Dieser Satz ist eine Worthülse mit einer Botschaft, die nach simplem Glück-Haben riecht, manchmal auch ein bisschen böse auf Faulheit anspielen könnte oder auf ein gnädiges Schicksal hindeutet, auf jeden Fall aber den Schluss zulässt, der Angesprochene sei ein beneidenswerter Zeitgenosse, der zu seinem guten Zustand einfach nix-dazu-getan-haben kann.

Solche Sätze klingen dann in etwa so:

Du hast gut reden, du bist ja schlank!

Du hast gut reden, du bist ja auch sportlich!

Du hast gut reden, du bist ja glücklich verliebt/verlobt/verheiratet! Wahlweise: Du hasst gut reden, du lebst ja auch alleine!

Du hast gut reden, du hast ja keine Kinder – oder: Du hast gut reden, deine Kinder sind ja überhaupt nicht schwierig!

Du hast gut reden, dein Hund ist ja von sich aus lieb und zerbeißt nichts!

Du hast gut reden, du hast ja auch studiert! Wahlweise: Du hast gut reden, du hast ja gleich eine Ausbildung gemacht und Geld verdient!

Du hast gut reden, du hast ja auch ein Haus! Oder: Du hast gut reden, du hast ja auch kein Haus!

Ich könnte diese Sätze ewig so fortführen, wir alle könnten das in unterschiedlichster Art und Weise, es gibt wohl niemanden, der nicht schon einmal so etwas gehört hat – oder auch gesagt hat!

Warum sagen wir denn eigentlich solche Sätze?

Ist das nur der müde Versuch, Schuld abzugeben und sich vorzumachen, dass man einfach benachteiligt ist und gar nichts dafür kann, dass man dies oder jenes nicht kann oder hat? Möchte man einfach nicht zugeben, dass man eben nicht die Disziplin eines Topmodels hat, wenn es ums eigene Essverhalten und das konsequente körperliche Training geht? Das man vielleicht was falsch gemacht hat in der Lebensführung, der Hunde- oder Kindererziehung, in der Beziehung, dem Beruf oder dem Wie und Wo man lebt?

Ich finde, wir alle sollten zu unseren Vorzügen, Talenten, Fähigkeiten – aber besonders auch zu unseren Fehlern stehen, denn erst die machen uns doch einzigartig und liebenswert.

Authentisch sein zu dürfen statt perfekt sein zu müssen, das wäre doch ein toller Ansatz.

Erst wenn ich mich wirklich annehmen kann wie ich bin, wird der Blick klar für die Dinge, die ich noch tun möchte. Und nicht tun soll – so, wie es uns unsere eigenen, oft unsinnigen inneren Überzeugungen weiß machen wollen.

Sei wie du bist, du bist gut so.

Und ich darf anders sein, was genauso gut ist.

Dann muss ich dich auch nicht „gut reden“. Aber ich darf anfangen, mich gut zu finden, so wie ich bin. Genauso, wie ich bin!

Na rede dich doch gut!

Es ist schließlich ist es dein Leben. Mach was draus.

Was Gutes!