Kathrin Reitz schreibt

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Kategorie: Kolumnen von der Face Book Seite Seite 2 von 3

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 22. September 2019

Die meisten Nachrichten, die man so lesen muss, bewegen sich ja heutzutage auf einer Skala von „milder Frustration über deprimierend, ärgerlich, angsteinflößend bis hin zu zutiefst verstörender Hoffnungslosigkeit“. Selten liest man etwas, das einfach nur schön ist oder gar tief im Inneren berührt, weil es eigene Leidenschaften antriggert.
In der zurückliegenden Woche aber habe ich so einen Artikel entdeckt.
Da steht doch ganz plötzlich auf der Nachrichtenseite von t-online dieser wunderbare Satz:

„Recyclingprozess im Hirn –
Lesen lernen krempelt das Gehirn um“

Als Schreibschwester habe ich den dazugehörigen Artikel im gleichen Tempo verschlungen in dem ich mit einer handelsüblichen Tafel Nuss-Schokolade fertig werde. Und für meine grauen Zellen und die psychische Befindlichkeit war dieses Lesefutter mindestens ebenso lecker.

Bittschön, hier isser:
Was passiert eigentlich im Gehirn, wenn ein Mensch lesen lernt? Mit dieser Frage haben sich Forscher in einer Studie befasst – und herausgefunden, dass bei diesem Lernvorgang Teile im Gehirn reorganisiert werden.
Lesen ist evolutionär gesehen eine so junge kulturelle Errungenschaft, dass dafür im Gehirn noch kein eigenes Areal vorgesehen ist. Stattdessen werden, wenn ein Kind (oder ein Erwachsener) lesen lernt, andere Hirnregionen zu diesem Zweck umfunktioniert. Forscher des Max-Planck-Instituts (MPI) für Psycholinguistik im niederländischen Nijmegen und des MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben herausgefunden, dass das Gehirn dabei größere Veränderungen durchläuft als bisher angenommen. Im Gehirn kommt es demnach zu einer Art „Recyclingprozess“, wie es in der Pressemitteilung zur Studie heißt: Areale im Gehirn, die ursprünglich von der Evolution für die Erkennung komplexer Objekte konzipiert worden waren, werden für die neue Herausforderung umstrukturiert. Diese Veränderungen reichen bis in den Thalamus und den Hirnstamm hinein – in zwei Regionen also, die evolutionär gesehen recht alt sind.
Die Schriftsprache des Menschen hingegen ist verhältnismäßig jung. Um Buchstaben in Sprache übertragen zu können, werden einige Regionen des visuellen Systems zur Schnittstelle zwischen Seh- und Sprachsystem.
„Die Thalamus- und Hirnstammkerne helfen unserer Sehrinde dabei, wichtige Informationen aus der Flut von visuellen Reizen herauszufiltern, noch bevor wir überhaupt bewusst etwas wahrnehmen“, sagt Michael Skeide, Erstautor der Studie.

Lesefähigkeit ist besser, wenn die Hirnregionen gut zusammenarbeiten

Je stärker sich die Signale der zwei Hirnregionen einander angeglichen hatten, desto besser waren die Lesefähigkeiten der Probandinnen in der Studie ausgeprägt. „Wir gehen deshalb davon aus, dass diese beiden Hirnsysteme mit zunehmenden schriftsprachlichen Fähigkeiten besser zusammenarbeiten“, erklärt Neuropsychologe Skeide.

Für die Studie wurde 21 Analphabetinnen im Alter von 20 bis 40 Jahre in Indien das Lesen beigebracht. Mit Hilfe von Hirnscans wurden die Veränderungen in ihren Gehirnen betrachtet. Bereits nach sechs Monaten Unterricht waren die Probandinnen auf dem Leseniveau eines Erstklässlers. Laut den Wissenschaftlern ist diese Lerngeschwindigkeit bemerkenswert. Obwohl es für einen Erwachsenen sehr schwierig sei, eine neue Sprache zu erlernen, scheine für das Lesen etwas anderes zu gelten, so Studienleiter Falk Huettig.
Studienergebnisse geben Analphabeten Hoffnung
Die Studie gibt damit nicht nur Analphabeten die Hoffnung, Lesen und Schreiben schnell zu erlernen. Sie gibt auch einen Anstoß dazu, Lese-Rechtschreib-Störungen (LRS) anders zu betrachten. Bisher wurden Fehlfunktionen des Thalamus‘ als eine mögliche angeborene Ursache von LRS diskutiert. Diese Hypothese müsse laut den Wissenschaftlern neu hinterfragt werden, da die Studie gezeigt hätte, dass sich der Thalamus bereits nach wenigen Monaten Lesetraining grundlegend verändern könne.
(Verwendete Quellen: Studie: „Learning to read alters cortico-subcortical cross-talk in the visual system of illiterates“ (auf Englisch), Pressemitteilung zur Studie)

Ist das nicht eine gute Nachricht? Da bekomme ich sofort das Bild, wie die einzelnen Buchstaben über die Netzhaut der lesenden Äuglein in die Nervenzellen des Gehirns wandern und aufräumen, Platz schaffen für schöne Worte, herrliche Sätze, ganze Märchen und Geschichten lebendig werden lassen. Einfach so machen sie sich in unserer Neurologie IHREN Platz, schmeißen überflüssiges raus und organisieren ihre eigene Welt, vernetzen sich mit anderen Gebieten und eröffnen demjenigen, der das Lesen gelernt hat, wirklich eine andere Welt. Mitten in unserem Kopf.
Einfach, wenn wir lesen lernen. Wie wunder-wunderschön!

Für mich als Schreibschwester war dieser Artikel geradezu ein Geschenk und da draußen gerade der Herbst anklopft und Lesen drinnen noch gemütlicher wird, spricht so gar nichts dagegen, mal wieder tief in der Welt der Buchstaben zu versinken. Wer lesen kann, dem eröffnen sich unzählige Welten und Abenteuer. Immer wieder.
Also: Wer Kinder oder Enkel hat – einladen, zusammen lesen! Tut nicht nur den Kindergehirnen gut …

Eine schöne lese-reiche Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 15. September 2019

Einkaufen. Mache ich eigentlich gerne, aber wisst ihr, was ich unglaublich finde? Es gibt da eine kleine Gruppe Menschen, die zu jener Altersklasse gehören, die mir an Lebensjahren doch noch weit voraus sind, die aber nie Zeit haben.

Grundsätzlich mag ich ältere Menschen sehr, ich bin mit Oma, Opa, Großtanten und mehreren Großonkelchen zusammen aufgewachsen und wusste es immer schätzen, dass sie da waren, mich verwöhnt haben, mir zugehört haben und auch schonmal meine Hilfe brauchten, hab ich gern gemacht.

Deswegen stört es mich auch gar nicht, wenn Ältere langsamer sind, im dritten Gang des Supermarktes vergessen haben, dass sie doch nochmal in den ersten müssen – im Gegenteil, erste Anzeichen dieser milden Vergesslichkeit sind meinem Mann und mir mittlerweile ebenfalls bestens vertraut. Entsprechend entzückend finde ich das auch, jedenfalls bei den netten Exemplaren jener Altersstufe.
Tja, da gibt es dann aber leider auch die andere Gruppe, zahlenmäßig klein, vom Effekt des schlechten Images her aber gigantisch groß. Jeder kennt sie, jeder hat schon Erfahrung mit ihnen machen müssen, vor allem beim Einkaufen. Der Laden ist voll, die Schlangen bilden sich vorne und dann ertönt:

„Wir öffnen Kasse vier für Sie“.

Dann geht es los, dann zeigen jene, die zu der ungeduldigen Truppe gehören, ihr wahres Gesicht. Gerade noch friedliebend, ruhig und nett wirkend, mutieren selbst die leicht humpelnden unter ihnen von jetzt auf gleich zu SUV´s in Menschengestalt, zu regelrechten Geschossen, kennen kein Pardon und fahren Kinderwagen, langsame oder gar zaghafterer Wesen ihrer Altersklasse an Rollatoren, gestandenen Männer und ganze Familien über den Haufen. Unfassbar!
Und es geschieht immer wieder, wenn die magischen Worte erklingen „Wir öffnen Kasse vier für Sie“.

Das muss so eine Art Urtrieb sein, tief verankert in den alten Teilen unserer Gehirne, die die Neurologie Reptiliengehirn nennt. Dieser vorsinnflutliche Bereich unseres Denkapparates scheint mit dem höheren Bewusstsein nur lose verknüpft zu sein, anders lässt sich nicht erklären, was sich dem staunenden Auge des Beobachters offenbart.

Sicher, so verhalten sich bei Weitem nicht nur ältere Herrschaften, selbst junge Menschen können das manchmal ziemlich gut. Es scheint an der jeweiligen Persönlichkeit zu liegen, ob der Supermarkt zum Kampfgebiet erklärt wird oder nicht. Manche von uns gehen zur Seite und die anderen halten drauf. Das hat man einfach in den Genen und die sind nur geringfügig veränderbar. Die Wissenschaft spricht von ca 60 Prozent festgelegter und genetisch unveränderbarer Persönlichkeit, für den Rest sind wir selber zuständig.

