Ich überlege mir gerade ein Thema für die wöchentliche Kolumne, Reisen etwas wäre heute doch nett. Also fange ich an zu schreiben. Neben mir sitzt einer unserer beiden Hunde. Nicki, Cairnterrier, beinahe acht Jahre alt. Verspielt, ein guter Beobachter, mein morgendlicher Wecker auf vier Pfoten mit eigenem (Terrier-) Kopf und wirklich sozialer Hundepersönlichkeit. Er sieht genauso konzentriert auf den Bildschirm wie ich und irgendwie vermittelt er mir dadurch den Eindruck, etwas wichtiges mitteilen zu wollen. Tatsächlich bekomme ich ziemlich zügig das Empfinden, jene Gedanken, die ich immer wieder habe, wenn ich ihn und seine Freundin Flika so beobachte, teilen zu müssen. Viel besser als das Reisethema. Und da ich ein gut erzogenes Frauchen bin, gehorche ich an dieser Stelle sowohl meinem eigenen inneren Impuls als auch der kleinen Hundenase neben mir. Bitteschön:
Wenn ich mit ihnen zusammen im Haus am Meer bin, liegen sie nach dem ersten herrlichen Gang am Meer und dem anschließenden Frühstück immer zufrieden in ihren Körbchen neben meinem Schreibtisch. Ich denke dann oft, wie seltsam es doch ist, dass sie gerade noch über den Strand getobt sind, hinter den Möwen her waren und voller unbändiger Lebensfreude einfach nur hin und her geflitzt sind, wenngleich das heute schon ein wenig beschaulicher zugeht als noch vor ein paar Jahren. Manchmal haben sie einander zum Spielen animiert, ein anderes Mal einfach nur herum geschnüffelt oder an anderen Tagen ihre besten Hundekumpels getroffen, was immer ein besonderer Spaß ist. Später liegen sie friedlich da, ein Ohr sicherheits-halber in meine Richtung gespitzt. Zufrieden und ausgetobt vom Lauf am Meer.
Wenn ich dann beginne zu schreiben, keine Stunde später, ist der Moment dieses Spaziergangs schon wieder Geschichte und lebt nur noch in meiner Erinnerung weiter. Er hallt dort nach wie so viele andere traumhaft schöne Momente.
Diese inneren Bilder öffnen mein Herz. Immer wieder und jeden Tag. Wie eine Art inneres Fotoalbum sind sie in den Kammern meiner Seele aufbewahrt, allerdings lassen sie sich auf andere Weise öffnen, als wir das von herkömmlichen Fotoalben kennen, sei es nun analog oder digital.
Innere Fotoalben können wir bewusst öffnen, meistens aber ist es ganz besonderes Gefühl, das den Schlüssen zu den Seelenmomenten darstellt, die es dort zu sehen gibt – zu sehen UND zu fühlen, denn was uns ans Herz geht, das bewahrt das Gehirn auf, das sind die wirklich wichtigen Momente unserer Lebensreise, die bekommen eine ganz besonders Seelen-Ablage.

Und dort finden sich in meinem Gehirn sehr viele Erinnerungen, die mit Natur und Tieren zu tun haben, insbesondere mit Hunden. Ich liebe alle Tiere, bin aber ganz offensichtlich ein Hundemensch.
Mir zeigen Hunde, wie man täglich aufs Neue Freude leben kann (und ich bin sicher, Katzen oder Pferde tun das auf ihre Art ebenso!). Sie benötigen kein Achtsamkeitstraining, sie können einfach im Hier und Jetzt leben. Immer. Und eines macht sie im Vergleich zu uns Menschen geradezu weise: sie beschweren sich nicht, wenn sie älter werden, sie nehmen ihren Zustand einfach an. Sie werden langsamer, ruhiger, konzentrieren sich auf das, was geht und freuen sich einfach.

Wer je in das weise Gesicht eines wirklich alten Hundes geschaut hat, der das Glück, bis zu seinem irdischen Ende geduldig von seinen Menschen begleitet zu werden, weiß, wovon ich schreibe. Tiere sind unglaublich, sie akzeptieren den Kreislauf des Lebens – und zwar vollkommen.

