Der Frühling ist da! Für jeden Gartenfreund eine wundervolle Zeit. Auch mich hat es gerade heute, am sonnigen Samstag wieder in die Beete gezogen – diese Freude ist uns ja noch erlaubt in den Krisenzeiten.
Bestückt mit vielen bunten Samentütchen ging es also los. Ich habe mir zwei neue Hochbeete gegönnt. Jawoll. Dieses Projekt war schon länger geplant und letzte Woche habe ich sie endlich aufgestellt. Nun gehören diese Beete sicher nicht zu den allerdekorativsten Gegenständen im Garten, klobig wie sie sind. Also habe ich sie neben mein Gewächshaus gestellt, auch hier ist der Platz leider überschaubar, aber so bleibt noch ein bisschen was vom schöneren Blick in den Garten, wenn dieser dann wieder hergerichtet ist – die Arbeiten laufen!

Die Hochbeete haben exakt die Maße von Euro-Paletten, das ist eine gute Größe. Nicht zu klein und nicht zu groß. Voller Begeisterung bin ich ans Werk geschritten, habe zwei Europaletten in genügend Abstand zum Säen und Ernten nebeneinander gelegt, Die Beete drauf gestellt (irre einfaches Stecksystem, auch für grüne Daumen ohne Ikea-Führerschein wie mich bestens zu bewältigen), habe Mäusegitter reingelegt und die Wände mit Plastik geschützt, damit das Holz nicht gleich fault. Dann wurden sie befüllt – unten Holz, Strauchschnitt, Blätter, eben was der Garten so hergibt. Erde, Kompost und wieder Erde, Erde, Erde. Ich habe wirklich gestaunt, wieviel da rein passt … Schnäppchen sind sie wirklich nicht, aber trotzdem freuts das Gärtnerherz und wenn wir erst den eigenen Salat auf dem Teller haben, sieht die Welt schon ganz anders aus. Wird dann halt Luxussalat. Bio. Vom eigenen Beet. Schön!

Leider hatte ich „den Salat“ schon heute bei der ersten Bestückung der Beete mit Saatgut. Ich hab ja echt gedacht, dass der Abstand zwischen beiden Beeten groß genug wäre, um sich dort bewegen zu können.
Ich habe aber die Höhe der Beete und die Breite meiner Anatomie oberhalb der Oberschenkel unterschätzt … !

Sagen wir mal so, meine Knöchel, Waden, Knie und Oberschenkel HABEN genug Platz, um sich zwischen den Beeten zu bewegen … alles was dann kommt hat ein Problem.
Tja, das steckte ich nun.

Schreibschwester zwischen zwei Hochbeeten.
Buchstäblich hatte ich ihn, den Salat, obwohl er noch in der Tüte war. Und wie ich dann so vor mich hinsteckte, habe ich mir vorgestellt, was sich wohl die jungen Pflanzen über mich erzählten würden, könnten sie denn reden und wären sie schon ein wenig gewachsen:

„Guck, da kommt sie wieder. Sieht gestreßt aus“. (Zucchini. Starkzehrer Marke Pflanzenmacho mit Sonnenbrille und Lederwestchen überm grünen Ärmelchen, überheblich grinsend).

„Kein Wunder, zunehmen darf die über den Sommer mal kein Gramm mehr, sonst passt die gaaaaaar nicht mehr zwischen die Beete. War ja schon immer eher knapp“. (Böse kicherndes Würzkraut, wuchernd).

„Aber sie gießt ordentlich und versorgt uns gut, ich bekomme immer extra Dünger“. (Ehrgeizige Kürbispflanze, Emporkommling).

„Na, das ist ja wohl das Mindeste! Ich bitte dich, die will doch später unsere süßen Früchte ernten, dafür müssen wir schon zulegen und nur das Beste bekommen. Ich stelle mich manchmal etwas mickrig an, dann tanzt sie ganz aufgeregt um mich rum und schaut, ob es mir auch gut geht.“ (Tomatenpflanze, mehrfach umgetopft und als Keimling auf der Fensterbank verhätschelt worden).

„So ne doofe Helikoptergärtnerin!“ (Eingeschnappter wilder Rukola, robust und mehrjährig).

„Warum lässt die eigentlich auf dem Beet auf ihrem Kopf so einen grauen Streifen wachsen? Kann mir das mal einer erklären?“ (Dummes Bohnenkraut, unwissend).

„Das ist ihr Haaransatz. Ich habe gehört, dass die Menschen im Moment nicht zum Frisör dürfen“. Brüllendes Gelächter aus allen Beeten …. Frechheit in Grün!!!

„Da hätt sie besser mal rote Beete gesät statt uns Rübchen“. Wieherndes grell- freches Gekicher von den Mairübchen.

„Mir ist sympathisch, dass sie mit dem Hinterteil zwischen den Hoch-Beeten hängen bleibt. Ich mag keinen Spargel.“ (Dicke Bohne. Pampig und frühschießend).

„Und faul ist die auch noch, habt ihr gesehen, dass sie SAATBÄÄNDER benutzt hat?“ (Starkzehrermacho mit Hiphop – Geste).

„Nein!“ (Aufmüpfiger Bohnenkeim).

„Doch! Gleich mehrfach. Bei den Salaten und Zwiebeln. Sieht aus wie Klopapier. Nur mit eingearbeiteten kleine Samen. Habs genau beobachtet.“ (Kletternde Kapuzinerkresse, vorwitzig, gerne tratschend).

„Und das hat die vergraben? Ich bin entsetzt.“ (Cocktailtomate, hochnäsig).

„Jawoll. Das soll ja das neue Luxusgut der Menschen sein. Ganz neue Währung. Und Schätze vergraben Menschen schonmal … habe ich gehört.“ (Starkzehrermacho tippt sich an die Sonnenbrille)

„Aber wie wächst das denn, dieses Klopapier?“ (Basilikum, Lichtkeimer, deswegen sehr helle).

„Gibt’s ein- und mehrlagig.“ (Erdmandel, vorgezogen, belehrt gerne).

„Ach so, da bin ich mal gespannt, welches sie angebaut hat ….sagt mal Bescheid, wenn`s keimt.“ Meerrettich von ganz hinten. Sieht nix. Sitzt nicht im Hochbeet, quengelt gerne.

Ich glaube, ich habe das Quarantäne-Syndrom. In schweren Fällen sollen Menschen ja mit ihren Haushaltsgeräten reden, die müssen doch verrückt sein, oder? Also DAS könnte mir ja nicht passieren.

Schöne sonnige Woche noch.
Passt gut auf Euch auf und bleibt gesund!