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Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 27. Oktober 2019

Liebe Schwestern, es wird immer deutlicher und allmählich auch wissenschaftlich bewiesen, was wir alle längst wissen:
Ohne uns Weibsbilder geht gar nichts!
Die Titelzeilen mehren sich, nie war so deutlich, dass die Frau die Krönung der Schöpfung ist. Es heißt ja auch DIE Krone der Schöpfung, nicht DER Krone der Schöpfung.

In der zurückliegenden Woche konnte ich zum Beispiel lesen, dass die Qualität einer Ehe einzig an der Ehefrau liegt. Wenn diese es schaffe, in Streitsituationen einzulenken, sich zurück zu nehmen und verständnisvoll zu reagieren ohne ebenfalls zu toben und zu brüllen, sei die Ehe harmonisch und werde als sehr gut bewertet. Das Verhalten der zugehörigen und ebenfalls getesteten Ehemänner war nur insofern von Bedeutung, als dass sie die Verhaltensweisen ihrer Frauen zu schätzen wussten und sich im Alltag NICHT abwertend ihr gegenüber verhielten.
Ok., bisher dachte ich immer, eine Ehe führen zwei Menschen, aber ich lerne gerade dazu, eine Ehe führt die Frau. Basta.
Einen Tag später lese ich dann mit großem Staunen, dass die Rettung der Welt Frauensache ist. Ups, das auch noch???? Wie soll ich das denn bitte verstehen?
Wir retten nicht nur unsere Ehen sondern gleich die ganze Welt?
Nach der Lektüre dieses Artikels war ich aber vollends überzeugt, denn irgendwie liegt das mit der weiblichen Retterin auf der Hand. Warum? Darum:
Die Frauen bringen ihren Nachwuchs auf die Welt, kümmern sich noch immer in erster Linie um die Kids und die sollen was anständiges essen, davon profitieren übrigens auch die Männchen in der Gemeinschaft, denn für diese wird oft auch der Versuch einer guten Ernährung unternommen. Frau fragt schonmal nach, was drin ist im Breichen für die Kleinen, was in der Milch denn noch so steckt und woher das Gemüse und das Fleisch kommt, das verzehrt wird. Da Männer im überwiegenden Maße überhaupt viel mehr Fleisch konsumieren, darf man sagen, dass Frauen quasi schon alleine aufgrund ihrer gemüselastigeren Ernährung besser für die Umwelt sind. Viel Fleisch braucht viel Weideflächen und deswegen holzen und brennen die mächtig männlichen Wesen im Amazonas gerade den Wald ab, damit diese Weideflächen für die armen Rinder herhalten müssen, die Mann dann schlachtet und isst.
SIE sorgt also für die Familie, schenkt Leben, nährt, erzieht, informiert sich und die anderen, tauscht sich aus, kauft möglichst fair, unverpackt und Bio. Da Frauen es ja schon in ihren Ehen praktizieren, deeskalierend zu agieren um diese zu pflegen, versuchen sie auch, gute Freundschaften und nachbarschaftliche Kontakte zu pflegen, um für Unterstützung und Hilfe zu sorgen. Bei Stress und Konflikten versuchen sie zu schlichten, was auf jeder Ebene gut tut – im Kleinen und im Großen, bis hin zur politischen Bühne. Junge bezopfte Mädchen aus Pippi Langstrumpfland machen alten Männern vor, wie man Massen mobilisiert und zwar ohne sich zu hauen und Kriege zu führen, sich aufzuplustern und Drohgebärden zu twittern.

Frauen und Männer ticken anders, das ist klar, eine Tatsache, die auf der Hand liegt. Aber wo liegt bitte schön die Ursache von all diesen Verhaltensweisen?

Auf der Suche nach guten Studien, Belege oder Artikel habe ich den hier auf der Internetseite von spektrum.de gefunden, aus dem ich ein paar Auszüge zitiere:

Heidegard Hilbig: Geschlechtsunterschiede aus neurowissenschaftlicher Sicht

Unterschiede in der Gehirngröße:
Wenn man ein menschliches Gehirn vor sich hat, kann man nicht nur von der Betrachtung her sagen, ob es männlichen oder weiblichen Ursprungs ist. Rein statistisch beträgt die durchschnittliche Hirnmasse (Gehirngewicht) bei der Frau 1245 g und beim Mann 1375 g. Da es eine Korrelation zwischen Hirnmasse und Körpermasse gibt und Frauen im Durchschnitt kleiner sind als Männer, leitet sich daraus zunächst auch ein kleineres weibliches Gehirn ab. Das Verhältnis von Hirnmasse zu Körpermasse verschiebt sich nach einigen Untersuchungen sogar zu Gunsten des weiblichen Geschlechts: Die Hirn-Körpermasse-Relation beträgt danach bei der Frau 1:46 (22g Hirnmasse pro kg Körpermasse) und beim Mann 1:50 (20g pro kg). Allerdings gibt es inzwischen auch neuere Befunde, die wiederum zum gegenteiligen Schluß kommen. In jedem Fall sagen solche Durchschnittswerte jedoch nichts über die geistige Leistungsfähigkeit eines bestimmten Individuums aus – Ausnahmen bestätigen dabei wie immer die Regel. Ein besonders kleines Gehirn muß daher nicht zwangsläufig einer Frau gehören; es kann ebenso einem kleinen Mann zugeordnet werden.

Hormonale Grundlagen des menschlichen kognitiven Verhaltens:
Das Hauptresultat diesbezüglicher Forschungsergebnisse lautet, daß Männer und Frauen sich in der Art ihrer Intelligenz unterscheiden, und zwar vor allem in ihrer Art, abstrakte Aufgaben zu bewältigen. Die hormonabhängige Differenzierung beginnt beim Menschen in einer frühen Embryonalphase der vorgeburtlichen Entwicklung.
Der ursprüngliche Bauplan ist weiblich.
Gegen Ende des zweiten Embryonalmonats bilden sich bei Vorhandensein von X- und Y-Chromosom die männlichen Keimdrüsen aus. Diese Keimdrüsen, die Hoden, beginnen im Normalfall mit der Produktion von Androgenen (den männlichen Hormonen). Störungen in der Hormonbildung haben eine unvollständige Maskulinisierung (Vermännlichung) zur Folge. Die männlichen Hormone bewirken nicht nur die Maskulinisierung von primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen, sondern leiten auch spezifische Differenzierungen im sich entwickelnden Gehirn ein.

Geschlechtsabhängige Problemlösestrategien:
Probleme, bei deren Lösung Frauen Männern überlegen sind, lassen sich wie folgt aufzählen:
1) Frauen sind besser bei optischen Wahrnehmungen, bei denen es auf die Geschwindigkeit, das detailgetreue Erinnerungsvermögen und die Entscheidungsschnelligkeit ankommt.
2) Frauen haben eine flüssigere Sprache, sprachlich den größeren Einfallsreichtum und können besser exakt rechnen.
3) Frauen verfügen über eine feinere Motorik der Hand.
4) Frauen besitzen eine höhere Wahrnehmungsgeschwindigkeit.

Männer sind dagegen bei den folgenden Leistungen im Vorteil:
1) Männer haben ein besseres Abstraktionsvermögen und sind bei mathemathischen Schlußfolgerungen Frauen überlegen.
2) Männer können besser zielgerichtet werfen und auffangen.
3) Männer haben ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen.
4) Männer zeigen bessere optische Leistungen bei Suchbildern, d.h. beim Auffinden versteckter geometrischer Figuren.

Geschlechtstypische Unterschiede beim Menschen sind im Bereich der Sinneswahrnehmungen gut untersucht: Frauen sind empfindlicher für Berührungen und Gerüche, bemerken schneller Veränderungen in der Anordnung von Objekten; Männer sehen im mittleren Gesichtsfeld besser, unterscheiden mehr Einzelheiten bei bewegten Objekten usw.

Ooooookay, liebe Schwestern, wir wollen die Unterschiede an dieser Stelle einfach nicht bewerten sondern nur genüßlich hinnehmen. Möge jede einzelne von euch entscheiden, ob es z.B. wichtiger für die Lebensgestaltung ist zielgerichteter werfen und fangen zu können und bei Suchbildern optisch bessere Leistungen zu haben oder über eine feinere Motorik der Hand, eine flüssigere Sprache, sprachlich den größeren Einfallsreichtum und bessere exakte Rechnungsfähigkeiten zu verfügen …
Mein persönlicher Lieblingssatz aus dem bisherigen Text ist im oberen Teil zu finden:
„Der ursprüngliche Bauplan des Gehirns ist weiblich!“
DAS ist mal eine echt verblüffende Aussage, finde ich.

Zusammenfassend kann man nur sagen, all diese netten oder spöttischen Sprüche, Artikel, Bücher oder Filme mit Themen wie „Frauen kommen von der Venus Männer vom Mars“ stimmen. Männer und Frauen passen irgendwie nicht grundsätzlich gut zusammen. Irgendwie unklug ist nur, dass die Männer immer wieder betonen müssen, das „starke Geschlecht zu sein“ und uns Frauen damit klein machen wollen.
Lasst das Jungs, der ursprüngliche Bauplan ist weiblich!

Rational gesehen wäre es für die Rettung der Welt also sinnvoller, Frauen Bindungen zu Bäumen nahe zu legen, denn die retten die Welt ja schließlich auch und das Umarmen von ihnen soll das Bindungshormon Oxytocin ausschütten, was übrigens auch beim Kuscheln mit Haustieren zutrifft.
Und Männer? Was machen wir jetzt mit denen? Drauf verzichten? Ist immer ungünstig. Besteuern zum Ausgleich der „Gender Gap“ in der Lohnzahlung? Denkbarer Ansatz. Am wichtigsten aber: Männer schulen. Es sollten flächendeckend und landesweit zügig entsprechende Volkshochschulkurse angeboten werden, in denen Männern weibliches Denken und Handeln vermittelt wird, so gut das eben nur geht. In kleinen Förderklassen natürlich. Geleitet von klugen und erfahrenen Lehrerinnen im Team, unterstützt von einem Sozialarbeiter mit Diplom in Behandlung von Männerschnupfen.
Aber dauerhaft auf die Kerle verzichten? Wäre irgendwie auch ganz schön schade, denn einige Exemplare sind ja trotz all ihrer Macken und Eigenarten doch sehr liebenswert.
Was grundsätzlich helfen könnte?
Wenn Männer sich mal ein bisschen weniger wichtig nehmen würden und einfach akzeptieren könnten, dass wir, die Weiber, Hexen und Feen dieser Welt, die besseren Menschen sind und uns dafür ein bisschen auf Händen zu tragen. Wenigstens zwischendurch, denn wer will bitte schön immer getragen werden, wenn er alleine Laufen kann? Gut, schnell und sehr erfolgreich können wir das nämlich während wir unsere Ehen und die Welt retten und das, wenn es sein muss auch noch auf High Heels.
Frauen, fangt an, euch wichtiger zu nehmen! Jede einzelne von euch ist wichtig, spitze und unersetzbar. Lasst euch nichts anders einreden. Nehmt sie ernst, eure Wünsche, Ziele, Träume, Ideen, Werte, euer Frau-Sein, einfach alles an euch.