Ich stelle mir manchmal vor, dass die Persönlichkeit, die ein Menschlein bei seiner Geburt mit in die Welt bringt, ihn wie ein unsichtbarer, viel zu groß geratener Strampelanzug umschließt. Dann kommt das Leben so daher, die Jahre vergehen, wir wachsen und irgendwann passen wir so richtig rein in diesen Persönlichkeitsanzug, dann sitzt der wie maßgeschneidert.
Wenn wir nun weiter wachsen und uns entwickeln, was wir ja alle Gottlob tun, kann es sein, dass dieser Strampler in den späten Lebensjahren ein bisschen „spack“ sitzt. Er wird zu eng, wir haben einfach keine Möglichkeiten mehr, uns geschmeidig darin zu bewegen, uns anzupassen oder formen zu lassen. Das meint wohl der Volksmund mit dem Satz
„Ein Bäumchen biegt sich, ein Baum nimmer mehr“.

Jetzt hat man eindeutig Glück, wenn man sich in den zurückliegenden „jüngeren“ Jahren mit den restlichen 40 Prozent seiner Persönlichkeit auseinandergesetzt hat, die -glaubt man der Wissenschaft- ja durchaus „stylbar“ sein soll. Falls dieser Prozess von Erfolg gekrönt wurde, treffen wir auf jene wunderbaren älteren Wesen, die eine lichtvolle Weisheit ausstrahlen und deren Augen vor Lebensfreude blitzen und die mit geduldiger Art und Weise durch ihr Leben ziehen.

Am anderen Ende der Skala erleben wir dann die, die wir ab und zu beim Einkaufen treffen, also immer dann, wenn Kasse vier öffnet. Dann blitzt der zornig entschlossenen Siegeswille aus den Äuglein, der oder die Erste an dieser neu eröffneten Kasse sein zu müssen, komme wer oder was da wolle. Da wurde nix reflektiert, eingesehen, weggeatmet oder mit Entspannungsübungen beherrschbar gemacht, da wird der Einkaufswagen in alle sich in den Weg stellenden Achillessehnen, Kniekehlen oder schlimmeres gerammt.

Ich. Erster. Alles.

Aber wie immer im Leben; es kann nur Einen geben.
Einen, der es wirklich schafft, der Erste zu sein, wenn es heißt „Wir öffnen Kasse vier für Sie“.
Und vielleicht trifft diese Erkenntnis dann später, beim mauligen Einladen der ergatterten Ware auch die, die es nicht zur Pole-Position an Kasse vier geschafft haben. Vielleicht denken die dann „Warum mache ich das eigentlich?“

Ich habe mir angewöhnt, immer einen netten Kommentar abzugeben, wenn ich meinen Wagen an diesen geknickt wirkenden Verlierern vorbei zu meinem Auto schiebe. Ich sage dann meistens so etwa aufmunterndes wie „Nicht aufgeben, nächstes Mal schaffen Sie das und sind zuerst an Kasse vier!“ oder einfach auch mal „Nicht traurig sein, sind halt die Gene“ und immer lächele ich dabei nett und stelle sie mir in ihren engen Stramplern vor.
„Och herm“, wie der Aachener sagt!

Schöne geduldige Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 8. September 2019

Ich überlege mir gerade ein Thema für die wöchentliche Kolumne, Reisen etwas wäre heute doch nett. Also fange ich an zu schreiben. Neben mir sitzt einer unserer beiden Hunde. Nicki, Cairnterrier, beinahe acht Jahre alt. Verspielt, ein guter Beobachter, mein morgendlicher Wecker auf vier Pfoten mit eigenem (Terrier-) Kopf und wirklich sozialer Hundepersönlichkeit. Er sieht genauso konzentriert auf den Bildschirm wie ich und irgendwie vermittelt er mir dadurch den Eindruck, etwas wichtiges mitteilen zu wollen. Tatsächlich bekomme ich ziemlich zügig das Empfinden, jene Gedanken, die ich immer wieder habe, wenn ich ihn und seine Freundin Flika so beobachte, teilen zu müssen. Viel besser als das Reisethema. Und da ich ein gut erzogenes Frauchen bin, gehorche ich an dieser Stelle sowohl meinem eigenen inneren Impuls als auch der kleinen Hundenase neben mir. Bitteschön:
Wenn ich mit ihnen zusammen im Haus am Meer bin, liegen sie nach dem ersten herrlichen Gang am Meer und dem anschließenden Frühstück immer zufrieden in ihren Körbchen neben meinem Schreibtisch. Ich denke dann oft, wie seltsam es doch ist, dass sie gerade noch über den Strand getobt sind, hinter den Möwen her waren und voller unbändiger Lebensfreude einfach nur hin und her geflitzt sind, wenngleich das heute schon ein wenig beschaulicher zugeht als noch vor ein paar Jahren. Manchmal haben sie einander zum Spielen animiert, ein anderes Mal einfach nur herum geschnüffelt oder an anderen Tagen ihre besten Hundekumpels getroffen, was immer ein besonderer Spaß ist. Später liegen sie friedlich da, ein Ohr sicherheits-halber in meine Richtung gespitzt. Zufrieden und ausgetobt vom Lauf am Meer.
Wenn ich dann beginne zu schreiben, keine Stunde später, ist der Moment dieses Spaziergangs schon wieder Geschichte und lebt nur noch in meiner Erinnerung weiter. Er hallt dort nach wie so viele andere traumhaft schöne Momente.
Diese inneren Bilder öffnen mein Herz. Immer wieder und jeden Tag. Wie eine Art inneres Fotoalbum sind sie in den Kammern meiner Seele aufbewahrt, allerdings lassen sie sich auf andere Weise öffnen, als wir das von herkömmlichen Fotoalben kennen, sei es nun analog oder digital.
Innere Fotoalben können wir bewusst öffnen, meistens aber ist es ganz besonderes Gefühl, das den Schlüssen zu den Seelenmomenten darstellt, die es dort zu sehen gibt – zu sehen UND zu fühlen, denn was uns ans Herz geht, das bewahrt das Gehirn auf, das sind die wirklich wichtigen Momente unserer Lebensreise, die bekommen eine ganz besonders Seelen-Ablage.

Und dort finden sich in meinem Gehirn sehr viele Erinnerungen, die mit Natur und Tieren zu tun haben, insbesondere mit Hunden. Ich liebe alle Tiere, bin aber ganz offensichtlich ein Hundemensch.
Mir zeigen Hunde, wie man täglich aufs Neue Freude leben kann (und ich bin sicher, Katzen oder Pferde tun das auf ihre Art ebenso!). Sie benötigen kein Achtsamkeitstraining, sie können einfach im Hier und Jetzt leben. Immer. Und eines macht sie im Vergleich zu uns Menschen geradezu weise: sie beschweren sich nicht, wenn sie älter werden, sie nehmen ihren Zustand einfach an. Sie werden langsamer, ruhiger, konzentrieren sich auf das, was geht und freuen sich einfach.

Wer je in das weise Gesicht eines wirklich alten Hundes geschaut hat, der das Glück, bis zu seinem irdischen Ende geduldig von seinen Menschen begleitet zu werden, weiß, wovon ich schreibe. Tiere sind unglaublich, sie akzeptieren den Kreislauf des Lebens – und zwar vollkommen.

Warum können wir das eigentlich nicht? Angeblich sind wir doch so eine schlaue Spezies, die alles optimieren kann. Ich glaube, wir vergessen einfach, dass das Leben von Beginn an ein fragile, endliche und dabei doch so unglaublich schöne Reise ist. Wir versuchen mit allem, was uns zur Verfügung steht das Altern aufzuhalten, jünger und straffer auszusehen, uns zu „optimieren“, zu „resetten“, „Anti-Aging“ zu betreiben bis es lächerlich wirkt, ziehen Vergleiche, beschweren uns, wenn wir krank werden und sind enttäuscht, wenn wir nicht das perfekte Leben haben.
Akzeptanz? Ziemlich oft Fehlanzeige.
Dafür verstehen wir viel davon, unser Leben bestmöglich zu ruinieren: Zu viele Pläne für die Zukunft schmieden statt im Jetzt zu genießen, enttäuscht in die Vergangenheit schauen statt im Hier zu verändern, was möglich wäre und täglich bestmöglich für sich zu sorgen.
In Gedanken rennen wir viel zu oft irgendwo anders herum als unser Körper. DAS würde einem Hund niemals passieren, da würde Hund doch das Beste verpassen, die Spur im Wald, das geworfene Leckerli oder das Stöckchen, die Kumpels oder auch mal den Besuch ordentlich anzukläffen, den bemitleidenswerten Postboten ein bisschen zu ärgern oder das genüssliche Herumlümmeln auf dem Sofa.

