Kathrin Reitz schreibt

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Monat: August 2019

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 25.August 2019

In der zurückliegenden Woche habe ich einen dieser Tage erlebt, den man wohl ohne zu übertreiben „gebraucht“ nennen darf. An diesem Tag hat nämlich nichts, aber auch gar nichts geklappt. Dabei war meine Mission ganz simpel: Online das ein oder andere zu bestellen.
Als erstes waren ein paar Raff-Gardinen dran. Dafür habe ich über eine Stunde lang die verschiedensten Maße eingegeben, also „konfiguriert“, damit die Dinger auch perfekt passen. Alles erledigt, voller tiefer Befriedigung auf „Bestellung absenden“ klicken. Ein genüßlicher Seufzer folgte, der mir allerdings geradezu im Halse stecken blieb. Auf meinem Bildschirm erschienen nämlich folgende Worte: „Keine Bestellung vorhanden“.

Wie bitte? Ich habe doch gerade alles eingegeben. ALLES! MÜHSAMST!! Haaaaaarg.

Na gut, nicht verzagen, tief durchatmen, kann ja mal passieren. Weiter machen. Aufgeben war keine Option. Bei einem meiner Lieblingsmöbelläden mit Namen „Maison du Monde“ (die ein oder andere von Euch weiß genau, welchen Laden ich meine) hatte ich zufällig gesehen, dass jener Wäscheschrank wieder im Angebot war, mit dem ich geliebäugelt hatte. Größe und Preis-Leistungsverhältnis stimmten. Prima! Also: Bestellt.
Dachte ich jedenfalls. Denn was passierte, als ich diesmal auf „Kaufen“ klickte?

Wie aus dem Nichts erschien quasi zeitgleich zu meinem Klick der winzige Zusatz „Vergriffen“.
Bitte WAS?
Die Länge des Wimpernschlages einer Eintagsfliege mag das gewesen sein, nicht mal eine Nasenlänge, nein eine Hunderttausendstelsekunde zuvor soll mir jemand dieses aller letzte Ding noch weggeschnappt haben???
Wäre das ein Hundertmeterrennen gewesen mit dem Titel „Kathrin gegen den Rest der Onlinewelt“ , ehrlich, ohne Kamera beim „Zielklick“ wäre niemals zu erkennen gewesen, ob da vielleicht jemand schneller gewesen sein soll als ich.
Aber ich hatte verloren. So oder so. Den Klick und den Schrank. Wie enttäuschend! Meine Haltung passte sich meinem Gemütszustand sofort an, ich wusste nicht, dass ich vor lauter Enttäuschung so krumm sitzen kann wie ich das in dieser Minute mühelos konnte.
Nach wenigen Minuten zog ein leichter Groll in mir auf, dem ein inneres Wutgewitter folgte. Dämlich, wieviel wertvolle Zeit ich gerade nutz- und ergebnislos vertan hatte.
Mehr als ärgerlich. Keine Gardinen, kein Wäscheschrank. Nicht mal ein Ansprechpartner, den man hätte ordentlich beschimpfen können. Nichts und niemand da, DOPPELHAAAARRG.

Dafür war ich aber nun deutlich übermotiviert, jetzt wenigstens die richtige „Sauberlaufmatte“ fürs Ferienhaus am Meer zu erstehen, die wegen der Sandfüße und Pfoten unbedingt noch rein soll. Für die Breite des Flures musste ich sie allerdings auf Maß bestellen. Okay. Kein Problem, das sollte jetzt funktionieren. Nach diversen Suchereien habe ich tatsächlich zügig eine Schmutzmatte gefunden, die gefiel. Aber es war noch immer dieser gebrauchte Tag …

Man muss ja nun nicht glauben, dass die doofe Einstellung die ungewöhnlichen Maße akzeptiert hätte, die ich eingegeben habe. Unfassbar. Immer, wenn ich brav 120 cm eingetippt hatte, sprang sie zurück auf 100 cm. Wie ein Trotzkind mit viel Energie und noch mehr Sturheit. Unmöglich!

Ein Zweikampf entspann sich, leise aber mit wachsendem Groll und Wutgeschnaube meinerseits.
120cm. Zack 100 cm.
Nochmal.120cm. Zack 100 cm.
Ein bisschen zögern. Luft anhalten, quasi Online-Anlauf nehmen und …. ganz schnell tippen. 120 cm. Zack 100 cm.

Was immer ich auch gemacht habe, es hat einfach nicht funktioniert und das war der Moment, in dem Aufgeben auf einmal doch eine Option wurde.
All meine Geduld war weg. Aufgebraucht, verschluckt vom schwarzen Loch im Online-All. Einfach genug, ich konnte nicht mehr, die Onlinewelt hatte sich komplett gegen mich verschworen.
Da saß ich nun noch immer sauer am PC und kochte in meiner Wut. Was mir in solchen Situationen hilft um runterzukommen? Geht mir an dieser adrenalingeladenen Stelle weg mit Psychokram wie Entspannung, Atmung, Klangschalen oder Affirmationen oder so. DAS erzähle ich auch immer, vorrangig anderen Menschen. Dafür isses an so einer Stelle aber echt zu spät!!!! Das hätte man früher einsetzen müssen. Viel früher.

