Leute, ich wünsche mir Kennzeichen für Fahrradfahrer. Und damit mich niemand falsch versteht: ich liebe es selber, Fahrrad zu fahren, ich mag die Vielfalt an lustigen Fahrradmodellen, die mittlerweile zu bewundern sind und ich mag Radfahrer im Allgemeinen, jedenfalls die 90 %, die sich an Regeln halten. Die anderen 10 %, die sich gebärden, als gehöre ihnen die Straße, auch was rede ich, der Gehweg, die Einkaufsstraße, alle Straßen in beide Richtungen und natürlich sowieso der Wald, die mag ich gar nicht.

Lasst uns doch eine Sekunde mal überlegen, wie das wäre, wenn gut 10 % ALLER anderen Verkehrsteilnehmer das auch so machen würden: Autos fahren über Gehwege, durch die Einkaufsstraßen und Fußgängerzonen und natürlich in den Einbahnstraßen falsch herum, durch den Wald bis sie stecken bleiben oder die Bäume nachgeben müssen. Dazwischen hätten wir dann noch Fußgänger, die auf den Autobahnen wie bei LALA Land über die Autos tanzen und wie die Ameisen herumwuseln … das wäre innerhalb von Sekunden ein Massaker.

Um genau so etwas zu vermeiden, gibt es in einer Gesellschaft Regeln. Also:
Warum geht das bei Fahrradfahrern? Wieso dürfen sie das?

Ich habe mir neulich auf meinem Weg ins Frankenberger Viertel in meinem Auto sitzend tatsächlich erlaubt, eine Fahrradfahrerin anzuhupen, die MITTEN auf der Eupener Straße Richtung Stadt fuhr. Langsam. Mit Kopfhörern auf den Ohren. Diese Straße wird von LKWs und Bussen und eben jenen PKWs benutzt, für die sie da ist. Und da das gefährlich ist, gibt es ZU BEIDEN Seiten Radwege.
ZU BEIDEN SEITEN.
Ich musste ob des Gegenverkehrs und des drömeligen Tempos dieser Dame derart abbremsen, um sie nicht auf die Hörner zu nehmen (denn man ist ja als böser Autofahrer auch noch Schuld, wenn etwas passiert – und zwar immer!!!), dass meine Geduld ganz plötzlich ganz doll erschöpft war. Sie bekam ein kostenloses, aber furioses Hupkonzert um die Ohren, erschrak sich massiv und motzte noch massiver. Meine Geduld hatte aber noch Munition, also auf gleiche Höhe fahren, Scheibe runter und dann die Info rüberbrüllen, dass es einen Radweg gibt. NEBEN der Straße. Direkt neben der Straße. Für Radfahrer. Auf beiden Seiten.
Bei der nächsten Möglichkeit ist sie tatsächlich kleinlaut auf den Radweg gefahren.
Immerhin.
Lebensmüde und motzig, vielleicht auch innerlich substanzverseucht, aber lernfähig. Im Rückspiegel gab es einen Like für mich aus dem hinter mir fahrenden SUV, der mir noch an der Ampel mit Daumen hoch Beifall spendete. Nicht nötig, aber nett irgendwie. Ein Leidensgenosse.
Eigentlich wäre alles so einfach, wenn alle ein bisschen Rücksicht nehmen würden – übrigens auch die 10% der Autofahrer, die auf Radwegen parken und es ihrerseits den Zweirädern im Straßenverkehr schwer machen. Wäre echt nett, ist aber wohl ein bisschen zu optimistisch gedacht.

Allerdings sollten sich jene bockigen Zweiradfahrer klar machen, dass sie viel zu verlieren haben – ein Leben. Ihr eigenes Leben. Nicht mehr und nicht weniger. Meines wäre mir zu schade, es ist schön und ich hüte es gut, es ist mir viel, viel zu schade, um es vor irgendein fremdes Auto zu werfen und im Himmel dann stolz aber dümmlich zu verkünden „Dem habe ich es aber gezeigt! Bin mitten auf der Straße gefahren!“.

Wenn ihr also nix zu verlieren habt, bitte. Aber schont die anderen 90 %, die einfach in Ruhe und auch noch weiterhin lang und glücklich rücksichtsvoll ihr Leben leben möchten. Bitte!!!!!!

Schöne Woche noch, fahrt vorsichtig!