Da wären wir also mitten in Covid-Welle Nummer zwei – und das, obwohl das eigentlich niemand gewollt hat. Der Umgang mit dieser nervigen, existenzbedrohlichen Krise? Der fällt laut Aussagen einiger Psychologen und Wissenschaftlern jenen Menschen leichter, die „starke Nerven“ haben, die „resilient“ sind (Resilienz -oder auch psychische Widerstandskraft- meint die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche Ressourcen als Anlass für Entwicklung nutzen zu können). Diese innere Stabilität liegt zu aller größten Teilen schon in den Genen, die wir mit in dieses Leben bringen und entgegen jenen noch so reißerisch klingenden Seminar- und Buchtiteln:

Man kann echte Resilienz NICHT lernen.

Jede und jeder Psycho oder Coach, der sich mit so wunderbaren Instrumenten wie dem Reiss -oder Luxx Profile oder dem ID 37 zur Persönlichkeitstestung auseinandergesetzt hat, weiß das. Wir alle bringen eine Persönlichkeitsanlage mit in diese Welt. Die Experten streiten über die genaue Zahl, aber ungefähr 60 % unserer Anlage sind deutlich „fester“ ausgeprägt (und damit über die Lebensspannen stabil), als wir uns das vielleicht wünschen. Natürlich prägt uns unser Umfeld, die sozialen Kontakte usw., insbesondere in den ersten drei Lebensjahren. Wir sind unseren Genen nicht vollkommen ausgeliefert – aber psychische Wachstum kann nur -und wirklich nur- innerhalb unserer persönlichen Grenzen geschehen.

Ich kann kein anderer Mensch werden. Nie.

Der Volksmund sagt dazu „niemand kann aus seiner Haut“. So sehe ich das auch – aber diese „Persönlichkeitshaut“ ist dankenswerterweise dehnbar. Entwickelbar. Da ich Bilder und bildliche Vergleiche liebe (da kann ich nunmal nicht aus meiner Haut), beschreibe ich die Persönlichkeit gerne als einen viel zu großen, schlotternden Strampelanzug, wie Babies ihn oft tragen. Wir kommen damit auf die Welt, aber er ist noch zu groß, wir wollen noch reinwachsen, haben Raum für Entwicklung und Entfaltung. Später, in den jungen Erwachsenenjahren, sitzt er schon deutlich besser, dieser Anzug und als älterer Mensch ist der dann „richtig spack“. Maßgeschneidert. Sitzt, passt, hat keine Luft mehr.

Jeder von euch kennt sicher jemanden, der jemanden kennt, der im Alter so richtig „sperrig, schwierig und eigen“ geworden ist, oder?

Das werden wir alle …. Eben je nach der Anlage der Persönlichkeit, die wir mitbringen: Nett oder weniger nett, besserwisserisch, bestimmend oder verwöhnend, gesellig oder eben schnell genervt von anderen Menschen, um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen.

Auch hier hat der Volksmund einen schönen Spruch. „Ein (Persönlichkeits-) Bäumchen biegt sich, ein Baum nicht mehr.“

Aus einem wirklich ängstlichen Mensch mache ich keinen total mutigen Menschen, aus einem Einzelgänger kein Rudelwesen. Wir sind, wer wir sind – und damit in jeglicher Ausprägung auch vollkommen in Ordnung. Die Welt braucht jeden Einzelnen von uns. Jede und jeder hat Fähigkeiten und Talente, die einer Gemeinschaft nutzen könnten – nur auf unterschiedlichste Art und Weise.

Und jede und jeder hat ein anderes Nervenkostüm …Im Moment, im Augenblick einer Krise, da benötigen die stillen, einsamen und ängstlichen Wesen unter uns vielleicht ein bisschen mehr Unterstützung. Genau das könnten eigentlich gut diejenigen leisten, die grundsätzlich ein bisschen mehr Optimismus und Resilienz mit in der Wiege hatten. Empathie, Akzeptanz und ein guter Schuss aktive Nächstenhilfe, das wäre jetzt super!

Es heißt so schön „Die Schlauen suchen in der Krise die Lösung der Probleme, die anderen klagen an, zeigen mit den Fingern, jammern und suchen einen Schuldigen!“

Könnten wir nicht voller Respekt und Mitgefühl einfach aktiv füreinander da sein? Bitte? Dann würde das schon klappen. Auch mit dieser Krise …

Schöne gesunde Woche noch!