ABER immerhin habe ich meine eigene Methode, eine Art Geheimtipp, denn auch hier gilt, Aufgeben ist (erstmal) keine Option: Ich gucke mir im Zustand solcher „Ausweglos-in-die-Einbahnstraße-gelaufene-Emotion“ auf YouTube Videos an, die mich zum Lachen bringen.
Ich LIEBE es zu lachen, diesen Kitzel im Hals, wenn man sich bemühen muss ernst zu bleiben und schon weiß: klappt sowieso nicht. Dann kippt der heilige Zorn schlichtweg hintenüber. Liebe Leute, DAS baut Stress ab vom Feinsten. Kann ich wärmstens empfehlen.
In den weit zurückliegenden Jahren als Schülerin bin ich mehrfach des Klassenzimmers verwiesen worden, weil ich zu viel gelacht habe. Also mehrfach in einem Schuljahr, um das klar zu stellen. Lachkicks waren die Würze meiner Schulzeit. Einfach herrlich, wenn man so losprusten muss. Okay, nicht für alle. Aber ich liebe das.
Für meine Verfassung an diesem „gebrauchten Tag“ habe ich mir ein Video der humorvollen Tanztruppe „Les Ballets Trocadero de Monte Carlo“ rausgesucht. Männer, die mit beachtlicher Technik klassisches Ballett in Spitzenschuhen tanzen, wirklich wahr. Auf Spitze! Sie sind einfach genial, aber am besten ist immer der jeweilige Gesichtsausdruck gepaart mit einer sensationellen Situationskomik, umwerfend! Ich liebe Ballett, habe selber lange getanzt und tue es sogar noch immer „altersentsprechend“, nämlich in der mitreißenden Senioreneinheit der Ballettschule Freudensprung unter unserem Senior-Cheftrainer Herrn Müller. Eigentlich als „Graue Schwäne“ tituliert haben wir uns mittlerweile durch die hervorragende Idee von Mittänzerin Andrea als „betreutes Tanzprojekt“ umgetauft, weil wir uns die winzigen Choreographien von Woche zu Woche nicht mehr merken können und unsere Kondition jetzt auch nicht mehr sooo dolle ist … aber Spaß haben wir ohne Ende und Lachen ist Pflicht.
Ballett, Modern Dance und Jazzdance in jugendlicher Perfektion, das ist einfach eine Augenweide. Als ältere eingebürgerte Aachenerin denke ich allerdings schonmal „au Banan“, wenn ich unsere Whatsapp-Filmchen, die wir als Erinnerungsstütze machen müssen, hinterher mit Brille betrachte und mich da hüppeln sehe. Ohne Brille sieht das noch ganz nett aus, scharf gestellt ähnelt es oft nur noch im Entferntesten jenem perfekten klassischem Tanz der Jugend, fühlt sich in der Bewegung aber einfach himmlisch an und diese Freude ist das Wichtigste. Allerdings sollte Frau (und Mann, wenn er tanzt) realistisch bleiben, das Netz ist voller Filmchen der besten Tänzerinnen und Tänzer dieses Planeten und die sind immer ziemlich jung. Herrlich ist das für die Augen, ästhetische Körper-Kunst, Körperbeherrschung, für mich die höchstmögliche Schönheit von Bewegung schlechthin. Also zumindest immer dann, wenn es eben wirklich perfekt ausgeführt wird. Und bei Gott – ich sage es nochmal- ich weiß, wie schwer alle diese Bewegung sind. Aber manchmal, wenn der Ehrgeiz so mancher Tänzerin die eigenen Möglichkeiten bei weitem überschreitet und eine ungewollte Komik durch eine gewisse, überernste Verbissenheit in Kombination mit einem geradezu tragischen Minenspiel entsteht, dann ist das eher lustig als schön, da wünsche ich mir ein bisschen mehr „Tanz-Humor“. Unperfekte Linien oder unperfekte Bewegungen sehen nunmal nicht schön aus … Ausnahme sind diese Jungs vom „Les Ballets Trocadero de Monte Carlo“. Da passt das und da wartet man beim Zusehen regelrecht auf einen Ausrutscher. Und wird selten enttäuscht.
Swan Lake Ballet Parody, die kleinen Schwäne. Eine Minute sechsunddreißig. Vier gut trainierte männliche Körper reingezwängt ins Trikötchen mit Tüllrock, dicke Waden über den Spitzenschuhen, Muskelpakete an den Armen, alles ein bisschen schräg irgendwie aber klasse Tempo und irre Technik. Ausrutscher garantiert, kommt prompt. Genauso prompt muss ich lachen, einfach so.
Meine Laune: schnell wieder bestens. Jetzt noch eben die Parodie des sterbenden Schwans der Truppe hinterher geschoben, in der der Tänzer in einem Tutu auf die Bühne stakst, das ständig Federn verliert, der Schwan quasi in der Mauser ist … Attacke auf mein Zwerchfell. Herrlich. Durchatmen, Lachtränen wegtupfen. Tief durchatmen.

