Zwischen dieser und der letzten Kolumne liegen genau zwei Wochen: Eigentlich wollte ich schon am Samstag dem 13. Juli für Sonntag den 14. Juli eine Kolumne für Silly, meine Yogatrainerkollegin, @yogisilly bei @meinpilates-aachen einstellen, nachdem sie mich mit ihren Instagram Beitrag extrem berührt hatte. Leider bin ich tags zuvor ins neue Ferienheim nach Belgien gereist, wo auch gleich das Internet angeschlossen werden sollte, also kein Problem, der Text war ja geschrieben, alles bestens vorbereitet. Dachte ich. Aber das kam dann doch ein bisschen anders als erwartet …und zog und zog und zog sich. Auch nach mehreren Tagen zeigte sich die Lage aussichtslos: Denn nach nur drei Anläufen mit zwei (falschen) Kabeln und zwei unfähigen Mitarbeitern, deren erfolglose Besuche vor Ort jeweils neue telefonische Absprachen nach sich zogen, weil ihre Gesellschaft nur Spezialisten hat, die die Termine machen, habe ich resigniert. Es ist mir auch nicht gelungen, meinen Text auf andere Weise einzustellen, ich bin halt ein voll- DAU (dümmster anzunehmender User). Mitarbeiter Nummer drei hat mir bei seinem -ebenfalls erfolglosen- Besuch vor drei Tagen dann das richtige Kabel geschenkt, da meine wachsende Verzweiflung wohl doch nicht mehr zu übersehen war. Eine Wutrede meines Gatten am Telefon mit den entsprechenden Mitarbeitern, die uns wegen der Sommerferien einen neuen Termin für den 9. Oktober (!!!!!!!!!!!!!!!!) für den Anschluss geben wollten, hat dann irgendwie gewirkt. Am späten Nachmittag des 25. Juli 2019 erschien Mitarbeiter Nummer Vier. Für die Installation. Eine Stunde später:
Wir sind drin. Ein kleiner Schritt für den Menschen …

