In dieser Woche habe ich mir Gedanken über alle möglichen Berufe und ihre Spezialisierungen gemacht. In jedem nur erdenklichen Berufsfeld gibt es Fachrichtungen. Es gibt Fachärzte, Fachanwälte, hochspezialisierte Ingenieure für ganz besondere Bereiche, Lehrer werden nach der Schulform ausgebildet an der sie tätig sind, Kinder- und Jugendpsychologen sind fast schon zwei Berufe, es gibt Möbel- und Industrieschreiner, Krankenschwestern mit unterschiedlichstem Wissen für die verschiedenen Stationen und den OP, ganz verschiedene Gewerke am Bau, Spezialisten im Management, der Computerbrache, im Design, Grafik, bei den Gärtnern, Floristen und so weiter und so fort. Die Liste ist beliebig. In allen Berufen die ich kenne braucht man spezielles Wissen für das entsprechende Fachgebiet und kann nicht einfach so das Aufgabengebiet eines Kollegen übernehmen, geschweige denn einfach so in eine andere Branche wechseln. Und dann lese ich in der Zeitung:

Ursula von der Leyen soll EU-Kommissionspräsidentin werden, damit würde ein Platz im Kabinett frei. Wer könnte ihr nachfolgen?

Die Personalie Von der Leyen ist an dieser Stelle ohne Bedeutung, einfach nur stellvertretend für dieses Job-Karussell, das in der Politik üblich ist.
WIE geht das eigentlich, dass ein Politiker einfach so den Posten eines anderen übernimmt?
Können die denn alles oder tun die nur so?
Haben die eine Harry Potter ähnliche Ausbildung durchlaufen, können hexen und zaubern?
Sind die jetzt die „Eier-legenden-Woll-Milch-Säue“ oder grandiose Mogelpackungen?

Ich verstehe das nicht. Wirklich nicht. Ich verstehe auch die Sprache der Politiker oft nicht, denn sie antworten selten auf die Frage, die man ihnen stellt. Während meines Studiums haben wir mal aus Spaß genau diese Politik typische Sprache analysiert. Fazit: Was die reden, ist eine Tranceinduktion. Die quatschen einen oft derart zu, dass das Gehirn den Inhalt, der ja keiner ist, nicht mehr zuordnen kann und in eine leichte Trance, also einen veränderten Bewusstseinszustand, geht. Ein einfaches OM, mehrfach wiederholt, in sanft schwingendem Ton gesungen würde ausreichen. Und wäre ehrlicher. Denn wenn wir wieder zurück sind aus der Verwirrung, die die Trance hinterlassen hat, merken wir schon, das wir gar keine Antwort bekommen habe. Nur Worthülsen und Floskeln. Buchstabensuppe für die Ohren, schmeckt nicht und bekommt noch weniger.

Meine heimliche Vermutung ist, dass die Gehirne der Politiker das aber gar nicht mehr merken, was sie da erzählen. Die müssen in einer Art Dauertrance sein, verlieren die Bodenhaftung und die Nähe zur Realität, zum Wort-Sinn der Sprache, die sie sprechen. Noch schlimmer ist, sie verlieren die Nähe zu uns. Zum Volk, zur Jugend sowieso. In Trance scheint man sich vielleicht auch ein bisschen zu viel zuzutrauen, mutmaßt, alles zu können, zumindest in der eigenen Vorstellung, die ja nun bekanntermaßen mit der Realität nur wage übereinstimmt.

Ich hätte da eine Idee, wie man diese subjektive Wahrnehmung mit der der eher objektiven Realität, in der Millionen Menschen in Deutschland leben, wieder in Einklang bringen könnte: Jeder Politiker absolviert einmal im Monat ein mehrtägiges Praktikum in einem bürgerlichen Beruf und der dazugehörigen Ausbildung. Selbstverständlich mit den dazugehörigen Bedingungen, dem Bus- oder U-Bahnticket und dem entsprechenden Gehalt, nix gepanzerte Limousine oder so. Eine Art “Real Life Challenge für Politiker”, angelegt als Bürger-nahe Fort- und Weiterbildung. Dann können wir mal sehen, ob sie in der Praxis, etwa in der Pflege von alten Menschen, in der Bäckerei, bei der Müllabfuhr, am Band in der Autoindustrie, auf dem Schlachthof, bei der Polizei und der Justiz, am Band in einer Fabrik, im Kindergarten, als Handwerker, als Grundschullehrer, Lehrer an Grund- und weiterführenden Schulen, Ingenieur, Manager, Arzt in Praxis oder Klinik, Gärtner, Frisör, Architekt, Fischer, Landwirt, Tierarzt und so weiter und so fort auch einfach so einsetzbar sind. Man könnte ja bei den kleinen Aufgaben anfangen, um niemanden zu gefährden.
Im Gegenzug dürften wir „einfachen Leute“ Politiker beraten, auch ein paar Tage im Monat. So, wie viele ihre Familie, ihren Haushalt und ihr Leben führen klappt das doch ganz gut im Kleinen. Vielleicht können die „da oben“ für ihren größeren Haushalt was von uns lernen. Dazu sollten sie aber (wieder) erfahren, WIE das Leben hier unten, mit beiden Füßen in der realen Welt sich überhaupt so anfühlt. So, wie die jetzt agieren, gibt das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit derbe Probleme oder könntet ihr euch vorstellen, wie -sagen wir mal- Ursula von der Leyen, weil ich sie oben schon erwähnt habe- mit einem Schutzhelm auf dem Schädel auf dem Bau steht und dem Vorarbeiter einen Vortrag darüber hält, wie man eine Mauer mauert ohne davon auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben???? Also ich höre vor meinem inneren Ohr schon die Antwort.
Sehr laut. Sehr deutlich und alles andere als einlullende Trancesprache. Klar. Auf den Punkt. Real. Ehrlich. Irgendwie für jeden Normalo verständlich. LABER NICHT. MACH JETZT. Fertig mit der Ansage. Nicht reden. Tun. Jetzt und sofort. Funktioniert übrigens ziemlich gut in jedem Alltag, in dem wir alle ständig TUN müssen – und das würde auch klappen beim schnellstmöglichen Verbot von Plastik, dem Abschaffen der Massentierhaltung, einem Pestizidverbot, beim Stärken der Bildung, dem besseren Schutz von Kindern oder der sofortigen Aufforstung von Freiflächen mit Bäumen und und und. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – und der darf weiter führen als nur bis zum nächsten Posten bei der nächsten Wahl. Wenn jeder macht, wovon er wirklich was versteht, können wir viel bewegen. Sofort.

Gut, dass wir mal drüber gesprochen haben, sagt der Psychologe gerne.

Schöne Woche noch!