Ok. Ich habe nicht bekommen was ich bestellen wollte, vielleicht sollte die Lektion ja heißen „Geh in die Läden, du faule Socke“. Kann ich ja morgen mal probieren, aber jetzt muss ich noch ein bisschen weiter gucken.
Mit Humor geht wirklich alles besser, das gilt erst recht für gebrauchte Tage.

Eine schöne humorvolle Woche noch!

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Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 18. August 2019

Einmal im Monat bekomme ich per Email von der Aachener Hautarztpraxis Dr. Rösner und Dr. Höller Obrigkeit, die ich regelmäßig zum vorsorglichen Hautscreening besuche, einen sogenannten Gesundheitsbrief. Ich muss sagen, der ist richtig gut und zeigt Studien oder neue Forschungsberichte zu allen möglichen Gesundheitsthemen auf. Das lässt der Name ja schon vermuten.
In der Augustausgabe gab es einen Beitrag, der mich in positiver Hinsicht sehr nachdenklich gemacht hat. Die Titelzeile „Ein längeres Leben durch einen erfüllten Lebenssinn“ klingt jetzt erstmal unspektakulär und vielleicht auch ein bisschen langweilig, der Hintergrund ist aber aus meiner Sicht ein paar Gedanken wert.

Zitate aus dem Artikel:
„Sich psychisch und körperlich wohlfühlen ist ein wichtiger Grundgedanke für ein gesundes, langes Leben. Wie bedeutend dabei die sogenannte Psychohygiene, also die Pflege des psychischen Wohlbefindens ist, zeigt das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie. Es sagt aus, dass Menschen, die ihr Leben als sinnvoll und ausreichend selbstbestimmt empfinden, in der Regel auch von einem längeren Leben profitieren. … Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die Tatsache einer vorwiegenden Zufriedenheit über das eigene Leben mit einem grundlegendem psychischen Wohlgefühl dazu führt, dass die betreffenden Personen stressunempfindlicher sind und von einem gesünderen Immunsystem profitieren, welches besser gewappnet ist gegen entzündungsfördernde und krankmachende Einflüsse. (Alimujiang, A. et al. ;Association Between Life Purpose and Mortality Among US Adults Older Than 50 Years; JAMA Netw Open 5/2019; 2(5): 194270.) “

Die zwei kleinen Worte “vorwiegende Zufriedenheit“ über das eigene Leben haben es dabei besonders in sich, finde ich. Aus eigener Erfahrung kann sicher jede und jeder für sich bestätigen, wie gut es ihr oder ihm in zufriedenen Lebensphasen gegangen ist. Im Umkehrschluss bedeutet es natürlich: Unzufriedenheit macht nicht nur unglücklich sondern möglicherweise auch noch krank.

Wie werden wir denn nun aber zufrieden? Was füllt uns auch, macht glücklich?
Die Antwort dürfte so individuell ausfallen wie die Persönlichkeit eines jeden Menschen ist. Jeder Mensch wird von seinen ureigenen Lebensmotiven angetrieben und wenn man sich erlaubt, der eigenen Intuition zu folgen, weiß man tief drinnen, was man zur Zufriedenheit braucht – eigentlich. Denn oft genug wissen wir zwar, was uns gut tun würde, trauen uns aber mit den fadenscheinigsten Begründungen nicht, diese Dinge zu leben. Der Partner könnte beleidigt sein, die Kinder kann ich nicht zwei Stunden bei der Oma lassen, geht nicht weil meine Freundin nicht mitmacht usw. oder aber auch – ich traue mich ganz einfach nicht.

Es gehört tatsächlich ein Quäntchen Mut dazu, sich neuen Situationen oder gefühlten Herausforderungen zu stellen. Auf dem Weg zur Zufriedenheit brauchen wir höchstwahrscheinlich alle mehr oder weniger einen ersten, beherzten Schritt aus der eigenen Komfortzone in Richtung unseres persönlichen Ziels. Von ganz alleine, so ganz ohne eine kleine Anstrengung stellt sich wenig ein. Wie sagt der Volksmund so schön „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“. Ich glaube, daran ist etwas Wahres.

Am Ende eines Lebens werden wir sicher nicht die „Fehler“ bereuen, die wir beim Ausprobieren neuer Fähigkeiten oder unbekannter Situationen gemacht haben, wir werden uns viel eher über die Chancen ärgern, die wir haben ungenutzt verstreichen lassen. Aus Ängstlichkeit, aus Sorge zu scheitern und aus vielen anderen Gründen.