Also, liebe Schwestern, Wert-schätzt euch und eure Fähigkeiten. Und wenn ihr einen tollen Mann an eurer Seite habt, den auch, er ist ein seltenes Prachtexemplar.

Schöne wonne-weibliche Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 20. Oktober 2019

Ich habe durchaus etwas übrig für Alltagshilfen, die schnelle und effektive Lösungen versprechen. Kein Wunder also, dass ich bei DIESER Titelzeile aufgehorcht habe:

Wie du mit einer Entscheidung jede Krise bewältigst

In diesem Artikel, den ich im Internet entdeckt habe, stehen dazu spannende Idee – und die kommen von keinem geringeren als von Alber Einstein höchst persönlich!
Wie geht das nun, diese Sache mit der EINEN Entscheidung? Bitte, lest selbst:

„Einstein, der den meisten vor allem als Begründer der Relativitätstheorie bekannt ist, hat sich neben seinen Forschungen in theoretischer Physik viiiiiele Gedanken über alles Mögliche gemacht – unter anderem über den Sinn des Lebens, die Rolle des Menschen und Glück. Obwohl er im 19. Jahrhundert geboren wurde und überwiegend in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelebt hat, hatte dieser Mann zum Beispiel selbst aus heutiger Sicht nahezu moderne bzw. fortschrittliche Ansichten zu Schwangerschaftsabbrüchen und Homosexualität. Soll heißen: Der Typ hatte jenseits der Physik einiges auf dem Kasten und zu sagen! Auch folgendes Zitat ist ihm mit Sicherheit nicht einfach so herausgerutscht:

Unsere wichtigste Entscheidung ist, ob wir das Universum für einen freundlichen oder feindlichen Ort halten.

Ob wir Kinder bekommen oder uns besser ohne verwirklichen können, ob wir studieren oder eine Ausbildung machen, ob wir in einer Großstadt oder lieber im Vorort leben – alles laut Einstein offenbar nicht so wichtig und lebensentscheidend wie die Frage, ob die Welt für uns freundlich oder feindlich ist. Vor allem die Leute, die sie sich noch nie gestellt haben (was vermutlich die meisten sind), werden jetzt sicher denken: Hä …?! Das steckt dahinter:

Letztendlich stecken hinter den beiden von Einstein formulierten Optionen zwei gegensätzliche, grundlegende Lebenseinstellungen mit weitreichenden Folgen.

1. Ich halte das Universum für einen freundlichen Ort:
„Das Universum ist so gestaltet, dass ich ein Teil davon sein kann. Das Leben ist manchmal schwer und generell habe ich keinen Plan, was ich damit anfangen soll, aber im Großen und Ganzen ist es ein riesiger Glücksfall und ich will so viel wie möglich davon mitnehmen und verstehen.“
2. Ich halte das Universum für einen feindlichen Ort:
„Mein Leben und Glück werden ständig von außen bedroht, ich muss es gut verteidigen und auf der Hut sein, damit ich nicht zum Opfer werde. Zur Sicherheit baue ich mir lieber mal ein paar Mauern um mich herum auf und traue mich nicht zu oft hinaus.“

Man könnte auch sagen, die erste Haltung steht für Optimismus, die zweite für Pessimismus. Doch um sich wirklich konkret zu entscheiden, sind solche Begriffe zu abstrakt – deshalb empfiehlt Einstein den Weg übers Universum, um diese Grundsatzentscheidung zu treffen.

Und falls du nun (vertieft in deine Krise) in Erwägung ziehst, dich für die zweite Option zu entscheiden, also meinst, das Universum sei ein feindlicher Ort: Glaubst du, Einstein hätte sich so dafür interessiert und die Welt erforscht, wenn er darin eine Bedrohung gesehen hätte …? Und er war immerhin ein Genie!“

Soweit der Artikel. Ist das nicht ein inspirierender Gedanke?

Aber taugt der was, stimmt das?
Um das zu überprüfen, habe ich sofort damit begonnen, den kleinen „Einstein-Alltagscheck“ zu machen, d.h. mich als Schreibschwester-Laborratte (im weiteren Probandin genannt) einer typischen Situation ausgeliefert, um eine – nämlich DIESE EINE- wichtige Entscheidung zu treffen und ihre Auswirkung zu dokumentieren.
Keine Krise, aber ein Selbstversuch:

Hier mein Forschungsergebnis;
(Wobei EINS für freundliches Universum steht und ZWEI für feindliches Universum)

Die Situation: An der Tankstelle.
Es ist spät am Abend, die Probandin ist erschöpft (hat zwei Pilateskurse gegeben), aber bei guter Stimmung, hungrig und verschwitzt, will unbedingt noch schnell tanken, da sie feststellt, dass die Spritpreise um 10 Cent niedriger sind als am Morgen des gleichen Tages. Sie steuert eine freie Zapfsäule an, Nummer Drei an der Tanke, als sehr plötzlich vor ihr ein älteres Automobil von der gegenüberliegenden Säule Nummer Vier ausschert und sich direkt vor sie stellt. Die Probandin kann gerade eben so noch bremsen, um einen Auffahrunfall zu verhindern.

a) Sie entscheidet sich ohne lange zu zögern für die ZWEI und beginnt im Wagen sitzend laut zu fluchen, tobt ein bisschen und verteilt ein bis drei leichte Schläge auf dem Lenkrad. Klarer Fall, das feindliche Universum bedroht ihren Feierabend. Nun dauert es gefühlt auch noch seeeeehr lange, bis sich eine Person aus dem ältlichen Auto quält, deren Gesundheitszustand bedauerlicherweise nicht mehr durch den menschlichen TÜV käme so es ihn denn gäbe und die Probandin ahnt, dass die Aktion mit dem Tanken nun noch länger dauern wird, d.h., die Feindseligkeit des Universums steht fest.
Aber hier erinnert sich die Probandin an das Experiment, lässt den Wagen wieder an, wirft einen Blick in den Rückspiegel – freie Sicht – gibt Gas und setzt mit quietschenden Reifen zurück, fährt eine Runde um die Tankstelle und kehrt zum Erstaunen aller Tankenden an die Zapfsäule Nummer Vier neben dem Altmobil an der Drei zurück. Sie hat eine wichtige Grundsatz-Entscheidung getroffen – in diesem Fall hat sie sich für die EINS entschieden:
b) Das Universum ist ein freundlicher Ort!
Lächelnd hüpft sie aus dem Auto, nickt in Gesichter mit erstaunt hängendem Unterkiefer und beginnt den Tankvorgang, ein Liedchen auf den Lippen. Und das Universum IST nett, denn sie schafft es tatsächlich gerade noch, vor der Person mit dem hohen Zeitbedarf von Säule Drei in den Kassenraum zu treten, ja sie hält dieser sogar noch die Tür auf. Was ist die Welt ein netter Ort, wenn man sich dafür entscheidet. Gut gelaunt fährt sie heim.

Tja, was soll ich sagen, ich habe in mehreren Situationen wie der oben geschilderten erforscht und festgestellt, dass es sich ernsthaft lohnt, sich für die optimistischere Variante „Das Universum ist ein freundlicher Ort“ zu entscheiden.
Warum?
Weil es den eigenen Streß deutlich minimiert, weil Freude und Lebenslust zurück kommen, wenn man sie aussendet und weil man es dadurch tatsächlich höchstpersönlich schafft, die Welt zu einem besseren, ein wenig freundlicherem Ort zu machen. Ist zwar alles relativ, Herr Einstein, aber es gefällt mir! Ob das nun in jeder Krise genügt, weiß ich noch nicht, aber ich forsche und entscheide weiter.

In diesem Sinne, schöne freundliche Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 13. Oktober 2019

In den letzten Wochen liefen in New York, London, Mailand
und Paris mal wieder die „Fashion Weeks“ (in ordentlichem deutsch also Modenschauen) für die Frühjahr-Sommersaison 2020. Immer wieder wurden im Internet Fotos von den Models gezeigt, die die neuen Kollektionen der Designer trugen, die angeblich hinreißend und traumhaft schön sein sollten und in den sozialen Medien abgefeiert wurden – sowohl jene Models als auch die Kleider.
Viele dieser Anziehsachen waren für mich skurril und überhaupt nicht schön. Über Geschmack kann man ja bekanntlich streiten, aber mich auf einmal interessiert, wie denn eigentlich der forschende Zweig meiner psychologischen Kollegen „Schönheit“ oder „Schönheitsempfinden“ betrachtet, im weiteren Sinne und keineswegs nur in der Welt der Mode.

Für den Anfang zunächst einmal eine ordentliche Definition: Schönheit kann die Eigenschaft eines Tieres, einer Idee, eines Objektes, einer Person oder eines Ortes sein, die eine wahrnehmbare Erfahrung bzw. Empfindung von Genuss oder Zufriedenheit bietet. Schönheit wird als Teil der Ästhetik, Kultur, Psychologie bzw. Sozialpsychologie, Philosophie und Soziologie untersucht. Eine „ideale Schönheit“ ist eine Wesenheit, die bewundert wird oder Eigenschaften besitzt, die der Schönheit in einer bestimmten Kultur der Perfektion zugeschrieben werden.
Hässlichkeit gilt als das Gegenteil von Schönheit.

Aha.

Da wissen wir ja schonmal in der Theorie, womit wir es zu tun haben.