Unsere beiden Hunde begrüßen jeden Tag mit der gleichen Freude, sind begeistert über den Spaziergang, ihr Futter, die Spiele und Spielzeuge, die Streicheleinheiten. Sie genießen, jeden Moment.
Das ist wunderbar zu beobachten und vielleicht möchte Nicki, dass ich das einfach mal wieder erwähne ….

Die Schönheit des Lebens liegt für uns alle in jedem einzelnen Moment, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat um Monat und Jahr für Jahr. Manchmal liegt leider auch ein großer Schreck, ein fürchterliches Erlebnis und eine schlimme Krankheit auf dem Weg der Lebensreise. Es wird nichts nützen, darüber zu lamentieren. Wir müssen annehmen, was ist.
Unsere Hunde können das.
Flika, die ca. acht Jahre alte Hundedame, die uns seit genau zwei Jahren begleitet, hat nur noch ein Äuglein, ihr Rücken und das linke Bein sind schwächer als der Rest der Körpermuskulatur. Sie stammt aus Rumänien und wurde übel misshandelt, wie es tragischerweise viel zu oft vorkommt in dieser Welt, nicht nur in Rumänien. Aber sie ist ein Engel und zeigt ihre Lebensfreude in solch liebevoller, dankbarer Art, dass es meinem Mann und mir oft die Tränen in die Augen treibt. Sie akzeptiert auf unfassbare Weise ihre körperlichen Einschränkungen und ihr Schicksal, das sicher kein einfaches gewesen ist (ok., jetzt ist es sicher eher „Prinzessinnen-mäßig“ als schwierig, aber das hat sie auch verdient).

Wir Menschen wollen oft einfach nicht wahrhaben, wenn wir krank oder versehrt werden und mit den Folgen leben müssen. Wir hadern mit dem Schicksal, jammern, klagen und beschweren uns, oft ja nicht einmal zu Unrecht. Aber alles Jammern hilft nichts und mir scheint, dass die Tiere das viel früher akzeptieren als wir Menschen.

Leben ist fragil wie ein kunstvolles Schmuckstück, das mit den Jahren ein wenig seiner Farbe verliert, hier und dort beschädigt wird, Risse bekommt und an dem das ein oder andere Eckchen abbricht. Seinen Wert aber verliert dieses Lebensschmuckstück nie, selbst am Ende nicht. Das genau zeigen uns die Tiere. Danke, ihr Wesen mit den Pfoten, Flügeln, Hufen und Krallen, mit Fell, Haut, Federn. Wir müssen uns eigentlich vor euch allen verneigen, ihr wunderbaren Wesen – und vielleicht führen die derzeitigen großen Katastrophen der Welt wenigstens dazu, dass wir aufhören, euch auszubeuten und zu misshandeln. Das ist es, was ich mir sehnlichst wünsche; das der Tierschutz überflüssig wird, denn er bedeutet nichts anders, als die Tiere vor den Menschen schützen zu müssen …

Schöne mitfühlende Woche noch!

P.S: Mein Assistent Nicki guckt mich gerade so an, als wolle er sagen „Es gäbe zwar noch viel mehr zu schreiben über die wunderbare, großartige Art und Weise, wie wir Hunde, Katzen, Pferde, Vögel, Schweine, Kühe, Esel, Ziegen, einfach alle Tiere, euch Menschen bereichern und beeinflussen, euch helfen, euch unterstützen, euren Stress abbauen, euch heilen und euch denken lassen, dass ihr es seid, die uns sagen, wo es lang zu gehen hat … aber du schreibst ja wöchentlich. Für heute kannst du aufhören, war ja mal ein Anfang.“

Wo Terrier drauf steht, ist auch Terrier drin. Eindeutig!!!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 25.August 2019

In der zurückliegenden Woche habe ich einen dieser Tage erlebt, den man wohl ohne zu übertreiben „gebraucht“ nennen darf. An diesem Tag hat nämlich nichts, aber auch gar nichts geklappt. Dabei war meine Mission ganz simpel: Online das ein oder andere zu bestellen.
Als erstes waren ein paar Raff-Gardinen dran. Dafür habe ich über eine Stunde lang die verschiedensten Maße eingegeben, also „konfiguriert“, damit die Dinger auch perfekt passen. Alles erledigt, voller tiefer Befriedigung auf „Bestellung absenden“ klicken. Ein genüßlicher Seufzer folgte, der mir allerdings geradezu im Halse stecken blieb. Auf meinem Bildschirm erschienen nämlich folgende Worte: „Keine Bestellung vorhanden“.

Wie bitte? Ich habe doch gerade alles eingegeben. ALLES! MÜHSAMST!! Haaaaaarg.

Na gut, nicht verzagen, tief durchatmen, kann ja mal passieren. Weiter machen. Aufgeben war keine Option. Bei einem meiner Lieblingsmöbelläden mit Namen „Maison du Monde“ (die ein oder andere von Euch weiß genau, welchen Laden ich meine) hatte ich zufällig gesehen, dass jener Wäscheschrank wieder im Angebot war, mit dem ich geliebäugelt hatte. Größe und Preis-Leistungsverhältnis stimmten. Prima! Also: Bestellt.
Dachte ich jedenfalls. Denn was passierte, als ich diesmal auf „Kaufen“ klickte?

Wie aus dem Nichts erschien quasi zeitgleich zu meinem Klick der winzige Zusatz „Vergriffen“.
Bitte WAS?
Die Länge des Wimpernschlages einer Eintagsfliege mag das gewesen sein, nicht mal eine Nasenlänge, nein eine Hunderttausendstelsekunde zuvor soll mir jemand dieses aller letzte Ding noch weggeschnappt haben???
Wäre das ein Hundertmeterrennen gewesen mit dem Titel „Kathrin gegen den Rest der Onlinewelt“ , ehrlich, ohne Kamera beim „Zielklick“ wäre niemals zu erkennen gewesen, ob da vielleicht jemand schneller gewesen sein soll als ich.
Aber ich hatte verloren. So oder so. Den Klick und den Schrank. Wie enttäuschend! Meine Haltung passte sich meinem Gemütszustand sofort an, ich wusste nicht, dass ich vor lauter Enttäuschung so krumm sitzen kann wie ich das in dieser Minute mühelos konnte.
Nach wenigen Minuten zog ein leichter Groll in mir auf, dem ein inneres Wutgewitter folgte. Dämlich, wieviel wertvolle Zeit ich gerade nutz- und ergebnislos vertan hatte.
Mehr als ärgerlich. Keine Gardinen, kein Wäscheschrank. Nicht mal ein Ansprechpartner, den man hätte ordentlich beschimpfen können. Nichts und niemand da, DOPPELHAAAARRG.

Dafür war ich aber nun deutlich übermotiviert, jetzt wenigstens die richtige „Sauberlaufmatte“ fürs Ferienhaus am Meer zu erstehen, die wegen der Sandfüße und Pfoten unbedingt noch rein soll. Für die Breite des Flures musste ich sie allerdings auf Maß bestellen. Okay. Kein Problem, das sollte jetzt funktionieren. Nach diversen Suchereien habe ich tatsächlich zügig eine Schmutzmatte gefunden, die gefiel. Aber es war noch immer dieser gebrauchte Tag …

Man muss ja nun nicht glauben, dass die doofe Einstellung die ungewöhnlichen Maße akzeptiert hätte, die ich eingegeben habe. Unfassbar. Immer, wenn ich brav 120 cm eingetippt hatte, sprang sie zurück auf 100 cm. Wie ein Trotzkind mit viel Energie und noch mehr Sturheit. Unmöglich!

Ein Zweikampf entspann sich, leise aber mit wachsendem Groll und Wutgeschnaube meinerseits.
120cm. Zack 100 cm.
Nochmal.120cm. Zack 100 cm.
Ein bisschen zögern. Luft anhalten, quasi Online-Anlauf nehmen und …. ganz schnell tippen. 120 cm. Zack 100 cm.

Was immer ich auch gemacht habe, es hat einfach nicht funktioniert und das war der Moment, in dem Aufgeben auf einmal doch eine Option wurde.
All meine Geduld war weg. Aufgebraucht, verschluckt vom schwarzen Loch im Online-All. Einfach genug, ich konnte nicht mehr, die Onlinewelt hatte sich komplett gegen mich verschworen.
Da saß ich nun noch immer sauer am PC und kochte in meiner Wut. Was mir in solchen Situationen hilft um runterzukommen? Geht mir an dieser adrenalingeladenen Stelle weg mit Psychokram wie Entspannung, Atmung, Klangschalen oder Affirmationen oder so. DAS erzähle ich auch immer, vorrangig anderen Menschen. Dafür isses an so einer Stelle aber echt zu spät!!!! Das hätte man früher einsetzen müssen. Viel früher.