Als Psychologin schätze ich das Wort „Psychohygiene“ natürlich sowieso hoch ein und pflege diese auch selber so gut ich kann. Wenn ich mit Menschen darüber rede, was sie zufrieden und glücklich macht, sind die Antworten übrigens nicht die „dicken Dinger“, Reichtum, Designerklamotten, Ruhm o.ä., es sind viel eher die kleinen Schönheiten, die innerlich reich und zufrieden machen; Liebe, Gesundheit, schöne Momente mit der Familie, mit Freunden, den Tieren, Erlebnisse in der Natur und: Freude an dem, was man tut – das ist beinahe die wichtigste Antwort!
Natürlich ist es schön, genügend Geld zum Leben zu haben, aber Geld macht nicht zwangsläufig glücklich. Glück zu erleben, Zufriedenheit zu spüren, das schafft viel eher eine wirklich Sinn – stiftende Tätigkeit.
Oft wird natürlich auch die Wichtigkeit von Gesundheit für die eigene Zufriedenheit erwähnt und hier schließt ich der Kreis. Wer dafür sorgt, dass er sich wohl fühlt im Leben, in psychischer und körperlicher Hinsicht, hat beste Aussichten auf ein gesundes, langes und zufriedenes Leben, denn das Immunsystem ist im „Zufriedenheits-Modus“ deutlich weniger gestresst, der Stoffwechsel arbeitet perfekt, was wiederum gut fürs Figürchen ist.

Vielleicht sollten wir einfach immer mal wieder inne halten und uns fragen „Bin ich zufrieden?“ und wenn das nicht so ist, dann frag dich selber ohne zu meckern und an anderen herum zu nörgeln „Was fehlt mir dazu, was kann ich selber, ganz persönlich tun, um zufriedener zu sein?“

Wer sein Ziel kennt, kann es auch erreichen. In kleinen Schritten und mit Verbündeten geht viel mehr als man denkt. Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt … sicher auch jene Reise zur eigenen Zufriedenheit.

Mein Lieblingsspruch dazu, der als Schildchen am Kühlschrank im Ferienhaus hängt:
„Unmöglich“, sagte die Tatsache. „Versuch es“, flüsterte der Traum.

Schöne zufriedene Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 11. August 2019

Diese Woche war mal wieder ein Frisörbesuch fällig. Nachtönen, damit der Ansatz nicht ganz so deutlich verrät, wie es wirklich um die Farbe im Haar bestellt ist. Das gemeine am Älterwerden ist ja – unter Anderem-, dass man irgendwie im Laufe der Zeit an Buntheit verliert und der Körper sich allmählich auf so einen mausgraubeigegelblichen Farbton reduziert. Manchmal stelle ich mir das bildlich vor. Dann sehe ich hinter jedem älteren Menschen eine dünne Spur rinnender Farbe, die im Laufe der Jahre immer fahler wird. Wie eine Art platt gewordener Regenbogen, den das Sonnlicht einfach auflöst. Einfach so, als ob Farbe sich verbraucht im Leben. Irgendwann sind die Haare grau geworden, die Haut beige, die Zähne gelblich … also wirklich, da muss man gegen halten, finde ich. Und frische Farbe ins Haare zu bringen ist auch noch einfach.

Da saß ich also nun wieder einmal, einen schlammfarbenen, ökologisch verträglichem Turm aus Tönungspackung auf meinem Kopf und blätterte in einer Zeitschrift. Zunächst fiel mir auf, dass ich bald mal wieder meine Lieblingsoptikerin besuchen muss, denn die alte billig-Brille, die für gewöhnlich im Auto liegt und die für den Frisörbesuch immer herhalten muss, falls etwas Farbe an die falsche Stelle geraten sollte, tat es nicht mehr zu 100 Prozent. Also, die Brille schon, aber meine Äuglein dahinter brauchen wohl mal wieder Unterstützung. Komisch oder? Irgendwie altert man immer in Schüben. Nicht genug, dass ich mittlerweile an so manchem Abend in der Woche ein bisschen Gymnastik machen muss, um meine körperlichen Zipperlein mit Entspannung und Dehnung zu gutem Schlaf zu überreden, nein, auch die Sicht ändert sich. Gott hab Dank ändert sich diese Sicht hin und wieder auch im Hinblick AUF die Dinge. So mancher Blick in die Welt wird im Laufe der Zeit ja wirklich milder, mitfühlender, verzeihlicher, gütiger – hin und wieder gelingt mir das auch mit dem Blick auf mich selber, also hielt ich die Zeitschrift einfach mit etwas mehr Abstand zwischen Hand und Äuglein. Ging hervorragend.
Und diesmal lohnte sich, was ich zum Lesen fand.

In einer der ausliegenden Frauenzeitschriften ging es ausnahmsweise einmal um Geschichten und Begebenheiten, die glücklich machen. DAS kann man immer gebrauchen, sicherlich ganz besonders in Zeiten, in denen uns die Drohungen des Weltuntergangs schon beim Frühstück aus der Headline der Nachrichten entgegen springen.

Beispiele aus diesem wunderbaren Artikel: Eine Geschichte über einen Buchladen in Südengland, der wegen steigender Mietpreise geschlossen werden sollte – und das haben die Kunden verhindert. Sie haben ihn gerettet!
Oder der Bericht über einen Chip, der Tierversuche ersetzt! Mein Herz hat gejubelt, als ich das gelesen habe. Im Dresdener Frauenhofer Institut haben clevere und mitfühlende Ingenieure so etwas entwickelt und an der Uniklinik wird es bereits eingesetzt. Danke, ihr Engel!
Die Geschichte über die Flasche, die aus Müll besteht. Die über die Wildblumen, die Pestizide ersetzen. Und die über Superhelden, die kranken Kindern Glück bringen. Also bei der musste ich heftig schlucken, denn hier wurde darüber berichtet, dass sich Seiltechniker der Polizei und Feuerwehr in Wien als Spiderman oder Batman verkleidet haben und an der Fassade der Kinderklinik herabgeklettert sind, um die Kinder zu überraschen, die sich unendlich darüber gefreut haben. Was für eine herzerwärmende Aktion. Bitte mehr davon!