Weitere Beschreibungen sind etwa:
Die Erfahrung von „Schönheit“ -das Schönheitsempfinden- beinhaltet oft die Interpretation eines Wesens in Balance und Harmonie mit der Natur, was zu Gefühlen der Anziehung (Attraktivität) und des emotionalen Wohlbefindens führen kann. Weil dies eine subjektive Erfahrung sein kann, wird oft gesagt, dass „Schönheit im Auge des Betrachters liegt“.

Na gut, etwas gestelzt ausgedrückt, aber nicht uninteressant.

Dann aber habe ich jenen Satz gefunden: Schönheit liegt NCIHT nur im Auge des Betrachters, Psychologen finden klare Regeln.

Wie interessant. Da möchte man doch sofort fragen, was für Regeln gibt es denn bitte für Schönheit? Schönheit ist doch eigentlich bekanntlich subjektiv und soll für die Wissenschaft unerklärbar sein, aber einige ihrer wichtigsten Eigenschaften folgen einfachen Regeln, erklärt Denis Pelli, Professor für Psychologie in einer Studie, die er zusammen mit Aenne Brielmann vor einigen Jahren durchgeführt hat. © PSYLEX.de – Quellenangabe: Current Biology (2018). DOI: 10.1016/j.cub.2018.06.004.
Schönheit fasziniert den Menschen seit Jahrtausenden, schreiben die Autoren, die ihre Arbeit auf das wachsende Feld der „empirischen Ästhetik“ fokussieren, einem Zweig der Psychologie, der untersucht, wie Menschen Schönheit und Kunst erleben. Schönheit ist eine wichtige Einflussgröße bei den täglichen Entscheidungen, die wir treffen – jedes Jahr geben Verbraucher Millionen aus und investieren unzählige Stunden, um schön zu sein oder ihr Aussehen zu verbessern. Das gilt sowohl für das körperliche Aussehen als auch für die Mode und andere Konsumgüter.

Jetzt aber bitte die Regeln:
Bestimmte Merkmale, wie Symmetrie und Rundheit, machen die Dinge im Durchschnitt schöner. Genau das meint die Forschung also; je symmetrischer und je mehr Rundheit vorhanden ist, desto schöner wird das Wesen oder der Gegenstand wahrgenommen. Die Forscher fanden zum Beispiel heraus, dass historisch der reizvollste Winkel für die Kurve der Rückenlinie einer Frau, 45 Grad für den Übergang zum Po beträgt.

So Schwestern, jetzt wisst ihr Bescheid!!

Die Sätze, die mich in der Studie am meisten angesprochen haben, sind die folgenden: Schönheit kann die Eigenschaft eines Tieres, einer Idee, eines Objektes, einer Person oder eines Ortes sein, die eine wahrnehmbare Erfahrung bzw. Empfindung von Genuss oder Zufriedenheit bietet.
Und: Die Erfahrung von „Schönheit“ beinhaltet oft die Interpretation eines Wesens in Balance und Harmonie mit der Natur, was zu Gefühlen der Anziehung des emotionalen Wohlbefindens führen kann.

Ich würde es gerne einfacher sagen: Wenn wir die Erfahrung von Balance und Harmonie machen, wenn wir Genuss und Zufriedenheit empfinden, dann wird es uns gut gehen. Ob da nun unbedingt Schönheit mit im Spiel sein muss, weiß ich nicht, das ist sicherlich Definitionssache.
Wichtiger ist es vielleicht, sich Gedanken darüber zu machen, wie wir uns und unseren Lieben, den Freunden, Bekannten, Nachbarn, Kollegen, unseren Tieren und der (Um-) Welt das Leben jeden Tag ein wenig SCHÖNER machen können – damit wir alle ein bisschen weniger mit den hässlichen Seiten des Lebens konfrontiert werden müssen und stattdessen mehr Zufriedenheit und emotionales Wohlbefinden erleben.
Wäre das nicht wirklich schön?

In diesem Sinne, SCHÖNE Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 6. Oktober 2019

Als bekennende Tierliebhaberin lese ich Artikel über alles was Pfoten, Hufe, Flügel oder Flossen hat besonders gerne und noch viel lieber, wenn es nett ist. So etwas habe ich in dieser Woche bei „msn lifestyle von Mikorsoft news“ im Netz entdeckt. „Lustige Fakten, die Sie schmunzeln lassen“. Hier ein paar Auszüge:

Händchen halten:
Wussten Sie, dass Seeotter beim Schlafen Händchen halten? Das hört sich zwar liebenswürdig an, aber da diese Meeressäuger manchmal auf dem Wasser schwimmen, halten sie sich an den Händen, um sicher zu gehen, dass sie nicht aus dem Rudel wegdriften.

Tierische Freunde:
Laut Wissenschaftlern der Northampton University in
Großbritannien haben Kühe „beste Freunde“ und zeigen Zeichen von Stress, wenn sie von ihren Freunden getrennt werden.

Tierischer Gruß:
Delphine haben „Namen“ füreinander. Wissenschaftler der schottischen Universität St. Andrews sagen, dass Delfine sich mit Hilfe einzigartiger Unterwasser-Pfiffe identifizieren.

Spielgefährten:
Trotz des körperlichen Vorteils lassen männliche Welpen oft weibliche Welpen gewinnen, um sie zu ermutigen, weiter zu spielen.

Hunde-Musik:
Der Beatles-Song „A Day in the Life“ hat am Ende einen extra hohen Pfeifton. Die Pfeife wurde speziell für Paul McCartneys Shetland Schäferhund eingearbeitet.

Blitzgescheit:
Obwohl sich Katzen nur an Ereignisse erinnern, die bis zu 16 Stunden früher passierten, sagt eine Studie in Scientific American, dass ein Katzengehirn 1.000 Mal mehr Daten speichert als ein iPad und es eine Million Mal schneller auf diese Informationen reagieren kann.

Unverkennbar:
Wuff! Wuff! Der Nasenabdruck eines Hundes ist wie ein menschlicher Fingerabdruck – einzigartig.

Mich haben diese Informationen zwar zum Schmunzeln gebracht, aber ich finde sie auch sehr beeindruckend. Tiere sind unglaubliche Wesen, können so viel mehr als wir denken und – sie sind Individuen wie wir Menschen. Das wissen wir Tiermenschen natürlich schon seit Langem. Jeder Mensch, der im Rudel mit zwei oder mehr Hunden lebt, sieht diese Unterschiede und jeder Dosenöffner, der zwei oder mehr Katzen zu bedienen hat, ebenso. Pferdemenschen wissen es und liebevolle Bauern, die ihre Nutztier-Herden gut halten, kenne das Thema auch. Jedes Tier ist einzigartig.
Vor diesem Hintergrund habe ich mich immer wieder gefragt, wie eigentlich ein Tierarzt überhaupt Tierarzt sein kann. Es ist ja sicher schon schwer genug, den höchst unterschiedlichen kleinen Persönlichkeiten innerhalb einer Gattung gerecht zu werden, geschweige denn, gleich mehrere Gattungen „Tier“ bedienen zu müssen.
Ein Tierarzt für Kleintiere muss Arzt für Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen, Ratten, Frettchen, Vögel und vielleicht auch noch für Reptilien sein. Sicher habe ich sogar noch ein paar Wesen vergessen. Und als wäre das nicht schon genug, muss er innerhalb einer Gattung Hausarzt, Internist, Chirurg, Urologe, Orthopäde, Gynäkologe, Kinder- bzw. Welpen- Arzt, Kardiologe, Radiologe, Anästhesist, HNO, Neurologe, Psychiater, Zahnarzt, Hautarzt, Augenarzt und bitte auch noch klassischer Homöopath und Ernährungsberater sein. ….

WIE das geht? Keine Ahnung.

Mein eigener Werdegang hat mich nach dem Psychologiestudium in Hamburg in eine ärztlich-psychologische Praxis geführt, in der wir ausschließlich chronische Schmerzpatienten behandelt haben. Da dieses leidvolle Beschwerdebild komplex ist, haben wir das im Team getan und uns mit allen möglichen Spezialisten zusammengesetzt. Mit im Boot waren neben Ärzten aller möglichen Spezial- und Fachrichtungen und Psychologen immer auch Physiotherapeuten, Logopäden, Ernährungsberater, Bewegungs- und Sporttherapeuten und und und. Jeder hat seinen Beitrag geleistet und es war eine tolle Arbeit mit guten Erfolgen, selbst wenn dabei am Ende der Behandlungen leider nicht immer eine komplette Schmerzfreiheit heraus kam. Es ging nicht um das Ego einzelner Behandler sondern um den Gewinn für den Patienten, das hat super funktioniert.
Irgendwie habe ich immer gedacht, dass es so etwas, also ein Spezialistenteam, doch auch für kranke Tiere geben muss, denn was passiert z.B., wenn – sagen wir zum Beispiel mal ein großer Hund- zum Tierarzt gebracht wird, weil er auf einmal nicht mehr die Treppen laufen möchte.
Rücken? Pfoten? Innere Probleme? Gelenkprobleme? Nerven? Zähne? Wirbel blockiert? Psychische Probleme wir etwa Ängste, weil etwas passiert ist???
Als Tierarzt muss man ja ALLES bedenken und das kann gar nicht perfekt funktionieren, da braucht man einfach mehr geballte Wissenskraft. Am besten ein ganzes Team, was als Idee ja schön ist, in der Realität allerdings schwer umsetzbar sein dürfte.
Warum?
Teamgeist, naja, das ist wie beim Menschen. Team muss man können, das muss zur Persönlichkeit passen, sonst hat es sich ganz schnell wieder „aus-gerudelt“.

Seit ein paar Jahren habe ich das große Glück, einen entsprechenden Tierarzt gefunden zu haben, der mir von einer Freundin empfohlen wurde, die als Tier-Physiotherapeutin bei ihm mitgearbeitet hat und es noch immer tut. Damals war alleine diese Tatsache, dass sie dort in der Praxis tätig war, eine absolut rühmliche Ausnahme, schlicht außergewöhnlich! Sie meinte ganz cool: „der Tom, das ist ein Mensch, der weiß was er kann und der gleichzeitig seine fachlichen Grenzen kennt und Kollegen fragt, wenn etwas nicht in sein Fachgebiet gehört oder sich Zweifel auftun“.
Echt jetzt, das gibt es?
JA!!! Meine beiden Jack-Russelchen hatten andere Probleme als Schwiegermutters altes Dackelchen, dessen inneren Organe gründlichst ge-ultraschallt werden mussten, der Cairn-Terrier, der später zu uns gekommen ist und der mit nur zwei Jahren einen Hauttumor entwickelt hatte, der operiert werden musste, war zusätzlich super ängstlich und ein bisschen hypochondrisch veranlagt (O-Ton des Tierarztes: „Etwas Mitleid bitte, das ist ein männlicher Hund …!“).

