Gestern Abend, am Freitag, hatte ich noch vor dem ersten Advent meinen Weihnachtsmoment.
Bestens gelaunt war ich von meiner Pilatesstunde im wunderschönen Forsthaus an der Monschauer Straße in Aachen nach Hause gefahren, hatte schon viel erledigt an diesem Tag, schöne und spaßige Begegnungen gehabt, viel erledigt und durch die „Turn-Stunde“ fühlte ich mich auch noch körperlich total wohl. Einfach schön. Nun nur noch die leeren Flaschen wegbringen, dann war wirklich alles erledigt.
Als ich also beschwingt am Altglascontainer angekommen war, in der Dunkelheit versuchte, grüne von braunen Flaschen zu unterscheiden (was mal gar nicht so einfach ist!!) und dann doch alles ordnungsgemäß entsorgt hatte, hörte ich von irgendwo her ein „Hallo“.
Hm. Ich hatte niemanden gesehen, sah mich um. Nichts.
Dann wieder „Hallo?“
O.k., da rief ganz eindeutig jemand. Die Stimme kannte ich nicht, männlich, klang brüchig. Also mal rum um die Container geschaut. Und da stand ein älterer Mann, eigentlich schwankte er mehr als er stand und wirkte total verloren. Irgendetwas an ihm bewegte mich sofort, obwohl er sichtlich ungepflegt und ordentlich betrunken war. Also bin ich zu ihm gegangen und habe ihn vorsichtig gefragt, ob ich ihm helfen könnte. Er schwankte so sehr hin und her, dass ich ihn in letzter Sekunde noch am Arm halten konnte, sonst wäre er wohl hingefallen. „Ach Entschuldigung,“ meinte er in typischen Öcher Sprachsingsang, „ich bin im Bus eingeschlafen. Wo bin ich denn? Ich muss doch zum Bushof. Wie spät ist es denn überhaupt?“
Damit war nun ganz klar, er war verwirrt und auch noch auf der falschen Seite, musste rüber zur anderen Bushaltestelle. Also hab ich ihn untergehakt und gemeint, ich würde ihn da jetzt rüberbringen und dann könnten wir schauen, wann der nächste Bus käme. Alleine wäre er dort wohl nie angekommen. Als er meinte „Wissen Sie, ich habe mit einem Freund ein bisschen viel getrunken. Ich bin ja alleinstehend, da macht man sowas schon mal,“ hatte ich Tränen in den Augen. Dann aber hat er ganz verschmitzt geguckt, während ich sein Wägelchen und ihn zum Zebrasteifen bugsierte.
„Sind Sie verheiratet?“ Da habe ich lachen müssen, ja bin ich. „Schade,“ meinte er ganz trocken. Als ich ihn dann endlich auf den schmalen Sitz an der Haltestelle abgesetzt hatte, guckte er nochmal und wieder traf er mich direkt ins Herz, seine Augen waren irgendwie gütig. „Sie sind ja verheiratet, aber ich würd Sie jetzt gern mal drücken, Sie sind heute mein Engel“. Klar, dass ich ihn ordentlich gedrückt und ihm eine gute Heimfahrt gewünscht habe. Und aus voller Überzeugung habe ich ihm zum Abschied gesagt „Wissen Sie, ich glaube, man trifft immer die Menschen, die man auch verdient hat und die einem gut tun.“
Wie gut, dass es dunkel war und er nicht sehen konnte, dass ich selber Tränen in den Augen hatte. Als Engel habe ich mich nun wirklich nicht gefühlt. Sollte das nicht selbstverständlich sein? Ein kleines bisschen Hilfe? Das war doch auch für mich eine schöne Begegnung …

Nochmal winken, dann bin ich zum Auto zurück. Andere Straßenseite, anderes Leben. Kurze Berührung von zwei Seelen, aber ein schöner, lang anhaltender Weihnachtsmoment.

In diesem Sinne wünsche ich eine Woche voller Engel-Vor-Weihnachtsmomente!