ABER immerhin habe ich meine eigene Methode, eine Art Geheimtipp, denn auch hier gilt, Aufgeben ist (erstmal) keine Option: Ich gucke mir im Zustand solcher „Ausweglos-in-die-Einbahnstraße-gelaufene-Emotion“ auf YouTube Videos an, die mich zum Lachen bringen.
Ich LIEBE es zu lachen, diesen Kitzel im Hals, wenn man sich bemühen muss ernst zu bleiben und schon weiß: klappt sowieso nicht. Dann kippt der heilige Zorn schlichtweg hintenüber. Liebe Leute, DAS baut Stress ab vom Feinsten. Kann ich wärmstens empfehlen.
In den weit zurückliegenden Jahren als Schülerin bin ich mehrfach des Klassenzimmers verwiesen worden, weil ich zu viel gelacht habe. Also mehrfach in einem Schuljahr, um das klar zu stellen. Lachkicks waren die Würze meiner Schulzeit. Einfach herrlich, wenn man so losprusten muss. Okay, nicht für alle. Aber ich liebe das.
Für meine Verfassung an diesem „gebrauchten Tag“ habe ich mir ein Video der humorvollen Tanztruppe „Les Ballets Trocadero de Monte Carlo“ rausgesucht. Männer, die mit beachtlicher Technik klassisches Ballett in Spitzenschuhen tanzen, wirklich wahr. Auf Spitze! Sie sind einfach genial, aber am besten ist immer der jeweilige Gesichtsausdruck gepaart mit einer sensationellen Situationskomik, umwerfend! Ich liebe Ballett, habe selber lange getanzt und tue es sogar noch immer „altersentsprechend“, nämlich in der mitreißenden Senioreneinheit der Ballettschule Freudensprung unter unserem Senior-Cheftrainer Herrn Müller. Eigentlich als „Graue Schwäne“ tituliert haben wir uns mittlerweile durch die hervorragende Idee von Mittänzerin Andrea als „betreutes Tanzprojekt“ umgetauft, weil wir uns die winzigen Choreographien von Woche zu Woche nicht mehr merken können und unsere Kondition jetzt auch nicht mehr sooo dolle ist … aber Spaß haben wir ohne Ende und Lachen ist Pflicht.
Ballett, Modern Dance und Jazzdance in jugendlicher Perfektion, das ist einfach eine Augenweide. Als ältere eingebürgerte Aachenerin denke ich allerdings schonmal „au Banan“, wenn ich unsere Whatsapp-Filmchen, die wir als Erinnerungsstütze machen müssen, hinterher mit Brille betrachte und mich da hüppeln sehe. Ohne Brille sieht das noch ganz nett aus, scharf gestellt ähnelt es oft nur noch im Entferntesten jenem perfekten klassischem Tanz der Jugend, fühlt sich in der Bewegung aber einfach himmlisch an und diese Freude ist das Wichtigste. Allerdings sollte Frau (und Mann, wenn er tanzt) realistisch bleiben, das Netz ist voller Filmchen der besten Tänzerinnen und Tänzer dieses Planeten und die sind immer ziemlich jung. Herrlich ist das für die Augen, ästhetische Körper-Kunst, Körperbeherrschung, für mich die höchstmögliche Schönheit von Bewegung schlechthin. Also zumindest immer dann, wenn es eben wirklich perfekt ausgeführt wird. Und bei Gott – ich sage es nochmal- ich weiß, wie schwer alle diese Bewegung sind. Aber manchmal, wenn der Ehrgeiz so mancher Tänzerin die eigenen Möglichkeiten bei weitem überschreitet und eine ungewollte Komik durch eine gewisse, überernste Verbissenheit in Kombination mit einem geradezu tragischen Minenspiel entsteht, dann ist das eher lustig als schön, da wünsche ich mir ein bisschen mehr „Tanz-Humor“. Unperfekte Linien oder unperfekte Bewegungen sehen nunmal nicht schön aus … Ausnahme sind diese Jungs vom „Les Ballets Trocadero de Monte Carlo“. Da passt das und da wartet man beim Zusehen regelrecht auf einen Ausrutscher. Und wird selten enttäuscht.
Swan Lake Ballet Parody, die kleinen Schwäne. Eine Minute sechsunddreißig. Vier gut trainierte männliche Körper reingezwängt ins Trikötchen mit Tüllrock, dicke Waden über den Spitzenschuhen, Muskelpakete an den Armen, alles ein bisschen schräg irgendwie aber klasse Tempo und irre Technik. Ausrutscher garantiert, kommt prompt. Genauso prompt muss ich lachen, einfach so.
Meine Laune: schnell wieder bestens. Jetzt noch eben die Parodie des sterbenden Schwans der Truppe hinterher geschoben, in der der Tänzer in einem Tutu auf die Bühne stakst, das ständig Federn verliert, der Schwan quasi in der Mauser ist … Attacke auf mein Zwerchfell. Herrlich. Durchatmen, Lachtränen wegtupfen. Tief durchatmen.

Ok. Ich habe nicht bekommen was ich bestellen wollte, vielleicht sollte die Lektion ja heißen „Geh in die Läden, du faule Socke“. Kann ich ja morgen mal probieren, aber jetzt muss ich noch ein bisschen weiter gucken.
Mit Humor geht wirklich alles besser, das gilt erst recht für gebrauchte Tage.

Eine schöne humorvolle Woche noch!

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Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 18. August 2019

Einmal im Monat bekomme ich per Email von der Aachener Hautarztpraxis Dr. Rösner und Dr. Höller Obrigkeit, die ich regelmäßig zum vorsorglichen Hautscreening besuche, einen sogenannten Gesundheitsbrief. Ich muss sagen, der ist richtig gut und zeigt Studien oder neue Forschungsberichte zu allen möglichen Gesundheitsthemen auf. Das lässt der Name ja schon vermuten.
In der Augustausgabe gab es einen Beitrag, der mich in positiver Hinsicht sehr nachdenklich gemacht hat. Die Titelzeile „Ein längeres Leben durch einen erfüllten Lebenssinn“ klingt jetzt erstmal unspektakulär und vielleicht auch ein bisschen langweilig, der Hintergrund ist aber aus meiner Sicht ein paar Gedanken wert.

Zitate aus dem Artikel:
„Sich psychisch und körperlich wohlfühlen ist ein wichtiger Grundgedanke für ein gesundes, langes Leben. Wie bedeutend dabei die sogenannte Psychohygiene, also die Pflege des psychischen Wohlbefindens ist, zeigt das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie. Es sagt aus, dass Menschen, die ihr Leben als sinnvoll und ausreichend selbstbestimmt empfinden, in der Regel auch von einem längeren Leben profitieren. … Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die Tatsache einer vorwiegenden Zufriedenheit über das eigene Leben mit einem grundlegendem psychischen Wohlgefühl dazu führt, dass die betreffenden Personen stressunempfindlicher sind und von einem gesünderen Immunsystem profitieren, welches besser gewappnet ist gegen entzündungsfördernde und krankmachende Einflüsse. (Alimujiang, A. et al. ;Association Between Life Purpose and Mortality Among US Adults Older Than 50 Years; JAMA Netw Open 5/2019; 2(5): 194270.) “

Die zwei kleinen Worte “vorwiegende Zufriedenheit“ über das eigene Leben haben es dabei besonders in sich, finde ich. Aus eigener Erfahrung kann sicher jede und jeder für sich bestätigen, wie gut es ihr oder ihm in zufriedenen Lebensphasen gegangen ist. Im Umkehrschluss bedeutet es natürlich: Unzufriedenheit macht nicht nur unglücklich sondern möglicherweise auch noch krank.

Wie werden wir denn nun aber zufrieden? Was füllt uns auch, macht glücklich?
Die Antwort dürfte so individuell ausfallen wie die Persönlichkeit eines jeden Menschen ist. Jeder Mensch wird von seinen ureigenen Lebensmotiven angetrieben und wenn man sich erlaubt, der eigenen Intuition zu folgen, weiß man tief drinnen, was man zur Zufriedenheit braucht – eigentlich. Denn oft genug wissen wir zwar, was uns gut tun würde, trauen uns aber mit den fadenscheinigsten Begründungen nicht, diese Dinge zu leben. Der Partner könnte beleidigt sein, die Kinder kann ich nicht zwei Stunden bei der Oma lassen, geht nicht weil meine Freundin nicht mitmacht usw. oder aber auch – ich traue mich ganz einfach nicht.

Es gehört tatsächlich ein Quäntchen Mut dazu, sich neuen Situationen oder gefühlten Herausforderungen zu stellen. Auf dem Weg zur Zufriedenheit brauchen wir höchstwahrscheinlich alle mehr oder weniger einen ersten, beherzten Schritt aus der eigenen Komfortzone in Richtung unseres persönlichen Ziels. Von ganz alleine, so ganz ohne eine kleine Anstrengung stellt sich wenig ein. Wie sagt der Volksmund so schön „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“. Ich glaube, daran ist etwas Wahres.