Alles bestens hinbekommen, Hund gut behandelt, Halter glücklich.

Als ich wegen meines männlichen Hunde-Sensibelchens um zusätzliche Ernährungsberatung bat, empfahl man mich liebevoll an eine Kollegin, die sich auf Homöopathie und Ernährungsberatung spezialisiert hat.
Klasse Teamarbeit, ich fühle mich bestens aufgehoben und außerdem sucht man ja stets nach Menschen, die so ticken wie man das selber tut.

Irgendwie war es die logische Konsequenz, dass dieser besondere Tierarzt die Vision hatte, mit seinen Kollegen gemeinsam in eine schöne große Praxis zu ziehen und den bestmöglichen Service für die Tiere unter einem Dach anzubieten. Im Team. Und diese Vision hat er seit Mai 2019 umgesetzt. Vor wenigen Wochen war offizielle Eröffnung – und ich bin schwer beeindruckt. Neben Katzen- und Hundewartezimmern, speziellen Behandlungsräumen, OP und Aufwachraum, Physiotherapieraum (mit Unterwasser-Laufband!!!) und einem Behandlungsspektrum, das von der normalen Tiermedizin mit klassischen und auch speziellen Diagnostik- und Behandlungsmethoden bis hin zur Tierpsychologie mit Verhaltenstraining reicht (und von vielen lieben, ausgesprochen kompetenten Menschen abgedeckt wird), gibt es einen Abschiedsraum …. Unfassbar würdevoll gestaltet. Ich hatte natürlich sofort die Tränen in den Augen, als er mir den gezeigt hat, denn es ist immer der schlimmste Moment, ein geliebtes Haustier gehen lassen zu müssen. Dort aber kann man das tun, in Ruhe, in der Zeit, die man braucht, um das Unfassbare wenigstens ansatzweisebegreifen zu können.
Fast zu schön um wahr zu sein … aber Realität.

Über wen reden wir hier eigentlich?
Über Tierarzt Thomas Koch, nun in den neu erbauten Räumen in Aachen im Gewerbepark Brand zu finden.

Koch und Kollegen.
Tierärztliche Praxis für Kleintiere
Inhaber Thomas Koch

Da ist in unfassbar viel Eigenarbeit mit Hilfe der tatkräftigen Ehefrau (und top organisierten Zweifach-Jungs-Mama, Zweifachhundemama und Praxismanagerin – Hut ab!!), dem Team und vielen Freunden eine Vision Wahrheit geworden.
Alle vor Ort leisten genau das, was sie können.
Und das ist eine Menge; jede und jeder genau das Beste. Auch wenn ich weiß, dass es immer wieder Menschen geben wird, die vielleicht nicht meiner Meinung sind, für mich war schon die alte Praxis in Kornelimünster meine einzige Anlaufstelle, wenn es um die Tiere ging – und nun wird das die tolle große Praxis in Brand sein.

Eines möchte ich noch hinzufügen, denn das liegt mir am Herzen. Tiermedizin ist das Eine – das andere ist es, das Herz für die Tiere an der richtigen Stelle zu haben. Und dafür möchte ich an dieser Stelle Danke sagen.

Danke Tom, dass du da warst, als Willi gehen musste.

Danke, dass du immer für uns parat stehst, wenn wir dich brauchen. Du tust uns allen gut.

Danke für die Hilfe in den schwierigen letzten Lebensjahren vom kleinen Herrn Knebel, Schwiegermamas giftigem Minidackel, den wir ohne Maulkorb nicht behandeln konnten.

Danke für deine Geduld unserem männlichen Sensibelchen gegenüber.

Danke für jeden Rat, jede Tat und jede Hilfe.

Besonders aber – und da heule ich sofort wieder- Danke, dass Du selbst an einem Sonntag zu uns gekommen bist, als Diva über die Regenbogenbrücke gehen musste. Ein entsetzlicher Tag in meinem Leben, einer der schlimmsten bisher, der ein bisschen leichter wurde, weil du da warst und mitgefühlt hast.

Es ist schön, dass es dich gibt. Als Mensch UND als Tierarzt.
Danke, auch im Namen der Wesen mit den Pfoten, Hufe, Flügel oder Flossen.

Eine tierisch-kuschelige Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 29. September

Mein schönstes Geburtstagsgeschenk

In der zurückliegenden Woche habe ich meinen 57. Geburtstag feiern dürfen. Ein Alter, in dem sich im Leben meiner Eltern einiges verändert hat und das nicht gerade auf gute Art und Weise. Meine Mutter hatte mit 57 zum ersten Mal mit einer Krebserkrankung zu kämpfen, mein Vater ging in diesem Altern in den vorgezogenen Ruhestand, weil er einfach keine Lust mehr hatte auf die Arbeit und die damals neu installierten Computer. Später hat er den frühen Ausstieg mehrfach bereut und sich ein bisschen „verloren“ gefühlt. Jetzt bin ich in diesem Alter, bin gesund -von den üblichen Wehwehchen mal abgesehen- und arbeite immer noch leidenschaftlich gerne als Psychologin, empfinde diesen Beruf mehr als Berufung als alles andere und denke überhaupt nicht ans Aufhören. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

Weil mich aber im Vorfeld dieses „Ehrentages“ doch ein mulmiges Gefühl umgetrieben hatte, habe ich alle nur erdenklichen präventiven Routineuntersuchungen machen lassen, u.a. auch erstmals eine Magenspieglung. Als ich aus der kleinen „Michael-Jackson-Propofol-Narkose“ wieder aufgewacht bin, hatte ich einen unfassbar realen Traum.

Drei Hunde spielten am Strand, unsere beiden und eine riesige graue Hündin.

Ich habe diese Szene ganz klar, ganz real erlebt. Ich glaube, niemand träumt nach so einer Aktion, der Tonfall der netten Krankenschwester, die uns alle bis zur tatsächlichen Landung in der Realität betreut hat und der ich meinen Traum erzählte, klang jedenfalls so. Man kann „JAJA“ sagen oder eben auch „Jaaaaaaa Jaaaa“, Untertitel, auweiha, die halluziniert vollkommen, braucht noch `ne Weile, bis sie wieder richtig hier ist.

Ich habe den Traum nicht vergessen können.

Zwei Tage nach der Untersuchung (Ergebnisse alle gut, puh) habe ich dann bei Facebook GENAU diese Hündin gesehen. Mich hat fast der Schlag getroffen.
Gut, dass ich gesessen habe!!!!!
Als wäre das nicht schon genug gewesen, wurde sie auch noch von jenen wunderbaren Engelfrauen des Tierschutzes gepostet, von denen wir unsere Flika bekommen haben (auch genannt das rumänische Kuschelkissen, weil sie sie lieb ist und ihr Fellchen so weich).
Gant klar – sofortige Kontaktaufnahme.
Das Tier war noch in Rumänien, tatsächlich eine Hündin, eine Seele von Wesen, ehemaliger Kettenhund, mehrfach Welpen bekommen, kein guter Zustand, aber lieb zu allen Tieren und Menschen und ein richtig großer Hund. Umpf. …mein Mann und ich wollten eigentlich keinen großen Hund, zwei kleine sind im Alltag besser zu handeln. Und zwei sind eigentlich sowieso genug …

Zufällig fiel in diesem Telefonat ein Satz, der mich derart wuchtig direkt ins Mark getroffen hat wie kaum ein Satz jemals zuvor:

„Ach übrigens, die beiden Welpen, mit denen Flika im Winter 2016 aufgegriffen wurden, sitzen noch immer in jenem Shelter, aus dem heraus sie nach Deutschland vermittelt wurde. Sie sind totale Angsthunde geworden ….“.

Schlag in die Magengrube. Fassungslose Leere im Hirn. Herzrasen. Schnappatmung.

Wie bitte?

Unsere Flika ist ein Engel, die beiden haben doch sicher Potential.
Fotos bitte. Zwei Rüden, panisch-ängstliche Augen. Einer sieht genauso aus wie seine Mutter, der andere schwarz, ist noch ängstlicher. Beide grundverträglich mit allen Artgenossen.

Nachdem mein Gehirn eine lange Weile einem leeren Bildschirm glich, der restliche Körper aber mit einem Pulsschlag kurz vor dem Explodieren wummerte, habe ich mehrfach tief atmen müssen um mich wieder zu fassen.
Dann kam die Wende.
Mein Körper beruhigte sich und mein Gehirn begann langsam aber unaufhörlich Lösungsideen zu produzieren. Man sagt ja immer, Tiere finden ihre Menschen, nicht umgekehrt. Dann haben die zwei uns hier eindeutig gefunden und an Zufälle habe ich noch nie geglaubt. In den darauf folgenden Tagen habe ich stundenlang im Internet recherchiert, Anfragen gestellt und Absagen kassiert. Angsthunde aus dem Tierschutz sind ein großes Thema, kein Wunder, bei den Zuständen, unter denen die leben mussten, wie sie behandelt wurden – und ihre fachgerechte Behandlung alles andere als einfach. Sicher tut man manchen wirklich keinen Gefallen, sie überhaupt resozialisieren zu wollen aber in diesem Fall wollte ich nicht aufgeben, es sind junge Hunde und sie sind nicht aggressiv. Es ist ja schrecklicherweise keine Seltenheit in rumänischen Tierheimen, eigentlich überall auf der Welt, dass dort Welpen hängen bleiben, die nicht vermittelt werden. Oft kommen diese Hunde, die niemand will, in die Tötungen. Ein Alptraum an Vorstellung. Ich wünsche mir so sehr eine Welt ohne Tierleid, aber naja, das ist wohl ein bisschen zu idealistisch …
Trotzdem war meine Mission ganz klar: Flikas Söhne retten. Aufgeben war irgendwie keine Option, aber mit jeder Absage wackelte meine Hoffnung ein bisschen mehr. Irgendwie wurde es immer aussichtsloser und ich immer deprimierter.

