Stell dir vor es ist Ostern und keiner geht raus.

Was vor wenigen Monaten noch als wirklich schlechter Witz durchgegangen wäre, ist heute Alltag.

Ich hatte eigentlich gar nicht vor, in der Ostersonntagskolumne über das allgegenwärtige Virus-Thema zu schreiben. Aber wie heißt es so schön? Das Leben kommt dazwischen, während wir dasitzen und Pläne machen …. und nun schreibe ich doch darüber, weil meine Gedanken doch um diese Thema kreisen. Seit heute früh noch mehr als sonst.
Heute früh ist das Leben zwischen meine Pläne gekommen und zwar in Form einer knappen Nachricht eines guten alten
Freundes. Der Bruder ist verstorben. An Corona.
Alleine im Zimmer, weil niemand zu ihm durfte. Ansteckungsgefahr, schon klar.
Anfang sechzig, ziemlich gesund, ein paar Alterswehwechen. Nichts dramatisches habe er zuvor gehabt.
Die Angehörigen durften sich nicht verabschieden. Das passiert gerade tausendfach auf der Welt. Jeder kennt bald jemanden, der mit diesem Virus zu tun hatte, meine Liste wird immer länger und immer unerträglicher.
Viele können als geheilt entlassen werden.
Viele aber auch nicht.

Und nun ist Ostern. Mit diesem Fest feiern wir doch die Auferstehung von Jesus nach seinem Tod am Kreuz, nicht wahr?
Die Christen glauben daran, dass Gott seinen Sohn zwei Tage nach seinem Tod noch einmal auf die Erde zurückgeschickt hat, dass Jesus auferstanden ist von den Toten.

Genau dieser Satz treibt mir gerade die Tränen in die Augen, denn ich glaube, dass es unzählige Angehörige auf der ganzen Welt gibt, die sich genau das sehnlichst wünschen würden: Ihr an Corona verstorbener Angehöriger möge noch einmal zurückkommen, zurück zu ihnen, um in Ruhe und in Würde Lebewohl zu sagen. Um den Lebenskreis wirklich schließen zu können, wäre so ein Abschied nicht nur traum-schön sondern wichtig.
Wäre es nicht wunderbar -wenn man schon die Erde verlassen muss- sich noch einmal sehen zu dürfen, letzte Worte auszutauschen? Die Kinder oder die Enkel noch einmal zu umarmen, ihnen wichtige Dinge mit auf den Lebensweg zu geben – oder nur eine Tafel Schokolade, um zu sagen: Ich liebe dich. Du bist mein Ein und Alles. Gewesen.

Wie tröstlich wäre es zu wissen, dass es den Seelen gut geht, wenn sie in den Himmel ziehen. Und wie wunderschön wäre ein Abschied in Frieden für genau diese Seelen, die die anderen zurücklassen auf diesem Schlachtfeld, das wir „Erde“ nennen.

Wie verkraftet man solch eine Ungewissheit über die letzten Stunden eines geliebten Angehörigen, der mit hohem Fieber ins Krankenhaus gebracht werden musste und der einfach nicht mehr nach Hause gekommen ist?
Wie ist er denn gestorben? Alleine auf dem Flur, weil Pflegepersonal und Ärzte überlastet sind? War jemand bei ihm? Hatte er Angst? Wollte er noch etwas sagen? War er ruhig, versöhnt? Fragen, auf die man wohl keine Antworten mehr bekommen wird. Nie mehr.

Corona – oder Covid 19, das ist einfach eine Bezeichnung für ein Virus. Welche geballte Ladung Leiden damit zusammen hängt –für die schwer Kranken, die Sterbenden und die Hinterbliebenen– das zeigt sich womöglich erst viel, viel später, wenn die Psyche der Überlebenden, die vor Überlastung einfach zusammengeschnurrt ist, versucht, sich wieder aufzurichten.

Die derzeitige Situation macht mich aus vielerlei Gründen tieftraurig, fassungslos und oft auch unfassbar zornig. Warum? Weil die Art und Weise, WIE dieses Virus überhaupt zu uns Menschen gekommen ist, schone ein Weg war, der voller Qual und Leid gesteckt hat. Die Krankheitserreger gehen von den Tieren auf die Menschen über, sogenannte Zoonosen entstehen. Das klingt nüchtern, bringt empathische Wesen aber mit Lichtgeschwindigkeit an ihre Grenzen.

Auf der Seite von PeTA steht dazu folgendes:
Die WHO hat bestätigt, dass wir uns in einer Pandemie befinden. Jeder sollte nun die Anweisungen des Robert-Koch-Instituts befolgen – es wird aber auch Zeit, dass wir uns der Tatsache stellen, dass es unser Appetit auf Fleisch, Milch und Eier ist, der sogenannte Zoonosen befördert. Zudem sorgt dieses Verhalten dafür, dass wir in immer geringeren Abständen mit neuartigen und schwer kontrollierbaren Viren konfrontiert sein werden.
Was sind Zoonosen?
75 Prozent aller neu auftretenden Krankheitserreger wurden vom Tier auf den Menschen übertragen – diese nennt man Zoonosen. Die Ansteckung vom Tier zum Menschen kann durch direkten Kontakt mit Tieren oder auch durch kontaminierte Lebensmittel erfolgen. COVID-19, die Vogelgrippe H5N1, der hunderte Menschen zum Opfer fielen, die SARS-Pandemie 2002/2003 mit weltweit über 770 Toten, das 2012 erstmals aufgetretene MERS-CoV, das gefährliche Ebolafieber, unzählige Opfer durch multiresistente Keime und sogar Aids – sie alle haben einen gemeinsamen Nenner: Die Gier des Menschen nach Fleisch und anderen tierischen Produkten.
Weltweit pferchen wir Milliarden Tiere in enge und kotverdreckte Ställe – ihr Leben ist eine reine Qual. Diese Agraranlagen, Tiermärkte und auch die Schlachthöfe voller gequälter, verletzter, kranker Tiere sind Brutstätten für tödliche Keime. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Mutationen, antibiotikaresistenten Keimen und Zoonosen – immer mehr Viren springen vom Tier auf den Menschen über, mit nicht absehbaren Konsequenzen für die gesamte Menschheit. Auch der Verzehr von und Handel mit Wildtieren begünstigt die Übertragung von Viren auf uns Menschen. Die Corona-Krise könnte nur ein erster Vorgeschmack sein für das, was in der Zukunft, ausgelöst durch die zunehmende Tierhaltung, immer öfter passieren kann

Im Ernst? Wollen wir das? Oder sollten wir nicht allmählich endlich umdenken?

Für die, die in Käfigen oder verdreckten Ställen ängstlich auf ihr grausames Ende warten – und für die, die alleine auf den Krankenhausfluren elendig sterben. Im Endeffekt sind wir alle gleich, wir sind LEBEWESEN, wenn wir das doch nur endlich einsehen könnten.

Eine Freundin hat mir geschrieben:
„It ist not Corona – it is Karma!“
Vielleicht stimmt das, ich weiß es nicht.

Ich bin sehr gespannt, wie wir „auf (-er-) stehen“ werden nach diesem denkwürdigen „social-distancing“ Osterfest, nach dieser Krise. Ich gebe die Hoffnung nicht ganz auf, dass wir ein bisschen was lernen aus all dem Leid. Dann wäre es wenigstens nicht gänzlich umsonst gewesen …

Bleibt zuhause, bleibt gesund – frohe Ostern Euch Allen.