Am Ende eines Lebens werden wir sicher nicht die „Fehler“ bereuen, die wir beim Ausprobieren neuer Fähigkeiten oder unbekannter Situationen gemacht haben, wir werden uns viel eher über die Chancen ärgern, die wir haben ungenutzt verstreichen lassen. Aus Ängstlichkeit, aus Sorge zu scheitern und aus vielen anderen Gründen.

Als Psychologin schätze ich das Wort „Psychohygiene“ natürlich sowieso hoch ein und pflege diese auch selber so gut ich kann. Wenn ich mit Menschen darüber rede, was sie zufrieden und glücklich macht, sind die Antworten übrigens nicht die „dicken Dinger“, Reichtum, Designerklamotten, Ruhm o.ä., es sind viel eher die kleinen Schönheiten, die innerlich reich und zufrieden machen; Liebe, Gesundheit, schöne Momente mit der Familie, mit Freunden, den Tieren, Erlebnisse in der Natur und: Freude an dem, was man tut – das ist beinahe die wichtigste Antwort!
Natürlich ist es schön, genügend Geld zum Leben zu haben, aber Geld macht nicht zwangsläufig glücklich. Glück zu erleben, Zufriedenheit zu spüren, das schafft viel eher eine wirklich Sinn – stiftende Tätigkeit.
Oft wird natürlich auch die Wichtigkeit von Gesundheit für die eigene Zufriedenheit erwähnt und hier schließt ich der Kreis. Wer dafür sorgt, dass er sich wohl fühlt im Leben, in psychischer und körperlicher Hinsicht, hat beste Aussichten auf ein gesundes, langes und zufriedenes Leben, denn das Immunsystem ist im „Zufriedenheits-Modus“ deutlich weniger gestresst, der Stoffwechsel arbeitet perfekt, was wiederum gut fürs Figürchen ist.

Vielleicht sollten wir einfach immer mal wieder inne halten und uns fragen „Bin ich zufrieden?“ und wenn das nicht so ist, dann frag dich selber ohne zu meckern und an anderen herum zu nörgeln „Was fehlt mir dazu, was kann ich selber, ganz persönlich tun, um zufriedener zu sein?“

Wer sein Ziel kennt, kann es auch erreichen. In kleinen Schritten und mit Verbündeten geht viel mehr als man denkt. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt … sicher auch jene Reise zur eigenen Zufriedenheit.

Mein Lieblingsspruch dazu, der als Schildchen am Kühlschrank im Ferienhaus hängt:
„Unmöglich“, sagte die Tatsache. „Versuch es“, flüsterte der Traum.

Schöne zufriedene Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 11. August 2019

Diese Woche war mal wieder ein Frisörbesuch fällig. Nachtönen, damit der Ansatz nicht ganz so deutlich verrät, wie es wirklich um die Farbe im Haar bestellt ist. Das gemeine am Älterwerden ist ja – unter Anderem-, dass man irgendwie im Laufe der Zeit an Buntheit verliert und der Körper sich allmählich auf so einen mausgraubeigegelblichen Farbton reduziert. Manchmal stelle ich mir das bildlich vor. Dann sehe ich hinter jedem älteren Menschen eine dünne Spur rinnender Farbe, die im Laufe der Jahre immer fahler wird. Wie eine Art platt gewordener Regenbogen, den das Sonnlicht einfach auflöst. Einfach so, als ob Farbe sich verbraucht im Leben. Irgendwann sind die Haare grau geworden, die Haut beige, die Zähne gelblich … also wirklich, da muss man gegen halten, finde ich. Und frische Farbe ins Haare zu bringen ist auch noch einfach.

Da saß ich also nun wieder einmal, einen schlammfarbenen, ökologisch verträglichem Turm aus Tönungspackung auf meinem Kopf und blätterte in einer Zeitschrift. Zunächst fiel mir auf, dass ich bald mal wieder meine Lieblingsoptikerin besuchen muss, denn die alte billig-Brille, die für gewöhnlich im Auto liegt und die für den Frisörbesuch immer herhalten muss, falls etwas Farbe an die falsche Stelle geraten sollte, tat es nicht mehr zu 100 Prozent. Also, die Brille schon, aber meine Äuglein dahinter brauchen wohl mal wieder Unterstützung. Komisch oder? Irgendwie altert man immer in Schüben. Nicht genug, dass ich mittlerweile an so manchem Abend in der Woche ein bisschen Gymnastik machen muss, um meine körperlichen Zipperlein mit Entspannung und Dehnung zu gutem Schlaf zu überreden, nein, auch die Sicht ändert sich. Gott hab Dank ändert sich diese Sicht hin und wieder auch im Hinblick AUF die Dinge. So mancher Blick in die Welt wird im Laufe der Zeit ja wirklich milder, mitfühlender, verzeihlicher, gütiger – hin und wieder gelingt mir das auch mit dem Blick auf mich selber, also hielt ich die Zeitschrift einfach mit etwas mehr Abstand zwischen Hand und Äuglein. Ging hervorragend.
Und diesmal lohnte sich, was ich zum Lesen fand.

In einer der ausliegenden Frauenzeitschriften ging es ausnahmsweise einmal um Geschichten und Begebenheiten, die glücklich machen. DAS kann man immer gebrauchen, sicherlich ganz besonders in Zeiten, in denen uns die Drohungen des Weltuntergangs schon beim Frühstück aus der Headline der Nachrichten entgegen springen.

Beispiele aus diesem wunderbaren Artikel: Eine Geschichte über einen Buchladen in Südengland, der wegen steigender Mietpreise geschlossen werden sollte – und das haben die Kunden verhindert. Sie haben ihn gerettet!
Oder der Bericht über einen Chip, der Tierversuche ersetzt! Mein Herz hat gejubelt, als ich das gelesen habe. Im Dresdener Frauenhofer Institut haben clevere und mitfühlende Ingenieure so etwas entwickelt und an der Uniklinik wird es bereits eingesetzt. Danke, ihr Engel!
Die Geschichte über die Flasche, die aus Müll besteht. Die über die Wildblumen, die Pestizide ersetzen. Und die über Superhelden, die kranken Kindern Glück bringen. Also bei der musste ich heftig schlucken, denn hier wurde darüber berichtet, dass sich Seiltechniker der Polizei und Feuerwehr in Wien als Spiderman oder Batman verkleidet haben und an der Fassade der Kinderklinik herabgeklettert sind, um die Kinder zu überraschen, die sich unendlich darüber gefreut haben. Was für eine herzerwärmende Aktion. Bitte mehr davon!

Und zum Schluss stand da noch dieses Zitat von Christa Wolf, dass das Motto für all diese Geschichten sein könnte, die ich heute lesen durfte:

„Einmal im Leben, zur rechten Zeit,
sollte man an das Unmögliche geglaubt haben.“

Diejenigen, die diese schönen Geschichten möglich gemacht haben, die ich gerade erwähnt habe, haben das sicherlich getan – und; was noch viel besser ist: Sie haben es WAHR GEMACHT, das Unmögliche wurde Realität!
Schön, dass man sagen kann: Manchmal wird das Unmögliche möglich, oder?
Da denke ich automatisch immer an die Hummel. Sie kann rein rechnerisch nicht fliegen. Sie weiß es nur nicht. Sie fliegt einfach.

Schöne bunte Hummelwoche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 4. August 2019

Leute, ich wünsche mir Kennzeichen für Fahrradfahrer. Und damit mich niemand falsch versteht: ich liebe es selber, Fahrrad zu fahren, ich mag die Vielfalt an lustigen Fahrradmodellen, die mittlerweile zu bewundern sind und ich mag Radfahrer im Allgemeinen, jedenfalls die 90 %, die sich an Regeln halten. Die anderen 10 %, die sich gebärden, als gehöre ihnen die Straße, auch was rede ich, der Gehweg, die Einkaufsstraße, alle Straßen in beide Richtungen und natürlich sowieso der Wald, die mag ich gar nicht.

Lasst uns doch eine Sekunde mal überlegen, wie das wäre, wenn gut 10 % ALLER anderen Verkehrsteilnehmer das auch so machen würden: Autos fahren über Gehwege, durch die Einkaufsstraßen und Fußgängerzonen und natürlich in den Einbahnstraßen falsch herum, durch den Wald bis sie stecken bleiben oder die Bäume nachgeben müssen. Dazwischen hätten wir dann noch Fußgänger, die auf den Autobahnen wie bei LALA Land über die Autos tanzen und wie die Ameisen herumwuseln … das wäre innerhalb von Sekunden ein Massaker.

Um genau so etwas zu vermeiden, gibt es in einer Gesellschaft Regeln. Also:
Warum geht das bei Fahrradfahrern? Wieso dürfen sie das?

