Freundschaften sind schön. Sie sind ein bisschen das Salz in der Suppe des Lebens, so etwas wie der Gleichklang verbundener Seelen. Ohne diesen Austausch, diese Freude, sich zu sehen, zu begegnen und zu erzählen, was so los ist im Leben, fehlt etwas. Das wissen und spüren wir nicht erst seit wir im Corona-Lockdown waren.
Wenn man an zwei Orten auf dieser schönen Welt leben darf, ergeben sich auch Freundschafen an beiden Orten. Die wohl berührendste neue Freundschaft, die wir seit gut einem Jahr miterleben dürfen, ist allerdings keine unter Menschen – sondern eine unter Hunden.

Kurz nach dem Umzug in das neu renovierte Ferienhaus kam ein Mann mit einer wirklich sehr kleinen, zuckersüßen (aber frechen), schneeweißen Jack-Russe-Terrierhündin am Zaun vorbei. Er meinte, sie sei schwierig, zwicke andere Hunde und sei nicht so verträglich.

Hm.

Sie hielt an, wedelte voller Entzücken mit dem Schwänzchen, als sie unsere Zwei sah, musste mit ein bisschen Gewalt nach Hause bugsiert werden. Von da an kamen sie immer öfter, erst einmal am Tag, dann zweimal. Dieser kleine Hund führte sein großes Herrchen zu uns, so viel stand fest. Ein anderer Spaziergang? Er hatte keine Chance.
Und jedes Mal wedelten dabei zwei Schwänzchen besonders begeistert: Das der kleinen weißen Dame und der unseres Cairnterrier-Rüden Nicki.
Irgendwann haben wir sie samt Herrchen, der ein wenig ängstlich war, dann mal in den Garten gebeten. Von da ab gab es kein Halten mehr. Die Hunde jagten ihre Runden um das Haus, dass es eine Freude war. Unserer kleine Rumänin Flika hielt sich ein wenig abseits, das weiße Wiesel war ihr wohl zu stürmisch.
So viel zu nicht verträglich … es muss halt passen, sie ist klein, aber jeder Zentimeter eine Dame, eine wählerische Dame natürlich!

Nach nur sechs Monaten (!!) wurden auch wir Menschen beachtet, sogar akzeptiert und tatsächlich auch beschmust, dass es einem das Herzchen öffnen konnte. Offenbar verschenkt Madame ihr Herz sehr vorsichtig, wenn – dann aber zu Hundertprozent.
Der traurige Punkt aber ist der: Wenn wir wieder abreisen, zerrt sie ihr Herrchen trotzdem vor das verschlossene Haus und frisst schonmal zwei Tage schlecht … das ist ganz schlimm zu wissen und tut uns schrecklich leid!

Tja und auch während unserer gut viermonatigen Abwesenheit durch Corona war sie täglich da, um bei ihrer „Second Residence“ zu kontrollieren, wo Nicki denn bleibt. Immer haben wir Fotos bekommen und immer hat es uns traurig gemacht, wenn die aufmerksame kleine Hundedame vor dem Tor stand und hineinspähte in den leeren, hundelosen Garten.

„Ist er da, der Nicki? Nein? Warte Herrchen, noch ein paar Minuten, vielleicht kommt er noch raus …na, ok, dann morgen wieder. Morgen ist er bestimmt da …!“

Jeden einzelnen Tag war sie dort. Ob es regnete, kalt war, ungemütlich, zu heiß, nichts hat sie gestört … das ist so unfassbar anrührend und schrecklich zugleich.

Gestern war es dann soweit. Endlich! Vor Aufregung zitternd kam sie in den Garten, konnte ihr Glück kaum fassen, war erstmal ein wenig irritiert, vorsichtig, schüchtern – aber dann, dann gab es kein Halten mehr. Erstaunlicherweise hat auch Nicki wenig Minuten bevor sie kam, angefangen zu jaulen – wahre Hundefreundschaft!!!
Ein kleines glückliches und flinkes Hundegespann hat zusammen den Garten zurückerobert und anschließend sprang sie uns Menschen nacheinander auf den Schoß, um uns abzuschlecken und Hallo zu sagen.

„Wo seid ihr nur so lange gewesen? Ich habe jeden Tag nach euch geschaut und auf euch gewartet, es hat sooo lange gedauert … schön, dass ihr jetzt endlich wieder hier seid. Bleib noch ein bisschen, ja?“

Und als Herrchen meinte, er und seine Frau hätten verfügt, dass –falls mal was passieren sollte, man wisse ja nie- also, dass wir dann den Hund nehmen. Ob das in Ordnung wäre und ob wir das tun würden? Also da haben wir dann alle eine Fliege ins Auge bekommen und mussten ein bisschen Weinen. Klar, keine Frage. Für Freunde ist man doch da, für solche mit zwei Beinen und solche mit vier Pfoten. In guten wie in schlechten Zeiten.

Gleich bringt sie Herrchen und Frauchen zum Kaffee trinken mit … Schön ist das, einfach schön!
Freunde machen glücklich, die auf vier Pfoten erst recht.

Schöne freundschaftliche Woche noch!