In den letzten Wochen liefen in New York, London, Mailand
und Paris mal wieder die „Fashion Weeks“ (in ordentlichem deutsch also Modenschauen) für die Frühjahr-Sommersaison 2020. Immer wieder wurden im Internet Fotos von den Models gezeigt, die die neuen Kollektionen der Designer trugen, die angeblich hinreißend und traumhaft schön sein sollten und in den sozialen Medien abgefeiert wurden – sowohl jene Models als auch die Kleider.
Viele dieser Anziehsachen waren für mich skurril und überhaupt nicht schön. Über Geschmack kann man ja bekanntlich streiten, aber mich auf einmal interessiert, wie denn eigentlich der forschende Zweig meiner psychologischen Kollegen „Schönheit“ oder „Schönheitsempfinden“ betrachtet, im weiteren Sinne und keineswegs nur in der Welt der Mode.

Für den Anfang zunächst einmal eine ordentliche Definition: Schönheit kann die Eigenschaft eines Tieres, einer Idee, eines Objektes, einer Person oder eines Ortes sein, die eine wahrnehmbare Erfahrung bzw. Empfindung von Genuss oder Zufriedenheit bietet. Schönheit wird als Teil der Ästhetik, Kultur, Psychologie bzw. Sozialpsychologie, Philosophie und Soziologie untersucht. Eine „ideale Schönheit“ ist eine Wesenheit, die bewundert wird oder Eigenschaften besitzt, die der Schönheit in einer bestimmten Kultur der Perfektion zugeschrieben werden.
Hässlichkeit gilt als das Gegenteil von Schönheit.

Aha.

Da wissen wir ja schonmal in der Theorie, womit wir es zu tun haben.

Weitere Beschreibungen sind etwa:
Die Erfahrung von „Schönheit“ -das Schönheitsempfinden- beinhaltet oft die Interpretation eines Wesens in Balance und Harmonie mit der Natur, was zu Gefühlen der Anziehung (Attraktivität) und des emotionalen Wohlbefindens führen kann. Weil dies eine subjektive Erfahrung sein kann, wird oft gesagt, dass „Schönheit im Auge des Betrachters liegt“.

Na gut, etwas gestelzt ausgedrückt, aber nicht uninteressant.

Dann aber habe ich jenen Satz gefunden: Schönheit liegt NCIHT nur im Auge des Betrachters, Psychologen finden klare Regeln.

Wie interessant. Da möchte man doch sofort fragen, was für Regeln gibt es denn bitte für Schönheit? Schönheit ist doch eigentlich bekanntlich subjektiv und soll für die Wissenschaft unerklärbar sein, aber einige ihrer wichtigsten Eigenschaften folgen einfachen Regeln, erklärt Denis Pelli, Professor für Psychologie in einer Studie, die er zusammen mit Aenne Brielmann vor einigen Jahren durchgeführt hat. © PSYLEX.de – Quellenangabe: Current Biology (2018). DOI: 10.1016/j.cub.2018.06.004.
Schönheit fasziniert den Menschen seit Jahrtausenden, schreiben die Autoren, die ihre Arbeit auf das wachsende Feld der „empirischen Ästhetik“ fokussieren, einem Zweig der Psychologie, der untersucht, wie Menschen Schönheit und Kunst erleben. Schönheit ist eine wichtige Einflussgröße bei den täglichen Entscheidungen, die wir treffen – jedes Jahr geben Verbraucher Millionen aus und investieren unzählige Stunden, um schön zu sein oder ihr Aussehen zu verbessern. Das gilt sowohl für das körperliche Aussehen als auch für die Mode und andere Konsumgüter.

Jetzt aber bitte die Regeln:
Bestimmte Merkmale, wie Symmetrie und Rundheit, machen die Dinge im Durchschnitt schöner. Genau das meint die Forschung also; je symmetrischer und je mehr Rundheit vorhanden ist, desto schöner wird das Wesen oder der Gegenstand wahrgenommen. Die Forscher fanden zum Beispiel heraus, dass historisch der reizvollste Winkel für die Kurve der Rückenlinie einer Frau, 45 Grad für den Übergang zum Po beträgt.

So Schwestern, jetzt wisst ihr Bescheid!!

Die Sätze, die mich in der Studie am meisten angesprochen haben, sind die folgenden: Schönheit kann die Eigenschaft eines Tieres, einer Idee, eines Objektes, einer Person oder eines Ortes sein, die eine wahrnehmbare Erfahrung bzw. Empfindung von Genuss oder Zufriedenheit bietet.
Und: Die Erfahrung von „Schönheit“ beinhaltet oft die Interpretation eines Wesens in Balance und Harmonie mit der Natur, was zu Gefühlen der Anziehung des emotionalen Wohlbefindens führen kann.

Ich würde es gerne einfacher sagen: Wenn wir die Erfahrung von Balance und Harmonie machen, wenn wir Genuss und Zufriedenheit empfinden, dann wird es uns gut gehen. Ob da nun unbedingt Schönheit mit im Spiel sein muss, weiß ich nicht, das ist sicherlich Definitionssache.
Wichtiger ist es vielleicht, sich Gedanken darüber zu machen, wie wir uns und unseren Lieben, den Freunden, Bekannten, Nachbarn, Kollegen, unseren Tieren und der (Um-) Welt das Leben jeden Tag ein wenig SCHÖNER machen können – damit wir alle ein bisschen weniger mit den hässlichen Seiten des Lebens konfrontiert werden müssen und stattdessen mehr Zufriedenheit und emotionales Wohlbefinden erleben.
Wäre das nicht wirklich schön?

In diesem Sinne, SCHÖNE Woche noch!