Ich habe mir neulich auf meinem Weg ins Frankenberger Viertel in meinem Auto sitzend tatsächlich erlaubt, eine Fahrradfahrerin anzuhupen, die MITTEN auf der Eupener Straße Richtung Stadt fuhr. Langsam. Mit Kopfhörern auf den Ohren. Diese Straße wird von LKWs und Bussen und eben jenen PKWs benutzt, für die sie da ist. Und da das gefährlich ist, gibt es ZU BEIDEN Seiten Radwege.
ZU BEIDEN SEITEN.
Ich musste ob des Gegenverkehrs und des drömeligen Tempos dieser Dame derart abbremsen, um sie nicht auf die Hörner zu nehmen (denn man ist ja als böser Autofahrer auch noch Schuld, wenn etwas passiert – und zwar immer!!!), dass meine Geduld ganz plötzlich ganz doll erschöpft war. Sie bekam ein kostenloses, aber furioses Hupkonzert um die Ohren, erschrak sich massiv und motzte noch massiver. Meine Geduld hatte aber noch Munition, also auf gleiche Höhe fahren, Scheibe runter und dann die Info rüberbrüllen, dass es einen Radweg gibt. NEBEN der Straße. Direkt neben der Straße. Für Radfahrer. Auf beiden Seiten.
Bei der nächsten Möglichkeit ist sie tatsächlich kleinlaut auf den Radweg gefahren.
Immerhin.
Lebensmüde und motzig, vielleicht auch innerlich substanzverseucht, aber lernfähig. Im Rückspiegel gab es einen Like für mich aus dem hinter mir fahrenden SUV, der mir noch an der Ampel mit Daumen hoch Beifall spendete. Nicht nötig, aber nett irgendwie. Ein Leidensgenosse.
Eigentlich wäre alles so einfach, wenn alle ein bisschen Rücksicht nehmen würden – übrigens auch die 10% der Autofahrer, die auf Radwegen parken und es ihrerseits den Zweirädern im Straßenverkehr schwer machen. Wäre echt nett, ist aber wohl ein bisschen zu optimistisch gedacht.

Allerdings sollten sich jene bockigen Zweiradfahrer klar machen, dass sie viel zu verlieren haben – ein Leben. Ihr eigenes Leben. Nicht mehr und nicht weniger. Meines wäre mir zu schade, es ist schön und ich hüte es gut, es ist mir viel, viel zu schade, um es vor irgendein fremdes Auto zu werfen und im Himmel dann stolz aber dümmlich zu verkünden „Dem habe ich es aber gezeigt! Bin mitten auf der Straße gefahren!“.

Wenn ihr also nix zu verlieren habt, bitte. Aber schont die anderen 90 %, die einfach in Ruhe und auch noch weiterhin lang und glücklich rücksichtsvoll ihr Leben leben möchten. Bitte!!!!!!

Schöne Woche noch, fahrt vorsichtig!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 28. Juli 2019

Zwischen dieser und der letzten Kolumne liegen genau zwei Wochen: Eigentlich wollte ich schon am Samstag dem 13. Juli für Sonntag den 14. Juli eine Kolumne für Silly, meine Yogatrainerkollegin, @yogisilly bei @meinpilates-aachen einstellen, nachdem sie mich mit ihren Instagram Beitrag extrem berührt hatte. Leider bin ich tags zuvor ins neue Ferienheim nach Belgien gereist, wo auch gleich das Internet angeschlossen werden sollte, also kein Problem, der Text war ja geschrieben, alles bestens vorbereitet. Dachte ich. Aber das kam dann doch ein bisschen anders als erwartet …und zog und zog und zog sich. Auch nach mehreren Tagen zeigte sich die Lage aussichtslos: Denn nach nur drei Anläufen mit zwei (falschen) Kabeln und zwei unfähigen Mitarbeitern, deren erfolglose Besuche vor Ort jeweils neue telefonische Absprachen nach sich zogen, weil ihre Gesellschaft nur Spezialisten hat, die die Termine machen, habe ich resigniert. Es ist mir auch nicht gelungen, meinen Text auf andere Weise einzustellen, ich bin halt ein voll- DAU (dümmster anzunehmender User). Mitarbeiter Nummer drei hat mir bei seinem -ebenfalls erfolglosen- Besuch vor drei Tagen dann das richtige Kabel geschenkt, da meine wachsende Verzweiflung wohl doch nicht mehr zu übersehen war. Eine Wutrede meines Gatten am Telefon mit den entsprechenden Mitarbeitern, die uns wegen der Sommerferien einen neuen Termin für den 9. Oktober (!!!!!!!!!!!!!!!!) für den Anschluss geben wollten, hat dann irgendwie gewirkt. Am späten Nachmittag des 25. Juli 2019 erschien Mitarbeiter Nummer Vier. Für die Installation. Eine Stunde später:
Wir sind drin. Ein kleiner Schritt für den Menschen …

So, nun geht es also endlich doch um deinen Text, meine liebe Silly, den du am 12. Juli in deinen Instagram Account gestellt hast. Du bedankst dich darin bei deinen Weggefährtinnen, die dich durch die Zeit der Wechseljahre begleiten. Besonders dafür, dass diese dir kleine aber in der Wirkung großartig heilsame Impulse geben und dich lehren, den Körper mit all seinen Symptomen und Problemen zu akzeptieren und zu lieben statt in die Falle der Selbstoptimierung zu tappen. Du sprichst offen an, was viele von uns Frauen erleben, wenn sie durch die Wechseljahre gehen, das hat mich einfach tief berührt und deswegen habe ich beschlossen, etwas dazu zu schreiben.
Warum? Weil ich diese Falle der Selbstoptimierung nur allzu gut kenne. Ich war nie eines jener süßen, kleinen und schlanken Mädchen, die in dem Bewusstsein aufwachsen dürfen, hübsch zu sein. Das Geld war knapp, Anziehsachen wurden genäht, dafür gab es Liebe satt, was ja nun auch viel wichtiger war. Trotzdem bin ich lange Zeit ziemlich anfällig für diese Falle gewesen, von der du schreibst.
Wenn ich aber heute, aus der Sicht der „gereiften“ Frau, auf mein jüngeres Ich in verschiedenen Lebensphasen zurück schaue, denke ich oft „Mensch, was hast du deine Zeit verschwendet mit den ganzen Selbstzweifeln, du hättest einfach akzeptieren sollen was eh nicht zu ändern war.“ Aber so einfach war das damals eben nicht.
Heute ist das anders, was ich mit tiefer Dankbarkeit erlebe. Diese wechselvollen Jahre voller Veränderungen liegen schon hinter mir und ich verstehe sehr gut, wovon du sprichst.
Liebe Silly. vieles ändert sich in diesen Jahren, manches sorgt und ängstigt einen und es ist großartig, wenn man in diesen Zeiten Wegbegleiterinnen um sich hat, die „Frau“ zur Seite stehen, die unterstützen und uns helfen, den Körper noch besser zu verstehen.
Der Körper ist sinnbildlich das Haus, in dem unsere Seele wohnt – und etwas salopp gesprochen- ist es nur allzu verständlich, dass wir nicht in einer Bruchbude hausen wollen, in der es hin und wieder durchregnet, die Fassade zu bröckeln beginnt, das farblos gewordene Dach immer wieder gestrichen werden muss und die Stützpfeiler dauernd eingeschmiert oder sogar erneuert werden müssen. Wo früher für die Optik der Hauch eines Schönheitsanstrich genügte, muss heute der Stuckateur ran und selbst diese Maßnahme ist nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt. Ganz zu schweigen von unseren allumfassenden Sorgen und Ängsten, wie lange das ganze Gemäuer denn überhaupt noch so durchhalten wird. Wer möchte schon wohnen? Eben. Kaum jemand. Die Sache ist nur die, wir können weder ausziehen noch kündigen oder neu bauen. Geht nicht. Da hilft nur, die eigene Sichtweise genau unter die Lupe zu nehmen. Mag sein, dass ich in einem alten Haus mit morschen Ecken und erschlaffter Außen-Isolierung lebe. Aber es ist MEIN Haus. Eines, das sich meinem Leben und meinen Seelenaufgaben angepaßt hat, das genau richtig für mich ist, egal was es kann, egal wie es gebaut ist. Und gab es neben den schlimmen Lebenserdbeben, die einfach nur durchgestanden werden mussten, nicht auch manch herrliche Zeit in diesem Haus, in der es nur so strahlte in seinem Glanz? Durchfeierte Partys in allen Räumen? Wahrscheinlich schon, oder? Was aber auch immer geschehen ist, es ist und bleibt unser Haus. Vielleicht kommt es darauf an, dass wir es mit Liebe betrachten und akzeptieren wie es eben gebaut ist. So und nicht anders.
Liebe Silly, du schreibst so schön, dass du den Hinweis bekommen hast, man soll dem Körper danken, dass er so perfekt funktioniert, anstatt gegen ihn zu kämpfen. Ich finde, das ist der einzig richtige Weg. Akzeptanz statt Optimierung mit einem liebevollen Blick auf das unperfekte, das uns ausmacht, uns unsere Persönlichkeit verleiht. Und letztlich sind es doch unsere Macken, Makel und Eigenheiten, die uns ausmachen, oder?
In meinem jetzigen Alter bin ich diesem „alten Haus“ gegenüber viel gnädiger geworden, freue mich über alles, was geht und genieße viel intensiver. Das ist eben das Gute an diesen Wechseljahren – man darf auch die Perspektive wechseln und die alte Pracht in ihrer Schönheit genießen …

Außerdem stimmt es schon, dass wahre Schönheit von innen kommt, finde ich. Wer kann sich schon dem heimeligen Charme eines gemütlichen, hell erleuchteten Hauses an einem dunklen Novemberabend entziehen? Also ich nicht … und mein besonders „leuchtendes“ Vorbild ist die -in meinen Augen regelrecht strahlende- 100 jährige, fitte, schöne, wunderbare Yoga-Lehrerin Tao Porchon-Lynch, @taoporchonlynch100.

