Spätsommer. Das ist eigentlich meine Lieblingsjahreszeit. Mit allem drumherum, Laubfärbung, Obsternte mit Apfel- und Pflaumenkuchen, Sonne, die nicht mehr ganz so stark wärmt wie die im Hochsommer, kühle Morgenstunden mit Spinnweben an den Gräsern und Büschen, gerne auch Nebel und Regen. Stört mich gar nicht. Im Gegenteil. Ich mag es sehr, wenn die Jahreszeiten leise in einander übergehen.

Seit ein paar Tagen bin ich allerdings nachdenklich geworden, denn ich habe von nun schon der vierten Freundin erfahren, dass sie an einem Wespenstich beinahe gestorben wäre. Meine Lieblingsjahreszeit hat sozusagen einen Kratzer bekommen. Bisher habe ich die Wespentierchen immer als lästiges Übel des Spätsommers erlebt, das meinen Kuchen halt genauso zu schätzen weiß wie ich. Und ich habe hübsch still gehalten, wenn sie herangeschwirrt sind – bis sie wieder davon geflogen sind. Ich finde sie hübsch. Klar, sie flößen mir Respekt ein, aber mehr auch nicht. Als so dermaßen gefährlich habe ich sie nie gesehen.

Also habe ich mal wieder nachgeschlagen und das hier bei der Redaktion Lifestyle im Internet entdeckt: „Für die meisten Menschen ist er nur lästig und schmerzhaft, doch für Allergiker kann er lebensgefährlich werden: der Wespenstich. Laut Professor Bettina Wedi von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) reagieren zwischen ein und fünf Prozent der Deutschen allergisch auf Bienen- oder Wespenstiche. Für diese Menschen führt ein Wespen- oder Bienenstich nicht nur zur Schwellung und Rötung an der Einstichstelle. Schwerwiegende Folgen können Atemnot, Kreislaufprobleme und sogar ein Herzstillstand sein. „Nach Schätzungen gibt es 20 bis 25 Todesfälle pro Jahr in Deutschland, die auf Insektenstiche zurückzuführen sind“, sagte Wedi. In der Notaufnahme haben die Ärzte zur Zeit täglich mit Patienten mit schmerzhaften Stichen zu tun. „Im Gegensatz zum vergangenen Jahr sind viele Wespen da, die Menschen sind bei dem guten Wetter häufiger draußen und werden deshalb auch häufiger gestochen“, vermutet die Allergie-Expertin. Ob jemand allergisch auf Wespen reagiert, lässt sich im Voraus nicht sagen. „Erst wenn eine allergische Reaktion nach einem Stich auftritt, ist eine Abklärung beim Arzt sinnvoll“, so Wedi gegenüber der Redaktion Lifestyle. Dabei gibt es vier Schweregrade von Hautveränderungen wie Quaddeln oder starken Schwellungen bis hin zum Herz- oder Kreislaufstillstand. Laut Wedi sind vor allem so genannte Fern- oder Allgemeinsymptome gefährlich, also Reaktionen, die nicht unmittelbar an der Einstichstelle auftreten. Dies sind zum Beispiel eine Gesichtsschwellung, Luftnot oder Kreislaufbeschwerden. Die Patienten entwickeln die Symptome innerhalb der ersten halben Stunde nach dem Stich. Die Medizinerin rät Betroffenen, immer ein Notfallset mit einem Antihistaminikum, Glukokortikoid- und Adrenalinpräparat zur Selbsthilfe dabei zu haben. Laut Wedi treffen zu wenige Allergiker Vorsorge gegen die lebensbedrohlichen Stiche. „Viele Betroffene wissen gar nicht, dass es die Hyposensibilisierung gibt, die fast 100 Prozent Sicherheit bietet“, sagte Wedi. Dazu wird etwa drei bis fünf Jahre lang das Gift des Insekts in steigender Dosis gespritzt. Anders als bei der Hyposensibilisierung gegen Heuschnupfen sei eine Behandlung auch im fortgeschrittenen Alter genauso erfolgversprechend.

Auf keinen Fall nach Wespen pusten. Damit man erst gar nicht gestochen wird, sollte man Wespen und auch Bienen auf jeden Fall in Ruhe lassen – auch wenn es schwer fällt. Die Tiere greifen nur an, wenn man nach ihnen schlägt oder ihren Nestern zu nahe kommt. Und Wespen wegpusten mag dem Menschen als milde Abwehrmaßnahme erscheinen, doch weit gefehlt: Das Kohlendioxid in der Atemluft macht die Tiere aggressiv.

Wespen mit Weintrauben ablenken

Um die Insekten fernzuhalten sollte man keinesfalls mit Wespenfallen gegen sie vorgehen – das macht alles meist noch schlimmer. Denn eine Wespe in Not setzt Geruchsstoffe frei und lockt damit andere Wespen an. Die Folge: Es werden immer mehr. Ein Mittel, das sich bewährt hat, ist die Ablenk-Fütterung: Einfach überreife Weintrauben rund zehn Meter vom Ort des Geschehens entfernt aufstellen. Das lockt die Wespen an die Weintrauben und hält sie von Kaffeetafel oder Grilltisch fern. Die Schüler Henrike Weidemann und Maike Sieler haben diese Methode im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend forscht“ entdeckt. Auch der Naturschutzbund rät zu dieser Ablenk-Methode.

Und außerdem gut zu wissen: Wichtig zu wissen ist allerdings, dass der Stichreflex der Wespe noch kurze Zeit nach ihrem Tod erhalten bleibt. Gerade verendete und sogar zerteilte Wespen können also weiterhin eine Gefahr darstellen, wenn sie festgehalten oder gequetscht werden.“Also Vorsicht bitte!

So, jetzt wissen wir ein bisschen genauer über diese kleinen Tierchen Bescheid – und bewundern sie mit der nötigen Vorsicht! Wer nicht sicher ist, ob er auf Wespenstiche derart allergisch reagiert, kann das übrigens mittels Bluttest beim Arzt rausfinden …. ein oder mehrere Stiche in der Kindheit können uns ohne unser Wissen beim nächsten Stich in Lebensgefahr bringen. Passt also gut auf.

Schöne Spätsommerwoche noch!