Zwischendurch erfuhr ich, dass die wunderbare große Hündin schon auf einer Pflegestelle in Deutschland gelandet war … wie mich das freut und berührt, sie hat sicher das Glück, bald vermittelt zu werden und ihre Menschen zu finden. Wie schön für sie, wie wunderschön!!

Unter all den Kontakten, die ich für „meine Beiden“ angeschrieben hatte, war auch eine Frau, die sich auf die Resozialisierung von Angsthunden im Tierschutz spezialisiert hat und immer einige von ihnen bei sich aufnimmt. Klar, dass diese Plätze ständig ausgebucht sind. Die Filme, die sie über die Entwicklung ihrer Schützlinge ins Netz stellt, sind unfassbar anrührend, sie schafft was niemand sonst schafft. Sie ist eine Hundeflüsterin, gar keine Frage. Und sie war von Anfang an meine Favoritin.
Als ich mit meinem Mann spät abends vom Geburtstagsessen zurück gekommen bin, hat der gute Rotwein mir noch mal einen Schubs Mut gegeben und ich habe ihr wieder geschrieben.

Resultat: Ihre wunderbare Oma hat am gleichen Tag Geburtstag und gerade ist ein bisschen Platz im Haus. Sie nimmt sie ….. die Zwei bekommen eine Chance!

Meine Tränen liefen in Sturzbächen, vor lauter unfassbarer Freude, pures Glück, da öffnet sich das Herzchen ganz, ganz weit. Mein aller-aller schönstes Geburtstagsgeschenk!!!!

DAS ist die Chance, auf die ich so sehr gehofft hatte. Wenn alles geklärt ist, können sie in ein paar Wochen ausreisen und bei ihr einziehen.

Und wieder gibt es keine Zufälle, denn klar – so eine intensive, liebevolle Betreuung kostet Geld. Bei zwei Hunden nicht wenig und ich rechne eher in vielen Monaten als in Wochen, aber diese Hundeflüsterin verdient jeden einzelnen Euro, ohne wenn und aber!
Gerade jetzt wird „zufällig“ eine kleine Lebensversicherung fällig, die ich in jungen Jahren auf Anraten eines Freundes abgeschlossen habe. Herrlich! Ich glaube, ich habe noch niemals mit größerer Freude Geld ausgegeben als in diesem Fall.
Andere würden vielleicht sagen, du spinnst. Kauf dir doch was Schönes von dem Geld.
Ich hab aber schon was Schönes. Ein Leben in Sicherheit, mit Freude, Ruhe und genug zu Essen. Und das wünsche ich mir für jeden Menschen und auch für jedes Tier.
Deswegen kaufe ich den beiden jungen Rüden jetzt eine einmalige Chance. Da bekommt das Wort Lebens-Versicherung doch mal eine ganz neue Bedeutung.

Fazit: Hör nicht auf, an das Unmögliche zu glauben! Manchmal gibt dir das Leben eine Chance, mit der du schon gar nicht mehr gerechnet hast. Dann greif zu und nutze sie.

Eine schöne „unmögliche“ Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 22. September 2019

Die meisten Nachrichten, die man so lesen muss, bewegen sich ja heutzutage auf einer Skala von „milder Frustration über deprimierend, ärgerlich, angsteinflößend bis hin zu zutiefst verstörender Hoffnungslosigkeit“. Selten liest man etwas, das einfach nur schön ist oder gar tief im Inneren berührt, weil es eigene Leidenschaften antriggert.
In der zurückliegenden Woche aber habe ich so einen Artikel entdeckt.
Da steht doch ganz plötzlich auf der Nachrichtenseite von t-online dieser wunderbare Satz:

„Recyclingprozess im Hirn –
Lesen lernen krempelt das Gehirn um“

Als Schreibschwester habe ich den dazugehörigen Artikel im gleichen Tempo verschlungen in dem ich mit einer handelsüblichen Tafel Nuss-Schokolade fertig werde. Und für meine grauen Zellen und die psychische Befindlichkeit war dieses Lesefutter mindestens ebenso lecker.

Bittschön, hier isser:
Was passiert eigentlich im Gehirn, wenn ein Mensch lesen lernt? Mit dieser Frage haben sich Forscher in einer Studie befasst – und herausgefunden, dass bei diesem Lernvorgang Teile im Gehirn reorganisiert werden.
Lesen ist evolutionär gesehen eine so junge kulturelle Errungenschaft, dass dafür im Gehirn noch kein eigenes Areal vorgesehen ist. Stattdessen werden, wenn ein Kind (oder ein Erwachsener) lesen lernt, andere Hirnregionen zu diesem Zweck umfunktioniert. Forscher des Max-Planck-Instituts (MPI) für Psycholinguistik im niederländischen Nijmegen und des MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben herausgefunden, dass das Gehirn dabei größere Veränderungen durchläuft als bisher angenommen. Im Gehirn kommt es demnach zu einer Art „Recyclingprozess“, wie es in der Pressemitteilung zur Studie heißt: Areale im Gehirn, die ursprünglich von der Evolution für die Erkennung komplexer Objekte konzipiert worden waren, werden für die neue Herausforderung umstrukturiert. Diese Veränderungen reichen bis in den Thalamus und den Hirnstamm hinein – in zwei Regionen also, die evolutionär gesehen recht alt sind.
Die Schriftsprache des Menschen hingegen ist verhältnismäßig jung. Um Buchstaben in Sprache übertragen zu können, werden einige Regionen des visuellen Systems zur Schnittstelle zwischen Seh- und Sprachsystem.
„Die Thalamus- und Hirnstammkerne helfen unserer Sehrinde dabei, wichtige Informationen aus der Flut von visuellen Reizen herauszufiltern, noch bevor wir überhaupt bewusst etwas wahrnehmen“, sagt Michael Skeide, Erstautor der Studie.

Lesefähigkeit ist besser, wenn die Hirnregionen gut zusammenarbeiten

Je stärker sich die Signale der zwei Hirnregionen einander angeglichen hatten, desto besser waren die Lesefähigkeiten der Probandinnen in der Studie ausgeprägt. „Wir gehen deshalb davon aus, dass diese beiden Hirnsysteme mit zunehmenden schriftsprachlichen Fähigkeiten besser zusammenarbeiten“, erklärt Neuropsychologe Skeide.

Für die Studie wurde 21 Analphabetinnen im Alter von 20 bis 40 Jahre in Indien das Lesen beigebracht. Mit Hilfe von Hirnscans wurden die Veränderungen in ihren Gehirnen betrachtet. Bereits nach sechs Monaten Unterricht waren die Probandinnen auf dem Leseniveau eines Erstklässlers. Laut den Wissenschaftlern ist diese Lerngeschwindigkeit bemerkenswert. Obwohl es für einen Erwachsenen sehr schwierig sei, eine neue Sprache zu erlernen, scheine für das Lesen etwas anderes zu gelten, so Studienleiter Falk Huettig.
Studienergebnisse geben Analphabeten Hoffnung
Die Studie gibt damit nicht nur Analphabeten die Hoffnung, Lesen und Schreiben schnell zu erlernen. Sie gibt auch einen Anstoß dazu, Lese-Rechtschreib-Störungen (LRS) anders zu betrachten. Bisher wurden Fehlfunktionen des Thalamus‘ als eine mögliche angeborene Ursache von LRS diskutiert. Diese Hypothese müsse laut den Wissenschaftlern neu hinterfragt werden, da die Studie gezeigt hätte, dass sich der Thalamus bereits nach wenigen Monaten Lesetraining grundlegend verändern könne.
(Verwendete Quellen: Studie: „Learning to read alters cortico-subcortical cross-talk in the visual system of illiterates“ (auf Englisch), Pressemitteilung zur Studie)

Ist das nicht eine gute Nachricht? Da bekomme ich sofort das Bild, wie die einzelnen Buchstaben über die Netzhaut der lesenden Äuglein in die Nervenzellen des Gehirns wandern und aufräumen, Platz schaffen für schöne Worte, herrliche Sätze, ganze Märchen und Geschichten lebendig werden lassen. Einfach so machen sie sich in unserer Neurologie IHREN Platz, schmeißen überflüssiges raus und organisieren ihre eigene Welt, vernetzen sich mit anderen Gebieten und eröffnen demjenigen, der das Lesen gelernt hat, wirklich eine andere Welt. Mitten in unserem Kopf.
Einfach, wenn wir lesen lernen. Wie wunder-wunderschön!

Für mich als Schreibschwester war dieser Artikel geradezu ein Geschenk und da draußen gerade der Herbst anklopft und Lesen drinnen noch gemütlicher wird, spricht so gar nichts dagegen, mal wieder tief in der Welt der Buchstaben zu versinken. Wer lesen kann, dem eröffnen sich unzählige Welten und Abenteuer. Immer wieder.
Also: Wer Kinder oder Enkel hat – einladen, zusammen lesen! Tut nicht nur den Kindergehirnen gut …

Eine schöne lese-reiche Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 15. September 2019

Einkaufen. Mache ich eigentlich gerne, aber wisst ihr, was ich unglaublich finde? Es gibt da eine kleine Gruppe Menschen, die zu jener Altersklasse gehören, die mir an Lebensjahren doch noch weit voraus sind, die aber nie Zeit haben.

Grundsätzlich mag ich ältere Menschen sehr, ich bin mit Oma, Opa, Großtanten und mehreren Großonkelchen zusammen aufgewachsen und wusste es immer schätzen, dass sie da waren, mich verwöhnt haben, mir zugehört haben und auch schonmal meine Hilfe brauchten, hab ich gern gemacht.

Deswegen stört es mich auch gar nicht, wenn Ältere langsamer sind, im dritten Gang des Supermarktes vergessen haben, dass sie doch nochmal in den ersten müssen – im Gegenteil, erste Anzeichen dieser milden Vergesslichkeit sind meinem Mann und mir mittlerweile ebenfalls bestens vertraut. Entsprechend entzückend finde ich das auch, jedenfalls bei den netten Exemplaren jener Altersstufe.
Tja, da gibt es dann aber leider auch die andere Gruppe, zahlenmäßig klein, vom Effekt des schlechten Images her aber gigantisch groß. Jeder kennt sie, jeder hat schon Erfahrung mit ihnen machen müssen, vor allem beim Einkaufen. Der Laden ist voll, die Schlangen bilden sich vorne und dann ertönt:

„Wir öffnen Kasse vier für Sie“.

