Wenn ihr mich sucht – ich bin im Wandel.

Diesen großartigen Satz habe ich letzte Woche irgendwo in den sozialen Medien aufgeschnappt. Er ist nicht nur witzig sondern auch noch treffend, finde ich.
Diese Zeit, die wir gerade erleben, zwingt zu Veränderung und zum Umdenken, lässt uns stellenweise überraschend kreativ werden, setzt aber auch Ängste frei und kann zu völliger Überlastung führen.
Wir müssen versuchen, uns der Veränderung anzupassen, gut für uns zu sorgen und trotz sozialem Abstand auf einander zu achten. Irgendwie.
Jeder einzelne muss sich dem Fluss dieses veränderten Lebens auf seine eigene Art und Weise anpassen.
Das ist nicht immer leicht.

Für mich persönlich hat sich in den zurückliegenden Wochen, etwas herauskristallisiert, mit dem ich eigentlich -noch- nicht gerechnet hatte. Es begann mit einem unglaublich profanen Thema: dem langsamen Verblassen meiner Haarfarbe.

Ich liebe dieses kräftige Rotbraun, mit dem mir Naturfrisörin Melissa bisher immer so viel Buntheit auf den Kopf gezaubert hat. Bisher jedenfalls, bisher war das so.
Nun schiebt sich das Grau Millimeter für Millimeter weiter in dieses allmählich verblassende Rot und damit auch in mein Bewusstsein.
Acht Wochen ohne Termin zum Nachfärben sind eine Welt. Und die verändert sich gerade – im Innen und im Außen.

Frauen und Haare, das ist eine Sache für sich, eine wichtige! Meine allererste „Forschungsarbeit“ im ersten Semester Psychologie an der Uni habe ich mit vier Freundinnen zum Thema: „Psychische Bedeutung von Frisurveränderungen bei Frauen“ gemacht. Wir fünf Studentinnen hatten damals alle enorm lange, tatsächlich unbehandelte Haare. Meine waren straßenköterblond mit rötlichem Ton, die meiner Freundinnen blond oder braun. Unser Forschungsergebnis war unspektakulär, man würde es wohl unter der Rubrik „banale Alltagspsychologie“ ablegen:
„Wenn Frau ihre Frisur radikal verändert, sich die Haare deutlich schneiden oder in einem neuen Farbton färben läßt, liegt diesem Verhalten höchstwahrscheinlich ein psychischer Prozess zugrunde. Diese äußere Veränderung markiert quasi eine vorausgegangene, innere Veränderung.“

Tja, so sieht es wohl aktuell auch bei mir aus. Innerlich spüre ich nun schon seit einiger Zeit, dass „etwas“ anklopft. Leise. Zaghaft. Irritierend. Oft auch unerwünscht. Es macht verletzlich, weniger belastbar und zeigt sich in Falten, einer gewissen physischen Dünnhäutigkeit und längeren Regenerationsphasen nach Sporteinheiten.
Dieses etwas heißt Alter.
Alter an sich empfinde ich nun wirklich nicht als Drama sondern als ganz natürlichen Prozess. Wir sollten uns eigentlich darüber freuen, überhaupt ein gewisses Alter erreichen zu dürfen – und das im besten Fall auch noch bei guter Gesundheit. Aber dieses „Alter“ hat eben auch seine Tücken, verhält sich wie eine launische Diva, die ihre Regeln selbst bestimmt. Wir müssen uns ihnen anpassen, ob wir wollen oder nicht.

Die Frage, die ich mir in den letzten Wochen immer wieder gestellt habe, ist folgende: „Bin ich soweit, diese Diva wirklich anzunehmen? Mit allem, was dazu gehört? Ist dieser Prozess des Zögerns und Zauderns mit dem Thema Alter tatsächlich abgeschlossen?“
Die Antwort lautet: „Ja.“
Jetzt bin ich soweit. Und das bedeutet:
Grauweiße Haare.
Sie passen zu meinem Alter. Ich habe beschlossen, nicht mehr zu färben. Eine neue Ära bricht an. Seit ich diese Entscheidung getroffen habe, stellt sich seltsamerweise ein neues Lebensgefühl ein. Es gibt mir Ruhe und eine Art Frieden. Es fühlt sich an, als würde ich Neuland betreten, obwohl das ziemlich übertrieben ist, denn so viel ändert sich ja nicht. Oder doch?

Fakt ist, dass alle meine Haarfarben gewisse Lebens-abschnitte begleitet haben:
Das unbeschwerte Straßenköterblond meiner Kindheit hat mich immerhin durch Jugend und junge Erwachsenenjahre begleitet, dann folgten die ersten blonden Strähnen meiner „wilden Jahre“, verwuchsen sich wieder, das Leben beruhigte sich. Nach ein paar Jahren wurde mir das Normal zu langweilig, es folgten neue Frisuren und seit ich in Aachen lebe, seit über 20 Jahren also, bin ich nun rothaarig. Gewesen.
Jetzt ist die Zeit reif für etwas Neues (aber keine Angst: ich möchte weder wegziehen, noch den Ehemann wechseln!): Kurz schneiden. Rot rauswachsen lassen. Wachsen lassen.
„Silver-Swan“ werden und trotzdem mit der Diva Alter fröhlich durch das Leben tanzen …

Wie gesagt, wenn ihr mich sucht – ich bin im Wandel.

Und wisst ihr was? Ich freue mich riesig auf alles, was noch kommt. Oder, um es mit einem meiner Lieblingssprüche zu sagen:

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. (chinesisches Sprichwort).

Schöne Maiwoche noch. Passt auf euch auf und bleibt gesund – und nutzt den Wind!