Und zum Schluss stand da noch dieses Zitat von Christa Wolf, dass das Motto für all diese Geschichten sein könnte, die ich heute lesen durfte:

„Einmal im Leben, zur rechten Zeit,
sollte man an das Unmögliche geglaubt haben.“

Diejenigen, die diese schönen Geschichten möglich gemacht haben, die ich gerade erwähnt habe, haben das sicherlich getan – und; was noch viel besser ist: Sie haben es WAHR GEMACHT, das Unmögliche wurde Realität!
Schön, dass man sagen kann: Manchmal wird das Unmögliche möglich, oder?
Da denke ich automatisch immer an die Hummel. Sie kann rein rechnerisch nicht fliegen. Sie weiß es nur nicht. Sie fliegt einfach.

Schöne bunte Hummelwoche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 4. August 2019

Leute, ich wünsche mir Kennzeichen für Fahrradfahrer. Und damit mich niemand falsch versteht: ich liebe es selber, Fahrrad zu fahren, ich mag die Vielfalt an lustigen Fahrradmodellen, die mittlerweile zu bewundern sind und ich mag Radfahrer im Allgemeinen, jedenfalls die 90 %, die sich an Regeln halten. Die anderen 10 %, die sich gebärden, als gehöre ihnen die Straße, auch was rede ich, der Gehweg, die Einkaufsstraße, alle Straßen in beide Richtungen und natürlich sowieso der Wald, die mag ich gar nicht.

Lasst uns doch eine Sekunde mal überlegen, wie das wäre, wenn gut 10 % ALLER anderen Verkehrsteilnehmer das auch so machen würden: Autos fahren über Gehwege, durch die Einkaufsstraßen und Fußgängerzonen und natürlich in den Einbahnstraßen falsch herum, durch den Wald bis sie stecken bleiben oder die Bäume nachgeben müssen. Dazwischen hätten wir dann noch Fußgänger, die auf den Autobahnen wie bei LALA Land über die Autos tanzen und wie die Ameisen herumwuseln … das wäre innerhalb von Sekunden ein Massaker.

Um genau so etwas zu vermeiden, gibt es in einer Gesellschaft Regeln. Also:
Warum geht das bei Fahrradfahrern? Wieso dürfen sie das?

Ich habe mir neulich auf meinem Weg ins Frankenberger Viertel in meinem Auto sitzend tatsächlich erlaubt, eine Fahrradfahrerin anzuhupen, die MITTEN auf der Eupener Straße Richtung Stadt fuhr. Langsam. Mit Kopfhörern auf den Ohren. Diese Straße wird von LKWs und Bussen und eben jenen PKWs benutzt, für die sie da ist. Und da das gefährlich ist, gibt es ZU BEIDEN Seiten Radwege.
ZU BEIDEN SEITEN.
Ich musste ob des Gegenverkehrs und des drömeligen Tempos dieser Dame derart abbremsen, um sie nicht auf die Hörner zu nehmen (denn man ist ja als böser Autofahrer auch noch Schuld, wenn etwas passiert – und zwar immer!!!), dass meine Geduld ganz plötzlich ganz doll erschöpft war. Sie bekam ein kostenloses, aber furioses Hupkonzert um die Ohren, erschrak sich massiv und motzte noch massiver. Meine Geduld hatte aber noch Munition, also auf gleiche Höhe fahren, Scheibe runter und dann die Info rüberbrüllen, dass es einen Radweg gibt. NEBEN der Straße. Direkt neben der Straße. Für Radfahrer. Auf beiden Seiten.
Bei der nächsten Möglichkeit ist sie tatsächlich kleinlaut auf den Radweg gefahren.
Immerhin.
Lebensmüde und motzig, vielleicht auch innerlich substanzverseucht, aber lernfähig. Im Rückspiegel gab es einen Like für mich aus dem hinter mir fahrenden SUV, der mir noch an der Ampel mit Daumen hoch Beifall spendete. Nicht nötig, aber nett irgendwie. Ein Leidensgenosse.
Eigentlich wäre alles so einfach, wenn alle ein bisschen Rücksicht nehmen würden – übrigens auch die 10% der Autofahrer, die auf Radwegen parken und es ihrerseits den Zweirädern im Straßenverkehr schwer machen. Wäre echt nett, ist aber wohl ein bisschen zu optimistisch gedacht.