So lange unsere Körper uns ermöglichen, Yoga und Pilates zu machen, ist doch alles bestens. Auch wenn´s manchmal knirscht und zwickt. Es bewegt uns und das ist schön!
Liebe Silly, ich danke dir für deine Ehrlichkeit, den Mut die Dinge zu benennen wie sie sind und für deine Inspiration und dein „mich bewegen“ in dieser Hinsicht. Für die körperliche Bewegung habe ich Yoga- Stunden bei dir gebucht.
Schön, dass es dich gibt – so wie du bist.

Schöne -bewegte- Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 7. Juli 2019

In dieser Woche habe ich mir Gedanken über alle möglichen Berufe und ihre Spezialisierungen gemacht. In jedem nur erdenklichen Berufsfeld gibt es Fachrichtungen. Es gibt Fachärzte, Fachanwälte, hochspezialisierte Ingenieure für ganz besondere Bereiche, Lehrer werden nach der Schulform ausgebildet an der sie tätig sind, Kinder- und Jugendpsychologen sind fast schon zwei Berufe, es gibt Möbel- und Industrieschreiner, Krankenschwestern mit unterschiedlichstem Wissen für die verschiedenen Stationen und den OP, ganz verschiedene Gewerke am Bau, Spezialisten im Management, der Computerbrache, im Design, Grafik, bei den Gärtnern, Floristen und so weiter und so fort. Die Liste ist beliebig. In allen Berufen die ich kenne braucht man spezielles Wissen für das entsprechende Fachgebiet und kann nicht einfach so das Aufgabengebiet eines Kollegen übernehmen, geschweige denn einfach so in eine andere Branche wechseln. Und dann lese ich in der Zeitung:

Ursula von der Leyen soll EU-Kommissionspräsidentin werden, damit würde ein Platz im Kabinett frei. Wer könnte ihr nachfolgen?

Die Personalie Von der Leyen ist an dieser Stelle ohne Bedeutung, einfach nur stellvertretend für dieses Job-Karussell, das in der Politik üblich ist.
WIE geht das eigentlich, dass ein Politiker einfach so den Posten eines anderen übernimmt?
Können die denn alles oder tun die nur so?
Haben die eine Harry Potter ähnliche Ausbildung durchlaufen, können hexen und zaubern?
Sind die jetzt die „Eier-legenden-Woll-Milch-Säue“ oder grandiose Mogelpackungen?

Ich verstehe das nicht. Wirklich nicht. Ich verstehe auch die Sprache der Politiker oft nicht, denn sie antworten selten auf die Frage, die man ihnen stellt. Während meines Studiums haben wir mal aus Spaß genau diese Politik typische Sprache analysiert. Fazit: Was die reden, ist eine Tranceinduktion. Die quatschen einen oft derart zu, dass das Gehirn den Inhalt, der ja keiner ist, nicht mehr zuordnen kann und in eine leichte Trance, also einen veränderten Bewusstseinszustand, geht. Ein einfaches OM, mehrfach wiederholt, in sanft schwingendem Ton gesungen würde ausreichen. Und wäre ehrlicher. Denn wenn wir wieder zurück sind aus der Verwirrung, die die Trance hinterlassen hat, merken wir schon, das wir gar keine Antwort bekommen habe. Nur Worthülsen und Floskeln. Buchstabensuppe für die Ohren, schmeckt nicht und bekommt noch weniger.

Meine heimliche Vermutung ist, dass die Gehirne der Politiker das aber gar nicht mehr merken, was sie da erzählen. Die müssen in einer Art Dauertrance sein, verlieren die Bodenhaftung und die Nähe zur Realität, zum Wort-Sinn der Sprache, die sie sprechen. Noch schlimmer ist, sie verlieren die Nähe zu uns. Zum Volk, zur Jugend sowieso. In Trance scheint man sich vielleicht auch ein bisschen zu viel zuzutrauen, mutmaßt, alles zu können, zumindest in der eigenen Vorstellung, die ja nun bekanntermaßen mit der Realität nur wage übereinstimmt.

Ich hätte da eine Idee, wie man diese subjektive Wahrnehmung mit der der eher objektiven Realität, in der Millionen Menschen in Deutschland leben, wieder in Einklang bringen könnte: Jeder Politiker absolviert einmal im Monat ein mehrtägiges Praktikum in einem bürgerlichen Beruf und der dazugehörigen Ausbildung. Selbstverständlich mit den dazugehörigen Bedingungen, dem Bus- oder U-Bahnticket und dem entsprechenden Gehalt, nix gepanzerte Limousine oder so. Eine Art “Real Life Challenge für Politiker”, angelegt als Bürger-nahe Fort- und Weiterbildung. Dann können wir mal sehen, ob sie in der Praxis, etwa in der Pflege von alten Menschen, in der Bäckerei, bei der Müllabfuhr, am Band in der Autoindustrie, auf dem Schlachthof, bei der Polizei und der Justiz, am Band in einer Fabrik, im Kindergarten, als Handwerker, als Grundschullehrer, Lehrer an Grund- und weiterführenden Schulen, Ingenieur, Manager, Arzt in Praxis oder Klinik, Gärtner, Frisör, Architekt, Fischer, Landwirt, Tierarzt und so weiter und so fort auch einfach so einsetzbar sind. Man könnte ja bei den kleinen Aufgaben anfangen, um niemanden zu gefährden.
Im Gegenzug dürften wir „einfachen Leute“ Politiker beraten, auch ein paar Tage im Monat. So, wie viele ihre Familie, ihren Haushalt und ihr Leben führen klappt das doch ganz gut im Kleinen. Vielleicht können die „da oben“ für ihren größeren Haushalt was von uns lernen. Dazu sollten sie aber (wieder) erfahren, WIE das Leben hier unten, mit beiden Füßen in der realen Welt sich überhaupt so anfühlt. So, wie die jetzt agieren, gibt das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit derbe Probleme oder könntet ihr euch vorstellen, wie -sagen wir mal- Ursula von der Leyen, weil ich sie oben schon erwähnt habe- mit einem Schutzhelm auf dem Schädel auf dem Bau steht und dem Vorarbeiter einen Vortrag darüber hält, wie man eine Mauer mauert ohne davon auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben???? Also ich höre vor meinem inneren Ohr schon die Antwort.
Sehr laut. Sehr deutlich und alles andere als einlullende Trancesprache. Klar. Auf den Punkt. Real. Ehrlich. Irgendwie für jeden Normalo verständlich. LABER NICHT. MACH JETZT. Fertig mit der Ansage. Nicht reden. Tun. Jetzt und sofort. Funktioniert übrigens ziemlich gut in jedem Alltag, in dem wir alle ständig TUN müssen – und das würde auch klappen beim schnellstmöglichen Verbot von Plastik, dem Abschaffen der Massentierhaltung, einem Pestizidverbot, beim Stärken der Bildung, dem besseren Schutz von Kindern oder der sofortigen Aufforstung von Freiflächen mit Bäumen und und und. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – und der darf weiter führen als nur bis zum nächsten Posten bei der nächsten Wahl. Wenn jeder macht, wovon er wirklich was versteht, können wir viel bewegen. Sofort.

Gut, dass wir mal drüber gesprochen haben, sagt der Psychologe gerne.

Schöne Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 30. Juni 2019

In dieser Woche habe ich mir mal wieder eine Frauenzeitschrift gegönnt, die ich nach getaner Arbeit genüsslich im Garten auf meiner Liege im Schatten der Bäume lesen wollte. Weit bin ich aber nicht gekommen, denn kaum lag ich, bin ich nach den ersten beiden Seiten auf eine Kosmetikanzeige gestoßen, die mich schon deswegen genervt hat, weil dieses unsägliche kleine Pröbchen mitten auf der Seite klebte, was einerseits immer die Seite zerreißt, wenn man es abpulen möchte und andererseits Plastikmüll pur bedeutet. Ich verabscheue diese Dinger. Aber der Name jener offenbar magischen Probe-Creme, der war das Beste und hat meine Nackenhaare mit sofortiger Wirkung in exakt dieselbe Höhe gebracht wie die meines Terrier beim Sichten eines Eindringlings in den heimischen Garten:

Die Anti-Aging Innovation Cellular Boost

Versprechungen und Erläuterung dazu:

Weniger Falten und mehr Spannkraft in nur 4 Wochen.