Dann geht es los, dann zeigen jene, die zu der ungeduldigen Truppe gehören, ihr wahres Gesicht. Gerade noch friedliebend, ruhig und nett wirkend, mutieren selbst die leicht humpelnden unter ihnen von jetzt auf gleich zu SUV´s in Menschengestalt, zu regelrechten Geschossen, kennen kein Pardon und fahren Kinderwagen, langsame oder gar zaghafterer Wesen ihrer Altersklasse an Rollatoren, gestandenen Männer und ganze Familien über den Haufen. Unfassbar!
Und es geschieht immer wieder, wenn die magischen Worte erklingen „Wir öffnen Kasse vier für Sie“.

Das muss so eine Art Urtrieb sein, tief verankert in den alten Teilen unserer Gehirne, die die Neurologie Reptiliengehirn nennt. Dieser vorsinnflutliche Bereich unseres Denkapparates scheint mit dem höheren Bewusstsein nur lose verknüpft zu sein, anders lässt sich nicht erklären, was sich dem staunenden Auge des Beobachters offenbart.

Sicher, so verhalten sich bei Weitem nicht nur ältere Herrschaften, selbst junge Menschen können das manchmal ziemlich gut. Es scheint an der jeweiligen Persönlichkeit zu liegen, ob der Supermarkt zum Kampfgebiet erklärt wird oder nicht. Manche von uns gehen zur Seite und die anderen halten drauf. Das hat man einfach in den Genen und die sind nur geringfügig veränderbar. Die Wissenschaft spricht von ca 60 Prozent festgelegter und genetisch unveränderbarer Persönlichkeit, für den Rest sind wir selber zuständig.

Ich stelle mir manchmal vor, dass die Persönlichkeit, die ein Menschlein bei seiner Geburt mit in die Welt bringt, ihn wie ein unsichtbarer, viel zu groß geratener Strampelanzug umschließt. Dann kommt das Leben so daher, die Jahre vergehen, wir wachsen und irgendwann passen wir so richtig rein in diesen Persönlichkeitsanzug, dann sitzt der wie maßgeschneidert.
Wenn wir nun weiter wachsen und uns entwickeln, was wir ja alle Gottlob tun, kann es sein, dass dieser Strampler in den späten Lebensjahren ein bisschen „spack“ sitzt. Er wird zu eng, wir haben einfach keine Möglichkeiten mehr, uns geschmeidig darin zu bewegen, uns anzupassen oder formen zu lassen. Das meint wohl der Volksmund mit dem Satz
„Ein Bäumchen biegt sich, ein Baum nimmer mehr“.

Jetzt hat man eindeutig Glück, wenn man sich in den zurückliegenden „jüngeren“ Jahren mit den restlichen 40 Prozent seiner Persönlichkeit auseinandergesetzt hat, die -glaubt man der Wissenschaft- ja durchaus „stylbar“ sein soll. Falls dieser Prozess von Erfolg gekrönt wurde, treffen wir auf jene wunderbaren älteren Wesen, die eine lichtvolle Weisheit ausstrahlen und deren Augen vor Lebensfreude blitzen und die mit geduldiger Art und Weise durch ihr Leben ziehen.

Am anderen Ende der Skala erleben wir dann die, die wir ab und zu beim Einkaufen treffen, also immer dann, wenn Kasse vier öffnet. Dann blitzt der zornig entschlossenen Siegeswille aus den Äuglein, der oder die Erste an dieser neu eröffneten Kasse sein zu müssen, komme wer oder was da wolle. Da wurde nix reflektiert, eingesehen, weggeatmet oder mit Entspannungsübungen beherrschbar gemacht, da wird der Einkaufswagen in alle sich in den Weg stellenden Achillessehnen, Kniekehlen oder schlimmeres gerammt.

Ich. Erster. Alles.

Aber wie immer im Leben; es kann nur Einen geben.
Einen, der es wirklich schafft, der Erste zu sein, wenn es heißt „Wir öffnen Kasse vier für Sie“.
Und vielleicht trifft diese Erkenntnis dann später, beim mauligen Einladen der ergatterten Ware auch die, die es nicht zur Pole-Position an Kasse vier geschafft haben. Vielleicht denken die dann „Warum mache ich das eigentlich?“

Ich habe mir angewöhnt, immer einen netten Kommentar abzugeben, wenn ich meinen Wagen an diesen geknickt wirkenden Verlierern vorbei zu meinem Auto schiebe. Ich sage dann meistens so etwa aufmunterndes wie „Nicht aufgeben, nächstes Mal schaffen Sie das und sind zuerst an Kasse vier!“ oder einfach auch mal „Nicht traurig sein, sind halt die Gene“ und immer lächele ich dabei nett und stelle sie mir in ihren engen Stramplern vor.
„Och herm“, wie der Aachener sagt!

Schöne geduldige Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 8. September 2019

Ich überlege mir gerade ein Thema für die wöchentliche Kolumne, Reisen etwas wäre heute doch nett. Also fange ich an zu schreiben. Neben mir sitzt einer unserer beiden Hunde. Nicki, Cairnterrier, beinahe acht Jahre alt. Verspielt, ein guter Beobachter, mein morgendlicher Wecker auf vier Pfoten mit eigenem (Terrier-) Kopf und wirklich sozialer Hundepersönlichkeit. Er sieht genauso konzentriert auf den Bildschirm wie ich und irgendwie vermittelt er mir dadurch den Eindruck, etwas wichtiges mitteilen zu wollen. Tatsächlich bekomme ich ziemlich zügig das Empfinden, jene Gedanken, die ich immer wieder habe, wenn ich ihn und seine Freundin Flika so beobachte, teilen zu müssen. Viel besser als das Reisethema. Und da ich ein gut erzogenes Frauchen bin, gehorche ich an dieser Stelle sowohl meinem eigenen inneren Impuls als auch der kleinen Hundenase neben mir. Bitteschön:
Wenn ich mit ihnen zusammen im Haus am Meer bin, liegen sie nach dem ersten herrlichen Gang am Meer und dem anschließenden Frühstück immer zufrieden in ihren Körbchen neben meinem Schreibtisch. Ich denke dann oft, wie seltsam es doch ist, dass sie gerade noch über den Strand getobt sind, hinter den Möwen her waren und voller unbändiger Lebensfreude einfach nur hin und her geflitzt sind, wenngleich das heute schon ein wenig beschaulicher zugeht als noch vor ein paar Jahren. Manchmal haben sie einander zum Spielen animiert, ein anderes Mal einfach nur herum geschnüffelt oder an anderen Tagen ihre besten Hundekumpels getroffen, was immer ein besonderer Spaß ist. Später liegen sie friedlich da, ein Ohr sicherheits-halber in meine Richtung gespitzt. Zufrieden und ausgetobt vom Lauf am Meer.
Wenn ich dann beginne zu schreiben, keine Stunde später, ist der Moment dieses Spaziergangs schon wieder Geschichte und lebt nur noch in meiner Erinnerung weiter. Er hallt dort nach wie so viele andere traumhaft schöne Momente.
Diese inneren Bilder öffnen mein Herz. Immer wieder und jeden Tag. Wie eine Art inneres Fotoalbum sind sie in den Kammern meiner Seele aufbewahrt, allerdings lassen sie sich auf andere Weise öffnen, als wir das von herkömmlichen Fotoalben kennen, sei es nun analog oder digital.
Innere Fotoalben können wir bewusst öffnen, meistens aber ist es ganz besonderes Gefühl, das den Schlüssen zu den Seelenmomenten darstellt, die es dort zu sehen gibt – zu sehen UND zu fühlen, denn was uns ans Herz geht, das bewahrt das Gehirn auf, das sind die wirklich wichtigen Momente unserer Lebensreise, die bekommen eine ganz besonders Seelen-Ablage.

Und dort finden sich in meinem Gehirn sehr viele Erinnerungen, die mit Natur und Tieren zu tun haben, insbesondere mit Hunden. Ich liebe alle Tiere, bin aber ganz offensichtlich ein Hundemensch.
Mir zeigen Hunde, wie man täglich aufs Neue Freude leben kann (und ich bin sicher, Katzen oder Pferde tun das auf ihre Art ebenso!). Sie benötigen kein Achtsamkeitstraining, sie können einfach im Hier und Jetzt leben. Immer. Und eines macht sie im Vergleich zu uns Menschen geradezu weise: sie beschweren sich nicht, wenn sie älter werden, sie nehmen ihren Zustand einfach an. Sie werden langsamer, ruhiger, konzentrieren sich auf das, was geht und freuen sich einfach.

Wer je in das weise Gesicht eines wirklich alten Hundes geschaut hat, der das Glück, bis zu seinem irdischen Ende geduldig von seinen Menschen begleitet zu werden, weiß, wovon ich schreibe. Tiere sind unglaublich, sie akzeptieren den Kreislauf des Lebens – und zwar vollkommen.

Warum können wir das eigentlich nicht? Angeblich sind wir doch so eine schlaue Spezies, die alles optimieren kann. Ich glaube, wir vergessen einfach, dass das Leben von Beginn an ein fragile, endliche und dabei doch so unglaublich schöne Reise ist. Wir versuchen mit allem, was uns zur Verfügung steht das Altern aufzuhalten, jünger und straffer auszusehen, uns zu „optimieren“, zu „resetten“, „Anti-Aging“ zu betreiben bis es lächerlich wirkt, ziehen Vergleiche, beschweren uns, wenn wir krank werden und sind enttäuscht, wenn wir nicht das perfekte Leben haben.
Akzeptanz? Ziemlich oft Fehlanzeige.
Dafür verstehen wir viel davon, unser Leben bestmöglich zu ruinieren: Zu viele Pläne für die Zukunft schmieden statt im Jetzt zu genießen, enttäuscht in die Vergangenheit schauen statt im Hier zu verändern, was möglich wäre und täglich bestmöglich für sich zu sorgen.
In Gedanken rennen wir viel zu oft irgendwo anders herum als unser Körper. DAS würde einem Hund niemals passieren, da würde Hund doch das Beste verpassen, die Spur im Wald, das geworfene Leckerli oder das Stöckchen, die Kumpels oder auch mal den Besuch ordentlich anzukläffen, den bemitleidenswerten Postboten ein bisschen zu ärgern oder das genüssliche Herumlümmeln auf dem Sofa.