Allerdings sollten sich jene bockigen Zweiradfahrer klar machen, dass sie viel zu verlieren haben – ein Leben. Ihr eigenes Leben. Nicht mehr und nicht weniger. Meines wäre mir zu schade, es ist schön und ich hüte es gut, es ist mir viel, viel zu schade, um es vor irgendein fremdes Auto zu werfen und im Himmel dann stolz aber dümmlich zu verkünden „Dem habe ich es aber gezeigt! Bin mitten auf der Straße gefahren!“.

Wenn ihr also nix zu verlieren habt, bitte. Aber schont die anderen 90 %, die einfach in Ruhe und auch noch weiterhin lang und glücklich rücksichtsvoll ihr Leben leben möchten. Bitte!!!!!!

Schöne Woche noch, fahrt vorsichtig!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 28. Juli 2019

Zwischen dieser und der letzten Kolumne liegen genau zwei Wochen: Eigentlich wollte ich schon am Samstag dem 13. Juli für Sonntag den 14. Juli eine Kolumne für Silly, meine Yogatrainerkollegin, @yogisilly bei @meinpilates-aachen einstellen, nachdem sie mich mit ihren Instagram Beitrag extrem berührt hatte. Leider bin ich tags zuvor ins neue Ferienheim nach Belgien gereist, wo auch gleich das Internet angeschlossen werden sollte, also kein Problem, der Text war ja geschrieben, alles bestens vorbereitet. Dachte ich. Aber das kam dann doch ein bisschen anders als erwartet …und zog und zog und zog sich. Auch nach mehreren Tagen zeigte sich die Lage aussichtslos: Denn nach nur drei Anläufen mit zwei (falschen) Kabeln und zwei unfähigen Mitarbeitern, deren erfolglose Besuche vor Ort jeweils neue telefonische Absprachen nach sich zogen, weil ihre Gesellschaft nur Spezialisten hat, die die Termine machen, habe ich resigniert. Es ist mir auch nicht gelungen, meinen Text auf andere Weise einzustellen, ich bin halt ein voll- DAU (dümmster anzunehmender User). Mitarbeiter Nummer drei hat mir bei seinem -ebenfalls erfolglosen- Besuch vor drei Tagen dann das richtige Kabel geschenkt, da meine wachsende Verzweiflung wohl doch nicht mehr zu übersehen war. Eine Wutrede meines Gatten am Telefon mit den entsprechenden Mitarbeitern, die uns wegen der Sommerferien einen neuen Termin für den 9. Oktober (!!!!!!!!!!!!!!!!) für den Anschluss geben wollten, hat dann irgendwie gewirkt. Am späten Nachmittag des 25. Juli 2019 erschien Mitarbeiter Nummer Vier. Für die Installation. Eine Stunde später:
Wir sind drin. Ein kleiner Schritt für den Menschen …

So, nun geht es also endlich doch um deinen Text, meine liebe Silly, den du am 12. Juli in deinen Instagram Account gestellt hast. Du bedankst dich darin bei deinen Weggefährtinnen, die dich durch die Zeit der Wechseljahre begleiten. Besonders dafür, dass diese dir kleine aber in der Wirkung großartig heilsame Impulse geben und dich lehren, den Körper mit all seinen Symptomen und Problemen zu akzeptieren und zu lieben statt in die Falle der Selbstoptimierung zu tappen. Du sprichst offen an, was viele von uns Frauen erleben, wenn sie durch die Wechseljahre gehen, das hat mich einfach tief berührt und deswegen habe ich beschlossen, etwas dazu zu schreiben.
Warum? Weil ich diese Falle der Selbstoptimierung nur allzu gut kenne. Ich war nie eines jener süßen, kleinen und schlanken Mädchen, die in dem Bewusstsein aufwachsen dürfen, hübsch zu sein. Das Geld war knapp, Anziehsachen wurden genäht, dafür gab es Liebe satt, was ja nun auch viel wichtiger war. Trotzdem bin ich lange Zeit ziemlich anfällig für diese Falle gewesen, von der du schreibst.
Wenn ich aber heute, aus der Sicht der „gereiften“ Frau, auf mein jüngeres Ich in verschiedenen Lebensphasen zurück schaue, denke ich oft „Mensch, was hast du deine Zeit verschwendet mit den ganzen Selbstzweifeln, du hättest einfach akzeptieren sollen was eh nicht zu ändern war.“ Aber so einfach war das damals eben nicht.
Heute ist das anders, was ich mit tiefer Dankbarkeit erlebe. Diese wechselvollen Jahre voller Veränderungen liegen schon hinter mir und ich verstehe sehr gut, wovon du sprichst.
Liebe Silly. vieles ändert sich in diesen Jahren, manches sorgt und ängstigt einen und es ist großartig, wenn man in diesen Zeiten Wegbegleiterinnen um sich hat, die „Frau“ zur Seite stehen, die unterstützen und uns helfen, den Körper noch besser zu verstehen.
Der Körper ist sinnbildlich das Haus, in dem unsere Seele wohnt – und etwas salopp gesprochen- ist es nur allzu verständlich, dass wir nicht in einer Bruchbude hausen wollen, in der es hin und wieder durchregnet, die Fassade zu bröckeln beginnt, das farblos gewordene Dach immer wieder gestrichen werden muss und die Stützpfeiler dauernd eingeschmiert oder sogar erneuert werden müssen. Wo früher für die Optik der Hauch eines Schönheitsanstrich genügte, muss heute der Stuckateur ran und selbst diese Maßnahme ist nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt. Ganz zu schweigen von unseren allumfassenden Sorgen und Ängsten, wie lange das ganze Gemäuer denn überhaupt noch so durchhalten wird. Wer möchte schon wohnen? Eben. Kaum jemand. Die Sache ist nur die, wir können weder ausziehen noch kündigen oder neu bauen. Geht nicht. Da hilft nur, die eigene Sichtweise genau unter die Lupe zu nehmen. Mag sein, dass ich in einem alten Haus mit morschen Ecken und erschlaffter Außen-Isolierung lebe. Aber es ist MEIN Haus. Eines, das sich meinem Leben und meinen Seelenaufgaben angepaßt hat, das genau richtig für mich ist, egal was es kann, egal wie es gebaut ist. Und gab es neben den schlimmen Lebenserdbeben, die einfach nur durchgestanden werden mussten, nicht auch manch herrliche Zeit in diesem Haus, in der es nur so strahlte in seinem Glanz? Durchfeierte Partys in allen Räumen? Wahrscheinlich schon, oder? Was aber auch immer geschehen ist, es ist und bleibt unser Haus. Vielleicht kommt es darauf an, dass wir es mit Liebe betrachten und akzeptieren wie es eben gebaut ist. So und nicht anders.
Liebe Silly, du schreibst so schön, dass du den Hinweis bekommen hast, man soll dem Körper danken, dass er so perfekt funktioniert, anstatt gegen ihn zu kämpfen. Ich finde, das ist der einzig richtige Weg. Akzeptanz statt Optimierung mit einem liebevollen Blick auf das unperfekte, das uns ausmacht, uns unsere Persönlichkeit verleiht. Und letztlich sind es doch unsere Macken, Makel und Eigenheiten, die uns ausmachen, oder?
In meinem jetzigen Alter bin ich diesem „alten Haus“ gegenüber viel gnädiger geworden, freue mich über alles, was geht und genieße viel intensiver. Das ist eben das Gute an diesen Wechseljahren – man darf auch die Perspektive wechseln und die alte Pracht in ihrer Schönheit genießen …

