Einmal im Monat bekomme ich per Email von der Aachener Hautarztpraxis Dr. Rösner und Dr. Höller Obrigkeit, die ich regelmäßig zum vorsorglichen Hautscreening besuche, einen sogenannten Gesundheitsbrief. Ich muss sagen, der ist richtig gut und zeigt Studien oder neue Forschungsberichte zu allen möglichen Gesundheitsthemen auf. Das lässt der Name ja schon vermuten.
In der Augustausgabe gab es einen Beitrag, der mich in positiver Hinsicht sehr nachdenklich gemacht hat. Die Titelzeile „Ein längeres Leben durch einen erfüllten Lebenssinn“ klingt jetzt erstmal unspektakulär und vielleicht auch ein bisschen langweilig, der Hintergrund ist aber aus meiner Sicht ein paar Gedanken wert.

Zitate aus dem Artikel:
„Sich psychisch und körperlich wohlfühlen ist ein wichtiger Grundgedanke für ein gesundes, langes Leben. Wie bedeutend dabei die sogenannte Psychohygiene, also die Pflege des psychischen Wohlbefindens ist, zeigt das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie. Es sagt aus, dass Menschen, die ihr Leben als sinnvoll und ausreichend selbstbestimmt empfinden, in der Regel auch von einem längeren Leben profitieren. … Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die Tatsache einer vorwiegenden Zufriedenheit über das eigene Leben mit einem grundlegendem psychischen Wohlgefühl dazu führt, dass die betreffenden Personen stressunempfindlicher sind und von einem gesünderen Immunsystem profitieren, welches besser gewappnet ist gegen entzündungsfördernde und krankmachende Einflüsse. (Alimujiang, A. et al. ;Association Between Life Purpose and Mortality Among US Adults Older Than 50 Years; JAMA Netw Open 5/2019; 2(5): 194270.) “

Die zwei kleinen Worte “vorwiegende Zufriedenheit“ über das eigene Leben haben es dabei besonders in sich, finde ich. Aus eigener Erfahrung kann sicher jede und jeder für sich bestätigen, wie gut es ihr oder ihm in zufriedenen Lebensphasen gegangen ist. Im Umkehrschluss bedeutet es natürlich: Unzufriedenheit macht nicht nur unglücklich sondern möglicherweise auch noch krank.

Wie werden wir denn nun aber zufrieden? Was füllt uns auch, macht glücklich?
Die Antwort dürfte so individuell ausfallen wie die Persönlichkeit eines jeden Menschen ist. Jeder Mensch wird von seinen ureigenen Lebensmotiven angetrieben und wenn man sich erlaubt, der eigenen Intuition zu folgen, weiß man tief drinnen, was man zur Zufriedenheit braucht – eigentlich. Denn oft genug wissen wir zwar, was uns gut tun würde, trauen uns aber mit den fadenscheinigsten Begründungen nicht, diese Dinge zu leben. Der Partner könnte beleidigt sein, die Kinder kann ich nicht zwei Stunden bei der Oma lassen, geht nicht weil meine Freundin nicht mitmacht usw. oder aber auch – ich traue mich ganz einfach nicht.

Es gehört tatsächlich ein Quäntchen Mut dazu, sich neuen Situationen oder gefühlten Herausforderungen zu stellen. Auf dem Weg zur Zufriedenheit brauchen wir höchstwahrscheinlich alle mehr oder weniger einen ersten, beherzten Schritt aus der eigenen Komfortzone in Richtung unseres persönlichen Ziels. Von ganz alleine, so ganz ohne eine kleine Anstrengung stellt sich wenig ein. Wie sagt der Volksmund so schön „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“. Ich glaube, daran ist etwas Wahres.

Am Ende eines Lebens werden wir sicher nicht die „Fehler“ bereuen, die wir beim Ausprobieren neuer Fähigkeiten oder unbekannter Situationen gemacht haben, wir werden uns viel eher über die Chancen ärgern, die wir haben ungenutzt verstreichen lassen. Aus Ängstlichkeit, aus Sorge zu scheitern und aus vielen anderen Gründen.

Als Psychologin schätze ich das Wort „Psychohygiene“ natürlich sowieso hoch ein und pflege diese auch selber so gut ich kann. Wenn ich mit Menschen darüber rede, was sie zufrieden und glücklich macht, sind die Antworten übrigens nicht die „dicken Dinger“, Reichtum, Designerklamotten, Ruhm o.ä., es sind viel eher die kleinen Schönheiten, die innerlich reich und zufrieden machen; Liebe, Gesundheit, schöne Momente mit der Familie, mit Freunden, den Tieren, Erlebnisse in der Natur und: Freude an dem, was man tut – das ist beinahe die wichtigste Antwort!
Natürlich ist es schön, genügend Geld zum Leben zu haben, aber Geld macht nicht zwangsläufig glücklich. Glück zu erleben, Zufriedenheit zu spüren, das schafft viel eher eine wirklich Sinn – stiftende Tätigkeit.
Oft wird natürlich auch die Wichtigkeit von Gesundheit für die eigene Zufriedenheit erwähnt und hier schließt ich der Kreis. Wer dafür sorgt, dass er sich wohl fühlt im Leben, in psychischer und körperlicher Hinsicht, hat beste Aussichten auf ein gesundes, langes und zufriedenes Leben, denn das Immunsystem ist im „Zufriedenheits-Modus“ deutlich weniger gestresst, der Stoffwechsel arbeitet perfekt, was wiederum gut fürs Figürchen ist.

Vielleicht sollten wir einfach immer mal wieder inne halten und uns fragen „Bin ich zufrieden?“ und wenn das nicht so ist, dann frag dich selber ohne zu meckern und an anderen herum zu nörgeln „Was fehlt mir dazu, was kann ich selber, ganz persönlich tun, um zufriedener zu sein?“

Wer sein Ziel kennt, kann es auch erreichen. In kleinen Schritten und mit Verbündeten geht viel mehr als man denkt. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt … sicher auch jene Reise zur eigenen Zufriedenheit.

Mein Lieblingsspruch dazu, der als Schildchen am Kühlschrank im Ferienhaus hängt:
„Unmöglich“, sagte die Tatsache. „Versuch es“, flüsterte der Traum.

Schöne zufriedene Woche noch!