Werbebotschaft: Sieh, was möglich ist.

Erklärung des Produktes: Weil Hautalterung von Cellular Burnout kommt (???!?) verspricht dieser Boost Hilfe.

Bitte was? Cellular Boost? Cellular Burnout? Glauben denn die Macher dieses Produktes ernsthaft, dass wir Damen diesen „was-auch-immer-da-drin-ist Boost“ ungefiltert auf unsere Gesichter schmieren, weil wir alleine bei dem kryptischen Wort Cellular Burnout Panik bekommen? Das muss ein Witz sein. Ein flacher, gemacht für Pröbchen.

Da war aber noch etwas, was meinen Argwohn weckte: In pastelliger, kaum lesbarer Schrift standen die Inhaltsstoffe darunter. So nicht! Wer so dünn druckt, hat was zu verbergen. Nicht mit mir. Da ist Schreibschwester erstmal aufgesprungen und reingezischt, hat die Lupe gesucht und sich dann an den PC gesetzt und Dr. Google befragt. Tja, liebe Freundinnen, lest selbst. Das ist drin im Cellular Boost:

HEXINOL: Die Hexanole bilden in der Chemie eine Stoffgruppe von aliphatischen, gesättigten, einfachen Alkoholen (Alkanolen).

Alkohol also?! Klar, DIESE Form von Boost kennen wir natürlich alle. Einen Drink bitte.

RETINOL = Dr. Googles Antwort: Retinol, auch Vitamin A1 oder Axerophthol, ist ein fettlösliches, essenzielles Vitamin. Chemisch gesehen gehört Retinol zu den Diterpenoiden und ist ein einwertiger, primärer Alkohol.

Noch mehr Alkohol? Den hatten wir doch gerade schon! Also noch ein Drink bitte.

HYALURONSÄURE = Hyaluronsäure (nach neuerer Nomenklatur Hyaluronan, Abkürzung HA) ist ein Glycosaminoglycan, das einen wichtigen Bestandteil des Bindegewebes darstellt. Hyaluronsäure ist ein Bestandteil der extrazellulären Matrix (EZM oder ECM) von Wirbeltieren. Sie liegt in vielerlei Geweben als langkettiges, lineares Polysaccharid vor und erfüllt viele Funktionen, die auch auf ihren besonderen chemischen Eigenschaften beruhen, etwa der Eigenschaft sehr viel Wasser zu binden.

Ok, das klingt brauchbar, Wasser bindet, polstert Falten auf.

Aber was sind denn eigentlich langkettige lineare Polysaccaride?

Dr. Goggles Antwort: „Langkettige lineare Polysaccharide sind Kohlenhydrate, die chemisch gesehen Biopolymere darstellen und aus unterschiedlich vielen Einheiten an Einfachzuckern, auch Monosaccharide genannt, aufgebaut sind.

Zucker? Das wird ein süßer Cocktail, Schwestern! Ich sag es euch ….

VITAMIN C DERIVAT = also hier kommt nach längerer Suche auch eine längere Antwort, die ich im Text der Hautärztin Dr. Jetske Ultee gefunden habe. Okay, sie vertreibt ihre eigene Kosmetiklinie, aber die Ansätze klingen gut. Sie schreibt -von mir gekürzt- zu der Frage was bewirkt Vitamin C für die Haut folgendes:

Vitamin C ist einer der am besten erforschten kosmetischen Inhaltsstoffe, der den Hautzustand wirklich verbessert. Vitamin C ist für die Kollagen-Bildung unerlässlich (Bindegewebe). Das Kollagen wird benötigt, um die Haut zu festigen. Fügt man Vitamin C einem Reagenzglas mit Fibroblasten hinzu, sorgt es für eine drastische Kollagen-Bildung. Und auch auf der menschlichen Haut stimuliert Vitamin C diesen Effekt. Außerdem kann es Akne und Pigmentflecken verringern und wirkt gegen Rosazea. Es gibt jedoch einiges zu beachten: Die Verwendung von Vitamin C in Hautpflegeprodukten ist an einige Bedingungen geknüpft: Vitamin C wirkt nur in hohen Konzentrationen (mindestens vier Prozent). Um herauszufinden, ob die enthaltene Menge tatsächlich ausreicht, können Sie sich die Liste der Inhaltsstoffe ansehen: Es muss oben auf der Liste, oder zumindest im oberen Drittel, stehen. Vitamin C wirkt am besten in Kombination mit anderen Antioxidantien. Vitamin C und Vitamin E sind die ideale Kombination. Vitamin C ist sehr instabil und verträgt keine Feuchtigkeit, kein Licht und keinen Sauerstoff. Oxidiertes Vitamin C (Vitamin C, dass mit dem Sauerstoff in der Luft reagiert hat), ist nicht nur unwirksam, sondern kann sogar für die Bildung von Sauerstoffradikalen sorgen, dem entgegengesetzten Effekt. Das macht ein Vitamin-C-Produkt in einem Tiegel oder einer Glasflasche auf keinen Fall sinnvoll. Alternativen:

VITAMIN C DERIVATE: Die Verwendung von Vitamin-C-Derivaten ist eine gute Alternative. Das sind Stoffe, die in ihrer Struktur durch ein zusätzliches Teilchen mehr Stabilität erhalten haben. Diese Varianten sind milder, dringen jedoch auch schwieriger in die Haut ein. Leider ist der Kontakt mit Sauerstoff auch bei den stabilen Formen von Vitamin C problematisch.

Als Nutricosmetic? (Anmerkung Schreibschwester: das meint Ernährung, Essen) Vitamine C hat übrigens auch eine positive Wirkung auf die Haut, wenn es eingenommen wird. Sie können nur nicht die Konzentrationen zu sich nehmen, die erforderlich sind, um die genannten Effekte zu erreichen. Und die Einnahme einer höheren Dosis hilft da leider auch nicht. Bei extrem hohen Mengen oder bei Krankheiten kann es sogar ins Negative umschlagen. Bei Krankheiten kann diese prooxidative Wirkung jedoch nützlich sein. Laut einer Studie der Leicester University ist es ratsam, nicht mehr als 500 mg Vitamin C pro Tag zu sich zu nehmen. Über die Nahrung kann man diesen Wert eigentlich nicht überschreiten. Darum rate ich auch immer dazu, den Vitaminbedarf vor allem durch abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse zu decken.

Viel ist nicht immer viel besser

Auch bei der Hautpflege gilt übrigens, dass „viel“ nicht immer „viel besser“ ist. Extrem hohe Konzentrationen von Vitamin C sind meiner Meinung nach unvernünftig, da dann erst recht ein Ungleichgewicht zwischen Vitamin C (sowie anderen Antioxidantien) und Proxidantien entsteht. Zudem können sie Hautreizungen verursachen, die auch wieder die Bildung freier Radikale stimulieren.

Jetzt sind wir schlauer, liebe Schwestern und mir persönlich gefällt der Ansatz dieser Ärztin „viel hilft nicht immer viel“ sehr. Diese im Boost enthaltenen Vitamin C Derivate sind also im besten Fall nicht schädlich, scheinen aber erst gar nicht von außen dahin zu kommen, wo sie nützlich sein sollen: in die Zellen.

Was lernen wir daraus?

Cellular Boost ist eigentlich keine Creme, sondern eingedicktes süßes Cocktailkondensat, bestehend aus Alkohol und Zucker und unwirksamen Zusatzstoffen. So eine Art Pina Colada zum Einschmieren als Gegenmittel gegen den Cellular Burnout … dann kann ich das doch gleich trinken, Nutricosmetic heißt das dann, haben wir ja gerade gelernt.

Wenn ich -wie empfohlen- solch einen Cocktail 4 Wochen regelmäßig zu mir nehme, um weniger Falten und mehr Spannkraft zu bekommen, also dann kriegt der verheißungsvolle Satz „Sieh, was möglich ist“ sicher eine komplett andere Bedeutung.

Ich glaube, dann ist Cellular burnout noch mein kleinstes Problem.

Schwestern, dann sag ich nur Boost, äh ne, Prost. Oder auch „Sieh, was möglich ist“. Und nächste Woche schreib ich was zum Thema „Cocktails aus dem Thermomix – mit und ohne Alkohol“. Diese Broschüre gibt es tatsächlich … ich glaube, jetzt brauch ich wirklich einen Drink.

Schöne Woche noch!

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