Außerdem stimmt es schon, dass wahre Schönheit von innen kommt, finde ich. Wer kann sich schon dem heimeligen Charme eines gemütlichen, hell erleuchteten Hauses an einem dunklen Novemberabend entziehen? Also ich nicht … und mein besonders „leuchtendes“ Vorbild ist die -in meinen Augen regelrecht strahlende- 100 jährige, fitte, schöne, wunderbare Yoga-Lehrerin Tao Porchon-Lynch, @taoporchonlynch100.

So lange unsere Körper uns ermöglichen, Yoga und Pilates zu machen, ist doch alles bestens. Auch wenn´s manchmal knirscht und zwickt. Es bewegt uns und das ist schön!
Liebe Silly, ich danke dir für deine Ehrlichkeit, den Mut die Dinge zu benennen wie sie sind und für deine Inspiration und dein „mich bewegen“ in dieser Hinsicht. Für die körperliche Bewegung habe ich Yoga- Stunden bei dir gebucht.
Schön, dass es dich gibt – so wie du bist.

Schöne -bewegte- Woche noch!

Schreibschwesters Kolumne zum Sonntag, 7. Juli 2019

In dieser Woche habe ich mir Gedanken über alle möglichen Berufe und ihre Spezialisierungen gemacht. In jedem nur erdenklichen Berufsfeld gibt es Fachrichtungen. Es gibt Fachärzte, Fachanwälte, hochspezialisierte Ingenieure für ganz besondere Bereiche, Lehrer werden nach der Schulform ausgebildet an der sie tätig sind, Kinder- und Jugendpsychologen sind fast schon zwei Berufe, es gibt Möbel- und Industrieschreiner, Krankenschwestern mit unterschiedlichstem Wissen für die verschiedenen Stationen und den OP, ganz verschiedene Gewerke am Bau, Spezialisten im Management, der Computerbrache, im Design, Grafik, bei den Gärtnern, Floristen und so weiter und so fort. Die Liste ist beliebig. In allen Berufen die ich kenne braucht man spezielles Wissen für das entsprechende Fachgebiet und kann nicht einfach so das Aufgabengebiet eines Kollegen übernehmen, geschweige denn einfach so in eine andere Branche wechseln. Und dann lese ich in der Zeitung:

Ursula von der Leyen soll EU-Kommissionspräsidentin werden, damit würde ein Platz im Kabinett frei. Wer könnte ihr nachfolgen?

Die Personalie Von der Leyen ist an dieser Stelle ohne Bedeutung, einfach nur stellvertretend für dieses Job-Karussell, das in der Politik üblich ist.
WIE geht das eigentlich, dass ein Politiker einfach so den Posten eines anderen übernimmt?
Können die denn alles oder tun die nur so?
Haben die eine Harry Potter ähnliche Ausbildung durchlaufen, können hexen und zaubern?
Sind die jetzt die „Eier-legenden-Woll-Milch-Säue“ oder grandiose Mogelpackungen?

