Jetzt ist kalendarisch tatsächlich Sommer. Das ist nicht nur an der Wärme, den Gewittern und den Grillfesten zu erkennen sondern auch daran, dass in den Modehäusern und auf den entsprechenden online-Shoppingseiten die neue Herbstmode angepriesen wird, begleitet von „Sale“, „Supersale“ und weiteren Rabattschlachten.
Was in der Fashionszene gilt, gibt es übrigens auch im Gesundheitssystem. Wenn auch nicht ganz so schnell getaktet wie in der Modewelt, so gibt es doch auch hier „Trend-Krankheiten“, die sich durch die Auswirkungen unseres veränderten Lebensstil entwickeln und zu „Trends werden“.

Logisch, dass auch die Psychoszene da mitspielen möchte, die sich ansonsten in modischer „up to date“ Richtung eher so ein bisschen zurückhält.
Ich habe kürzlich eine hübsche kollegiale Wortschöpfung amerikanischer Psychologen entdeckt, die eine „neue Angstproblematik“ beschreibt:

FOMO.
The Fear Of Missing Out.

Zu deutsch: Die Angst, etwas zu verpassen. Diese neue Angst liegt schwer im Trend und bezieht sich hauptsächlich auf digital aktive Menschen, die den ganzen Tag „breaking news“ lesen, twittern, chatten, klicken und scrollen, liken und posten, um ja „up to date“ zu sein. Bloß keine Nachricht verpassen!

Das sind solche Zeitgenossen, die einem im Supermarkt den Einkaufswagen in die Fersen rammen (mit Handy in der Hand), im Straßenverkehr auf dem Kofferraum kleben (mit Kopfhörer im Ohr) und in der Fußgängerzone immer drängeln oder im schlimmsten Fall mit ihrem wichtigen Gerät in der Hand gegen Laternenpfosten laufen. Keine Zeit!!!! Mit dem Hund gehen? Nöööö, das Handy wird ausgeführt, der arme Hund ignoriert. Mit den Kindern beim Spaziergang reden? Ach was, die bekommen doch eh bald einen Gameboy, wozu mit den Kleinen eine Beziehung aufbauen? Über den Zebrasteifen gehen ohne die Mails zu checken? Unnötig, Leben in der realen Welt wird doch auch irgendwie überbewertet …

Warum? Weil man doch nichts verpassen darf !!!!!
Zuhause ist da, wo bestes Wlan ist.
Dort sitzen die FOMOs dann stundenlang wie menschliche Schildkröten mit gekrümmtem Rücken, den Kopf leicht in Richtung des Bildschirms gereckt und verfolgen die Nachrichten. Nur die Augen und die flinken Finger bewegen sich noch …

Wie schade!!! Das Leben wartet doch nicht, es ist kein Hintergrundrauschen. Es findet außerhalb des Bildschirms statt, will gelebt, erspürt und erfahren werden, das wissen wir längst. Wer erkennt, dass er zu viel Zeit online verbringt, sollte eine Pause einlegen, innehalten und sich fragen, ob das noch normal ist oder auf dem Weg in eine Störung mündet?
Kann ich noch offline leben?

Den Moment genießen, Beziehungen leben, die Natur spüren, sich selber fühlen und Spaß haben in der realen Welt, Da-sein und Anteil nehmen, sich kümmern um die Welt, die Menschen und die Tiere – und ab und zu ein bisschen Surfen im Netz. Auf die Dosis kommt es an, das ist so alt und so langweilig und so wahr. Noch immer. Auch wenn es toll ist, dass so vieles mittlerweile online zu regeln ist, das reale Leben ist doch viel zu wertvoll, um es in den virtuellen Welten verschwinden zu lassen, oder?

Schöne, genussreiche er-lebnisvolle Woche noch!