlig unlogisch, passt nicht zu der Situation in der ersten Szene“.
„Grausame Übertreibung, das ist je eine INFLATION DER SUPERLATIVE, ich nenn das nur noch IDS, das machst du ja ständig. Muss weg“.
„NEIN; Die Hauptperson soll an der Stelle nicht schon wieder heulen. Die läuft jetzt mal nicht weg sondern stellt sich der Situation“.
„Kürzen. Kürzen. Kürzen oder wolltest du einen Reiseführer schreiben? Das ist nicht Fantasy, das ist Baedeker….“.
„Schon wieder. IDS. Ich kann nicht mehr!“

Das ist doch hilfreich, oder? Pure Empathie, begleitet von Geduld und Freude am Helfen. Labsal für die Autorenseele, eben Hilfestellung in Llambi-Manier.
Er meint es gut, hört man doch sofort raus.
Ich sage ja immer, wenn Kritik im richtigen Ton kommt, kann ich die auch sofort annehmen. Passt schon. Danke Herr Llambi-Lektor Reitz. Ich freue mich auch auf das Buch, das Fischernetz wäre ja nun geordnet ….

Schöne lehrreiche und ruhige Woche noch. Bleibt gesund!

P.S.: Fürs bessere Verständnis: Wir haben Tränen gelacht bei den gemeinsamen Manuskriptbesprechungen – gerade weil die Llambi-Lektorenausdrücke so herrlich drastisch waren. Natürlich bekomme ich jede Menge liebevoller Unterstützung beim „Entwirren“ meines literarischen Fischernetzes. Spaß muss sein – in jeder Lebenslage.

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 22. März 2020

„Wann sind wir denn endlich da?“ Jeder kennt diesen Satz von quengeligen Kindern, die es auf dem Weg in den Urlaub nicht abwarten können, endlich ans Ziel zu kommen, die sich freuen, Schönes zu erleben. So fühlen sich die meisten von uns im Augenblick auch ein bisschen, oder? Keiner von uns weiß, wie lange die Corona-Reise noch andauern wird, wie lange die Einschränkungen noch gelten, ob wir ein paar unbequeme Umwege fahren müssen, gefährliche Tiefen oder sanfte Wege vor uns haben.
Es braucht neben all der Angst und Sorge aber auch Positives, gute Nachrichten und die gab es auch während der letzten Tage. Überwältigende Hilfsbereitschaft, Mitdenken, Organisieren und Musizieren gegen die Krise, aus der wir auf diese Weise Kraft ziehen können – trotz all der Probleme, die sie mit sich bringt. Applaus für alle die, die im Gesundheitssystem zusätzlich gefordert werden, sie hatten schon vorher mehr als genug zu tun und müssen nun an vielen Orten beinahe unmenschliches leisten. Sie würden sich Langeweile und Ruhe wünschen, aber sie können und dürfen nicht. Viele dieser wunderbaren Menschen wollen noch nicht einmal, sie gehen in die Krankenhäuser, um ihre Kollegen zu unterstützen, um den Kranken, um UNS zu helfen. Das ist gelebte Solidarität, das ist zum Weinen berührend und ich frage ich, wann gerade das Pflegepersonal ENDLICH besser bezahlt wird. Das ist mehr als überfällig und da der ein oder andere Politiker nun auch infiziert ist und im Krankenhaus liegen muss, könnte es sein, dass diese Notwendigkeit tatsächlich erkannt wird. Das wäre eine wirklich positive Nachricht. Managergehälter und Banker-Boni, Diäten von Politikern aussetzen und alle Gelder an die Pflegekräfte verteilen …. Fänd ich angemessen, aber ich bin und bleibe wohl ein Träumer.

Als ich gestern früh beim Einkaufen im Supermarkt war, konnte ich neben den panischen Hamstern auch die anderen beobachten. Die stillen, älteren Menschen. Eine sichtlich betagte Dame traf ich mit ihrem Rollator am Eierregal. Sie blickte sich um und wollte mir sofort Platz machen. Als ich ihr sagte „nein, nein, bitte nehmen Sie sich in Ruhe, was Sie haben möchten. Ich warte einfach, Sie waren doch zuerst hier,“ sind wir ins Gespräch gekommen. Angst hat sie. Um sich und die Kinder. Eine kleine Rente, aber es gehe schon. Nur große Einkäufe auf einmal, das könne sie nicht. Die Kinder und die Nachbarn bieten sich an, einkaufen zu gehen, wenn es schwieriger werde, jetzt traue sie sich noch hinaus. Sie wohne um die Ecke.
Ich habe ihr gesagt, dass sie auf sich aufpassen soll. „Tun Sie das auch. Bitte,“ meinte sie. Dieses gütige Lächeln traf mein Herz. Schöner Seelenfunke, Nähe in einer Krise, die „social distancing“ nötig macht.