Unsere beiden Hunde begrüßen jeden Tag mit der gleichen Freude, sind begeistert über den Spaziergang, ihr Futter, die Spiele und Spielzeuge, die Streicheleinheiten. Sie genießen, jeden Moment.
Das ist wunderbar zu beobachten und vielleicht möchte Nicki, dass ich das einfach mal wieder erwähne ….

Die Schönheit des Lebens liegt für uns alle in jedem einzelnen Moment, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat um Monat und Jahr für Jahr. Manchmal liegt leider auch ein großer Schreck, ein fürchterliches Erlebnis und eine schlimme Krankheit auf dem Weg der Lebensreise. Es wird nichts nützen, darüber zu lamentieren. Wir müssen annehmen, was ist.
Unsere Hunde können das.
Flika, die ca. acht Jahre alte Hundedame, die uns seit genau zwei Jahren begleitet, hat nur noch ein Äuglein, ihr Rücken und das linke Bein sind schwächer als der Rest der Körpermuskulatur. Sie stammt aus Rumänien und wurde übel misshandelt, wie es tragischerweise viel zu oft vorkommt in dieser Welt, nicht nur in Rumänien. Aber sie ist ein Engel und zeigt ihre Lebensfreude in solch liebevoller, dankbarer Art, dass es meinem Mann und mir oft die Tränen in die Augen treibt. Sie akzeptiert auf unfassbare Weise ihre körperlichen Einschränkungen und ihr Schicksal, das sicher kein einfaches gewesen ist (ok., jetzt ist es sicher eher „Prinzessinnen-mäßig“ als schwierig, aber das hat sie auch verdient).

Wir Menschen wollen oft einfach nicht wahrhaben, wenn wir krank oder versehrt werden und mit den Folgen leben müssen. Wir hadern mit dem Schicksal, jammern, klagen und beschweren uns, oft ja nicht einmal zu Unrecht. Aber alles Jammern hilft nichts und mir scheint, dass die Tiere das viel früher akzeptieren als wir Menschen.

Leben ist fragil wie ein kunstvolles Schmuckstück, das mit den Jahren ein wenig seiner Farbe verliert, hier und dort beschädigt wird, Risse bekommt und an dem das ein oder andere Eckchen abbricht. Seinen Wert aber verliert dieses Lebensschmuckstück nie, selbst am Ende nicht. Das genau zeigen uns die Tiere. Danke, ihr Wesen mit den Pfoten, Flügeln, Hufen und Krallen, mit Fell, Haut, Federn. Wir müssen uns eigentlich vor euch allen verneigen, ihr wunderbaren Wesen – und vielleicht führen die derzeitigen großen Katastrophen der Welt wenigstens dazu, dass wir aufhören, euch auszubeuten und zu misshandeln. Das ist es, was ich mir sehnlichst wünsche; das der Tierschutz überflüssig wird, denn er bedeutet nichts anders, als die Tiere vor den Menschen schützen zu müssen …

Schöne mitfühlende Woche noch!

P.S: Mein Assistent Nicki guckt mich gerade so an, als wolle er sagen „Es gäbe zwar noch viel mehr zu schreiben über die wunderbare, großartige Art und Weise, wie wir Hunde, Katzen, Pferde, Vögel, Schweine, Kühe, Esel, Ziegen, einfach alle Tiere, euch Menschen bereichern und beeinflussen, euch helfen, euch unterstützen, euren Stress abbauen, euch heilen und euch denken lassen, dass ihr es seid, die uns sagen, wo es lang zu gehen hat … aber du schreibst ja wöchentlich. Für heute kannst du aufhören, war ja mal ein Anfang.“

Wo Terrier drauf steht, ist auch Terrier drin. Eindeutig!!!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 25.August 2019

In der zurückliegenden Woche habe ich einen dieser Tage erlebt, den man wohl ohne zu übertreiben „gebraucht“ nennen darf. An diesem Tag hat nämlich nichts, aber auch gar nichts geklappt. Dabei war meine Mission ganz simpel: Online das ein oder andere zu bestellen.
Als erstes waren ein paar Raff-Gardinen dran. Dafür habe ich über eine Stunde lang die verschiedensten Maße eingegeben, also „konfiguriert“, damit die Dinger auch perfekt passen. Alles erledigt, voller tiefer Befriedigung auf „Bestellung absenden“ klicken. Ein genüßlicher Seufzer folgte, der mir allerdings geradezu im Halse stecken blieb. Auf meinem Bildschirm erschienen nämlich folgende Worte: „Keine Bestellung vorhanden“.

Wie bitte? Ich habe doch gerade alles eingegeben. ALLES! MÜHSAMST!! Haaaaaarg.

Na gut, nicht verzagen, tief durchatmen, kann ja mal passieren. Weiter machen. Aufgeben war keine Option. Bei einem meiner Lieblingsmöbelläden mit Namen „Maison du Monde“ (die ein oder andere von Euch weiß genau, welchen Laden ich meine) hatte ich zufällig gesehen, dass jener Wäscheschrank wieder im Angebot war, mit dem ich geliebäugelt hatte. Größe und Preis-Leistungsverhältnis stimmten. Prima! Also: Bestellt.
Dachte ich jedenfalls. Denn was passierte, als ich diesmal auf „Kaufen“ klickte?

Wie aus dem Nichts erschien quasi zeitgleich zu meinem Klick der winzige Zusatz „Vergriffen“.
Bitte WAS?
Die Länge des Wimpernschlages einer Eintagsfliege mag das gewesen sein, nicht mal eine Nasenlänge, nein eine Hunderttausendstelsekunde zuvor soll mir jemand dieses aller letzte Ding noch weggeschnappt haben???
Wäre das ein Hundertmeterrennen gewesen mit dem Titel „Kathrin gegen den Rest der Onlinewelt“ , ehrlich, ohne Kamera beim „Zielklick“ wäre niemals zu erkennen gewesen, ob da vielleicht jemand schneller gewesen sein soll als ich.
Aber ich hatte verloren. So oder so. Den Klick und den Schrank. Wie enttäuschend! Meine Haltung passte sich meinem Gemütszustand sofort an, ich wusste nicht, dass ich vor lauter Enttäuschung so krumm sitzen kann wie ich das in dieser Minute mühelos konnte.
Nach wenigen Minuten zog ein leichter Groll in mir auf, dem ein inneres Wutgewitter folgte. Dämlich, wieviel wertvolle Zeit ich gerade nutz- und ergebnislos vertan hatte.
Mehr als ärgerlich. Keine Gardinen, kein Wäscheschrank. Nicht mal ein Ansprechpartner, den man hätte ordentlich beschimpfen können. Nichts und niemand da, DOPPELHAAAARRG.

Dafür war ich aber nun deutlich übermotiviert, jetzt wenigstens die richtige „Sauberlaufmatte“ fürs Ferienhaus am Meer zu erstehen, die wegen der Sandfüße und Pfoten unbedingt noch rein soll. Für die Breite des Flures musste ich sie allerdings auf Maß bestellen. Okay. Kein Problem, das sollte jetzt funktionieren. Nach diversen Suchereien habe ich tatsächlich zügig eine Schmutzmatte gefunden, die gefiel. Aber es war noch immer dieser gebrauchte Tag …

Man muss ja nun nicht glauben, dass die doofe Einstellung die ungewöhnlichen Maße akzeptiert hätte, die ich eingegeben habe. Unfassbar. Immer, wenn ich brav 120 cm eingetippt hatte, sprang sie zurück auf 100 cm. Wie ein Trotzkind mit viel Energie und noch mehr Sturheit. Unmöglich!

Ein Zweikampf entspann sich, leise aber mit wachsendem Groll und Wutgeschnaube meinerseits.
120cm. Zack 100 cm.
Nochmal.120cm. Zack 100 cm.
Ein bisschen zögern. Luft anhalten, quasi Online-Anlauf nehmen und …. ganz schnell tippen. 120 cm. Zack 100 cm.

Was immer ich auch gemacht habe, es hat einfach nicht funktioniert und das war der Moment, in dem Aufgeben auf einmal doch eine Option wurde.
All meine Geduld war weg. Aufgebraucht, verschluckt vom schwarzen Loch im Online-All. Einfach genug, ich konnte nicht mehr, die Onlinewelt hatte sich komplett gegen mich verschworen.
Da saß ich nun noch immer sauer am PC und kochte in meiner Wut. Was mir in solchen Situationen hilft um runterzukommen? Geht mir an dieser adrenalingeladenen Stelle weg mit Psychokram wie Entspannung, Atmung, Klangschalen oder Affirmationen oder so. DAS erzähle ich auch immer, vorrangig anderen Menschen. Dafür isses an so einer Stelle aber echt zu spät!!!! Das hätte man früher einsetzen müssen. Viel früher.

