In der Welt bestimmen schon seit Wochen ein paar schreckliche, ausgesprochen bedrückende Szenen die alltäglichen Nachrichten. Es geht um Naturgewalten, Bedrohung und schlimme Verluste, um Ängste, Hoffnung und Hilflosigkeit. Mitten in diesem Szenario erscheint dann auf einmal eine Nachricht der Boulevardpresse, die all das überschattet und die einschlägt wie eine Bombe – und die unwichtiger kaum sein könnte.
Meghxit.
Harry und Meghan, derer von Sussex, wollen nicht mehr in „der Firma“ von Queen Granny in London bei den britischen Royals mitspielen. Unterstützen ja, Hauptparts nein.
Es sei ein Erdbeben, ein Schock, unfassbar.
Promis aus dem A bis Z-Wichtigkeitssektor haben dazu eine Meinung, ja sogar Mr. President- America-first-Trump hat eine. Er ist traurig. Sagt er.
Ooookay.
Als Öcher-Bürger in Deutschland habe ich dazu auch eine Meinung. Ich für meinen Teil finde diesen Austritt der zwei aus dem „Inner Circle“ nämlich großartig. Ich mag Menschen, die ihr Leben in die Hand nehmen, eigenverantwortlich agieren und Konsequenzen ziehen. Und mal ehrlich, ist das denn wirklich so erstaunlich, dass Prinz Harry seine Familie schützen möchte? Er, der er traumatisiert durch den frühen Verlust seiner von der Presse verfolgten Mutter sein dürfte, hinter deren Sarg er auch noch laufen musste (ohne zu weinen natürlich, das hat das hoch empathische königliche Protokoll sicher verboten). Die nicht eben zimperlich agierende britische Presse hat sich doch auch und gerade über die junge und moderne Meghan gestürzt, die sich nicht anpassen wollte an alle jene unsinnigen und verstaubten Regeln. Man hat sie behandelt, als wolle man sie vertreiben – und jetzt ist man geschockt, dass genau das passiert?
Ist doch nur konsequent von den beiden, egal ob man die jetzt mag oder nicht.

Das junge Paar, über das wir hier reden, hat Millionen auf dem Konto, wirkt glücklich und sympathisch und möchte das Leben gerne selber bestimmen, das es führt. Wo ist denn da der Fehler?
Es gibt doch noch den ewig auf den Thron wartenden Charles, der -falls die Queen ihn nicht überleben sollte- eigentlich als nächster dran wäre mit wohltätigem Winken im Zeichen der Krone. Dann käme Harry, dem man eine königliche Führungsrolle ja nun auch nur bedingt zutraut mit seiner Kate, die die eiserne Disziplin in Person zu sein scheint und die aus diesem Grunde sicherlich die bessere Queen wäre. Die zwei könnten doch tauschen, sie macht Königin und er den royalen Haushalt. Beide wirken leider ein wenig spröde, da kamen der Lausbub Harry und schillernde Meghan gerade recht fürs Image dieses angestaubten Königshauses.
Die Firmenmitglieder rund um die betagte Queen sind ständig wohltätig unterwegs, aber was wäre eigentlich, wenn man alle „Inner Circle Members“ in gutbürgerliche Jobs schicken würde und die Gelder, die sie kassieren, an gemeinnützige Organisation spenden würde? Wäre doch mal eine Idee …

Klar, man kann sagen, die tun nichts, die wollen nur spielen in ihren engen Traditionen und das gibt dem normalen Bürger wenigstens ein bisschen Halt in einem England, das gerade durch den bevorstehenden Brexit gebeutelt wird. Aber ich persönlich finde es klasse, wenn jemand sagt – die Spielregeln gefallen mir nicht mehr, ich steige aus und mach was eigenes Ding. Geld will ich keines mehr von euch. Ich mach das schon. Warum auch nicht?

Es kostet Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen und das zu tun, was man wirklich möchte – und zwar mit allen Konsequenzen! Die, die darauf schimpfen, sind manchmal genau jene, die gewaltige Angst vor solch einem Schritt haben, ihn aber eigentlich auch gerne gehen würden, wenn sie ganz, ganz ehrlich sein müssten… und weil man sich das nicht eingestehen mag, wird geschimpft, quasi königlich auf andere projiziert, was man selber nicht sehen oder bearbeiten möchte.
(Definition: Der Begriff Projektion umfasst das Übertragen und Verlagern eines innerpsychischen Konfliktes durch die Abbildung eigener Emotionen, Affekte, Wünsche und Impulse, die im Widerspruch zu eigenen und/oder gesellschaftlichen Normen stehen können, auf andere Personen, Menschengruppen, Lebewesen oder Objekte der Außenwelt).

Das scheint bei Königs und möchte-gerne-Promis nicht anders zu sein als im richtigen Leben – aber es tut nicht gut und langfristig verhindert es auch noch die persönliche Weiterentwicklung.

Also lasst uns alle vor der eigenen Tür anfangen zu kehren, auch wenn es anfangs mühsamer ist als mit dem Finger auf „die Anderen“ zu zeigen. Langfristig ist das eine gute Investition in die eigene psychische Gesundheit.

Ich wünsche uns allen eine königliche Woche mit wirklich wichtigen Nachrichten – eine Ende der fürchterlichen Buschbrände in Australien zum Beispiel wäre eine echte, wirklich wichtige Nachricht … .

Schöne Woche noch!