Hallo Tag,

heute bist du ein Regentropfentag gewesen, voller dichter Wolken, die einen Tropfenschleier über die Welt gelegt haben. Zumindest hier bei uns, in Bayern bist du ein Schneetag gewesen. Jeder Tag ist überall einzigartig und bietet uns eine Art leeren Rahmen, den wir mit unserem Erleben füllen können.

Nicht immer können wir ohne äußere Zwänge selbst bestimmt handeln, sicher aber haben wir oft viel mehr Einfluss darauf, wie unser Tag gelingt, als wir meinen – und sei es „nur“ in unseren Gedanken. Der berühmte Satz in dem gleichnamigen Lied „die Gedanken sind frei“ hat mich schon immer fasziniert und inspiriert.

Dabei stimmt es ja, gedanklich sind uns kaum Grenzen gesetzt, wir können mit Hilfe der Fantasie beinahe alles tun und erleben, was wir wollen. Wir können ferne Länder bereisen, ja sogar Sterne in fernen Galaxien besuchen, uns vorstellen wir hätten einen ganz anderen Beruf oder wären begnadete Künstler. Solange wir dabei die Bodenhaftung nicht verlieren, ist diese Art von Tagträumerei ja sogar gesund, bietet uns Pausen im vielleicht doch allzu stressigen Alltag.

In der Realität müssen wir uns zwar an den Gegebenheiten orientieren, aber immer sind wir es selber, jede und jeder Einzelne, die oder der den Tag mitgestaltet.

Und aus vielen Tagen basteln wir auf diese Weise unser Leben zusammen, hängen Rahmen neben Rahmen und bestücken so eine innere Lebensgalerie, in der sie ausgestellt sind, die Tage unseres Lebens.

Regentropfentage wie dieser heute bieten sich an, um Ordnung zu schaffen in den alten Ordnern, Schubladen voller Andenken und alten Fotos. Genau das habe ich heute eine Zeit lang getan. Dadurch habe ich den ein oder anderen Blick auf vergangene Lebenstage geworfen. Manches vergisst man ja sehr gnädig, was gut so ist, wir alle entwickeln uns weiter. Trotzdem war ich bei manch anderem erstaunt, dass ich es aufgehoben habe, dass es mir -damals jedenfalls- wichtig gewesen sein muss.

Die alten Fotos haben einige längst vergangene Erlebnisse und Lebensphasen wach gerufen und dadurch ist mir bewusst geworden, dass ich oft ganz schön habe „strampeln“ müssen, um durch mein Leben zu kommen, dass es stellenweise hart war, sich dann aber auch wieder leicht wie ein schmetterlingsleichter Sommertag angefühlt hat.

Die Tage, aus denen ich in den zurückliegenden Jahren mein buntes Leben gebastelt haben, waren so vielfältig wie das Leben nun einmal ist; von herrlich heiter bis düster wolkig war alles dabei, auch die Stürme, die Gewitter und die schmeichelnden, liebevollen Erlebnisse. Heute bin ich einfach nur dankbar für alles, was sich gut gefügt hat – wohl auch, weil es nicht immer einfach war.

Ja, ich kann sagen, ich mag die Regentropfentage genauso wie die Sonnenstrahlentage. Jeder Tag hat seine Schönheit und bringt uns ein bisschen eigene Magie mit, wir müssen uns nur darauf einlassen und das Beste daraus machen.

Wie heißt es doch so schön?

„Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens, genieße ihn!“

Mach ich sofort, eben noch die Kerzen anzünden, ein schönes Glas Rotwein holen und dann ab aufs Sofa, den Krimi zu Ende lesen.

Schön, solche Regentropfentage!