Endlich! Der Juni ist da, der erste jener lang ersehnten Sommermonate. Juni, das bedeutet üppige Rosenblüte, leuchtend bunte Pracht im Blumenbeet und Gemüse satt aus dem eigenen Garten. Eigentlich, denn trotz drohender Ankündigungen, dieser Sommer werde der zweite verheerende Hitzesommer nach jenem aus dem Vorjahr, es könne noch schlimmer werden und so weiter und so fort, war es bisher kalt und nass. Amtlich gesehen war der Mai 2019 sogar der drittkälteste Mai seit 30 Jahren in der Region Aachen. Steht gerade heute in der Zeitung. Dä! Meine Blumen sind entsprechend beleidigt, blühen „Size-zero-dürre“ und auch nicht so bunt wie sonst. Wenn ich an ihnen vorüber schlendere, habe ich das Gefühl, sie drehen die Köpfe zur Seite. Ich kann doch auch nichts dafür!!! Gärtnerin zu sein ist immer wieder ein Trainingslager für die eigene Frustrationstoleranz. Aber nicht nur die schmallippigen Blumenblüten sind schwer zu ertragen, nein, besonders hart hat mich in diesem Frühjahr ein ganz anderer Rückschlag getroffen. Liebevoll hatte ich nämlich kleine Tomatenpflänzchen vorgezogen, sie gehegt und gepäppelt und kaum das sie ein paar Zentimeter gewachsen waren, in größere Töpfe gesetzt, die auf dem Boden im Gewächshaus standen. Tags drauf schlich ich schon morgens früh hinein um zu sehen, ob es allen gut geht. Noch immer spüre ich den Schock, der mir bei diesem Anblick direkt und ohne Umwege in die Glieder gefahren ist. Als ich mein kleines Gewächshaus betrat und auf die Töpfe blickte, war na nämlich:

Nix. Da war nix. Rein gar nix. Nur noch Erde.  

Ich bin vorsichtshalber nochmal rausgegangen aus dem Gewächshaus und dann wieder rein. Die Lage blieb unverändert. Ernst. Alle Setzlinge weg. ALLE.

Leise meinte ich, die üppige Mäusepopulation kichern zu hören, die sich rings um unser Haus vermehrt hat, was mir durch das emsigen Schnüffeln der Hunde schon aufgefallen war und in der Dämmerung hatte ich die ein oder andere sogar flitzen sehen. Niedlich, diese Tierchen, hatte ich immer gedacht. Aber da klang Häme aus den Ritzen! Was für ein Glück, dass ich gegen Chemieeinsatz im Garten bin und Mäuse mag. EIGENTLICH. Aber das geht doch zu weit! Ich kann sie ja verstehen, Bio-Setzlinge sind sicher super lecker, Finger Food für flinke Mäusepfötchen. Aber EINEN hätten sie mir doch wenigstens übrig lassen können, oder?

Wenigstens habe ich noch die andere Sorte Tomaten, die ein bisschen zu spät dran war und deswegen noch nicht umgetopft wurde und nun milde vom metallenen Gewächshaustisch lächelt, der offenbar so etwas wie die Eiger-Nordwand für Mäuse ist. Unbezwingbar. Tja, es ist wohl so – nicht immer bestraft einen das Leben, wenn man zu spät dran ist …. Manchmal rettet es offenbar das eigene Dasein, zumindest im Land der Nachtschattengewächse.

Na dann; schönen Sommer noch. Vielleicht ist der auch bloß spät dran und lebt dann lange bis in den Herbst hinein …. Schön wär es ja schon!