Covid-19 hat die Welt noch immer fest im Griff und ich schwanke zwischen Genervtsein über das Thema und abgrundtiefem Mitleid über das Grauen, das dieses Virus anrichtet.
Die moderate Sozial-Quarantäne bekommt mir momentan nicht so richtig gut, mir ist heute nach „albern-sein“ zumute, das bin ich zwischendurch gerne mal und ganz besonders in lustiger Gesellschaft meiner Mädels. Die fehlen.
Kathrinchen allein Zuhause, traurig. Was tue ich jetzt? Ich schreib mir was. Aber Was? Kurzer Blick in die Nachrichten genügt – da springt die Kreativität doch gleich wieder an.

Bitte, seht selbst (und habt im Hinterkopf, dies ist eine frei erfundene Kolumne, die von völlig überspitzter Darstellung lebt). Aus Lust am Fabulieren kreiere ich heute einfach mal das Kommissariat von Cornelius Onevid. Er ist Hauptkommissar, ein harter Hund, hat chronisch zu viel Testosteron im Blut und übernimmt die Zeugenbefragung (ein chinesischer und ein amerikanischer Landsmann), die nach einem Raubüberfall irgendwo mitten in Berlin ansteht, selber.

Der geschädigte: Der Finanzminister.
Dumme Sache, wird hoch aufgehangen.

Seine Assistentin Corinna Ohnehirn ist strohblond und hat im Himmel bei der Verteilung der Körbchengröße laut HIER; Doppel-D- geschrien, während sie anderer Stelle geschwiegen hat. Sie kocht guten Kaffee, macht Botengänge, Schreibarbeiten und abends oft Überstunden mit dem Chef.

