Jetzt heißt es also in Aachen: „Ich bin bereit.“

Na gut. Auch wenn mir Sybille Keupen wirklich außerordentlich sympathisch ist, hege ich klitzekleine Befürchtungen hinsichtlich dieser „Bereitschaft“ – beziehungsweise ihrer tatsächlichen, praktikablen Umsetzung in den Alltag dieser Stadt. Und das, obwohl ich ihr bei der Stichwahl auch meine Stimme gegeben habe. Warum? Ich schätze diese Frau und ich finde, dass es an der Zeit ist, in Aachen Veränderungen vorzunehmen. Nur diese Sache mit den Grünen, die gefällt mir nicht so wirklich, denn noch immer würde ich diese Partei als unprofessionell, chaotisch und in vielerlei Hinsicht als alles andere als „Grün“ bezeichnen. Aber immerhin habe ich doch die vage Hoffnung, dass wir „Grün mit Augenmaß“ werden, denn das traue ich Frau Keupen zu – sonst hätte ich sie nicht gewählt.

Anlässlich dieses Slogans habe ich mir nach der OB-Wahl die Frage gestellt, wozu, zu welchen Veränderungen bin ich denn eigentlich bereit? Hier einige Gedanken: Ich bin bereit, mein wunderbares Auto weniger zu benutzen, wenn es gute Radwege mit Augenmaß gibt. Weniger heißt aber nicht, gar nicht mehr. Ich fahre immer noch sehr gerne Auto! Ich bin bereit, den lokalen Einzelhandel (auch Hofläden und kleine Läden) noch mehr zu unterstützen, wenn ich die entsprechenden Geschäfte zwecks Einladen von gekauften Artikeln tatsächlich noch mit meinem Auto anfahren kann. Ich bin bereit, einen Mord zu begehen, wenn ich zwei dieser neuen „Lastenfahrräder“ nebeneinander herfahren sehe, die die ganze Straße einnehmen und dabei provokant langsam unterwegs sind. …. Ihr findet den Satz irgendwie moralisch ungeschickt? Ok., ändern wir ihn auf sozialverträgliche Art und Weise ab: Ich bin bereit, wenn es heißt: Toleranz geht in alle Richtungen, nicht nur in eine. D.h., Autofahrer nehmen Rücksicht auf Radfahrer und diese halten sich im Umkehrschluss an die geltende Straßenverkehrsordnung. (Ich wäre sofort dazu bereit, alle Räder mit kleinen Nummernschildern zu belegen, damit Verstöße geahndet werden können und die Bußgelder Aachen reich machen können. Da käme was zusammen, das wäre ein Fest!!!)

Ich bin bereit, hin zu schauen und Missstände wahrzunehmen (und wünsche mir von der politischen Ebene die Bereitschaft, hier etwas zu verändern): Mehr unbürokratische Unterstützung für Alleinerziehende Frauen, mehr Unterstützung für die Kinder generell, für Schulen, die Bildung und die Ausbildung (und für Lehrer!), mehr Unterstützung für kleine und mittelständische Betriebe, die es in der Corona-Krise schwer haben, auch mehr Unterstützung für Künstler, Gastronomen, die Jugend … und bitte: Unterstützung der Tafeln für Mensch und Tier.

Ich bin bereit, Steuern auf Fleisch- und Milchprodukte zu zahlen, sogar immens hohe Steuern!!! Denn – lassen wir mal das schreckliche Tierleid außen vor, das damit unweigerlich verbunden ist- es ist zwingend notwendig, dass sich in diesem Bereich etwas ändert. Ich habe tatsächlich neulich gerade folgendes gelesen: Um ein Kilo Rindfleisch „herzustellen“, wird soviel CO2 verbraucht, dass man dafür gemütlich mit dem Auto einmal quer durch Deutschland fahren könnte. Unglaublich, oder???

So richtig „grün“ wäre es also aus meiner Sicht, Aachen nicht (nur) fahrradfreundlich zu machen, sondern auch fast vegetarisch. Fleischkonsum ist nach wie vor das größte Übel für unser Klima. Ändern wir das doch endlich! Kein brennender Regenwald mehr, der für die Wiesen abgefackelt wird, damit die Rinder darauf weiden können. DAS wäre doch mal ein geniales Ziel, oder? Als Nebeneffekt wären einige Menschen gleich auch noch gesünder. Ob die allerdings dazu bereit wären, weiß ich nicht …

Ich bin bereit, Tierquäler viel, viel härter zu bestrafen als bisher (theoretisch, per Gesetz und praktisch, d.h. tätlich. Ich würde in dem Bereich meine Hilfe anbieten). Ich bin bereit, „urban Gardening“ zu betreiben. D.h., auf den Brachflächen der Stadt Gemüsebeete anzulegen, die Dächer zu begrünen und so weiter. Da würde ich auch sofort mit anpacken.

Ich bin bereit, noch mehr als ohnehin schon Secondhandläden zu besuchen, zu tauschen statt zu kaufen und ich fände es prima, wenn es kleine Reparaturläden geben würde, um Abfall zu vermeiden! Da wäre ich sofort bereit, mit kaputten Gegenständen hinzugehen. So, das wären mal einige meiner Gedanken, die Liste ist nicht vollständig.

Wozu bist du denn bereit? Was könntest du ändern? Denk doch einfach mal drüber nach. Ganz unpolitisch. Nur mal so … vielleicht abends, wen man jetzt im Herbst wieder gemütlich zusammen sitzt.

Schöne Herbstwoche noch!