Vorweihnachtszeit, das ist eine Zeit, die für entspannte Vorfreude gedacht ist, für Plätzchen backen, gemütliches Beisammensein, Musik hören, Lesen bei Kerzenschein, gemeinsam Singen und sich auf das Fest freuen. Irgendwie sieht die Realität ja nun ein ganz klein bisschen anders aus, die Lichter, die ich dieser Tage am meisten sehe, sind nicht etwa die auf meinem Adventkranz oder in der gemütlichen Stube sondern die roten Rücklichter des Autofahrers vor mir, der X-mas Stau ist dieses Jahr in Aachen XXXL dank echt durchdachter Baustellenplanung – danke an alle Beteiligten dafür.
An den Kassen der Supermärkte herrscht drängelnder Ausnahmezustand mit dezent aggressiver Note. Man könnte sich wirklich fragen, welche Hurrikan-Warnung man eigentlich überhört hat, wenn man diese vollen Einkaufswagen sieht, deren Inhalt an Hamsterkäufe erinnern. Evakuierung. Notfall. Das Überleben muss sichergestellt werden, mit und ohne Schwiegermüttern, Tanten, Onkels und den übrigen Anverwandten – und zwar über Wochen. Ganz sicher, da muss ich was übersehen haben, denn erklärbar ist nicht, was passiert und was der Konsument da so anstellt und in die Kofferräume stopft. Fridays for Future? Äh, damit fangen wir im neuen Jahr wieder an. Das neue I-Phone wäre ja nun doch ganz schön unter der Christtanne …

Was ich dieser Tag umso schöner finde, ist ein Konzert- oder Theaterbesuch. Ich LIEBE Theater und da ich in den letzten Jahren selber an manch wundervollen Tanzvorstellung der hiesigen Ballettschule Freudensprung von Sally Hanke mitmachen durfte und schon auf „Hobbyniveau“ weiß, wieviel Arbeit, Einsatz und Engagement hinter einer gelungenen Kindertanz-Aufführung steckt, bewundere ich Profis erst recht, die auf hohem Niveau „abliefern“ müssen.
In meinem Beruf muss ich oft genug die ernsten Seiten des Lebens in den Vordergrund stellen, um die leichteren wieder entdecken zu können. Entsprechend habe ich an einen Theaterabend immer nur einen einzigen Anspruch:
Unterhalt mich bitte. Bestens. So gut, dass ich nicht auf die Uhr gucke, vor Freude quieke und hinterher vor Glück seufze.

Es gibt hier in Aachen für mich nur einen Ort, an dem ich das regelmäßig genau SO erlebe:
Im Grenzlandtheater bei der Sparte Musical.
Einfach herrlich!!!!!!!

Immer wenn ich sehe, das dort ein neues Musical auf dem Plan steht, versuche ich im Tempo eines Formel-Eins-Boliden sofort Karten zu ergattern. Denn leider ist die Qualität der Aufführungen dort längst kein Geheimtipp mehr, Karten für die Musicals sind schwer gefragt und oft müssen auch noch Zusatzvorstellungen angesetzt werden, die auch wieder sofort ausverkauft sind. Das spricht für sich und das gesamte Team um Uwe Brandt.

In dieser Woche liefen nun die Vorpremieren für das aktuelle Stück „My fair Lady“, von denen ich das Vergnügen hatte, eine besuchen zu dürfen. Herrlich!!! Die Premiere ist genau heute, am Samstag dem 14. Dezember, ich drücke Euch allen feste die Daumen!!!
Eigentlich kann nichts schief gehen, die Vorstellung ist ein Fest für die Sinne, die Konsum-Weihnacht hält für ein paar Stunden einfach mal die Luft an, bleibt draußen vor den Türen der Elisengalerie. Alle, wirklich alle Rollen sind perfekt besetzt und gespielt – Hochachtung habe ich für die Eliza, die von Karina Kettenis mit einer Wahnsinnsstimme gesungen und gespielt wird, vor allem aber auch vor Gido Schimanski als Henry Higgins– WAS für ein Text, den er virtuos singt, spricht, lebt.
Jede und jeder klasse, alles wie aus einem Guss, es könnte nicht schöner sein. Ich könnte jede und jeden Einzelnen hervorheben, möchte das aber an dieser Stelle für eine Frau tun, die aus meiner Sicht besonders ist und die im Hintergrund arbeitet. Sie schafft es, wirklich jeden und jede gut aussehen zu lassen, Vorzüge zu betonen und Talente in Szene zu setzen und sorgt nebenbei auch noch für eine großartig freundliche Stimmung. Während der Hobbyproben in besagter Ballettschule habe ich die Freude gehabt, mit ihr arbeiten zu dürfen – und bei Gott, ich hätte für diese Proben bezahlt, so großartig waren die! Die ein oder der andere weiß jetzt schon, dass von Marga Render die Rede ist, Choreografin am Grenzlandtheater (und noch vieles mehr).

Liebe Marga, du bist nicht nur menschlich großartig, du schaffst es mit JEDER Choreographie im Grenzlandtheater, dass ich nach wenigen Minuten vergesse, wie winzig diese Bühne da ist, auf der ihr agiert. Chapeau, meine Liebe!

Und Danke, dass Du, dass ihr alle meine Vorweihnachtszeit ein bisschen schöner macht …
Nächste Woche gehe ich nochmal hin, zu „My fair Lady“. Im Supermarkt summe ich am Obststand schon jetzt voller Vorfreude … „es grünt so grün wenn Spaniens Blüten blühen“ … dümmliche Blicke pariere ich selbstredend mit „Mein Gott jetzt hat sie´s.“
Was muss, das muss.
Dä!!!

Schöne besummliche, äh, besinnliche Vor-Weihnachtszeit!