An diesem Sonntag, dem 20. Juni haben wir kalendarischen Sommeranfang, feiern den längsten Tag des Jahres mit dem Mittsommerfest und die ersten Bundesländer starten in die Sommerferien.
Ganz schön was los für einen einzigen Tag.
Die Kinder in NRW müssen noch eine Woche warten, dann heißt es auch für sie: Ferien. Aber es werden so ganz andere Ferien sein, als wir bisher kennen und lieben gelernt haben: weniger gesellige Fröhlichkeit und mehr Einschränkungen, Abstand halten und vorsichtig bleiben.

Wenn ich an den Grund denke –dieses aus China in die Welt gestreute, Leid und Tod bringende Covid 19 Virus- dann bin ich traurig und ich stelle fest, dass ich alt werde.
Warum?
Weil alte Leute immer an „Früher“ denken und das tue ich auch gerade. Die großen Ferien meiner Kindheit sind eine (wahrscheinlich leicht verklärte) Zeit voller herrlicher Erlebnisse, die nach frisch gemähtem Gras, Erdbeeren und Freiheit in ländlicher Umgebung duftet.
„Früher“ konnte man die Erdbeeren ernten, ohne in Folientunnel kriechen zu müssen, auf der Straße ohne Helm Rad fahren, barfuß am Meer laufen, ohne ständig in Plastikmüll stecken zu bleiben.
„Früher“ war alles besser, was ja nun definitiv nicht stimmt, gerne aber behauptet wird und das auch noch generationsübergreifend.
Für meine Oma war das auch schon so, Neuerungen wurden beargwöhnt, das scheint in der Natur des Menschen zu liegen. Das Telefon, das aus der Wand kam zeigte sich für Oma als ein unheimliches Übel, ich will mir gar nicht ausmalen, was sie wohl zu Twitter, Facebook oder Instagram gesagt hätte.

Sechs Wochen ohne Schule, was war das herrlich! Ein bisschen verreisen und viel zuhause sein. Mit den Freundinnen und Freunden auf der Straße spielen. Ständig aufgeschürfte Knie und Ellbogen gehörten ebenso dazu wie das Eis vom Wagen, der klingend durch die Straßen fuhr. Stapelweise Bücher lesen, in den Tag träumen, mit Oma Obst pflücken, einkochen und Kuchen backen, der noch warm im Schatten des Apfelbaumes im Garten verspeist wurde. Bauchschmerzen hinterher inklusive, aber dagegen gab es ganz heimlich einen winzigen Schluck Kirschschnaps von der Großtante.
Einmal sind wir alle aufgeflogen, meine Oma, meine Schwester, die Großtante und ich, als wir alle vier ein bisschen zu lustig waren, weil der Schluck Kirschschnaps doch ein bisschen zu groß ausgefallen war. Es krachte ordentlich, meine Eltern waren „not amused“! Also haben wir beim nächsten Mal besser aufgepasst. Es hat mir nicht geschadet ….
Schön war das in diesen großen Ferien, einfach, aber schön. Wenn verreist wurde, ging es entweder mit der Familie ans Meer nach Pellworm oder Dänemark, alternativ in den Schwarzwald, nach Bayern oder Südtirol. Geld im Überfluss zum Ausgeben für teure Urlaub war nicht da. Geflogen sind wir nie. Aus heutiger Sicht hatten wir alle in meiner Familie einen ganz schön schmalen ökologischen Fußabdruck – nicht nur in der Urlaubshinsicht sondern allgemein. Gemüse bauten die Gärtner rund herum an, das ging man ernten, zeigte den prallvollen Korb und bezahlte. Nix in Plastik packen oder so, oh nein. Oma oder Mutter kochten abwechselnd für alle, nähten und strickten und strahlten eine Grundzufriedenheit aus, wie ich sie in meinen späteren Jahren nicht mehr oft erlebt habe (und nach der ich heute selber oft genug auf der Suche bin).
Sommer, das war eine beschauliche, schöne Ferienzeit ohne gewaltige Anstrengungen in jeglicher Richtung. Ferien waren zum Ausruhen da und ich durfte mir jeden Tag die Frage stellen, was ich denn wohl tun wollte. Langeweile empfand ich als unglaublich kreativ, denn daraus entwickelten sich immer die schönsten Ideen und irgendwann ist mir auch immer etwas eingefallen.
Und heute? Heute hätte ich gerne wieder ein bisschen von diesem „Früher“ zurück. Für mich und ganz besonders für die Kinder, die in diesen Wochen und Monaten in die Ferien starten und auf so vieles verzichten müssen. Schöne Erinnerungen müssen doch erst erlebt werden, ehe man mit liebevoller Nostalgie an sie denken kann.
Damit aus dem „Heute“ eine schöne Basis für ein „Früher“ werden kann, müssen die Erlebnisse doch Zeit haben, einen Teppich voller bunter Erinnerungen und Träume weben zu können …

Lasst uns zusammen die Welt in diesem Sommer, dem ein bisschen die schmetterlingstanzende Leichtigkeit fehlt, etwas schöner machen. Ein klein wenig so wie „Früher“, das wünsche ich mir heute …

Schöne Sommerwoche noch!