ABER immerhin habe ich meine eigene Methode, eine Art Geheimtipp, denn auch hier gilt, Aufgeben ist (erstmal) keine Option: Ich gucke mir im Zustand solcher „Ausweglos-in-die-Einbahnstraße-gelaufene-Emotion“ auf YouTube Videos an, die mich zum Lachen bringen.
Ich LIEBE es zu lachen, diesen Kitzel im Hals, wenn man sich bemühen muss ernst zu bleiben und schon weiß: klappt sowieso nicht. Dann kippt der heilige Zorn schlichtweg hintenüber. Liebe Leute, DAS baut Stress ab vom Feinsten. Kann ich wärmstens empfehlen.
In den weit zurückliegenden Jahren als Schülerin bin ich mehrfach des Klassenzimmers verwiesen worden, weil ich zu viel gelacht habe. Also mehrfach in einem Schuljahr, um das klar zu stellen. Lachkicks waren die Würze meiner Schulzeit. Einfach herrlich, wenn man so losprusten muss. Okay, nicht für alle. Aber ich liebe das.
Für meine Verfassung an diesem „gebrauchten Tag“ habe ich mir ein Video der humorvollen Tanztruppe „Les Ballets Trocadero de Monte Carlo“ rausgesucht. Männer, die mit beachtlicher Technik klassisches Ballett in Spitzenschuhen tanzen, wirklich wahr. Auf Spitze! Sie sind einfach genial, aber am besten ist immer der jeweilige Gesichtsausdruck gepaart mit einer sensationellen Situationskomik, umwerfend! Ich liebe Ballett, habe selber lange getanzt und tue es sogar noch immer „altersentsprechend“, nämlich in der mitreißenden Senioreneinheit der Ballettschule Freudensprung unter unserem Senior-Cheftrainer Herrn Müller. Eigentlich als „Graue Schwäne“ tituliert haben wir uns mittlerweile durch die hervorragende Idee von Mittänzerin Andrea als „betreutes Tanzprojekt“ umgetauft, weil wir uns die winzigen Choreographien von Woche zu Woche nicht mehr merken können und unsere Kondition jetzt auch nicht mehr sooo dolle ist … aber Spaß haben wir ohne Ende und Lachen ist Pflicht.
Ballett, Modern Dance und Jazzdance in jugendlicher Perfektion, das ist einfach eine Augenweide. Als ältere eingebürgerte Aachenerin denke ich allerdings schonmal „au Banan“, wenn ich unsere Whatsapp-Filmchen, die wir als Erinnerungsstütze machen müssen, hinterher mit Brille betrachte und mich da hüppeln sehe. Ohne Brille sieht das noch ganz nett aus, scharf gestellt ähnelt es oft nur noch im Entferntesten jenem perfekten klassischem Tanz der Jugend, fühlt sich in der Bewegung aber einfach himmlisch an und diese Freude ist das Wichtigste. Allerdings sollte Frau (und Mann, wenn er tanzt) realistisch bleiben, das Netz ist voller Filmchen der besten Tänzerinnen und Tänzer dieses Planeten und die sind immer ziemlich jung. Herrlich ist das für die Augen, ästhetische Körper-Kunst, Körperbeherrschung, für mich die höchstmögliche Schönheit von Bewegung schlechthin. Also zumindest immer dann, wenn es eben wirklich perfekt ausgeführt wird. Und bei Gott – ich sage es nochmal- ich weiß, wie schwer alle diese Bewegung sind. Aber manchmal, wenn der Ehrgeiz so mancher Tänzerin die eigenen Möglichkeiten bei weitem überschreitet und eine ungewollte Komik durch eine gewisse, überernste Verbissenheit in Kombination mit einem geradezu tragischen Minenspiel entsteht, dann ist das eher lustig als schön, da wünsche ich mir ein bisschen mehr „Tanz-Humor“. Unperfekte Linien oder unperfekte Bewegungen sehen nunmal nicht schön aus … Ausnahme sind diese Jungs vom „Les Ballets Trocadero de Monte Carlo“. Da passt das und da wartet man beim Zusehen regelrecht auf einen Ausrutscher. Und wird selten enttäuscht.
Swan Lake Ballet Parody, die kleinen Schwäne. Eine Minute sechsunddreißig. Vier gut trainierte männliche Körper reingezwängt ins Trikötchen mit Tüllrock, dicke Waden über den Spitzenschuhen, Muskelpakete an den Armen, alles ein bisschen schräg irgendwie aber klasse Tempo und irre Technik. Ausrutscher garantiert, kommt prompt. Genauso prompt muss ich lachen, einfach so.
Meine Laune: schnell wieder bestens. Jetzt noch eben die Parodie des sterbenden Schwans der Truppe hinterher geschoben, in der der Tänzer in einem Tutu auf die Bühne stakst, das ständig Federn verliert, der Schwan quasi in der Mauser ist … Attacke auf mein Zwerchfell. Herrlich. Durchatmen, Lachtränen wegtupfen. Tief durchatmen.

Ok. Ich habe nicht bekommen was ich bestellen wollte, vielleicht sollte die Lektion ja heißen „Geh in die Läden, du faule Socke“. Kann ich ja morgen mal probieren, aber jetzt muss ich noch ein bisschen weiter gucken.
Mit Humor geht wirklich alles besser, das gilt erst recht für gebrauchte Tage.

Eine schöne humorvolle Woche noch!

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Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 18. August 2019

Einmal im Monat bekomme ich per Email von der Aachener Hautarztpraxis Dr. Rösner und Dr. Höller Obrigkeit, die ich regelmäßig zum vorsorglichen Hautscreening besuche, einen sogenannten Gesundheitsbrief. Ich muss sagen, der ist richtig gut und zeigt Studien oder neue Forschungsberichte zu allen möglichen Gesundheitsthemen auf. Das lässt der Name ja schon vermuten.
In der Augustausgabe gab es einen Beitrag, der mich in positiver Hinsicht sehr nachdenklich gemacht hat. Die Titelzeile „Ein längeres Leben durch einen erfüllten Lebenssinn“ klingt jetzt erstmal unspektakulär und vielleicht auch ein bisschen langweilig, der Hintergrund ist aber aus meiner Sicht ein paar Gedanken wert.

Zitate aus dem Artikel:
„Sich psychisch und körperlich wohlfühlen ist ein wichtiger Grundgedanke für ein gesundes, langes Leben. Wie bedeutend dabei die sogenannte Psychohygiene, also die Pflege des psychischen Wohlbefindens ist, zeigt das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie. Es sagt aus, dass Menschen, die ihr Leben als sinnvoll und ausreichend selbstbestimmt empfinden, in der Regel auch von einem längeren Leben profitieren. … Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die Tatsache einer vorwiegenden Zufriedenheit über das eigene Leben mit einem grundlegendem psychischen Wohlgefühl dazu führt, dass die betreffenden Personen stressunempfindlicher sind und von einem gesünderen Immunsystem profitieren, welches besser gewappnet ist gegen entzündungsfördernde und krankmachende Einflüsse. (Alimujiang, A. et al. ;Association Between Life Purpose and Mortality Among US Adults Older Than 50 Years; JAMA Netw Open 5/2019; 2(5): 194270.) “

Die zwei kleinen Worte “vorwiegende Zufriedenheit“ über das eigene Leben haben es dabei besonders in sich, finde ich. Aus eigener Erfahrung kann sicher jede und jeder für sich bestätigen, wie gut es ihr oder ihm in zufriedenen Lebensphasen gegangen ist. Im Umkehrschluss bedeutet es natürlich: Unzufriedenheit macht nicht nur unglücklich sondern möglicherweise auch noch krank.

Wie werden wir denn nun aber zufrieden? Was füllt uns auch, macht glücklich?
Die Antwort dürfte so individuell ausfallen wie die Persönlichkeit eines jeden Menschen ist. Jeder Mensch wird von seinen ureigenen Lebensmotiven angetrieben und wenn man sich erlaubt, der eigenen Intuition zu folgen, weiß man tief drinnen, was man zur Zufriedenheit braucht – eigentlich. Denn oft genug wissen wir zwar, was uns gut tun würde, trauen uns aber mit den fadenscheinigsten Begründungen nicht, diese Dinge zu leben. Der Partner könnte beleidigt sein, die Kinder kann ich nicht zwei Stunden bei der Oma lassen, geht nicht weil meine Freundin nicht mitmacht usw. oder aber auch – ich traue mich ganz einfach nicht.

Es gehört tatsächlich ein Quäntchen Mut dazu, sich neuen Situationen oder gefühlten Herausforderungen zu stellen. Auf dem Weg zur Zufriedenheit brauchen wir höchstwahrscheinlich alle mehr oder weniger einen ersten, beherzten Schritt aus der eigenen Komfortzone in Richtung unseres persönlichen Ziels. Von ganz alleine, so ganz ohne eine kleine Anstrengung stellt sich wenig ein. Wie sagt der Volksmund so schön „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“. Ich glaube, daran ist etwas Wahres.

Am Ende eines Lebens werden wir sicher nicht die „Fehler“ bereuen, die wir beim Ausprobieren neuer Fähigkeiten oder unbekannter Situationen gemacht haben, wir werden uns viel eher über die Chancen ärgern, die wir haben ungenutzt verstreichen lassen. Aus Ängstlichkeit, aus Sorge zu scheitern und aus vielen anderen Gründen.

Als Psychologin schätze ich das Wort „Psychohygiene“ natürlich sowieso hoch ein und pflege diese auch selber so gut ich kann. Wenn ich mit Menschen darüber rede, was sie zufrieden und glücklich macht, sind die Antworten übrigens nicht die „dicken Dinger“, Reichtum, Designerklamotten, Ruhm o.ä., es sind viel eher die kleinen Schönheiten, die innerlich reich und zufrieden machen; Liebe, Gesundheit, schöne Momente mit der Familie, mit Freunden, den Tieren, Erlebnisse in der Natur und: Freude an dem, was man tut – das ist beinahe die wichtigste Antwort!
Natürlich ist es schön, genügend Geld zum Leben zu haben, aber Geld macht nicht zwangsläufig glücklich. Glück zu erleben, Zufriedenheit zu spüren, das schafft viel eher eine wirklich Sinn – stiftende Tätigkeit.
Oft wird natürlich auch die Wichtigkeit von Gesundheit für die eigene Zufriedenheit erwähnt und hier schließt ich der Kreis. Wer dafür sorgt, dass er sich wohl fühlt im Leben, in psychischer und körperlicher Hinsicht, hat beste Aussichten auf ein gesundes, langes und zufriedenes Leben, denn das Immunsystem ist im „Zufriedenheits-Modus“ deutlich weniger gestresst, der Stoffwechsel arbeitet perfekt, was wiederum gut fürs Figürchen ist.

Vielleicht sollten wir einfach immer mal wieder inne halten und uns fragen „Bin ich zufrieden?“ und wenn das nicht so ist, dann frag dich selber ohne zu meckern und an anderen herum zu nörgeln „Was fehlt mir dazu, was kann ich selber, ganz persönlich tun, um zufriedener zu sein?“

Wer sein Ziel kennt, kann es auch erreichen. In kleinen Schritten und mit Verbündeten geht viel mehr als man denkt. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt … sicher auch jene Reise zur eigenen Zufriedenheit.

Mein Lieblingsspruch dazu, der als Schildchen am Kühlschrank im Ferienhaus hängt:
„Unmöglich“, sagte die Tatsache. „Versuch es“, flüsterte der Traum.

Schöne zufriedene Woche noch!

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