Vor drei Tagen bin ich mir untreu geworden.

Es gibt so ein paar Umweltsünden, die ich abgrundtief verabscheue und dazu gehören in Zeitschriften eingeklebte Probepackungen von Cremes, Shampoos, Body-Lotions und ähnlichem Zeug. Seit Jahren schon habe ich mir geschoren, dass ich Kosmetik aus so einen Verpackungsmist NIE ausprobieren werde, egal welche Versprechungen auch immer auf den stylischen Packungen stehen.
Das ist zu einem feststehenden Prinzip, einem Grundsatz von mir geworden.
Aber die Quarantäne scheint mich verändert zu haben.
Ich habe es tatsächlich getan. Ich habe eine Probe einer Creme „für reifere“ Haut von der Seite gelöst und sie näher betrachtet. Dann habe ich verantwortungsbewusst im Internet nachgeschaut, ob der Konzern Tierversuche macht. Tut er laut Infos nicht. Na gut. Aufmachen ist ja noch nicht verboten. Okay, dabei ist es nicht geblieben.
Ich habe diese Creme ausprobiert und meinen ureigenen Grundsatz gebrochen. Die Probe war gut, angenehm, richtig schön auf der Haut. Mit schlechtem Gewissen habe ich mir tatsächlich einen Topf davon gekauft.

Tja und nun kommt der Teil mit der Überschrift:
„Das hast du nun davon“:

Ich habe diese Creme gleich am anderen Morgen aufgetragen, bin anschließend noch schnell zum Einkaufen, ehe die Arbeit beginnen würde. Kaum am Supermarkt angekommen, spürte ich, dass sich ein dünner Schleier über meine Augen legte. Seltsam. Ein paar Mal geblinzelt, weg. Prima. Also raus aus dem Auto, Corona-Maske auf, Tasche und Brille geschnappt. Den Einkaufswagen habe ich ja noch irgendwie gesehen, aber dann wurde meine Sicht doch immer deutlicher immer verschwommener.
Die Schlieren und Schleier kehrten erbarmungslos zurück. Hm, erstmal die Brille auf. Es wurde nicht besser. Da ich mich ansonsten körperlich wohl fühlte, musste es etwas anderes sein.
So ganz allmählich schwante mir, was ich Jahre zuvor schon einmal mit irgendeiner anderen „neuen“ Creme erlebt hatte: es gibt welche, die scheinen entweder irgendwie in meine Augen zu wandern, selbst, wenn ich sie nur auf die Wangen aufgetragen habe oder aber sie haben Inhaltsstoffe, die ich nicht vertrage und die zu seltsamen Schleiersehen führen. Ich hatte das vergessen und nicht erwartet.
Zudem haben wir ja auch noch Corona-Zeiten.
Ihr könnt ja mal versuchen, durch
a.) eine Brille über der Maske, die immer wieder beschlägt und dann noch durch
b.) wolkenähnliche Schleier im Tempo Einkaufen zu gehen. Ninja-Warrior-Aufgaben sind ein Kinderspiel dagegen!
Viel Zeit hatte ich nicht, viel Glück aber schon, denn ich habe es mit vollem Einkaufskorb, schmierigen Schleiern vor den Augen und wenig Verkehr sicher wieder nach Hause geschafft.
Nachdem ich nicht nur meine Hände sondern diesmal auch mein Gesicht samt Äuglein gründlichst gewaschen hatte, war ich, sagen wir mal, doch ein bisschen erstaunt über das, was ich in meinem Einkaufskorb gefunden habe. Das hatte ich so jetzt auch nicht erwartet …
1. Fazit: diese neuartige Creme hat dazu geführt, dass ich eine vollkommen andere Produktpalette des Supermarktes kennen gelernt habe (und beides ist mir nicht bekommen!).
2. Fazit: Scheiß Karma.

In diesem Sinne: Bleibt Euch treu.

Schöne Woche mit klarer Sicht noch!