Diese Woche war mal wieder ein Frisörbesuch fällig. Nachtönen, damit der Ansatz nicht ganz so deutlich verrät, wie es wirklich um die Farbe im Haar bestellt ist. Das gemeine am Älterwerden ist ja – unter Anderem-, dass man irgendwie im Laufe der Zeit an Buntheit verliert und der Körper sich allmählich auf so einen mausgraubeigegelblichen Farbton reduziert. Manchmal stelle ich mir das bildlich vor. Dann sehe ich hinter jedem älteren Menschen eine dünne Spur rinnender Farbe, die im Laufe der Jahre immer fahler wird. Wie eine Art platt gewordener Regenbogen, den das Sonnlicht einfach auflöst. Einfach so, als ob Farbe sich verbraucht im Leben. Irgendwann sind die Haare grau geworden, die Haut beige, die Zähne gelblich … also wirklich, da muss man gegen halten, finde ich. Und frische Farbe ins Haare zu bringen ist auch noch einfach.

Da saß ich also nun wieder einmal, einen schlammfarbenen, ökologisch verträglichem Turm aus Tönungspackung auf meinem Kopf und blätterte in einer Zeitschrift. Zunächst fiel mir auf, dass ich bald mal wieder meine Lieblingsoptikerin besuchen muss, denn die alte billig-Brille, die für gewöhnlich im Auto liegt und die für den Frisörbesuch immer herhalten muss, falls etwas Farbe an die falsche Stelle geraten sollte, tat es nicht mehr zu 100 Prozent. Also, die Brille schon, aber meine Äuglein dahinter brauchen wohl mal wieder Unterstützung. Komisch oder? Irgendwie altert man immer in Schüben. Nicht genug, dass ich mittlerweile an so manchem Abend in der Woche ein bisschen Gymnastik machen muss, um meine körperlichen Zipperlein mit Entspannung und Dehnung zu gutem Schlaf zu überreden, nein, auch die Sicht ändert sich. Gott hab Dank ändert sich diese Sicht hin und wieder auch im Hinblick AUF die Dinge. So mancher Blick in die Welt wird im Laufe der Zeit ja wirklich milder, mitfühlender, verzeihlicher, gütiger – hin und wieder gelingt mir das auch mit dem Blick auf mich selber, also hielt ich die Zeitschrift einfach mit etwas mehr Abstand zwischen Hand und Äuglein. Ging hervorragend.
Und diesmal lohnte sich, was ich zum Lesen fand.

In einer der ausliegenden Frauenzeitschriften ging es ausnahmsweise einmal um Geschichten und Begebenheiten, die glücklich machen. DAS kann man immer gebrauchen, sicherlich ganz besonders in Zeiten, in denen uns die Drohungen des Weltuntergangs schon beim Frühstück aus der Headline der Nachrichten entgegen springen.

Beispiele aus diesem wunderbaren Artikel: Eine Geschichte über einen Buchladen in Südengland, der wegen steigender Mietpreise geschlossen werden sollte – und das haben die Kunden verhindert. Sie haben ihn gerettet!
Oder der Bericht über einen Chip, der Tierversuche ersetzt! Mein Herz hat gejubelt, als ich das gelesen habe. Im Dresdener Frauenhofer Institut haben clevere und mitfühlende Ingenieure so etwas entwickelt und an der Uniklinik wird es bereits eingesetzt. Danke, ihr Engel!
Die Geschichte über die Flasche, die aus Müll besteht. Die über die Wildblumen, die Pestizide ersetzen. Und die über Superhelden, die kranken Kindern Glück bringen. Also bei der musste ich heftig schlucken, denn hier wurde darüber berichtet, dass sich Seiltechniker der Polizei und Feuerwehr in Wien als Spiderman oder Batman verkleidet haben und an der Fassade der Kinderklinik herabgeklettert sind, um die Kinder zu überraschen, die sich unendlich darüber gefreut haben. Was für eine herzerwärmende Aktion. Bitte mehr davon!

Und zum Schluss stand da noch dieses Zitat von Christa Wolf, dass das Motto für all diese Geschichten sein könnte, die ich heute lesen durfte:

„Einmal im Leben, zur rechten Zeit,
sollte man an das Unmögliche geglaubt haben.“

Diejenigen, die diese schönen Geschichten möglich gemacht haben, die ich gerade erwähnt habe, haben das sicherlich getan – und; was noch viel besser ist: Sie haben es WAHR GEMACHT, das Unmögliche wurde Realität!
Schön, dass man sagen kann: Manchmal wird das Unmögliche möglich, oder?
Da denke ich automatisch immer an die Hummel. Sie kann rein rechnerisch nicht fliegen. Sie weiß es nur nicht. Sie fliegt einfach.

Schöne bunte Hummelwoche noch!