Gerade dümpele ich so durch das Internet, da stoße ich bei t-online auf einen Artikel zur Zufriedenheit. Ein Magdeburger Professor hat berechnet, was zufrieden macht. Aha. Klingt seltsam und interessant gleichermaßen. Meine Neugier ist jedenfalls geweckt. Schauen wir doch mal, was es hier zu lesen gibt: Geld, Gesundheit oder Familie:

Was benötigt ein Mensch, um wirklich zufrieden zu sein? Eine Studie gibt Aufschluss über die fünf wichtigsten Aspekte zum Glücklichsein. Philosophen rätseln seit Tausenden von Jahren, was für ein glückliches Leben wirklich wichtig ist. Prof. Dr. Martin Schröder von der Philipps-Universität in Marburg hat es nun berechnet. Er hat das sozio-oekonomische Panel ausgewertet, die größte Studie zu dem Thema, für die seit mehr als 30 Jahren mehr als 80.000 Menschen immer wieder zu ihrem Leben befragt werden. Dabei stuften sie verschiedene Aspekte auf einer Skala von 0 bis 100 ein. Was demnach die wichtigsten Faktoren sind, hat der Professor für Soziologie für t-online.de aufgeschrieben.

1. Arbeit

Keine Entscheidung hat einen so positiven Einfluss auf die eigene Zufriedenheit, wie Vollzeit zu arbeiten. Wer hingegen arbeitslos wird, verliert mehr als sechs von möglichen 100 Zufriedenheitspunkten. Das ist für das Glücksempfinden schlimmer, als verwitwet zu sein. Männer profitieren dreimal so sehr von einer Vollzeitstelle wie Frauen. Wer also meint, Arbeit sei schlecht für Menschen, wird von den Daten widerlegt: Nichts geht stärker mit der eigenen Zufriedenheit einher.

2. Gesundheit

In manchen Jahren fühl man sich gesünder, in anderen kränker. Je nachdem, verliert oder gewinnt man drei Punkte. Die Gesundheit ist damit der zweitstärkste Einfluss auf die Zufriedenheit. Sollte man sich also gesünder ernähren und mehr Sport treiben? Das bringt laut Studie nur 0,3 beziehungsweise 0,4 Zufriedenheitspunkte mehr. Denn zwar geht es einem besser, wenn man gesünder ist. Doch davon hat man nur einen Teil selbst in der Hand. Seien Sie also dankbar, wenn Sie sich gesund fühlen. Denn es hängt stark von Zufällen ab und hat trotzdem einen sehr starken Einfluss auf Ihre Zufriedenheit.

3. Wohnort

Jetzt müssen alle Mitbürger in den (nicht mehr ganz so) neuen Bundesländern tapfer sein. Denn nicht nur sind sie unzufriedener, auch wird unzufriedener, wer dort aus Westdeutschland hinzieht – und zwar um zwei Punkte. Der einzige Trost: Früher war es noch schlimmer. In den 1990er Jahren senkte ein Umzug nach Ostdeutschland die Lebenszufriedenheit um sieben Punkte. Der Effekt ist im Laufe der Jahre immer schwächer geworden.

4. Beziehung

Den viertstärksten Einfluss auf die Zufriedenheit hat eine Beziehung. Wer heiratet, ist im Schnitt zwei Punkte zufriedener als vorher. Wer seinen Partner verliert, verliert auch diese zwei Zufriedenheitspunkte. Männer profitieren übrigens der Studie zufolge noch mehr von Beziehungen als Frauen und kommen weniger gut damit klar, wenn eine Beziehung endet. Eine Ehe macht jedoch nur am Anfang richtig zufrieden – im Jahr der Heirat sogar fast fünf Punkte. Danach nimmt die Zufriedenheit ab, bis man etwa zehn Jahre nach der Heirat auch nicht zufriedener ist als vorher. Ehe und Partnerschaft machen also glücklich – aber dieser Effekt nimmt ab, je länger sie andauern. Und Kinder? Sie haben unterm Strich keine Auswirkung. Weder sind Eltern zufriedener als sie ohne Kinder waren, noch sind sie zufriedener als Kinderlose. Der Grund? Kinder an sich machen zwar zufrieden, doch sie nehmen einem auch gleichzeitig vieles, was zufrieden macht: Freizeit, Schlaf und Geld etwa. Daraus ergibt sich für die eigene Zufriedenheit eine große Null. Das bedeutet allerdings nicht, dass Eltern besonders unzufrieden sind, sondern dass Kinderlose ein ebenso gutes Leben wie Eltern haben. Dass Kinder für die eigene Zufriedenheit wichtig sind, ist allerdings ein Mythos.

5. Geld

Mehr Geld macht nur zufriedener, wenn man zuvor wenig hatte. 1.000 statt 0 Euro monatlich zur Verfügung zu haben, sorgt für einen gigantischen Zuwachs von acht Zufriedenheitspunkten. 2.000 statt 1.000 Euro bringen noch mal zwei Punkte, 3.000 statt 2.000 Euro nur noch einen und danach bringt mehr Geld überhaupt nichts.

Autor: Martin Schröder, geboren 1981, ist Professor für Soziologie an der Philipps-Universität Marburg und hat zahlreiche Artikel zur Zufriedenheitsforschung in Fachzeitschriften veröffentlicht. Kürzlich erschien sein Buch „Wann sind wir wirklich zufrieden? Überraschende Erkenntnisse zu Arbeit, Liebe, Kindern, Geld“. Martin Schröder lebt in Köln.

So, jetzt wissen wir, was -angeblich- wirklich zufrieden macht, wenn man es mittelt und in eine Zahlenreihe gießt. Für meine Zufriedenheit ist diese statistisch-sozio-ökonomische Panelzufriedenheit nur in etwa stimmig. Ich würde sicher sagen, dass es zufrieden und glücklich macht, einigermaßen gesund zu sein, einen Beruf auszuüben, der vielleicht sogar Freude macht, eine wirklich schöne Aufgabe bis hin zur Berufung ist und mit dem richtigen Partner zu leben. Meine Ehe hält nun schon seit 20 Jahren und es ist irgendwie entgegen diesem statistischen Trend schöner geworden. Nicht schlechter. Und sicherlich spielt Geld eine Rolle. Wenn es zu einem sicheren und angenehmen Leben führt, in dem man sich keine Dauersorgen um die nächste Rechnung machen muss, dann macht Geld zufrieden. Aber für meinen Geschmack fehlen ein paar unglaublich wichtige Dinge: Aufenthalt in der Natur, ein verantwortungsvolles Leben mit Tieren, Hobbys wie Musik, Kreativität, sportliche Aktivität als solches, ein schönes Zuhause oder auch Arbeit im Garten, Freundschaften pflegen, Gutes Essen, Theater, Konzertbesuche oder Reisen und auch Aufgaben in Ehrenämtern … DAS sind doch auch alles wahre Quellen für Zufriedenheit, oder? Wie seht ihr denn das, was macht euch zufrieden? Vielleicht nutzen wir den Sonntag ja für einen persönlichen Zufriedenheitscheck. Leider findet der zurzeit unter erschwerten Bedingungen statt, denn so manches, was wirklich zufrieden macht, steht in Covid-19 Zeiten leider nicht ganz oben auf der „Machbarkeits-Liste“. Ich erweitere meine provisorische Liste deswegen um „Träume“. Wer weiß, vielleicht wird aus manchen später mal ein Projekt, das richtig zufrieden macht …

Schöne zufriedene Woche noch!