Gerade habe ich mich an den PC gesetzt, um die Kolumne für den morgigen Sonntag zu schreiben. Meine Hunde haben sich beleidigt zurückgezogen. Die Eine, weil sie am Hangeweiher nicht die Böschung auf der Jagd nach Wühlmäusen umgraben durfte und der Andere, weil nach zehnmal Ball durch den Flur schmettern NACH dem Spaziergang für mich Schluss war. Er hätte problemlos noch ein halbes Stündchen weitermachen können…

Ich bereite diese kleine Kolumne meistens gedanklich vor oder notiere mir während der Woche Themen, über die ich gerne schreiben würde. Das war auch diesmal so, aber ich habe gerade ein tolles Interview mit dem TV-Arzt Eckart von Hirschhausen auf T-online.de entdeckt, aus dem ich ein paar Auszüge wiedergeben möchte.

Anschließend kann ich noch immer einen Gedanken aus der vergangenen Woche mit euch teilen …

Hier erst einmal Auszüge aus dem Interview zum Thema Corona-Impfung.

INTERVIEW: TV-Arzt Eckart von Hirschhausen „Ich bin erschüttert, wie hartnäckig sich viele Impfmythen halten“

Von Sandra Simonsen, 30.01.2021

….

„Wieso gibt es aus Ihrer Sicht so viele Impfgegner?:

Ich kann verstehen, dass Impfen ein sehr sensibles Thema ist. Viele Menschen mögen keine Spritzen. Da hatte es die Schluckimpfung auf einem Zuckerwürfel einfacher. Viele haben Angst, dass die Spritze ihre körperliche Integrität verletzt. Es geht uns buchstäblich etwas unter die Haut. Wir vergessen dabei aber, dass jeder Atemzug unsere körperliche Integrität verletzt.

Inwiefern?:

Wir atmen ständig Feinstaub, Krankheitserreger und jede Menge fremder Erbinformationen ein. Jedes Stück Fleisch und jedes Stück Gemüse enthält jede Menge DNA. Für unser Immunsystem ist es relativ egal, auf welchem Weg ein Erreger oder der Bauplan für einen Teil des Erregers – und genau das ist ja die Impfung – in Kontakt mit uns kommt. Für den Lymphknoten, in dem das Abwehrsystem ihre Zellen trainiert, ist es unerheblich, ob etwas im Blut, über die Lunge oder über den Oberarmmuskel angeliefert wurde. Deshalb macht die Impfung im Kern lediglich aus einem zufälligen Vorgang, dass jemand mir seine Aerosole zuhustet, einen gezielten, planbaren und sicheren Vorgang. Ich weiß, was mir lieber ist! Aber ich verstehe auch, dass Menschen Angst haben, wenn ihnen das so noch niemand erklärt hat.“

…Interessant, oder? Soweit zu den Auszügen. Wer das ganze Interview lesen möchte, kann auf t-online.de nachgucken.

Als Erklärungsversuch kann ich dem guten Doktor Hirschhausen allerdings nur folgendes mitteilen: Wir Aachener haben in der zurückliegenden Woche eine Warnung der Stadtwerke bekommen. Verdacht auf Coli Bakterien im Trinkwasser mit der Bitte, das Wasser abzukochen, bevor man es trinkt. Dazu waren klar und deutlich jene Stadtteile in Aachen Stadt notiert, für die diese Warnung galt. Was dann allerdings auf Facebook zu lesen waren, das war unbeschreiblich, das war erschütternd. Beim Lesen der dort gestellten Fragen habe ich mich gefühlt wie so ein alter Wackeldackel im Heck eines Nachkriegs-Automobils. Ich konnte kaum noch aufhören, den Kopf zu schütteln! Irgendwann schrieb ein Leser, der das wohl ganz ähnlich sah:

„Ich bekomme Angst, wenn ich diese Fragen hier lese!“

Ein Wackeldackel-Kollege. Keine Frage. Nicht nur, dass man jegliche Rechtschreibung oder Grammatik vermisste. Es ging um Ortsangaben, ja sogar um Straßennamen und andere Städte, die man wissen wollte. Gut 99ig % der Fragen waren komplett unnötig – vorausgesetzt, man war des Lesens mächtig. Wenn ich nun dieses Erlebnis nehme und in Relation zu der Frage von dem guten Doktor Hirschhausen setze, muss ich leider sagen: Erschüttert bin ich auch, aber über etwas anderes. Über die Lese- Rechtschreib- und Verständnisfähigkeit in diesem Lande. Da kann ich nur sagen: Bitte, macht die Schulen schnellstmöglich wieder auf und FÖRDERT die Kinder viel, viel, viel mehr als bisher. Schult sie darin, einfache Inhalte von Aussagen zu verstehen und bitte auch darin, Zusammenhänge zu begreifen, kritisch zu denken und überhaupt zu DENKEN!

Vielleicht sollte man auch einen neuen Vorschultest einführen. Auf Facebook. Für die Eltern. Einfache, knapp formulierte Fragen. Kein Multiple Choice, freie Antworten. Wäre für die Schulkarriere der Sprösslinge prognostisch sicher nicht uninteressant …Vielleicht sollten wir bei der Aussage das Arztes: “Viele haben Angst, dass die Spritze ihre körperliche Integrität verletzt. Es geht uns buchstäblich etwas unter die Haut“, auch nach der Häufigkeit von Tätowierungen unter Impfgegnern fragen … nur mal so eine Idee.

So, nun aber genug zu diesem Thema.

Zum Schluss noch eine kleine Wahrnehmungsübung zur Lockdown-Ablenkung: In der letzten Woche hat mich -auch auf Facebook, da passiert auch vieles, was nett oder lustig ist- ein Aufruf aus einer Gruppe meiner belgischen Freunde erreicht. Dort fragte eine Dame, wie denn die weiblichen Vornamen unserer Omas lauten würden. Sie fände es so schade, wenn die alten Namen in Vergessenheit geraten würden und bat darum, einfach nur die Vornamen aufzuschreiben. Nicht mehr, einfach nur die Namen.

Offenbar haben alle die Bitte beim ersten Lesen verstanden und tatsächlich nur die Namen aufgeschrieben. Und wisst ihr was? Das Lesen dieser Namen war schön. Die Klänge dieser verschnörkelt klingenden nostalgischen Namen haben meine Fantasie sofort angeregt und ganze innere Filme entstehen lassen. Ich habe natürlich auch mitgemacht und „Karla und Anni“ hingeschrieben. Getreu dem alten Therapeutenmotto: „Wenn du willst, dass dein Gegenüber an seinen Opa denkt, erzähl von deinem“ ist vor meinem inneren Auge ein großer Teil meiner Kindheit wieder auferstanden. Das Haus, der Garten, die „gute Stube“ und die Gesichter von Karla und Anni, ihre Persönlichkeiten mit all ihren Eigenarten tauchten auf und es duftete nach frisch gemähtem Gras, Erdbeermarmelade und warmem Apfelkuchen, ein bisschen auch nach 4711 … eine schöne Alltagspause war das, mit allen Sinnen … empfohlen zur Nachahmung.

Schöne sinnliche Woche noch und bleibt gesund!