Wir können uns auch anders berühren, das ist sicher eine der guten Erfahrungen in dieser Krise.

Eine ganz besonders schöne Nachricht hat übrigens der Journalist Jörg Seisselberg aus dem ARD-Studio in Rom verbreitet: „Wer in diesen Tagen eine Injektion Optimismus benötigt, sollte Franco Ferrarotti anrufen. Durch das Telefon ist zu spüren, wie die Augen des Soziologen leuchten, wenn er über seine Erwartungen für die Zeit nach der Coronavirus-Krise spricht. „Ich glaube, wenn die Krise vorbei ist, werden wir eine enorme Wiederkehr von Lebensfreude und Lust am Wiederaufbau erleben. Ähnlich wie am Ende des Krieges wird es in ganz Europa eine unglaubliche Explosion an Lebensfreude geben.“ Mit seinen 93 Jahren hat Ferrarotti schon viele historische Epochen und Krisen erlebt. Der emeritierte Professor gilt als Vater der italienischen Soziologie. Der derzeitige Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus, sagt Ferrarotti dem ARD-Studio Rom, sei eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft – aber auch eine Chance. „Das wird eine grundlegende, positive Erfahrung von Leben sein, gemeinsam die Krise durchzustehen. Für Europa, und, ich würde sagen, für die gesamte Menschheit.“ Krisenerfahrungen, sagt Ferrarotti, führten dazu, dass Gesellschaften enger zusammenrücken. Und dass sie aus dieser Phase neue Kraft schöpften – ungeachtet aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Auch Gianluca Castelnuovo, einer der bekanntesten Psychologen Italiens, schaut mitten in der Krise mit Zuversicht nach vorne. „Aus psychologischer Sicht wird danach eine große Lust da sein, wieder loszulegen. Zu arbeiten und zu feiern. Die zweite Jahreshälfte wird voll sein mit beruflichen Terminen, mit sozialen Ereignissen, mit Konzerten, mit der Lust auszugehen. Es wird diesen Sprungfeder-Effekt geben. Wir wollen dann in die Welt schreien, dass wir zurück sind nach diesem hässlichen Abenteuer.“ Um dieses Abenteuer gemeinsam zu überstehen, sagt Castelnuovo, der an der Universität Cattolica in Mailand lehrt, sei Optimismus psychologisch genauso notwendig wie Angst.
„Es ist wichtig, eine gewisse Dosis Angst zu haben. Angst um sich selbst und um die anderen. Also das Bewusstsein, selbst krank werden, aber auch andere, die vielleicht schwächer sind, anstecken zu können. Diese Angst ist notwendig, aber sollte nicht in Panik abgleiten, sondern zu reflektierten, vernünftigen Entscheidungen führen.“ Die Italiener, sagt Ferrarotti, seien in der Coronavirus-Krise dabei, die Grenzen ihres extremen Individualismus zu erkennen und den Wert der Solidarität wiederzuentdecken. Dies, sagt der Wissenschaftler mit seinen 93 Jahren Lebenserfahrung, tauge als gutes Beispiel auch für andere.

Wenn das so ist, wenn nach Corona eine Explosion an Lebensfreude kommt, dann ist es vielleicht ok, dass wir noch nicht da sind, dass es noch etwas dauert, bis das große Fest beginnt. Bis dahin müssen wir die quengeligen Kinder in uns beschäftigen, sie vielleicht noch einmal lehren, welche Werte auf der Lebensreise besonders wichtig sind ….

Bleibt Zuhause, bleibt gesund und bleibt im „social distancing“ verbunden. Wir sind bald da – vielleicht in einer schöneren Welt als je zuvor!

Gute und gesunde Woche für Euch


Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 15. März 2020

Eigentlich habe ich schon immer gewusst, was ich neulich rein zufällig in einem Artikel im Internet gefunden habe:

„Menschliche Emotion formt die Physikalische Realität“

In diesem Artikel wird beschrieben, dass mehrere, voneinander unabhängige Forschungen von unterschiedlichen wissenschaftlichen Teams, zum gleichen Ergebnis gekommen sind: Menschliche Emotion formt wortwörtlich die Welt um uns. Nicht nur die Wahrnehmung der Welt, sondern die Realität selbst.

