In der zurückliegenden Woche habe ich einen dieser Tage erlebt, den man wohl ohne zu übertreiben „gebraucht“ nennen darf. An diesem Tag hat nämlich nichts, aber auch gar nichts geklappt. Dabei war meine Mission ganz simpel: Online das ein oder andere zu bestellen.
Als erstes waren ein paar Raff-Gardinen dran. Dafür habe ich über eine Stunde lang die verschiedensten Maße eingegeben, also „konfiguriert“, damit die Dinger auch perfekt passen. Alles erledigt, voller tiefer Befriedigung auf „Bestellung absenden“ klicken. Ein genüßlicher Seufzer folgte, der mir allerdings geradezu im Halse stecken blieb. Auf meinem Bildschirm erschienen nämlich folgende Worte: „Keine Bestellung vorhanden“.

Wie bitte? Ich habe doch gerade alles eingegeben. ALLES! MÜHSAMST!! Haaaaaarg.

Na gut, nicht verzagen, tief durchatmen, kann ja mal passieren. Weiter machen. Aufgeben war keine Option. Bei einem meiner Lieblingsmöbelläden mit Namen „Maison du Monde“ (die ein oder andere von Euch weiß genau, welchen Laden ich meine) hatte ich zufällig gesehen, dass jener Wäscheschrank wieder im Angebot war, mit dem ich geliebäugelt hatte. Größe und Preis-Leistungsverhältnis stimmten. Prima! Also: Bestellt.
Dachte ich jedenfalls. Denn was passierte, als ich diesmal auf „Kaufen“ klickte?

Wie aus dem Nichts erschien quasi zeitgleich zu meinem Klick der winzige Zusatz „Vergriffen“.
Bitte WAS?
Die Länge des Wimpernschlages einer Eintagsfliege mag das gewesen sein, nicht mal eine Nasenlänge, nein eine Hunderttausendstelsekunde zuvor soll mir jemand dieses aller letzte Ding noch weggeschnappt haben???
Wäre das ein Hundertmeterrennen gewesen mit dem Titel „Kathrin gegen den Rest der Onlinewelt“ , ehrlich, ohne Kamera beim „Zielklick“ wäre niemals zu erkennen gewesen, ob da vielleicht jemand schneller gewesen sein soll als ich.
Aber ich hatte verloren. So oder so. Den Klick und den Schrank. Wie enttäuschend! Meine Haltung passte sich meinem Gemütszustand sofort an, ich wusste nicht, dass ich vor lauter Enttäuschung so krumm sitzen kann wie ich das in dieser Minute mühelos konnte.
Nach wenigen Minuten zog ein leichter Groll in mir auf, dem ein inneres Wutgewitter folgte. Dämlich, wieviel wertvolle Zeit ich gerade nutz- und ergebnislos vertan hatte.
Mehr als ärgerlich. Keine Gardinen, kein Wäscheschrank. Nicht mal ein Ansprechpartner, den man hätte ordentlich beschimpfen können. Nichts und niemand da, DOPPELHAAAARRG.

Dafür war ich aber nun deutlich übermotiviert, jetzt wenigstens die richtige „Sauberlaufmatte“ fürs Ferienhaus am Meer zu erstehen, die wegen der Sandfüße und Pfoten unbedingt noch rein soll. Für die Breite des Flures musste ich sie allerdings auf Maß bestellen. Okay. Kein Problem, das sollte jetzt funktionieren. Nach diversen Suchereien habe ich tatsächlich zügig eine Schmutzmatte gefunden, die gefiel. Aber es war noch immer dieser gebrauchte Tag …

Man muss ja nun nicht glauben, dass die doofe Einstellung die ungewöhnlichen Maße akzeptiert hätte, die ich eingegeben habe. Unfassbar. Immer, wenn ich brav 120 cm eingetippt hatte, sprang sie zurück auf 100 cm. Wie ein Trotzkind mit viel Energie und noch mehr Sturheit. Unmöglich!

Ein Zweikampf entspann sich, leise aber mit wachsendem Groll und Wutgeschnaube meinerseits.
120cm. Zack 100 cm.
Nochmal.120cm. Zack 100 cm.
Ein bisschen zögern. Luft anhalten, quasi Online-Anlauf nehmen und …. ganz schnell tippen. 120 cm. Zack 100 cm.

Was immer ich auch gemacht habe, es hat einfach nicht funktioniert und das war der Moment, in dem Aufgeben auf einmal doch eine Option wurde.
All meine Geduld war weg. Aufgebraucht, verschluckt vom schwarzen Loch im Online-All. Einfach genug, ich konnte nicht mehr, die Onlinewelt hatte sich komplett gegen mich verschworen.
Da saß ich nun noch immer sauer am PC und kochte in meiner Wut. Was mir in solchen Situationen hilft um runterzukommen? Geht mir an dieser adrenalingeladenen Stelle weg mit Psychokram wie Entspannung, Atmung, Klangschalen oder Affirmationen oder so. DAS erzähle ich auch immer, vorrangig anderen Menschen. Dafür isses an so einer Stelle aber echt zu spät!!!! Das hätte man früher einsetzen müssen. Viel früher.

