Es ist immer noch Krise in der Welt. Psychologisch betrachtet erleben wir eine schwierige Zeit, jeder von uns ist irgendwie betroffen.Ich habe mich im Dschungel der Selbsthilfe-Angebote mal umgeschaut und nach möglichen neuen Methoden gesucht, die einfach in der Anwendung sind, schnell gehen, leicht erlernt werden können und im besten Fall noch amüsant sind. Ach ja; erfolgreich sollen sie natürlich auch noch sein, die neuen Psycho-Methoden.

Und wisst ihr was? Ich habe etwas gefunden:

WOOP.

Klingt lustig und erfüllt tatsächlich alle meine Anforderungen.

WOOP steht für wish – outcome – obstacle – plan, in unserer schönen Heimatsprache also für Wunsch, Ziel, Hindernis und Plan. WZHP, klingt leider nicht so gut. Bleiben wir doch lieber bei WOOP. Erfunden wurde WOOP von der Psychologie-Professorin Gabriele Oettingen. Sie hat erforscht, wie aus Motivation Handlungen werden können – und ein Werkzeug zur Wunscherfüllung entwickelt. Zuvor war ihr folgendes aufgefallen: „Obwohl positives Denken sich gut anfühlt, weckt es häufig falsche Hoffnungen und hat auch fast keine Auswirkungen auf das Ziel, das wir erreichen wollen. Das haben Studien ergeben. Eine WOOP Übung hilft, die Wünsche und die Realität besser zu kombinieren.“

Unsere Wünsche sind Spiegel unserer Bedürfnisse und zeigen uns, in welche Richtung unser Leben gehen soll. Dabei ist es egal, ob wir nun unsere Corona-Kilos abnehmen wollen, einen Marathon laufen möchten, das Rauchen aufgeben, Karriere machen oder den richtigen Lebenspartner finden wollen. Im besten Falle sollte unser Handeln in die Richtung dieses Ziels gehen. Nach Oettinger genügt es nun aber nicht, sich dieses Ziel so positiv wie möglich vorzustellen. „Wir müssen unseren Zielen unsere inneren Hindernisse entgegenstellen. Auf diesem Kontrast beruht meine Methode“, so die Expertin.

Es handelt sich dabei um eine bewusste Imaginationsübung, die uns helfen soll, unsere Wünsche zu erfüllen und Gewohnheiten zu ändern.

Und so geht das: Die Übung braucht 5 Minuten, in denen man sich aber gut konzentrieren sollte.

Schritt 1, Wish/Wunsch: Finden Sie einen Wunsch, der Ihnen am Herzen liegt und umsetzbar ist.

Schritt 2, Outcome/Ziel: Stellen Sie sich lebhaft vor, wie es ist, wenn der Wunsch erfüllt ist.

Schritt 3, Obstacle/Hindernis: Fragen Sie sich: Was in mir steht der Erfüllung im Weg? (Es könnte ein Gefühl sein, eine hindernde Überzeugung oder auch eine schlechte Angewohnheit). Das Hindernis stellen Sie sich dann bitte auch lebhaft vor.

Schritt 4, Plan: Sie überlegen: Was kann ich tun, um das Hindernis zu überwinden? Und dann machen Sie einen simplen Plan: Wenn jenes Hindernis auftritt, dann tue ich ….. an dieser Stelle setzen Sie dann die entsprechenden Schritte aus dem Plan ein.“

Leider können wir zwar damit nicht die derzeitige Pandemie weg-Woopen, aber wir könnten gewisse Aspekte unseres derzeitigen (Pandemie-bedingten) Verhaltens ändern …“ so sagt sie. Natürlich wollte ich das sofort ausprobieren und habe etwas sehr, sehr einfaches zum WOOP-Einstieg gewählt. In meinem Garten steht seit letztem Jahr ein kleiner Pfirsichbaum in einem Topf. Er ist in der Sommerhitze beinahe vertrocknet, hat sich dann aber durch liebevolle Zuwendung (mit äußerst schlechtem Gewissen meinerseits) erstaunlicherweise wieder bestens erholt und gut und gerne 20 köstliche kleine Früchte gehabt. Seit dem letzten Herbst (!) war es mein Ziel, die vertrocknete dürre Esche aus dem Beet zu nehmen und ihn dort einzupflanzen. Warum ich das noch nicht gemacht habe, weiß ich gar nicht. Aber ich habe manchmal solche Anfälle von „Aufschieberitis“, Prokrastination heißt die Krankheit in Psychodeutsch übrigens. Also los mit dem WOOP:

Schritt 1, Wunsch: Totholz-Esche aus dem Beet holen (ist ca. 3 Meter hoch, Stamm nicht dick, eher dürr), Pfirsichbaum einpflanzen.

Schritt 2, Ziel: Pfirsichbäumchen steht dankbar im Beet und die Gärtnerin freut sich – auch über die köstlichen Früchte. Kann ich mir sehr gut vorstellen!

Schritt 3, Hindernis: Interessanterweise habe ich ein paar alte Gedankenmuster entdeckt, die mir hauptsächlich von meinem Herrn Papa mit auf den Weg gegeben wurden und bei denen ich mich irgendwie klein gefühlt habe: „Kind, das kannst du nicht! Lass doch so einen Unsinn. Ruf doch jemanden an.“ Klar, er hatte Angst, dass das Kind sich verletzen könnte.

Schritt 4, Plan: Ich widme mich erst dem Totholzbaum, fange mit dem Abbrechen der trockenen Äste an. Dann rüttel ich an dem Stamm und schaue, wie fest die Wurzeln sind. Dabei sage ich mir: „Klar kann ich das! Wäre ja gelacht. Meinen Mann kann ich immer noch holen, wenn ich das nicht schaffen sollte.“ Der zweite Teil des Plans: Wenn ich den alten Baum da heute rausbekomme, pflanze ich morgen das Obst-Bäumchen ein.

Und was soll ich sagen: Ich habe ihn gerade aus dem Beet bekommen, den Totholzbaum. O.k., ganz alleine habe ich das nicht geschafft, denn mein kleiner Gartenhelfer, Cairn-Terrier Nicki, Spezialist für Klein-Holz, hat mich schon sehr unterstützt. Er liebt es, Äste zu zerkauen und war so süß bei der Arbeit, dass ich mir überlegt habe, ob wir zwei nicht zusammen eine NICK-Methode erfinden könnten … ich muss das nochmal in Ruhe überdenken.Also: Let`s WOOP it!

Schöne erfolgreiche Woche noch!

P.S.: WOOP steht für wish – outcome – obstacle – plan.Die Strategie basiert auf über 20 Jahren wissenschaftlicher Forschung und hat sich über verschiedene Altersgruppen und Lebensbereiche hinweg als wirksam erwiesen. In der wissenschaftlichen Literatur ist WOOP unter der Bezeichnung des Mentalen Kontrastierens mit Wenn-Dann-Plänen (englisch: Mental Contrasting with Implementation Intentions, MCII) bekannt.www.woopmylife.org