Erstes Beispiel: Menschliches Erbgut, DNA, wurde einer Testperson entnommen, in einem Behälter isoliert und in der Nähe der Testperson platziert, von der sie stammt. Jetzt bekam diese Person emotionale Anreize – und fasziniert stellten die Forscher fest: die isolierte DNA reagiert mit!!!
Bei negativen Gefühlen zog sie sich zusammen, bei positiven Gefühlen entspannten sich die Strukturen.

Zweites Beispiel: Extrahierte Leukozyten der DNA von menschlichen Spendern (also weiße Blutzellen), wurden in Kammern platziert, um elektrische Veränderungen an ihnen messen zu können. Der Spender wurde in einem anderen Raum platziert und mittels Videoclips „emotionalen Stimulationen“ ausgesetzt, durch die verschiedene Gefühle hervorgerufen wurden. DNA und Spender befanden sich im selben Gebäude – aber in anderen Zimmern.
Bei den elektronisch gemessenen Höchst- oder Tiefstwerten, die der Spender emotional fühlte, zeigte die DNA IDENTISCHE REAKTIONEN ZUR GENAU GLEICHEN ZEIT auf. Selbst als man den Abstand zwischen Spender und DNA auf 50 Meilen ausweitete, zeigte sich die identische Reaktion zur gleichen Zeit.
Die Wissenschaftler folgerten daraus, dass der Spender und seine DNA über Zeit und Raum hinaus miteinander kommunizieren können.

Drittes Beispiel: Die Wissenschaftler beobachteten die Auswirkung von DNA auf unsere physische Welt. Licht-Photonen, welche die Welt um uns bilden, wurden in einem Vakuum betrachtet. Deren natürliche Örtlichkeiten waren komplett dem Zufall überlassen. Dann wurde menschliche DNA in das Vakuum gegeben.
Überraschenderweise verhielten sich die Photonen nun nicht länger zufällig. Sie folgten exakt der Geometrie der DNA. Die Wissenschaftler beschrieben das Verhalten der Photonen als überraschend und entgegen dem, was man erwarten würde. „Wir sind gezwungen, die mögliche Existenz einer neuen Form von Energie zu akzeptieren!“
Sie kamen zu dem Schluss, dass menschliche DNA wortwörtlich das Verhalten von Lichtphotonen ausmacht, welche unsere Realität formt.

Die Wissenschaftler kamen zu der überwältigenden Erkenntnis, dass wenn unsere Gefühle unsere DNA beeinflussen – und unsere DNA die Welt um uns formt, folglich unsere Gefühle die physische Welt um uns VERÄNDERN.

Und nicht nur das, wir sind verbunden mit unserer DNA über Raum und Zeit hinaus.
Wir erschaffen unsere Realität, indem wir sie anhand unserer Gefühle wählen.

So, jetzt schauen wir uns mal an, WAS das für uns bedeutet, gerade auch in der momentanen Krisen- Situation:

Reagieren wir besonnen, realistisch, vielleicht sogar mit Gefühlen von Verständnis, Güte und Liebe auf die herrschende Krise, erschaffen wir mit diesen Gefühlen GENAU SOLCH eine Realität!!
Werden wir aggressiv, panisch und egoistisch – logisch, dann erschaffen wir DIESE Welt und zwar auf reale, physische Art und Weise.

In den sozialen Medien kursieren gerade Filmchen, die Italiener zeigen, die in ihren Wohnungen unter Quarantäne stehen – und über ihre Balkon gemeinsam musizieren und singen. Das ist einfach wunderschön zu sehen und zu hören und macht einfach glücklich, wenn man es betrachtet und hört. Damit erschaffen sich diese Menschen eine positive Realität trotz der herrschenden Krise … schön, oder?

Richten wir also doch den Blick auf die kleinen schönen Dinge, unterstützen wir die, die es jetzt brauchen – denn Freundschaft, Kontakte über das Telefon, Liebe, Güte, feines Essen, Lesen oder Empathie sind nicht geschlossen worden! Erschaffen wir uns eine Realität, mit der wir diese Krise GUT meistern … alle zusammen!!!

In diesem Sinne: Schafft Euch trotz aller Herausforderungen eine gute Woche und bleibt gesund!

(Quelle der o.g. Studien: Dieter Broers http://DIETER-BROERS.DE/)

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