Lebe deine Träume.

Ein schöner Satz, oder? Was leicht verklärt nach Lagerfeuerromantik klingt, ist in Wirklichkeit mit einem gehörigen Schuss Arbeit verbunden.

Die Träume der Nacht sind etwas Großartiges. Sie helfen uns, Erlebtes im Gehirn abzuspeichern, sie „warten unsere unbewussten inneren Programme“ und sind damit wichtig für die Gesundheit von Körper und Psyche, egal ob wir sie erinnern oder nicht.

Die Träume aber, die wir auch im wachen Zustand träumen, die können noch viel mehr: Sie zeigen uns die stillen Sehnsüchte unserer Seelen auf.

Manchmal bleiben Träume einfach Träume, manchmal sind sie aber auch Wegweiser für neue Ziele, die sich im Leben entwickeln.

Im Jahre 2015 hatte ich einen solchen Traum: Durch eine liebe Freundin habe ich das Pilatesstudio von Carolin Meisel (damals noch Dyckhoff) in der Lothringerstraße in Aachen entdeckt. („meinpilates-aachen.de“). Ich habe begonnen, dort regelmäßig zu trainieren. Himmel, was hat diese Trainingsmethode meinem Körper gut getan! Der Traum, der sich ziemlich schnell daraus entwickelte: Selber Trainerin zu werden und dann am liebsten für meine Altersgruppe Kurse anbieten, „ü50“.

Also habe ich mich für die Ausbildung in Köln angemeldet, war natürlich zwischen all diesen wunderbaren jungen Frauen die Älteste im Kurs, was allerdings meinen Elan nicht schmälern konnte. Anfangs war ich doch ein bisschen erstaunt, wie schwer es mir gefallen ist, wieder auswendig zu lernen. Immerhin konnte ich bei all den anatomischen und physiologischen Inhalten auf mein altes Wissen jener Krankengymnastikausbildung zurückgreifen, die ich vor Jahrzehnten gleich nach dem Abi gemacht hatte. Das hat die Sache ein wenig erleichtert.
Die körperlichen Grenzen haben sich zügig und ziemlich schmerzhaft ebenso schnell offenbart. Oh je, was ich alles nicht so richtig turnen konnte! Der Anfang war frustrierend. Aber ein bisschen bin ich halt doch wie mein Terrier: Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, gebe ich so schnell nicht auf … . Aufgeben war keine Option.
Am Horizont stand noch immer dieser Traum.

Also habe ich mit mir selber einen Deal gemacht:
Trainiere einfach weiter. Denk nicht nach. Wenn du in einem Jahr noch immer nicht in der Lage sein solltest, die Übungen für Fortgeschrittenen zu turnen, kannst du aufgeben.

Die Überraschung folgte auf dem (Traum-) Fuß: Meine grauen Zellen gewöhnten sich an die Lernerei, fanden sogar Freude daran und meine Muskulatur entwickelte sich langsam aber stetig. Als ich die Prüfung im Frühjahr 2017 gemacht habe, konnte ich tatsächlich alle diese Übungen, an denen ich zwei Jahre vorher noch gnadenlos gescheitert war. Das hat mich hinsichtlich der Trainingsmöglichkeit eines „ü-50-Körpers“ doch sehr beeindruckt.

Carolin Meisel wurde in diesen Jahren eine liebe Ratgeberin und noch bessere Freundin. Ihr habe ich zu verdanken, dass mein Traum vom Unterrichten Wirklichkeit wurde.
(Ihre eigenen Träume haben im Übrigen in den letzten Jahren auch Gestalt angenommen: Sie hat ihren Felix geheiratet, das zweite, wunderschöne Studio im Forsthaus kam dazu – und: Der zum Klauen süße Carlo kam auf die Welt. Meisels wurden Eltern – traumhaft).

So. Nun war ich also Pilatestrainerin für die Matte.
Ich liebte und liebe noch immer, was ich tue.
Aber da war ja noch immer dieser EINE Teil des anfänglichen Traumes übrig: Ich wollte doch so gerne für meine Altersgruppe unterrichten. „Ü 50“!

TARA – und der erfüllt sich nun auch!

Ab Ende August 2020 erweitern wir im meinpilates Studio in Aachen (im Forsthaus) das Angebot: Immer am Dienstagvormittag gibt es dann „Pilates für Best-Ager“.
BÄM!

Und weil man auf einem (Traum-) Bein nicht stehen kann, hat mich mein Weg über das Frauennetzwerk „FraumitBizz“ noch zu einer zweiten tollen jungen Dame geführt:
Maria Schneiders (als kinderloses älteres Weib kann man gar nicht genug schöne junge und aktive Frauen um sich haben – das hält geistig rege, jung und ist sooo herzerfrischend).

Maria hat Ende des letzten Jahres auf der Trierer Straße in Aachen ihr Tanzstudio Ma°Vida eröffnet, in dem es neben Ballett, zeitgenössischem Tanz für alle Altersgruppen auch Yoga auch Pilates gibt.
Tja und ab September heißt es eben auch dort, im MA°Vida: Sanftes „Pilates für Best-Ager“.
Doppel BÄM.

Ich freue mich unfassbar darauf, dass es nun möglich wird, diese „ü50“ Kurse aufzubauen. Danke, ihr beiden wundervollen jungen Frauen, Caro und Maria, dass ihr mir helft, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Es bedeutet mir viel. Vielleicht mehr, als ihr euch vorstellen könnt!

Ein Traum, mein Traum, geht in die Zielgrade … ich habe dafür geschwitzt, war frustriert und unsicher, ob der überhaupt je Gestalt annehmen würde, habe viel gelacht und so manche Tube Voltaren auf meinen Muskeln verbraucht … aber das war es alles wert.

Lebe deine Träume. Du kriegst sie nicht geschenkt. Aber wenn du dafür arbeitest, können sie wahr werden.

Ich freue mich. Während ich diese Kolumne hier schreibe, habe ich die ganze Zeit so ein feines Lächeln im Gesicht. Vor rührseliger Freude.

Vor meinem geistigen Auge sehe ich all die mühseligen und misslungenen Turnversuche und mickerigen Anfänge, die diesen Traum begleitet haben. Da war mancher Lachkrampf inclusive. Aber schön war es trotzdem.

Wovon träumst du so heimlich? Was steckt da hinten in den Kammern deiner Seele und möchte gelebt werden? Spür doch mal rein. Es lohnt sich. Und wer weiß, vielleicht machst du dich ja auch auf den Weg in deinen Traum. Vergiss aber nicht: Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Bis zum Ziel zu gehen, ist immer ein Prozess.

Traumhafte Woche noch!