Ich verstehe das nicht. Wirklich nicht. Ich verstehe auch die Sprache der Politiker oft nicht, denn sie antworten selten auf die Frage, die man ihnen stellt. Während meines Studiums haben wir mal aus Spaß genau diese Politik typische Sprache analysiert. Fazit: Was die reden, ist eine Tranceinduktion. Die quatschen einen oft derart zu, dass das Gehirn den Inhalt, der ja keiner ist, nicht mehr zuordnen kann und in eine leichte Trance, also einen veränderten Bewusstseinszustand, geht. Ein einfaches OM, mehrfach wiederholt, in sanft schwingendem Ton gesungen würde ausreichen. Und wäre ehrlicher. Denn wenn wir wieder zurück sind aus der Verwirrung, die die Trance hinterlassen hat, merken wir schon, das wir gar keine Antwort bekommen habe. Nur Worthülsen und Floskeln. Buchstabensuppe für die Ohren, schmeckt nicht und bekommt noch weniger.

Meine heimliche Vermutung ist, dass die Gehirne der Politiker das aber gar nicht mehr merken, was sie da erzählen. Die müssen in einer Art Dauertrance sein, verlieren die Bodenhaftung und die Nähe zur Realität, zum Wort-Sinn der Sprache, die sie sprechen. Noch schlimmer ist, sie verlieren die Nähe zu uns. Zum Volk, zur Jugend sowieso. In Trance scheint man sich vielleicht auch ein bisschen zu viel zuzutrauen, mutmaßt, alles zu können, zumindest in der eigenen Vorstellung, die ja nun bekanntermaßen mit der Realität nur wage übereinstimmt.

Ich hätte da eine Idee, wie man diese subjektive Wahrnehmung mit der der eher objektiven Realität, in der Millionen Menschen in Deutschland leben, wieder in Einklang bringen könnte: Jeder Politiker absolviert einmal im Monat ein mehrtägiges Praktikum in einem bürgerlichen Beruf und der dazugehörigen Ausbildung. Selbstverständlich mit den dazugehörigen Bedingungen, dem Bus- oder U-Bahnticket und dem entsprechenden Gehalt, nix gepanzerte Limousine oder so. Eine Art “Real Life Challenge für Politiker”, angelegt als Bürger-nahe Fort- und Weiterbildung. Dann können wir mal sehen, ob sie in der Praxis, etwa in der Pflege von alten Menschen, in der Bäckerei, bei der Müllabfuhr, am Band in der Autoindustrie, auf dem Schlachthof, bei der Polizei und der Justiz, am Band in einer Fabrik, im Kindergarten, als Handwerker, als Grundschullehrer, Lehrer an Grund- und weiterführenden Schulen, Ingenieur, Manager, Arzt in Praxis oder Klinik, Gärtner, Frisör, Architekt, Fischer, Landwirt, Tierarzt und so weiter und so fort auch einfach so einsetzbar sind. Man könnte ja bei den kleinen Aufgaben anfangen, um niemanden zu gefährden.
Im Gegenzug dürften wir „einfachen Leute“ Politiker beraten, auch ein paar Tage im Monat. So, wie viele ihre Familie, ihren Haushalt und ihr Leben führen klappt das doch ganz gut im Kleinen. Vielleicht können die „da oben“ für ihren größeren Haushalt was von uns lernen. Dazu sollten sie aber (wieder) erfahren, WIE das Leben hier unten, mit beiden Füßen in der realen Welt sich überhaupt so anfühlt. So, wie die jetzt agieren, gibt das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit derbe Probleme oder könntet ihr euch vorstellen, wie -sagen wir mal- Ursula von der Leyen, weil ich sie oben schon erwähnt habe- mit einem Schutzhelm auf dem Schädel auf dem Bau steht und dem Vorarbeiter einen Vortrag darüber hält, wie man eine Mauer mauert ohne davon auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben???? Also ich höre vor meinem inneren Ohr schon die Antwort.
Sehr laut. Sehr deutlich und alles andere als einlullende Trancesprache. Klar. Auf den Punkt. Real. Ehrlich. Irgendwie für jeden Normalo verständlich. LABER NICHT. MACH JETZT. Fertig mit der Ansage. Nicht reden. Tun. Jetzt und sofort. Funktioniert übrigens ziemlich gut in jedem Alltag, in dem wir alle ständig TUN müssen – und das würde auch klappen beim schnellstmöglichen Verbot von Plastik, dem Abschaffen der Massentierhaltung, einem Pestizidverbot, beim Stärken der Bildung, dem besseren Schutz von Kindern oder der sofortigen Aufforstung von Freiflächen mit Bäumen und und und. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg – und der darf weiter führen als nur bis zum nächsten Posten bei der nächsten Wahl. Wenn jeder macht, wovon er wirklich was versteht, können wir viel bewegen. Sofort.

Gut, dass wir mal drüber gesprochen haben, sagt der Psychologe gerne.

Schöne Woche noch!

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