So, nun geht es also endlich doch um deinen Text, meine liebe Silly, den du am 12. Juli in deinen Instagram Account gestellt hast. Du bedankst dich darin bei deinen Weggefährtinnen, die dich durch die Zeit der Wechseljahre begleiten. Besonders dafür, dass diese dir kleine aber in der Wirkung großartig heilsame Impulse geben und dich lehren, den Körper mit all seinen Symptomen und Problemen zu akzeptieren und zu lieben statt in die Falle der Selbstoptimierung zu tappen. Du sprichst offen an, was viele von uns Frauen erleben, wenn sie durch die Wechseljahre gehen, das hat mich einfach tief berührt und deswegen habe ich beschlossen, etwas dazu zu schreiben.
Warum? Weil ich diese Falle der Selbstoptimierung nur allzu gut kenne. Ich war nie eines jener süßen, kleinen und schlanken Mädchen, die in dem Bewusstsein aufwachsen dürfen, hübsch zu sein. Das Geld war knapp, Anziehsachen wurden genäht, dafür gab es Liebe satt, was ja nun auch viel wichtiger war. Trotzdem bin ich lange Zeit ziemlich anfällig für diese Falle gewesen, von der du schreibst.
Wenn ich aber heute, aus der Sicht der „gereiften“ Frau, auf mein jüngeres Ich in verschiedenen Lebensphasen zurück schaue, denke ich oft „Mensch, was hast du deine Zeit verschwendet mit den ganzen Selbstzweifeln, du hättest einfach akzeptieren sollen was eh nicht zu ändern war.“ Aber so einfach war das damals eben nicht.
Heute ist das anders, was ich mit tiefer Dankbarkeit erlebe. Diese wechselvollen Jahre voller Veränderungen liegen schon hinter mir und ich verstehe sehr gut, wovon du sprichst.
Liebe Silly. vieles ändert sich in diesen Jahren, manches sorgt und ängstigt einen und es ist großartig, wenn man in diesen Zeiten Wegbegleiterinnen um sich hat, die „Frau“ zur Seite stehen, die unterstützen und uns helfen, den Körper noch besser zu verstehen.
Der Körper ist sinnbildlich das Haus, in dem unsere Seele wohnt – und etwas salopp gesprochen- ist es nur allzu verständlich, dass wir nicht in einer Bruchbude hausen wollen, in der es hin und wieder durchregnet, die Fassade zu bröckeln beginnt, das farblos gewordene Dach immer wieder gestrichen werden muss und die Stützpfeiler dauernd eingeschmiert oder sogar erneuert werden müssen. Wo früher für die Optik der Hauch eines Schönheitsanstrich genügte, muss heute der Stuckateur ran und selbst diese Maßnahme ist nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt. Ganz zu schweigen von unseren allumfassenden Sorgen und Ängsten, wie lange das ganze Gemäuer denn überhaupt noch so durchhalten wird. Wer möchte schon wohnen? Eben. Kaum jemand. Die Sache ist nur die, wir können weder ausziehen noch kündigen oder neu bauen. Geht nicht. Da hilft nur, die eigene Sichtweise genau unter die Lupe zu nehmen. Mag sein, dass ich in einem alten Haus mit morschen Ecken und erschlaffter Außen-Isolierung lebe. Aber es ist MEIN Haus. Eines, das sich meinem Leben und meinen Seelenaufgaben angepaßt hat, das genau richtig für mich ist, egal was es kann, egal wie es gebaut ist. Und gab es neben den schlimmen Lebenserdbeben, die einfach nur durchgestanden werden mussten, nicht auch manch herrliche Zeit in diesem Haus, in der es nur so strahlte in seinem Glanz? Durchfeierte Partys in allen Räumen? Wahrscheinlich schon, oder? Was aber auch immer geschehen ist, es ist und bleibt unser Haus. Vielleicht kommt es darauf an, dass wir es mit Liebe betrachten und akzeptieren wie es eben gebaut ist. So und nicht anders.
Liebe Silly, du schreibst so schön, dass du den Hinweis bekommen hast, man soll dem Körper danken, dass er so perfekt funktioniert, anstatt gegen ihn zu kämpfen. Ich finde, das ist der einzig richtige Weg. Akzeptanz statt Optimierung mit einem liebevollen Blick auf das unperfekte, das uns ausmacht, uns unsere Persönlichkeit verleiht. Und letztlich sind es doch unsere Macken, Makel und Eigenheiten, die uns ausmachen, oder?
In meinem jetzigen Alter bin ich diesem „alten Haus“ gegenüber viel gnädiger geworden, freue mich über alles, was geht und genieße viel intensiver. Das ist eben das Gute an diesen Wechseljahren – man darf auch die Perspektive wechseln und die alte Pracht in ihrer Schönheit genießen …

Außerdem stimmt es schon, dass wahre Schönheit von innen kommt, finde ich. Wer kann sich schon dem heimeligen Charme eines gemütlichen, hell erleuchteten Hauses an einem dunklen Novemberabend entziehen? Also ich nicht … und mein besonders „leuchtendes“ Vorbild ist die -in meinen Augen regelrecht strahlende- 100 jährige, fitte, schöne, wunderbare Yoga-Lehrerin Tao Porchon-Lynch, @taoporchonlynch100.

So lange unsere Körper uns ermöglichen, Yoga und Pilates zu machen, ist doch alles bestens. Auch wenn´s manchmal knirscht und zwickt. Es bewegt uns und das ist schön!
Liebe Silly, ich danke dir für deine Ehrlichkeit, den Mut die Dinge zu benennen wie sie sind und für deine Inspiration und dein „mich bewegen“ in dieser Hinsicht. Für die körperliche Bewegung habe ich Yoga- Stunden bei dir gebucht.
Schön, dass es dich gibt – so wie du bist.

Schöne -bewegte- Woche noch!