ABER immerhin habe ich meine eigene Methode, eine Art Geheimtipp, denn auch hier gilt, Aufgeben ist (erstmal) keine Option: Ich gucke mir im Zustand solcher „Ausweglos-in-die-Einbahnstraße-gelaufene-Emotion“ auf YouTube Videos an, die mich zum Lachen bringen.
Ich LIEBE es zu lachen, diesen Kitzel im Hals, wenn man sich bemühen muss ernst zu bleiben und schon weiß: klappt sowieso nicht. Dann kippt der heilige Zorn schlichtweg hintenüber. Liebe Leute, DAS baut Stress ab vom Feinsten. Kann ich wärmstens empfehlen.
In den weit zurückliegenden Jahren als Schülerin bin ich mehrfach des Klassenzimmers verwiesen worden, weil ich zu viel gelacht habe. Also mehrfach in einem Schuljahr, um das klar zu stellen. Lachkicks waren die Würze meiner Schulzeit. Einfach herrlich, wenn man so losprusten muss. Okay, nicht für alle. Aber ich liebe das.
Für meine Verfassung an diesem „gebrauchten Tag“ habe ich mir ein Video der humorvollen Tanztruppe „Les Ballets Trocadero de Monte Carlo“ rausgesucht. Männer, die mit beachtlicher Technik klassisches Ballett in Spitzenschuhen tanzen, wirklich wahr. Auf Spitze! Sie sind einfach genial, aber am besten ist immer der jeweilige Gesichtsausdruck gepaart mit einer sensationellen Situationskomik, umwerfend! Ich liebe Ballett, habe selber lange getanzt und tue es sogar noch immer „altersentsprechend“, nämlich in der mitreißenden Senioreneinheit der Ballettschule Freudensprung unter unserem Senior-Cheftrainer Herrn Müller. Eigentlich als „Graue Schwäne“ tituliert haben wir uns mittlerweile durch die hervorragende Idee von Mittänzerin Andrea als „betreutes Tanzprojekt“ umgetauft, weil wir uns die winzigen Choreographien von Woche zu Woche nicht mehr merken können und unsere Kondition jetzt auch nicht mehr sooo dolle ist … aber Spaß haben wir ohne Ende und Lachen ist Pflicht.
Ballett, Modern Dance und Jazzdance in jugendlicher Perfektion, das ist einfach eine Augenweide. Als ältere eingebürgerte Aachenerin denke ich allerdings schonmal „au Banan“, wenn ich unsere Whatsapp-Filmchen, die wir als Erinnerungsstütze machen müssen, hinterher mit Brille betrachte und mich da hüppeln sehe. Ohne Brille sieht das noch ganz nett aus, scharf gestellt ähnelt es oft nur noch im Entferntesten jenem perfekten klassischem Tanz der Jugend, fühlt sich in der Bewegung aber einfach himmlisch an und diese Freude ist das Wichtigste. Allerdings sollte Frau (und Mann, wenn er tanzt) realistisch bleiben, das Netz ist voller Filmchen der besten Tänzerinnen und Tänzer dieses Planeten und die sind immer ziemlich jung. Herrlich ist das für die Augen, ästhetische Körper-Kunst, Körperbeherrschung, für mich die höchstmögliche Schönheit von Bewegung schlechthin. Also zumindest immer dann, wenn es eben wirklich perfekt ausgeführt wird. Und bei Gott – ich sage es nochmal- ich weiß, wie schwer alle diese Bewegung sind. Aber manchmal, wenn der Ehrgeiz so mancher Tänzerin die eigenen Möglichkeiten bei weitem überschreitet und eine ungewollte Komik durch eine gewisse, überernste Verbissenheit in Kombination mit einem geradezu tragischen Minenspiel entsteht, dann ist das eher lustig als schön, da wünsche ich mir ein bisschen mehr „Tanz-Humor“. Unperfekte Linien oder unperfekte Bewegungen sehen nunmal nicht schön aus … Ausnahme sind diese Jungs vom „Les Ballets Trocadero de Monte Carlo“. Da passt das und da wartet man beim Zusehen regelrecht auf einen Ausrutscher. Und wird selten enttäuscht.
Swan Lake Ballet Parody, die kleinen Schwäne. Eine Minute sechsunddreißig. Vier gut trainierte männliche Körper reingezwängt ins Trikötchen mit Tüllrock, dicke Waden über den Spitzenschuhen, Muskelpakete an den Armen, alles ein bisschen schräg irgendwie aber klasse Tempo und irre Technik. Ausrutscher garantiert, kommt prompt. Genauso prompt muss ich lachen, einfach so.
Meine Laune: schnell wieder bestens. Jetzt noch eben die Parodie des sterbenden Schwans der Truppe hinterher geschoben, in der der Tänzer in einem Tutu auf die Bühne stakst, das ständig Federn verliert, der Schwan quasi in der Mauser ist … Attacke auf mein Zwerchfell. Herrlich. Durchatmen, Lachtränen wegtupfen. Tief durchatmen.

Ok. Ich habe nicht bekommen was ich bestellen wollte, vielleicht sollte die Lektion ja heißen „Geh in die Läden, du faule Socke“. Kann ich ja morgen mal probieren, aber jetzt muss ich noch ein bisschen weiter gucken.
Mit Humor geht wirklich alles besser, das gilt erst recht für gebrauchte Tage.

Eine schöne humorvolle Woche noch!

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