Warum können wir das eigentlich nicht? Angeblich sind wir doch so eine schlaue Spezies, die alles optimieren kann. Ich glaube, wir vergessen einfach, dass das Leben von Beginn an ein fragile, endliche und dabei doch so unglaublich schöne Reise ist. Wir versuchen mit allem, was uns zur Verfügung steht das Altern aufzuhalten, jünger und straffer auszusehen, uns zu „optimieren“, zu „resetten“, „Anti-Aging“ zu betreiben bis es lächerlich wirkt, ziehen Vergleiche, beschweren uns, wenn wir krank werden und sind enttäuscht, wenn wir nicht das perfekte Leben haben.
Akzeptanz? Ziemlich oft Fehlanzeige.
Dafür verstehen wir viel davon, unser Leben bestmöglich zu ruinieren: Zu viele Pläne für die Zukunft schmieden statt im Jetzt zu genießen, enttäuscht in die Vergangenheit schauen statt im Hier zu verändern, was möglich wäre und täglich bestmöglich für sich zu sorgen.
In Gedanken rennen wir viel zu oft irgendwo anders herum als unser Körper. DAS würde einem Hund niemals passieren, da würde Hund doch das Beste verpassen, die Spur im Wald, das geworfene Leckerli oder das Stöckchen, die Kumpels oder auch mal den Besuch ordentlich anzukläffen, den bemitleidenswerten Postboten ein bisschen zu ärgern oder das genüssliche Herumlümmeln auf dem Sofa.

Unsere beiden Hunde begrüßen jeden Tag mit der gleichen Freude, sind begeistert über den Spaziergang, ihr Futter, die Spiele und Spielzeuge, die Streicheleinheiten. Sie genießen, jeden Moment.
Das ist wunderbar zu beobachten und vielleicht möchte Nicki, dass ich das einfach mal wieder erwähne ….

Die Schönheit des Lebens liegt für uns alle in jedem einzelnen Moment, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat um Monat und Jahr für Jahr. Manchmal liegt leider auch ein großer Schreck, ein fürchterliches Erlebnis und eine schlimme Krankheit auf dem Weg der Lebensreise. Es wird nichts nützen, darüber zu lamentieren. Wir müssen annehmen, was ist.
Unsere Hunde können das.
Flika, die ca. acht Jahre alte Hundedame, die uns seit genau zwei Jahren begleitet, hat nur noch ein Äuglein, ihr Rücken und das linke Bein sind schwächer als der Rest der Körpermuskulatur. Sie stammt aus Rumänien und wurde übel misshandelt, wie es tragischerweise viel zu oft vorkommt in dieser Welt, nicht nur in Rumänien. Aber sie ist ein Engel und zeigt ihre Lebensfreude in solch liebevoller, dankbarer Art, dass es meinem Mann und mir oft die Tränen in die Augen treibt. Sie akzeptiert auf unfassbare Weise ihre körperlichen Einschränkungen und ihr Schicksal, das sicher kein einfaches gewesen ist (ok., jetzt ist es sicher eher „Prinzessinnen-mäßig“ als schwierig, aber das hat sie auch verdient).

Wir Menschen wollen oft einfach nicht wahrhaben, wenn wir krank oder versehrt werden und mit den Folgen leben müssen. Wir hadern mit dem Schicksal, jammern, klagen und beschweren uns, oft ja nicht einmal zu Unrecht. Aber alles Jammern hilft nichts und mir scheint, dass die Tiere das viel früher akzeptieren als wir Menschen.

Leben ist fragil wie ein kunstvolles Schmuckstück, das mit den Jahren ein wenig seiner Farbe verliert, hier und dort beschädigt wird, Risse bekommt und an dem das ein oder andere Eckchen abbricht. Seinen Wert aber verliert dieses Lebensschmuckstück nie, selbst am Ende nicht. Das genau zeigen uns die Tiere. Danke, ihr Wesen mit den Pfoten, Flügeln, Hufen und Krallen, mit Fell, Haut, Federn. Wir müssen uns eigentlich vor euch allen verneigen, ihr wunderbaren Wesen – und vielleicht führen die derzeitigen großen Katastrophen der Welt wenigstens dazu, dass wir aufhören, euch auszubeuten und zu misshandeln. Das ist es, was ich mir sehnlichst wünsche; das der Tierschutz überflüssig wird, denn er bedeutet nichts anders, als die Tiere vor den Menschen schützen zu müssen …

Schöne mitfühlende Woche noch!

P.S: Mein Assistent Nicki guckt mich gerade so an, als wolle er sagen „Es gäbe zwar noch viel mehr zu schreiben über die wunderbare, großartige Art und Weise, wie wir Hunde, Katzen, Pferde, Vögel, Schweine, Kühe, Esel, Ziegen, einfach alle Tiere, euch Menschen bereichern und beeinflussen, euch helfen, euch unterstützen, euren Stress abbauen, euch heilen und euch denken lassen, dass ihr es seid, die uns sagen, wo es lang zu gehen hat … aber du schreibst ja wöchentlich. Für heute kannst du aufhören, war ja mal ein Anfang.“

Wo Terrier drauf steht, ist auch Terrier drin. Eindeutig!!!