„Corinna, bring den Chinesen rein.“
„Den von gestern?“
„Gibst `nen anderen?“
„Bis jetzt nicht. Warum soll ich denn den überhaupt holen, der war doch gestern und vorgestern schon dran?“
„Aber heute erzählt der wieder ein paar Worte mehr. Ist doch jeden Tag so. Immer ein bisschen mehr.“
„Ach ja Chef, haben Sie ja gestern die Reiskornstrategie genannt. Fand ich meeegaaaa. Jeden Tag ein Körnchen Wahrheit mehr. Bloß nie sagen, dass er lügt und wir das wissen. Ich hol ihn.“
Onevid stöhnte, der Tag war lang gewesen, in der Nacht hatte er kaum geschlafen und die Sache drehte sich im Kreis. Zudem brauchte die Chefin Frau Muckel Ergebnisse. Fakten für die hungrigen Wölfe von der Presse. Schließlich hatte man den Finanzminister beklaut, üble Sache. Er drückte die Zigarette aus, es war sicher seine dreißigste und es war gerade kurz nach Mittag. Die Luft im Verhörraum stand vor Rauch und dem Geruch nach kaltem Schweiß. Corinna brachte den Chinesen. Schon wieder hatte der diesen dämlichen Mundschutz um.
„Das Ding runter“, knurrte Onevid und der Chinese gehorchte. Er huschte auf seinen Stuhl und nickte freundlich. „Ich hoffe, es stört nicht, wenn ich rauche“, raunzte Onevid, ohne die Antwort seines Gegenübers abzuwarten und zündete sich die nächste Zigarette an.
„Oh nein, kein Ploblem. Luhig lauchen. Luft ist wie Zuhause, schön so. Ganz schön schmutzig.“
Ohnevid stöhnte, am liebsten hätte er dem Kerl eine Ohrfeige verpasst. „Okay Kumpel. Und jetzt die Wahrheit von heute. Wo ist die fette Beute aus dem Raub versteckt? Bleibst du dabei, dass der Taxisfahrer sie mitgenommen hat oder fällt dir heute noch `nen winziges bisschen mehr ein?“
„Oh walten bitte. Ich denken, del Taxifalel hat nächstem Gast Beutel gegeben. Große Beutel an gloße Amelikanel. Den aus Zelle neben mil. Hat mil Schläge angekündigt, falls ich lede.“ Ohnevid stutzte. „Was? Der Ami in der Zelle neben dir? Gestern hast du doch noch gesagt, du kennst den nicht. Verflucht“, seine Faust krachte auf die Tischplatte, so dass der volle Aschenbecher einen müden Hopser machte. „Corinna, raus mit dem Chinesen, rein mit dem Ami hier in den Verhörraum. Aber dalli.“
„Ich lauf schon, Chefilein.“ Sie war tatsächlich schneller als erwartet mit dem Amerikaner zurück. Ohnevid hörte ihn schon auf dem Flur. Sicher hatte der Wachmann Corinna geholfen und dem Irren Handschellen angelegt. Er pöbelte und motzte so laut, dass man es durch die geschlossene Tür hören konnte.
„I want a Lawer, sofort! This is a Zumutung!” schrie er, kaum hatte er den Raum betreten. Ohnevid stand wortlos auf, schubste den Kerl in Richtung Stuhl und stieß ihn darauf. „Halts Maul“, knurrte er.
„This is not gerecht. ICH hätte der erste sein müssen to get this Interview. I AM FIRST! Immer, always? Did you get me? Warum haben Sie das not yet verstanden? I AM FIRST!“ „Was? Der ist ein Fürst? Hätte er ja auch gleich sagen können, dann hätte ich mir ein Autogramm geholt, bevor er die Handschellen angelegt bekommen hat.“
„Corinna Schätzchen, halt auch die Klappe, bitte. Hol zwei Kaffee, für Scherze habe ich keine Nerven mehr.“
Beleidigt wackelte sie raus. Ohnevid wandte sich an den Amerikaner. „Okay mein Freund, jetzt zu dir. Der Chinese sagt, das ihr euch kennt. Du bist nach ihm in das Taxi gestiegen und der Fahrer hat dir die Beute gegeben. Was sagst du? War das so?“
„But NOOO. Fake News, ich habe nix damit zu tun. Alle lügen, dabei bin ich the greatest. Ich stehle nie, weil mir schon alles gehört und everybody loves me. I am rich. I am powerful. I am ME!!! Ich verstehe ja auch, dass, jeah you want to protect me. Gute Idee, um mich zu schützen vor den Millionen von Fans hier in Berlintown, hier in dieser -how do you say – Celle?“ „Zelle.“
„Jeah, Celle. And here is the truth: The problem is not the money. Die Chinesen sind the Problem. Ich habe mit den Wachleuten ein Agreement. Wir beginnen mit dem Bau einer Mauer zwischen unserer Cellen. Today! Make my room big again!“
Ohnevid wischte sich über die Augen, der Irre konnte keine Frage beantworten, er konnte nicht mal zuhören, geschweige denn präzise Sätze formulieren, deren Inhalt sich nicht um sein Ego drehte. Seine Sätze ähnelten sich ständig, egal was er gefragt wurde. Die Sache war aussichtslos, er würde rein gar nichts erfahren, was auch nur ansatzweise zur Lösung dieses Falles führen konnte. Der untersuchende Psychiater hatte für den Ami eine derart lange Liste von Verdachts-diagnosen auf einem Zettel hinterlassen, dass Corinna den Wisch für den Einkaufszettel des gesamten Monatseinkaufs des Kommissariats gehalten hatte. Er war froh, dass sie endlich mit dem Kaffee zurückkam. „Eine Tasse ist für Sie, Corinna, haben Sie sich auch mal verdient. Sagen Sie der Wache, die soll den hier wieder abführen hier, das bringt nichts.“
„Oh danke Chefilein, meeegaaaa lieb.“
„Okay, you got it! She loves me too, what was your name? Corine? Jeah. I am great! See you tomorrow for the next Interview. Love you all my fans. Love you Corine. Really do!” Endlich schob die Wache ihn raus, Ohnevid trank seinen Kaffee.
„Komm Schätzchen, wir fassen nochmal zusammen, was wir wissen“, stöhnte er. „Der Chinese hatte die Kohle in diesem Beutel, als er in das Taxis gestiegen ist. Wie er an das Geld gekommen ist, wissen wir immer noch nicht. Aber der Ursprung liegt beim ihm. Als der Ami unbedingt in dieses Taxi wollte und ihm egal war, dass das gefährlich sein könnte, hat er seine Chance gewittert. Der Ami hat einfach nicht kapiert, was da auf ihn zugekommen ist. Da haben ja auch noch ein paar andere Typen rumgestanden, die ne Taxe gewollt haben. Franzosen und Deutsche. Die haben aber sofort begriffen, dass da was schief läuft. Die waren vorsichtig. Nur der Ami, der hat nichts kapiert. Wir sind genauso schlau wie gestern.“
„Oh nein, seit heute wissen wir, dass der Ami ein Fürst ist. Das wussten wir gestern noch nicht.“
Ohnevids Schädel dröhnte. Er wusste, dass alles verloren war, er konnte Frau Muckel auch heute nichts Neues liefern. „Oh Chef, das habe ich fast vergessen. Die Frau Muckel hat ja zwischendurch angerufen.“
Ohnevid wich alle Farbe aus dem Gesicht. „Und das sagen Sie mir erst jetzt Ohnehirn?“
„Ich wollte sie halt nicht unterbrechen, wäre ja unhöflich gewesen …“
„Verdammt. Was hat sie denn nun gesagt? Sie machen mich wahnsinnig?“
„Im Ernst? Ach Chefilein, schon wieder? Ich bin aber auch sowas von aufregend, was? Meeegaaa. ….sieht nach Überstunden aus, waaaaaas?“
„Corinna, die Muckel? Was hat die gesagt?“
„Sie sind echt ein Spielverderber. Die Muckel hat gesagt, der Dr. Trosten hat das Problem im Labor wissenschaftlich lösen, also beweisen können. Der Chinese war der Täter. Wegen der Fingerabdrücke.“
Ohnevid spürte Übelkeit in sich aufsteigen, er spuckte in eine Ecke. „Schon wieder ein Fall für den Dr. Trosten. Es reicht. Ich schmeiß hin.“

Ich auch. Genug für heute …

Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind vollkommen frei erfunden. Diese überspitzt dargestellte Kolumne entbehrt jeglicher Realität, spiegelt nicht meine Meinung über etwaige Nationalitäten wieder und ist nach zwei Gläsern Rotwein fertiggestellt worden, die ich nach dem Joggen getrunken habe. Schlechte Kombi, aber gekichert habe ich ganz still für mich. Vielleicht schreibe ich doch irgendwann mal einen Krimi.
Prost.

Passt auf euch und die anderen auf und bleibt gesund. Und lacht. Allein und zu zweit und mit den Mädels – bald wieder! Schöne Woche noch …